Sonntag, 26. Januar 2020

Gerstensuppe mit Lammbröckli



Minustemperaturen im niedrigen einstelligen Bereich sind nun wahrlich kein Grund für Wehklagen. Ausser man heisst Herr C. und fängt schon bei Temperaturen unter 20 Grad an zu schlottern. Okay, ich geb's ja zu, temperaturtechnisch wird niemand unsere Wohnung jemals mit einem Tropenhaus verwechseln. Eine Grundwärme um 18 Grad reicht völlig aus, damit weder die Topfpflanzen noch das Schweinwoll bibbern müssen. Alles andere ist Energieverschwendung à discretion, wenn ihr mich fragt. Statt in T-Shirt und Shorts verbringe ich meine häusliche Freizeit in einem Sweater, Pyjamahosen aus dickem Flanell und Skisocken. Zusätzlich geheizt werden nur die Räume, in denen wir uns länger aufhalten, sprich Wohnzimmer und Büro. In der Küche wird's durchs Kochen und Backen ausreichend warm, im Badezimmer steht ein kleiner Heizlüfter und lustigerweise bevorzugt auch der Hausherr ein kühles Schlafzimmer. Vorteil: Jedes Jahr erhalten wir eine stattliche Rückzahlung des im Voraus überwiesenen Heizkostenanteils. Nachteil: Herr C. überlegt sich schon länger, ob er nicht anfangen sollte, Kolibris zu züchten. O-Ton des Jammerlappens: Kolibris ertragen keine Temperaturen unter 25 Grad. Das wäre Tierquälerei. So hätten wir zukünftig immer ein mollig warmes Zuhause und eine weitere Einnahmequelle durch den Vertrieb der Eier. Verkauft man die eigentlich im Hunderter- oder Zweihunderterpack? Bis er eine Antwort auf seine Frage - und einen Hersteller für Kolibrieierkartons - gefunden hat, muss er sich leider mit heisser Suppe statt Dschungelfeeling begnügen.


Für 4 Personen:

  • 100 gr Gerstengriess oder geschrotete Rollgerste

Gerste in ein Spitzsieb schütten und unter fliessendem kalten Wasser abspülen, bis das ablaufende Wasser klar bleibt. Bis zur Verwendung im Sieb abtropfen lassen.

  • 1 El Butter
  • 1 mittlere Zwiebel, fein gehackt
  • 1 grosse Karotte, in kleine Würfel geschnitten
  • 2 Selleriestangen, ebenfalls klein gewürfelt
  • zwei Handvoll mittelfein gehackter Weisskohl
  • 1 handbreites Stück weisse Lauchstange, fein geschnitten
  • 100 gr Lamm- oder Mostbröckli am Stück/Abschnitte (io: aus der Metzgerei Heis, Walzenhausen) 
  • 2 Zimt- oder Lorbeerblätter
  • 1,2 Liter Gemüsebouillon 
  • 240 gr gekochte Borlottibohnen, Dosenware bitte gründlich abbrausen
  • 250 ml Milch
  • Salz und schwarzer Pfeffer
  • Schnittlauchröllchen, optional

Butter in einem grossen Topf zerlassen (io: beschichteter Bräter, weil der Griess gerne anpappt). Gemüsestücke bei mittlerer Hitze darin anschwitzen. Unterdessen das Mostbröckli in etwa quadratzentimeter grosse Stücke schneiden. In die Pfanne geben und kurz mitbraten. Hitze hochdrehen, Zimtblätter zugeben, mit der Bouillon ablöschen. Abgetropfter Gerstengriess unterrühren. Zum Kochen bringen, Deckel auflegen und 20 Minuten köcheln, bis das Gemüse weich ist. Herd ausschalten, Bohnen zugeben und dem Griess 30 Minuten zum Ausquellen gönnen. Nach der Ziehzeit den Topfinhalt wieder erwärmen, Milch unterrühren. Falls die Suppe zu dickflüssig ist, mit heissem Wasser bis zur gewünschten Konsistenz verdünnen. Abschmecken und pfeffern. In tiefe Suppenteller schöpfen und, falls vorhanden, mit Schnittlauchröllchen garnieren.

Freitag, 24. Januar 2020

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -214-



An[GE]setzt
Drei Sorten Blaukraut: Je ein Glas mit Fenchel, Apfel und Zwiebel.
 Ausserdem Şalgam Suyu aus Urkarotten, gelben Randen und Kohlrabi 
in einem 5-Liter-Bügelglas.

[GE]gessen
Salat aus Peperoni, Braeburn und Bockshornkleesprossen an Zitronensauce. Njammi.

[GE]trunken: Chai mit Kaffeerahm. Naja...

[GE]kochtChili con carne mit Judasohren und Muskatblüte

[GE]backen: Kartoffelbrioche & Joghurtbrioche mit Haferflocken

[GE]wesen
Mit Schwesterherz im Baumarkt, einen Fleckerlteppich als Küchenvorleger ausgesucht. Seit die Wohnung unter uns leer steht, ist die Küchenbodentemperatur auch an wärmeren Tagen nur mit Moonboots an den Füssen erträglich.

Ver[GE]ssen: Den passenden Anti-Rutsch-Unterleger gleich mitzunehmen. Das Schweinwoll surft deshalb mehrmals täglich auf dem Teppich vom Herd zum Vorratsschrank und retour, während ich, wie der Butler in Dinner for One, ständig über den Hund oder den Teppich stolpere.

 [GE]sehen
  Knives Out  
Russian Doll
Downton Abbey in Filmlänge
The Visit

[GE]lesen
Dumm gelaufen - Cynthia Ceilan
Ethiopia - Yohanis Gebreyesus
Eine Familie in Deutschland, Teil 2 - Peter Prange
Fermented Vegetables - Kirsten Shockey
Unorthodox - Deborah Feldmann

[GE]freut: Am Wettsteinplatz einen weiteren Bücherschrank entdeckt.

[GE]kauft: Andaliman Pfeffer, Piment, Zimtblüten und Kümmel 

[GE]hört:
Not about us - Genesis
Don't lose my number - Phil Collins
Musik nur, wenn sie laut ist - Herbert Grönemeyer

Mittwoch, 22. Januar 2020

Fermentierte Salzzitronen - Ein voller Erfolg!



Anfang 2018 habe ich einen Versuch unternommen, Salzzitronen selber herzustellen. Eigentlich ein unnötiges Experiment, denn in jedem grösseren Supermarché im Elsass sind Salzzitronen fixfertig eingelegt für wenig Geld erhältlich. Aber mich reizte es, die Grenzen der Fermentierungsmöglichkeiten auszutesten. Normalerweise fermentiere ich Gemüse, Früchte und Kräuter mit maximal 2% Salz bezogen auf das Gesamtgewicht, oft auch nur mit der Hälfte oder sogar mit nur einem halben Prozent. Bei einem Salzgehalt von über 5 Prozent wird die Milchsäuregärung schon eingeschränkt, bei über 8 Prozent schon fast ausser Kraft gesetzt. Wie sollte dann eine Fermentierung mit einem Salzgehalt von 10% funktionieren? Genau das wollte ich vor zwei Jahren herausfinden und war leider einige Monate später gezwungen, wegen Schimmelbefall das ganze Glas zu entsorgen. Im Winter 2018, als ich wieder Zugriff auf die guten Zitrusfrüchte aus demeter-Anbau hatte, startete ich eine neue Versuchsreihe. Und siehe da, es klappte! Ob es an der geänderten Vorgehensweise lag oder ob einer der Fermentationsgötter einen guten Tag hatte, blieb damals offen.


Nun, eineinhalb Jahre und acht Gläser Salzzitrusfrüchte später, bin ich sicher, dass die Änderungen schuld am Erfolg sind. Bitte beachten: Bügelgläser sind wesentlich besser geeignet als Gläser mit Drehverschluss, weil sie nicht dauernd geöffnet werden müssen, um Druck abzulassen. Die Zitronen sollten weder behandelt noch gewachst sein. Falls ihr irgendwo Limonettes de Marrakech findet (siehe Foto), unbedingt ein Glas voll mit den aromatischen orangen Früchtchen ansetzen. Ebenfalls geeignet sind Limetten, Mandarinen und Kumquats. Greift einfach zur besten Bioware, die ihr auftreiben könnt. Graues, naturbelassenes Meersalz, verwandelt die Lake in eine unappetitlich trübe Brühe. Das ist zwar nur ein optisches Problem, spielt aber eventuell eine Rolle, wenn ihr einen Teil der Salzzitronen verschenken möchtet. Der Zucker unterstützt den Fermentationsprozess und sollte weder weggelassen noch gegen ein anderes Süsssungsmittel ausgetauscht werden. Ganz wichtig: Zeit. Bis die erste Fermentationsphase beendet ist, d.h. keine Bläschen mehr hochsteigen, vergeht locker ein Monat. Danach sollten die Zitronen mindestens drei Monate im kühlen Keller ruhen. Je länger sie durchziehen dürfen, desto aromatischer werden sie. Profitipp: Die Zitrusfrüchte eignen sich auch für Desserts und Gebäck.


Für ein Einmachglas mit einem Liter Fassungsvermögen:

  • 6 Bio-Zitronen, ca. 600 gr (io: demeter, Primofiore)
  • 1 Stück Cassiarinde, ca. 5 cm lang und 1 cm breit
  • 600 gr Wasser
  • 60 gr unjodiertes Salz ohne Zusätze und Rieselhilfe = 10% der Wassermenge (io: Bio-Meersalz)
  • 30 gr Zucker = 5% der Wassermenge

Das Einmachglas gründlich reinigen, heiss ausspülen und mit kochendem Wasser füllen. Deckel und Gewicht (z.B. ein breiter, flacher Teelichthalter aus Glas) oder Abstandhalter ebenfalls reinigen, abspülen, in eine hitzefeste Schüssel legen und mit kochendem Wasser übergiessen. Die Zitronen unter fliessendem Wasser gut schrubben und abspülen. Auf einem Porzellanteller der Länge nach vierteln, Kerne entfernen. Abgewogenes Wasser mit Salz und Zucker fünf Minuten sprudelnd kochen. Das Wasser aus dem vorgewärmten Glas ausgiessen. Dann zackig das Zimtstück reinlegen, darauf die Zitronenviertel. Vorsichtig mit einem Löffel zusammenquetschen, damit die Viertel möglichst dicht an dicht liegen. Mit der kochenden Lake bis drei Zentimeter unter den Glasrand auffüllen. Gewicht oder Abstandhalter nach Belieben vor dem Einsatz noch mit Wodka einpinseln. Nicht unbedingt nötig, aber ich halte auch niemanden davon ab. Gewicht auf die Zitronen legen. Wie immer gilt: If it's under the brine, everything's fine. Mit dem Deckel verschliessen. In ein Geschirtuch einwickeln und langsam auskühlen lassen. Nach dem Abkühlen das Tuch entfernen und das Glas an einem sonnengeschützten Plätzchen mit etwa 18-25 Grad Zimmertemperatur aufstellen. 


Verlauf: Nach etwa einer Woche sollten sich, wie auf dem Foto erkennbar, erste Bläschen zeigen. In den Tagen danach vermehren sich die Bläschen explosionsartig und feiern eine wilde Orgie. Etwa zwei Wochen nach dem Ansetzen sind die Bläschen vom Feiern so erschöpft, dass sie sich kaum noch bewegen. Eine oder zwei Wochen später, wenn im Glas alles schön ruhig ist, kann das Gewicht/der Abstandhalter entfernt werden. Die Zitronenviertel bleiben nun auch ohne Beschwerung unter der Lake. Mit einer ca. 1,5 cm dicken Schicht Raps- oder Olivenöl begiessen, damit weiterhin ein luftdichter Abschluss gewährleistet ist. Nun die Zitronen mindestens drei Monate ruhen lassen. Manchmal schmeisst der Glasinhalt nochmals eine Party, zu der alle Bläschen eingeladen sind. Keine Angst, die verziehen sich bald und eine Woche später kehrt wieder Ruhe ein. Nach der Ziehzeit können die Viertel in kleinere Gläser umgeschichtet und verschenkt werden. Immer darauf achten, dass die Salzzitronen mit Lake bedeckt sind und ggf. die Ölschicht ergänzen. Wenn sauber gearbeitet wurde, halten sich die Zitronen mindestens ein Jahr. Geöffnete Gläser im Kühlschrank aufbewahren.

Dienstag, 14. Januar 2020

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -213-



[GE]trunken
Eine heisse Caotina auf 2041 Metern über Meer. 
Eigentlich war sie eher warm als heiss und zwei Minuten später wieder so kalt, 
wie sie ursprünglich aus dem Tetrapack kam.
Was soll's, herrliche Ruhe und die grandiose Aussicht machten's wett.

[GE]wesen
Mit Schwesterherz auf dem Rochers-de-Naye (Schnee und Sonne getankt), in Montreux (Freddies Hintern getätschelt), mit dem MOB Golden Pass Belle Epoque nach Zweisimmen gereist (Downton Abbey Feeling) und von dort aus zur Lieblingsnichte nach Bern, wo wir zum Znacht erwartet wurden (Scharfe Linsen mit Poulet und Reis).

[GE]lacht: Wir zwei Hühner tingeln problemlos quer durch die halbe Schweiz und verlaufen uns dann, sogar zweimal hintereinander, im Bahnhof Bern. 

[GE]gessen: Orecchiette mit Sauce Bolognese

[GE]kocht: Erdbeer-Hagebutten-Rooibos-Tee
Anleitung: 1,2 Liter Wasser, eine Handvoll getrocknete Erdbeerviertel, eine kleine Handvoll Hagebutten, ein Sternanis und vier Gewürznelken fünf Minuten köcheln. Herdplatte ausschalten, 2 Tl Rooibostee unterrühren. Deckel auflegen und 10 Minuten ziehen lassen. Absieben. Mit einem einen Schuss Berghimbeersirup süssen.

[GE]backen: Eine Lauch-Käse-Quiche mit Estragonsenf

 [GE]sehen Un profil pour deux & Zu Tisch: Westalpen

[GE]lesen
Eine Familie in Deutschland, Teil 1 - Peter Prange
Heimat im Kochtopf: Rezepte von Flüchtlingen aus aller Welt - S. Vitali 

[GE]ärgert: Beim Abtrocknen ist mir mein einziger KPM-Eierbecher
aus der Hand geflutscht und am Boden zerschellt. Zut alors! Doppelt. Dreifach.

[GE]freutEinen Tag später den ersten Flohmarkt des neuen Jahres besucht und den coolsten Toaster  der Welt erstanden. Bin wieder mit der Welt versöhnt.

[GE]kauft: Ein Gläschen Piment d'Espelette 

[GE]hört: Josephine - Chris Rea

Sonntag, 12. Januar 2020

Curryreis mit Cashews und etwa 240 Variationsmöglichkeiten



Herr C., alles andere als ein Curryfan, liebt dieses Reisgericht. Er duldet aber weder Trockenfrüchte noch andere Gewürze in "seinem" Cashewreis. Ich bin ja ein My experimentierfreudiger und peppe den Reis gerne mit diversen Zusätzen auf, wenn er berufsbedingt auswärts speist. Während die Körner im Sieb abtropfen, bleibt genug Zeit, um eine Gemüsebeilage zuzubereiten, beispielsweise gedämpfter Broccoli mit Galgantsalz und geröstetem Sesamöl. Oder Pfannengemüse mit Sojasauce. Oder Chinakohlsalat. Herr C.s Favorit, by the way.


Für 2 Personen, plus Reste für die Lunchbox:

  • 1 Tasse/250 ml Surti Kolam oder Basmati

Reis in ein Sieb schütten, unter fliessendem kalten Wasser waschen, bis das abfliessende Wasser klar bleibt. Im Sieb etwa 10 Minuten abtropfen lassen, bis die Reiskörner schneeweiss sind.

  • 1 Tl Ghee oder Butter
  • 1 handvoll ungesalzene Cashews

Unterdessen Nüsse in einem Kochtopf bei mittlerer Hitze in dem Ghee hellbraun rösten. 

  • 2 Tassen/500 ml hahnenheisses Wasser
  • 1/2 Tl Currypulver (io: Geröstetes Currypulver, medium)
  • 1/8 Tl Kurkumapulver für eine schöne Farbe, optional
  • Salz
  • 1 El Butter, in Flöckchen

Wasser zu den gerösteten Cashews in den Topf giessen, Hitze hochdrehen. Gewürze einrühren, kräftig salzen. Wenn das Wasser kocht, Reis zugeben. Ohne Deckel etwa 5 Minuten kochen, bis auf der Oberfläche keine Flüssigkeit mehr sichtbar ist. Ein Papierküchentuch über den Topf legen (Stofftücher sind wegen der Verfärbungsgefahr ungeeignet). Deckel drauf pressen und auf der ausgeschalteten Platte 5 Minuten nachquellen lassen. Curryreis mit einer Gabel auflockern, gleichzeitig die Butterflöckchen unterheben. Heiss servieren.

Ein paar Erweiterungsmöglichkeiten, wenn kein mäkeliger Herr C. mitisst: Eine fein gehackte Zwiebel, ein Esslöffel Korinthen, Berberitzen, kleingeschnittene Dörraprikosen, ein Stück Cassiarinde, Zimtblüten, Gewürznelken, ein Eckchen Sternanis, grüner Kardamom, Senfkörner, wenig Ajowan, ein Streifchen Macis, Pistazien, zwei Esslöffel halbierte Linsen, getrocknete Bockshornkleeblätter, mehr Currypulver, Chiliringe, eine geschnetzelte Pouletbrust, Lammfleischwürfel, frischer Koriander als Deko und so weiter und so fort.


Surti Kolam wird im indischen Bundesstaat Gujarat angebaut und ist auch in Mumbai recht beliebt. Ausserhalb dieses Gebietes ist er quasi unbekannt, was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Vor einigen Jahren bei Aggarwal in Basel zum ersten Mal entdeckt, ist er seither mein Allroundreis. Er hat einen milden Eigengeschmack, ist schnell gekocht, zerfällt nicht, pappt nicht zusammen und Reste eignen sich perfekt für Bratreis. Surti Kolam kann problemlos durch andere Reissorten ersetzt werden, bitte Wassermenge und Kochzeit entsprechend den Angaben auf der Packung anpassen.

Samstag, 11. Januar 2020

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -212-



[GE]wesen: Zu Besuch bei Tante Z. in Zürich

Dort [GE]gessen

Randensalat, Rüeblisalat und Treviso mit Peterli,
in reichlich Butter gebratene Felchenfilets mit Gschwellti,
als Dessert gab's Nusstorte und übrige Weihnachtskekse.

[GE]trunken: Martini. Aus'm türkischen Teeglas. Weil Silvester und so.

[GE]kocht: Minestrone mit Kürbiswürfeln

[GE]backen: Einen schnellen Flammenkuchen aus Dinkelblätterteig, 
Crème double de la Gruyère und karamellisierten Zwiebeln.

 [GE]sehen
Ein Herz und eine Seele, Silvesterfolge
Die Akte Caravaggio 
Dame Edna rules the Waves

[GE]lesen: Chur 1947 - Philipp Gurt 

[GE]freut: Einen Ausflug nach Winterthur zur Ausstellung 
Das Wunder im Schnee - Pieter Bruegel der Ältere geplant.

[GE]ärgert
Die Silvesterböllerei war heftiger und länger als in den letzten Jahren. 
Nichts gegen buntes Feuerwerk, aber diese Monsterknaller, bei denen die Fensterscheiben fast zerbersten, die braucht echt kein Mensch!

Im Brockiland [GE]kauft
Einen Sprossengarten, ein zitronengelbes Düpfi und Schlumpf Erwin Mord von Friedrich Glauser

[GE]hört: My town - Glass Tiger feat. Rod Stewart 

[GE]lacht
Auto abgestellt, alles eingepackt, das Schweinwoll rennt voraus.
Herr C. ihm hinterher, ruft mir zu: Hast du das Essen eingepackt?
Ich: Klar doch.
Später stellt sich heraus, dass er das Hundefutter meinte und ich die Tüte mit den Safrannudeln und dem Galgantsalz für Tante Z.
Das arme Tier musste die Zeit mit einer Clementine und Reiscrackern überbrücken.

Dienstag, 7. Januar 2020

Le Fit, c'est chic!



Könnt ihr euch noch an die Aerobic-/Fitnesswelle Ende der 1980er erinnern? In vielen Schweizer Restaurants standen damals - und stehen teilweise noch heute - Fitnessteller neben gutbürgerlichen Gerichten auf der Speisekarte. Diese All-in-one-Hauptgänge bestanden meist aus einen Salat mit Joghurtsauce, einer gebratenen Pouletbrust oder, in der edleren Variante, einem pochierten Fischfilet. Dekoriert wurde alles mit zwei Ananasscheiben und knallroten Kirschen aus der Dose. Gewiefte Restaurantbesitzer boten ihren gesundheitsbewussten Gästen oft als kostenpflichtige Ergänzung zum frugalen Mahl ein Körbchen mit zwei, drei Scheiben Fitbrot an. Diese, wahrscheinlich wegen den Leinsamen und dem Vollkornanteil so genannten Fitnessbrote, waren eine Zeit lang der letzte Schrei. Sogar Frau Mama liess sich von diesem Trend mitreissen und buk damals regelmässig Körnlibrote nach einer Anleitung aus einem Betty Bossi Heftli. Ich bin überzeugt, dass mein Le Fit sich keinesfalls hinter einem Salat oder Dosenobst verstecken muss. Abschliessendes Urteil der Jury des Herrn C.: Gesund? Blödsinn. Schmeckt viel zu gut. Aber tauf es um, der Ohrwurm nervt....

Für ein Le Fit Kastenbrot:

  • 280 gr warmes Wasser
  • 125 gr Triticale- oder Roggenvollkornmehl
  • 25 gr feine Vollkornhaferflocken
  • 10 gr Chia
  • 11 gr Salz

Alle Zutaten in der Rührschüssel der Küchenmaschine vermischen. Abgedeckt zwei Stunden quellen lassen.

  • 400 gr Weizenmehl Typ 550
  • 150 gr gekochte Kartoffeln, fein gerieben (io: Gschwellti vom Vortag, vorwiegend festkochende Sorte)
  • 50 gr fein geriebene rohe Karotte
  • 20 gr Kokoszucker
  • 10 gr Rapsöl
  • 5 gr frische Hefe

Restliche Zutaten zum Quellstück in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Fünfzehn Minuten auf Stufe 1 kneten. Der Teig bleibt leicht klebrig, lässt sich aber auf einer eingeölten Fläche problemlos falten. Nach dem Falten zurück in die Schüssel legen. Mit einer Duschhaube abdecken und etwa 12-14 Stunden bei ca. 10 Grad aufgehen lassen. Am nächsten Tag zwei Stunden zum Akklimatisieren in der warmen Küche gönnen. Ofen auf 250 Grad vorheizen, Gitter auf der untersten Schiene einschieben. Eine 30 cm lange Brotbackform mit Backpapier auskleiden. Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben. Den Teig in vier gleich grosse Stücke zerteilen. Jedes Teigstück zu einer länglichen Zunge ausziehen, aufrollen, Seiten einschlagen und in die vorbereitete Form legen. Leicht bemehlen, mit einer Duschhaube abdecken und ca. 50 Minuten bei Zimmertemperatur aufgehen lassen, bis der Teig etwa fingerbreit über den Rand schaut. Mit einem scharfen Messer schräg etwa 3 cm tief einschneiden. In den Ofen stellen, kräftig schwaden und die Hitze danach auf 220 Grad reduzieren. 10 Minuten anbacken. Dann auf 200 Grad runterdrehen und weitere 35 Minuten backen. Aus der Form nehmen und noch 10 Minuten nachbacken. Gesamtbackzeit: 55 Minuten. 

Donnerstag, 2. Januar 2020

Kulinarischer Jahresrückblick 2019



Na, alle gut gerutscht? Das Schweinwoll und ich waren vorgestern vollauf damit beschäftigt, unsere Wehwehchen zu pflegen. Wir werden halt beide auch nicht jünger. Oder hübscher. Weiser, vielleicht. Aber das könnte ich mir auch nur einbilden... Jedenfalls gab es zum überlauten Marvel-Marathon Nüsslisalat mit Senf-Vinaigrette, Kabeljau im Blätterteig, Orangenfilets mit Grand Marnier und später zum Anstossen eine Flasche Cidre. Wahrscheinlich verdanke ich dem Apfelwein die heisse Affaire mit Ewan McGregor, die abrupt von Herrn C. beendet wurde, als er mich nach seiner Rückkehr mit einem Kuss geweckt und ein fröhliches neues Jahr gewünscht hat. Ob das breite Lächeln ihm oder dem Schauspieler galt, werdet ihr wohl nie erfahren... Dafür beglücke ich euch auch dieses Jahr, und nur leicht verspätet, mit meinem rein kulinarischen Jahresrückblick. Last but not least: Herzlichen Dank für's Mitlesen und Kommentieren. Schön, dass es euch gibt. 

Erstes Mal
Yamsbohne. Spannende Konsistenz, aber roh und gekocht ziemlich fade. Wiederholung gefällig? Nö, danke.
Hühnerherzen. Gebraten. Geschmort. Suppe daraus gekocht. Neuerdings liegt stets ein Päckchen im TK.
Büffel-, Schaf- und Ziegenbutter. Empfehlung: Büffel zu Brot, Ziege für Bratkartoffeln und Schaf für Kuchen.

Neu entdeckt
Triticalevollkornmehl aus Neuenburg. Perfekt für Mischbrote, mit oder ohne Sauerteig, und Gebäck.
Geröstetes Currypulver. Anbraten entfällt und die Wohnung riecht nicht tagelang wie eine indische Imbissbude.
Fixfertiges Tamarindenmus in der Flasche. Praktisch für's Abschmecken von Curries, Suppen und Getränken.

Wiederentdeckt
Cornflakes. Mit viel kalter Milch und einem Löffel Ahornsirup oder Honig. Teeniefrühstück.
Dorschleber. Jahrelang aus den Augen verloren, dank einem französischen Supermarché wiedervereint.
Tequila Sunrise. Sorgt stets für einen Sommer-in-Südfrankreich-mit-Hotel-California-Soundtrack-Flashback.

Festgestellt
Michelada und ich sind seit diesem Sommer ziemlich beste Freunde. *hicks*
Petersilienhonig ist die neue Wacholderlatwerge. Ungewohnt sperrig, aber so fein auf einem gebutterten Weggli.
Ich gebe einem guten Cidre jederzeit den Vorrang vor Champagner, Prosecco und Co. (Auf dich, Ewan!)

Gelernt
Überlagerte Flageoletbohnen und Kichererbsen werden auch im Slow Cooker nie und nimmer mehr weich.
Fischsauce ist nicht gleich Fischsauce. Produkte der Marke Red Boat sind eine echte Offenbarung.
Eier im Ofen (mit)backen. Vorzeitiger Schalenbruch ade.

Vernachlässigt
Fleischwolf. Für Herrn C. angeschafft. Bis heute hat er, trotz Wurstkurst, nix damit fabriziert.
Flocker. Generell weniger Brote mit Flocken gebacken und die bösen Cornflakes tragen auch eine Mitschuld.
Getreidemühle. Je 2,5 Kilo Milo- & Hartweizenvollkornmehl gekauft, damit war der Jahresbedarf fast gedeckt.

Aus dem Speiseplan gestrichen
Handelsübliche Austernsaucen aus Caramel, Sojasauce und unnötigen Zusatzstoffen.
Xylit & Erythrit. Finde beides bäh. Lieber Zucker reduzieren oder gleich weglassen, z.B. in Getränken.
Toblerone. Verdanke der Schokolade ein abgebrochenes Zahnstück. War ein teurer Genuss.

Highlights
Spontane Grillsession auf dem Balkon der Lieblingsnichte während des Gurtenfestivals.
Spontane Grillsession mit Herrn C. und Schwesterherz direkt am Ufer des Lago Maggiore.
Brote und Backwaren aus der Holzofenbäckerei Waldstatt. Ich kann es nicht oft genug wiederholen.

Küchentechnisch Top
Zerkleinerer (Stabmixerzubehör). Frei nach Mariah Carey : ...I caaaaan't liiiihiihihihihihiive without it....
Altes Wähenblech. Hat wesentlich bessere Backeigenschaften als der sündhaft teure Nachfolger.
Lotus Grill. Handlich, einfach zu bedienen, superpraktisch für Balkon- und Ferieneinsätze.

Küchentechnische Flops
Mate-Röhrli. Die Reinigung grenzt an Folter. Hässliche Fingerverletzungen inklusive.
Küchenschwämme sans Rubbelschicht. Ohne kriege ich Töpfe und Pfannen nie richtig blitzeblank.
Weissblechformen. Sind meist recht günstig, aber leider ist die Wärmeleitung suboptimal.

Angeschafft
Ein gebrauchtes Popover-Blech für die Herstellung von neapolitanischen Babà al rum.
Vakuumierer. Für Fleisch direkt ab Bauernhof und für's Verschicken von eigenen Backmischungen.
Le Creuset Pfanne & Grillplatte, secondhand. Wer kann schon gusseisernen Schnäppchen wiederstehen?

Neu im Bücherregal
Heirloom - Sarah Owens. Wie ihre anderen Bücher, eine Fundgrube für experimentierfreudige Sauerteigbäcker.
Erfolgsrezepte aus meiner Küche - Rosa Tschudi. Vergriffenes Meisterwerk.
Brotbackbuch Nummer 4 - Lutz Geissler. War neugierig auf den Theorieteil. Das Urteil steht noch aus.

Geärgert
Naja, wie üblich: Mir gehen sämtliche Blogger/-innen auf den Keks, die sich auf ihre Fahne geschrieben haben, nur mit regionalen, saisonalen und biologischen Zutaten zu kochen, dann aber Rezepte wie Quinoasalat mit Avocado und Açaipulver veröffentlichen. Und übrigens stammen die Avocados von der wunderschönen Superfoodinsel, wo sie zusammen mit anderen Bloggern zwei Wochen auf Fotosafari waren. Die Kennzeichnung als Werbung im Header wurde "vergessen" und erst am Schluss erfährt der Leser, dass alles gesponsert wurde von Örgs-Avocados, der Fluglinie Inselhopper und Takatuka-Tourismus... I love it!

Vorgenommen
Mich E-N-D-L-I-C-H an meine eigene Vorgabe halten und KEIN Gusseisenzeuch mehr anschleppen. Ernsthaft.
Ein paar Backformen und -zubehör aussortieren. Oder wahlweise eine Pâtisserie eröffnen.
Buch zu führen über die haltbaren Sachen im Vorratsschrank. Die Doppel- und Dreifachkäufe lassen grüssen.

Mittwoch, 1. Januar 2020

Cookies T-Masala



Natürlich hat es auch Nachteile, in einer grossen Stadt zu leben: Aggressive Fahrradfahrer, dämliche Hipster, riesige Baustellen, Verkehrslärm.... Aber die Vorteile, besonders solche der kulinarischen Art, tilgen alle kleineren Unannehmlichkeiten. Zumindest wenn man mich fragt, denn die Besorgung des Schwarzen Kardamoms für diese indische Gewürzteemischung hat nur 15 Minuten in Anspruch genommen. I love my Quartier!

Für ein kleines Gläschen T-Masala, ausreichend für etwa 8 Liter Masala Chai:

  • 4 Tl Fenchelsamen
  • 4 schwarzer Kardamomkapseln
  • 1 Tl grüne Kardamomkörner 
  • 1 Sternanis, grob zerbrochen
  • 14 Gewürznelken

Gewürze kurz in einer kleinen Pfanne anrösten, bis sie gut duften. Auf einem Teller abkühlen lassen und danach in der Kaffeemühle fein mahlen.

  • 2 Tl Ingwerpulver
  • 2 Tl Cassiapulver
  • 1 Tl Pimentpulver
  • 1/4 Tl Zimtpulver
  • 1/4 Tl Mohrenpfeffer oder schwarzer Pfeffer, fein gemahlen 
  • 1/4 Tl Galgant, fein gemahlen
  • 1/8 Tl Zimtblätterpulver
  • 1/8 Tl Muskatnuss, frisch gerieben

Alle Gewürze vermischen und in einem gut schliessenden Gläschen aufbewahren. Pro Liter Chai einen gehäuften Teelöffel Masala mitkochen (io: ohne Milch, wenig Schwarztee). Und wie immer gilt: Lieber unzerkleinerte Gewürze kaufen und nach Bedarf selber mahlen. Die Anschaffung einer Cloer 7580 mit abnehmbarem Mixbehälter lohnt sich wegen der einfachen Handhabung und Reinigung auch für Teetrinker.