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Sonntag, 10. Dezember 2023

Gemüselastiger Pouletsalat mit Sesamdressing


Es gibt Lebenszeichen von sich! Huurrrrraaaaa! 

Keine Sorge, es geht mir gut. Auch Herr C. und das Schweinwoll sind fit und zufrieden. Für ihr Alter, meine ich. Meine Schlafstörungen tauchen immer mal wieder auf - gekommen um zu bleiben, sozusagen - aber momentan sind sie einiges harmloser als auch schon. Und sonst? Der Backofen nölt die ganze Zeit vor sich hin, denn er wird nur noch für Gemüse und Gratins angeworfen. Seit Anfang 2023 versorgt uns eine Freundin, die in einer Bäckerei arbeitet, beinahe täglich mit Brot und diversen anderen Backwaren, die sonst im Müll landen würden. Dadurch reduzierten sich das Backen, die Kocherei und das Bloggen entsprechend. Aber jetzt, im Winter, zieht es mich wieder öfters an den Herd. Unsere Lieblingsgerichte wie Wintergemüsecurry mit Tofu, Kürbisrisotto, Linsensuppe mit Marroni, Kartoffelcurry und Kohlrabigemüse wechseln sich ab mit jahreszeitlich passenden Salaten, zum Beispiel aus Chicorée oder wechselnden Kohlsorten. Doch zwischendurch packt mich das Fernweh und es gelüstet mich nach Dingen, die weder regional noch saisonal sind. Dieser Hühnchensalat ist ein guter Kompromiss, wenn der Magen knurrt, das schlechte Gewissen mahnt und ich mir trotzdem etwas Spezielles gönnen möchte. Wenn der Salat mit Hühnerbrust, Peperoni und Kohl aus einer TGTG-Tüte zubereitet, und mit einem geretteten Brötchen kredenzt wird, schweigt sogar der familieneigene Superöko.

Für etwa 450 ml Sesamdressing :

  • 170 gr Rapsöl (io: 140 gr Erdnussöl & 30 gr geröstetes Erdnussöl)
  • 80 gr geröstetes Sesamöl 
  • 110 gr Reisessig (io: 118 gr Narcissus Reisessig)
  • 3 El Ketjap Manis (io: 30 gr Ketjap Manis & 15 gr Kikkoman Bio Sojasauce)
  • 2 El Tahini (io: 50 gr koscheres Tahin)
  • 1-2 El Zitronen- oder Limettensaft (io: etwas mehr als 2 El Limettensaft plus Fruchtfleisch)
  • 1/2 Tl zermuster Ingwer (io: 1 El fein geriebener junger Ingwer aus dem TK)
  • frisch gemahlener Pfeffer (io: bunter Pfeffer in der Mühle, fünf Umdrehungen)
  • Salz (io: 1/4 Tl Kräutersalz)

Alles ausser Salz zusammen in den Mixbecher geben und 2-3 Minuten auf höchster Stufe verquirlen. Kosten, und falls nötig, mit Salz abschmecken. In eine Flasche abfüllen. Mindestens 2 Stunden bei Zimmertemperatur ruhen lassen, damit sich die Aromen verbinden können. Salat mit beliebiger Menge Sauce vermischen, Rest in den Kühlschrank stellen. Das Sesamdressing hält sich dort locker einen Monat. Das Dressingrezept stammt von hier, Abwandlungen in Klammern. Tahin durch Erdnussmus zu ersetzen wäre übrigens auch eine gute Idee.

Salat:
  • 2 pochierte Hühnerbrüste, zimmerwarm und dünn aufgeschnitten*
  • 1 grosse rote Spitzpaprika, der Länge nach geviertelt und in dünne Streifen zerteilt
  • 1 riesengrosse Karotte, geraffelt - ob grob oder fein, it's up to you
  • zwei grosszügige Handvoll Kohlstreifen (io: Chinakohl)
  • zwei Frühlingszwiebeln oder ein kleines Stück Lauch oder eine grosse Schalotte, fein geschnitten
  • 4 El geröstete Erdnüsse, Cashews oder Pistazien
  • Koriander- oder Petersilienblätter, falls verfügbar

Der Gemüseanteil des Salates kann ganz nach Lust und Laune zusammengestellt werden. Was lümmelt im Kühlschrank/TK herum? Was muss weg? Passende Vorschläge: Rotkohl, Tiefkühlerbsen, Stangensellerie, Edamame, gedämpfter Brokkoli, gekochte Hülsenfrüchte, Äpfel, Dörrobst, Orangenfilets, übrige Reisnudeln.

* Io: Zwei mit Knoblauch und Kurkuma marinierte Pouletbrüste aus einer TGTG-Tüte, Gesamtgewicht etwa 400 Gramm. Zum Pochieren so viel Wasser in einem passenden Topf aufkochen, dass das Fleisch locker darin schwimmen kann. Kräftig salzen. Oder, wenn man die Brühe weiterverwenden möchte, die entsprechende Menge Bouillonpulver einrühren. Wenn das Wasser kocht, die Hühnerbrüste reinlegen. Sofort den Deckel auflegen und sobald das Wasser wieder zu blubbern beginnt, den Herd ausschalten. Topf auf der heissen Platte stehen lassen. Nach etwa 12 Minuten die Kerntemperatur des Fleisches an der dicksten Stelle mit einem Küchenthermometer messen. Ab 75 Grad ist man auf der sicheren Seite. Aus dem Wasser fischen, auf einen Teller legen und abkühlen lassen. Falls das Pochieren am Vortag erledigt wird, Pouletfleisch bis zur Verwendung abgedeckt im Kühlschrank aufbewahren. Anmerkung: Ziehzeit auf 17 Minuten verlängert, Fleisch kam direkt aus dem Kühlschrank. Kerntemperaturmessung: 83,9 Grad. War innen trotzdem zartrosa und butterzart.

Donnerstag, 12. Dezember 2019

Völlig unspektakulär: Hühnerherzenbouillon



Yep, diese Suppe aus Hühnerherzen ist, wie im Titel angekündigt, komplett unspektakulär. Es werden keine ausgefallenen Zutaten benötigt - von den Herzen einmal abgesehen -, keine ausgefallenen Kochtechniken angewendet, keine ausgefallenen Utensilien eingesetzt. Dafür gibt's viel Geschmack für wenig Geld und den Vorteil, dass man nicht stundenlang ein ganzes Suppenhuhn für zwei Personen auskochen muss, um eine feine Hühnersuppe geniessen zu können. P.S. Keine Angst, die Herzen verleihen der Bouillon keine strenge oder an Leber/Innereien erinnernde Note, wie viele Leute glauben. Probiert's aus.


Zutaten für ca. 1,2 Liter:

  • 1 kleine Sellerieknolle
  • 1 grosse Pastinake oder Petersilienwurzel
  • 2 grosse, fette Karotten
  • 1 Lauchstange
  • 1 kleine Fenchelknolle

Gemüse abbrausen und, wenn nötig, gründlich abschrubben. Sellerie, Pastinake und die Karotten schälen, in kleine Würfel schneiden. Der weisse Teil der Lauchstange der Länge nach halbieren und in nicht zu dünne Halbringe zerteilen. Fenchelknolle ebenfalls in mundgerechte Würfel schneiden. Gemüsestücke abgedeckt zur Seite stellen. Die ganzen Rüstabfälle, d.h. Sellerie -, Pastinaken-, Karottenschalen, Abschnitte, der grüne Teil der Lauchstange, Fenchelröhren und -grün, in einer anderen Schüssel sammeln. Es versteht sich von selbst, dass angematschte oder vergammelte Stellen nicht für die Suppe verwendet werden, gell?

  • 1 grosse Zwiebel, ungeschält
  • 300 gr Hühnerherzen, abgebraust (putzen & Fett entfernen entfallen)
  • 6 schwarze Pfefferkörner
  • 4 Lorbeerblätter, angeknickt
  • 3 Gewürznelken
  • 1 haselnussgrosser Knubbel Ingwer, ganz
  • 1 kleinfingergrosses Kurkumarhizom, der Länge nach halbiert

Zwiebel abbrausen, Wurzeln so kurz wie möglich zurückschneiden. Die Zwiebel der Länge nach halbieren, so dass sie am Wurzelansatz noch zusammenhält. Einen grossen Kochtopf auf den Herd stellen. Die Zwiebelhälften mit den Schnittseiten nach unten reinlegen, auf mittlerer Stufe ohne Fett anbräunen. Dieser Vorgang sorgt für ein bisschen Röstgeschmack und eine schöne Grundfarbe. 1,5 Liter hahnenheisses Wasser zugiessen. Hühnerherzen reingeben, aufkochen lassen. Grauen Schaum abschöpfen. Wenn sich kein neuer Schaum mehr bildet, die Rüstabfälle und alle Gewürze in den Topf geben. Salzen. (Ich salze die Brühe allerdings erst später, damit das Schweinwoll die Hühnerherzen uneingeschränkt geniessen kann). Fünf Minuten ohne Deckel kochen. Nochmals Schaum abschöpfen, falls nötig. Hitze reduzieren, Deckel auflegen. Herzen und Gemüsereste mindestens 30 Minuten auskochen. 

  • vorbereitete Gemüsewürfel
  • je ein gehäufter 1/4 Tl Garam Masala, getrocknete Bohnenkraut- und Majoranblättchen
  • ein grosszügiger Schuss trockener Weisswein
  • (Kräuter)Salz

Probieren, und wenn die Flüssigkeit mit Poulet- und Gemüsegeschmack gesättigt ist, alle festen Bestandteile mit einem Sieb herausfischen. Die restlichen Zutaten in den Topf geben und spätestens jetzt die Suppe kräftig salzen. So lange kochen, bis das Gemüse die gewünschte Konsistenz angenommen hat. Abschmecken und heiss servieren. Wer Zeit und Lust hat, kann während dem Auskochen noch Griesswölkchen herstellen. Die passen hervorragend zur Suppe.

P.S. Man kann die Hühnerherzen natürlich auch klein schneiden und wieder in die Suppe geben. Bei uns landen sie immer gehackt im Hundefutter, weil das Schweinwoll komplett verrückt danach ist.

P.P.S. Hühnerherzen sind frisch in grossen Coop-Filialen, und gefroren in fast jeder Migros, für etwa einen Franken pro hundert Gramm erhältlich. Manchmal wird man auch auf dem lokalen Wochenmarkt fündig, beispielsweise in Lörrach. Leider noch nirgends in Bio-Qualität erspäht, bin für Hinweise dankbar.

Dienstag, 24. März 2015

Alles nur geklaut: Paella vom Grill



Ich liebe Paella. Aber nur, wenn ich sie nicht selbst zubereiten muss.


Ist auch nicht nötig, U.s Paella könnte ich sowieso nicht übertreffen. 
Sein Geheimnis? 
Er bereitet sie auf dem Grill zu.


Netterweise hat er mir erlaubt, sein Rezept mit euch zu teilen. Leider ohne grammgenaue Angaben, er bemisst die Menge der Zutaten nach Anzahl der Gäste und Augenmass. Am besten erledigt man das Mise en place (Gemüse putzen und zerkleinern, Safran einweichen etc.) schon zu Hause, damit man sich ohne zeitraubende Ablenkungen auf's Grillen konzentrieren kann. Unabdingbar sind ein geräumiger Kugelgrill mit Deckel, eine passende Paellapfanne (38 cm Durchmesser für 4-6 Personen) und Briketts, die über einen längeren Zeitraum grosse Hitze abgeben. Empfehlen kann ich euch Kokos- oder Olivenkernbriketts, die übrigens auch ökologisch sehr viel sinnvoller sind als gewöhnliche Holzbriketts. Anheizen, und wenn die Briketts weissglühend sind, kann der Spass beginnen. Die Garzeiten sind abhängig von der erzeugten Hitze und dienen nur als ungefähre Richtlinie.

Für 4 Personen:

  • 4 Pouletunterschenkel 
  • grosszügiger Schuss Olivenöl
  • ca. 500 gr frische Fischfilets ohne Haut (pro Person 2-3 grosse Stücke) 
  • 5 grosse Schalotten, geschält und gehackt
  • 4 Knoblauchzehen, geschält und zerdrückt
  • 3 rote Paprikaschoten, geputzt und zerkleinert
  • 500 ml Arroz Bomba
  • 200 ml Weisswein
  • 700-800 ml Fischfond
  • 2 Päckchen Safranfäden, im heissen Fischfond eingeweicht
  • 2 Handvoll Erbsen
  • 8 ungeschälte Riesencrevetten
  • 8 Jakobsmuscheln, ausgelöst
  • 1 grosse Zitrone
  • Salz, Pfeffer

Pouletschenkel leicht salzen und direkt auf dem Grill oder in einer Aluschale kurz von allen Seiten anbräunen. Sie sollten etwa halb durchgegart sein. Vom Grill nehmen, auf einen Teller legen und mit ein paar Tropfen Zitronensaft beträufeln. Paellapfanne auf den Grillrost stellen. Soviel Olivenöl zugiessen, bis der Boden knapp bedeckt ist. Fischstücke auf jeder Seite eine halbe Minuten anbraten, leicht salzen, mit Zitronensaft beträufeln und ebenfalls auf einen Teller legen. Schalottenstücke, Knoblauch und Paprikastreifen in die Pfanne geben und kurz anbraten. Reis zugeben und so lange rührbraten, bis alle Körner vom Öl überzogen sind. Mit Weisswein ablöschen. Einkochen lassen, dann den Fischfond mit Safran zugeben. Die Menge der Flüssigkeit richtet sich nach der verwendeten Reissorte, also lieber mit 700 ml beginnen und bei Bedarf mehr Flüssigkeit zugeben. Pouletschenkel wieder in die Pfanne legen, zudecken und etwa 12 Minuten garen, bis Fleisch und Reis fast perfekt sind. Dann Fisch, Erbsen, Riesencrevetten und Jakobsmuscheln auf dem Reis verteilen, salzen und pfeffern. Weitere 3-4 Minuten zugedeckt garen. Abschmecken, vom Grill nehmen und die ganze Pfanne auf den Tisch stellen, damit sich jeder nach Gusto bedienen kann.

Und ab damit zu Zorra, die bis zum 15. April Rezepte mit Reis für die Fiesta del arroz sucht.


Mittwoch, 17. Dezember 2014

Ganzes Huhn aus dem Slow Cooker mit Cajun Spice Mix



Passend zum Schmuddelwetter sollte es eine Suppe oder einen Eintopf aus dem Slow Cooker geben.
Aber als ich auf dem Markt ein schönes Freilandpoulet erspähte, konnte ich nicht widerstehen. 


Einige amerikanische Blogger empfehlen, das Huhn auf Bällchen aus zusammengeknüllter Alufolie zu garen. Dies soll verhindern, dass das Federvieh im eigenen Saft/Fett schwimmt. Clevere Idee, gell?


Um Längen besser: Die umweltbelastende Alufolie einfach gegen Gemüse austauschen. 
Vorteile: Kein schlechtes Gewissen und dazu noch eine nette Beilage. 


Fertig gegart ist es wirklich keine Schönheit, aber nach ein paar Minuten im Ofen verwandelt es sich in:

(Das Bild stammt noch von Hestons Huhn. Wir hatten solchen Hunger, dass ich völlig vergass, ein neues zu knipsen. Sah aber nach dem Backen gleich appetitlich aus.)
Njammi!
Unbedingt ausprobieren, denn das Huhn war G-Ö-T-T-L-I-C-H! 
Knusprige Haut, innen durchgehend saftig und das Fleisch fiel fast von alleine von den Knochen.


Für den 3,5 Liter Slow Cooker:

  • 4 dicke Karotten
  • 1 kleiner Stangensellerie
  • 1 grosse Zwiebel
  • 1 Freilandhuhn, ca.1,2 Kilo schwer
  • 1 Bio-Zitrone
  • 1 Rosmarinzweig
  • 2 El Cajun Spice Mix (io: eigene Mischung, siehe unten) 
  • 1/4 Tl Salz
  • ein Knubbel Butter

Karotten schälen und die Enden kappen. Eventuell kürzen, damit sie in den Einsatz des Slow Cookers passen. Stangensellerie waschen, putzen, zerteilen und die Stücke um oder zwischen die Karotten legen. Zwiebel schälen, vierteln und neben dem anderen Gemüse platzieren. Das Huhn kurz abspülen und trockentupfen. Die Zitrone der Länge nach halbieren und eine Hälfte über dem Huhn auspressen. Saft mit der Innenseite der Zitronenhälfte oder den Händen gründlich einmassieren. Zweite Hälfte mit dem Rosmarinzweig in das Huhn schieben. Aussen mit der Gewürzmischung und dem Salz einreiben. Huhn auf das Gemüse legen, Deckel drauf und den Slow Cooker auf HIGH stellen. Nach 3 Stunden das erste Mal die Kerntemperatur an der dicksten Stelle des Schenkels messen. Sie sollte 75 Grad oder mehr betragen. Wenn nicht, noch ein wenig länger garen. Nach 3,5 Stunden war es bei mir so weit. Flugs das Huhn samt Gemüse aus dem Slow Cooker in eine flache Form verfrachten und ein nicht zu kleines Stück Butter darauf verteilen. Unter dem auf höchster Stufe vorgeheizten Grill fünf Minuten bräunen. Der ausgetretene Saft kann als Basis für eine Sauce verwendet werden. 


Für ein kleines Glas Cajun Spice Mix à la Cookie:

  • 2,5 Tl mildes Paprikapulver
  • 1,5 Tl Zwiebelpulver
  • 1,5 Tl Knoblauchpulver
  • 1 Tl getrockneter Oregano, fein zerrieben
  • 1 Tl getrockneter Thymian, fein zerrieben
  • 1 Tl feines Meersalz
  • 1/2 Tl schwarzer Pfeffer
  • 1/2 Tl Sumach
  • 1/2 Tl geräuchertes Paprikapulver
  • 1/4 Tl Piment d'Espelette
  • 2 Prisen brauner Zucker

Alle Zutaten mischen, in ein dicht schliessendes Glas geben und nach Bedarf verwenden. Wer es schärfer mag, ersetzt den Piment d'Espelette durch eine beliebige Menge Chilipulver. Geheimtipp: Mit weicher Butter mischen und zu gekochten oder gegrillten Maiskolben servieren. 

Sonntag, 27. Juli 2014

Wieso Hestons Huhn als Salat endete....



*Zapp* Eine Verkaufssendung, bei der sie für den gleichen Preis nicht nur eine Pfanne, sondern gleich drei Pfannen, dazu noch zwei (?) Deckel, sechs Steakmesser und eine falsche Perlenhalskette bekommen. *Zapp* Mike Shiva, angetan mit einer Elvis-Gedächtnis-Brille, legt der ständig anrufenden Ruth (wohl seine Mutti) die Karten und erzählt ihr sinnlosen Quatsch, den sie mit Entzücken aufnimmt. *Zapp* Eine halbnackte, nicht mehr ganz so taufrische Blondine mit einem beängstigenden Silikonbusen herrscht mich an, dass ich anrufen und mich mit ihr vergnügen soll. *Zapp* Es rennt ein Kettensägen schwingender Typ durchs Unterholz und killt im Vorbeigehen gleich mal zwei oder drei Teenies (die genaue Anzahl war nicht zu ermitteln, zu viele Blutfontänen und matschigen Innereien).*Zapp* Und da erscheint plötzlich Heston Blumenthal inmitten des nächtlichen Fernsehwahnsinns und erklärt mir, wie ich das weltbeste Huhn im Ofen zubereiten kann. Klingt verlockend, denn wer kennt das nicht: Beim Anschneiden des Vogels stellt sich heraus, dass die Brust zu trocken ist, die Schenkel dafür noch nicht ganz durch, die Haut labbrig statt knusprig und der ganze Aufwand war für die Katz. Er versprach das genaue Gegenteil, darum zückte ich einen Stift und notierte die wichtigsten Punkte gleich auf einen Zettel. Am nächsten Wochenende besorgte ich dann eine wunderschöne Maispoularde und hielt mich genau an die Anweisungen des Sternekochs.


Und? War es das beste Huhn ever? Ganz eindeutig: Nein. Die Brust war ein wenig zu trocken, die Schenkel zu rosa im Innern, aber die knusprige Haut, die war wirklich sensationell! Am Hühnchen selbst wird's wohl nicht gelegen haben, die Qualität an dem Stand ist durchgehend sehr gut. Lag es an der Grösse? Das könnte sein. Vielleicht war das Federvieh einfach zu klein, aber für zwei Personen kaufe ich keinen drei Kilo schweren Bomber. Oder lag es an der Form und das Ergebnis verbessert sich bei direkter Platzierung auf dem Gitter? Fazit: Eventuell werde ich für eine grössere Runde irgendwann einen zweiten Anlauf nehmen. Habt ihr schon mal ein Huhn nach Hestons Rezept zubereitet und wenn ja, wie fandet ihr es?


Eckdaten:

  • 1 Huhn, ca. 1,1 Kilo schwer (eine ehemals freilaufende Maispoularde vom Markt)
  • 120 gr Salz (pro Liter 60 gr Salz ergibt eine 6%ige Lösung / 1000ml : 100 = 10 x 6 = 60 gr)
  • 2 Liter Wasser 

Salz im Wasser aufgelöst, Poularde in eine 6-Liter Gefriertüte gegeben (schien mir hygienischer und praktischer), mit der Salzlösung bedeckt und 12 Stunden darin ziehen lassen.


Zum Fertigstellen:

  • 125 gr Butter (ca. 40 gr zum Einreiben, Rest für Bräunung)
  • 1 Zitrone
  • 2 grosse Zweige Rosmarin
  • 30 ml trockener Weisswein

Backen: 180 Minuten bei 90 Grad, bis die Kerntemperatur wie verlangt bei 75 Grad lag. Dann 45 Minuten ruhen lassen und zum Schluss mit der Grillfunktion noch 5 Minuten gebräunt.


Die Brust haben wir gleich verspeist, die Schenkel wanderten nochmal 15 Minuten in Alufolie eingepackt in den Ofen und wurden zusammen mit dem restlichen Fleisch am nächsten Tag in einen Kreolischen Chickensalat verwandelt. Der bestand aus den besagten Hühnerresten, Stangensellerie, mürben Äpfeln, Wasserkastanien, Mayo, saurer Sahne, Zitronensaft, geräuchertem Paprikapulver, ein wenig Tabasco und schmeckte sehr gut. Die Idee stammt aus dem Buch "Beeing Dead Is No Excuse - The Official Southern Ladies Guide To Hosting The Perfekt Funeral", aus dem ich auch das Rezept für das Tomatenaspik gemopst habe. Leider kann ich nicht mit genauen Mengenangaben dienen, es flog alles ungewogen in die Schüssel.


Montag, 5. März 2012

Meine Mulligatawny



Vorläufig haben sich das schöne Wetter und die sommerlichen Temperaturen wieder ans andere Ende der Welt verkrümelt. Gar nicht lustig. Aber die Mulligatawny hat meine Gemütslage wieder verbessert. Bekannt geworden ist diese Suppe vor allem durch "Dinner for One". Ursprünglich ein Gericht aus Indien, welches von den Briten adaptiert und entschärft wurde. Es gibt unzählige Rezepte für diese Suppe. Ob mit oder ohne Gemüse/Früchte, mild oder pikant, Reis oder nicht Reis, daran scheiden sich die Geister. Mir schmeckt meine Version sehr gut, die ich aus einigen Rezepten und den vorhandenen Vorräten zusammengebastelt habe. Wenn schon keine Sonne vor dem Fenster, dann zumindest was sonnengelbes in der Suppenschüssel.

Für 4 Personen:

  • 1 Liter Wasser
  • 2 Hühnerbrüste (300 gr)
  • 1 El Reisöl
  • 1 Zwiebel, fein gehackt
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1 Tl Massaman-Currypaste
  • 1 El Currypulver
  • 2 El Mehl
  • 1 kleine Karotte, in Stückchen geschnitten
  • 1 kleine Lauchstange, fein geschnitten
  • 100 ml Sahne 
  • Salz, Pfeffer, Sumach
  • 100 gr gekochter Basmatireis

Wasser aufkochen, salzen, Hühnerbrüste zugeben, zugedeckt bei kleiner Hitze etwa 10 Minuten ziehen lassen. Hühnerbrüste herausnehmen und zugedeckt zur Seite stellen. Die Kochflüssigkeit in ein hitzeresistentes Gefäss giessen.

Reisöl im Topf erhitzen, Zwiebel und Knoblauch darin andünsten. Beide Currys und das Mehl beigeben, kurz mitbraten. Mit der beiseite gestellten Kochflüssigkeit ablöschen, tüchtig rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Lauch- und Karottenstücke zugeben. Aufkochen, dann die Hitze reduzieren und die Suppe 20 Minuten köcheln lassen. Anschliessend mit dem Mixstab pürieren.

Hühnerbrüste in kleine Stückchen schneiden und zusammen mit der Hälfte der Sahne unter die Suppe rühren. Suppe nur noch heiss werden lassen, nicht mehr kochen! Mit Salz und Pfeffer abschmecken. Etwas Reis in die Suppenteller verteilen, mit der heissen Suppe begiessen, mit der restlichen Sahne und etwas Sumach garnieren.


Donnerstag, 23. Februar 2012

Brasilianische Empadinhas mit Huhn



Empadinhas sind einfach praktisch. Sie können ungebacken oder gebacken eingefroren und nach Bedarf aufgebacken bzw. aufgewärmt werden. Ihre Grösse macht sie zu einem idealen Apérogebäck. Sie passen zu Weisswein genau so gut wie zu Caipirinha. Aussen knusprig, innen saftig, Fingerfood deluxe.

Die Pastetchen werden in Brasilien meist mit Käse, Hackfleisch, Huhn, Shrimps oder auch Gemüse gefüllt. Statt Pastetchen zu formen, steche ich lieber Teigkreise aus und stelle dann handliche Halbmonde her. So erspare ich mir ziemlich viel Fummelarbeit. Die Vorbereitung ist etwas (zeit)aufwendig, aber es lohnt sich. 

Das Originalrezept stammt aus "Brésil - La cuisine de ma mère" von Viviane Tronel.

Teig:
  • 250 gr Mehl
  • 2 Eigelb
  • 100 gr Butter, weich
  • 2 El Sonnenblumenöl
  • 100 ml Wasser
  • 1/2 Tl Salz

Alle Zutaten, ausser dem Wasser, in einer Schüssel mit den Fingern zu kleinen Krümeln vermischen (Streuseltechnik). Wasser schluckweise zugeben, bis der Teig gut zusammenhält. In Klarsichtfolie einwickeln und mindestens eine Stunde in den Kühlschrank legen.


Füllung:
  • 200 gr Hühnerbrust
  • 40 gr Butter
  • 1 kleine Zwiebel, gehackt
  • 1 kleine Knoblauchzehe, gehackt
  • 3 El gehackte Tomaten (aus der Dose)
  • 100 gr Palmherzen, in kleine Stückchen geschnitten
  • 1 El frische Petersilie, gehackt
  • 10 grüne Mandel-Oliven, in kleine Stücke geschnitten
  • 1 gehäufter Tl Speisestärke
  • 150 ml Milch
  • Salz, Pfeffer
  • Eigelb oder etwas Sahne zum Bestreichen

Hühnerbrust in etwas Butter bei mittlerer Hitze auf jeder Seite drei bis vier Minuten anbraten. Restliche Butter, Zwiebeln und Knoblauch zum Huhn in die Pfanne geben. Weiterbraten bis die Zwiebelstücke glasig sind. Hühnerbrust aus der Pfanne holen, zuerst in dünne Scheiben, dann in kleine Stücke schneiden. Fleisch, Tomatenstücke, Petersilie, Palmherzen und Oliven zu den Zwiebeln in die Pfanne geben, mit Salz und Pfeffer würzen. Zwei Minute bei hoher Hitze rührbraten. Speisestärke mit der Milch klümpchenfrei verrühren, in die Pfanne giessen, fleissig rühren und so lange köcheln, bis die Sauce eingedickt ist. Abschmecken und dann die Füllung auskühlen lassen.

Unterdessen Teig auf wenig Mehl 2-3 mm dünn ausrollen. Mit einem grossen Glas Kreise (ca. 10 cm Durchmesser) ausstechen. Einen Teigkreis in die Hand nehmen, einen gehäuften Tl Füllung in die Mitte setzen, Teig zusammenklappen und die Ränder gut zusammendrücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech setzen, mit verquirltem Eigelb oder Sahne bestreichen. (Hab ich wieder mal vergessen. Tant pis). Im vorgeheizten Ofen 15-20 Minuten bei 200 Grad backen. Lauwarm oder kalt servieren.

Ergibt etwa 25-30 kleine Empadinhas.

Anmerkung:
Funktioniert übrigens auch mit fertig gekauftem Mürbeteig. Aber bitte darauf achten, dass er nicht gesüsst oder aromatisiert ist. Sonst lieber Blätter- oder Kuchenteig verwenden.