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Sonntag, 19. Mai 2024

Unkrautpolenta


Im Garten wuchert gerade mannigfaltiges Grünzeug, ob gesät oder nicht, ist den Pflänzchen schnurzpiepegal. Für die Unrautpolenta wird verwendet, was saisonbedingt erntereif ist. Zur Zeit Giersch, Schnittlauch, junger Löwenzahn, Waldziest, Rucola, Schnittzichorie, Borretschblätter, Schnittknoblauch, zwei Blätter Minze und/oder Zitronenmelisse. Später im Sommer gesellen sich noch Amaranth, Karottenkraut, Baumspinat, Portulak, Kapuzinerkresse, Radieschenblätter, Schnittmangold und Dill dazu. Je wilder die Mischung, desto besser.

Für die Polenta werden etwa zwei mit Unkraut gefüllte Knistertüten benötigt, damit am Schluss eine Tüte bzw. eine Salatschüssel voll Grünzeug übrig bleibt. Rüsten: Die dicksten (Mittel)Stängel entfernen, die feineren Stängel dürfen dranbleiben. Geputztes Grünzeug ein paar Minuten in kaltem Wasser einweichen, um anhaftende Erde zu entfernen. Anschliessend mit den Händen durchrühren, abbrausen und am besten in einer Salatschleuder trocken schleudern. 

Für 4 Portionen:

  • 650 ml Milch
  • 650 ml Wasser
  • ausreichend Salz oder Brühepulver für einen Liter Flüssigkeit 
  • eine randvolle Salatschüssel Unkraut, gerüstet
  • 4 dünne Lauchzwiebeln oder eine mittlere Zwiebel
  • 225 gr feiner Polentagriess (io: Rheintaler Ribelmais)
  • 40 gr Butter
  • 150 gr Feta (io: Bio Feta aus der Migros)
  • Crème fraîche, optional

Milch, Wasser und Salz/Brühepulver in einem grossen Topf zum Kochen bringen (io: beschichteter Bräter). Unterdessen Unkraut nicht zu fein hacken. Tipp: Wenn grosse Blätter vorhanden sind, eine Portion Kleingrün darin einrollen, die Zigarre in dünne Streifen schneiden und zum Schluss noch quer durchhacken. Lauchzwiebeln in dünne Ringe schneiden, Zwiebel fein hacken. Sobald der Topfinhalt kocht, Grünzeug und Zwiebeln reinkippen und einmal aufkochen. Dann unter ständigem Rühren den Polentagriess einrieseln lassen. Hitze reduzieren und fünf Minuten köcheln. Dabei ständig rühren, rühren, rühren! Nach der Kochzeit den Herd ausschalten und falls die Polenta zu dick scheint, mit einem Schluck Wasser oder Milch verdünnen. Deckel auflegen und den Topf auf der ausgeschalteten Platte fünf Minuten stehen lassen. Feta mit einer Gabel mittelgrob zerkrümeln, nach der Ziehzeit untermischen und ggf. nachsalzen - abhängig vom Salzgehalt des Käses. Sofort mit einem Klacks Crème frâiche servieren, so lange die Kräuter noch schön grün aussehen. Oder - was wir bevorzugen - die Polenta weitere 20 Minuten auf der warmen Platte nachquellen lassen. Farblich ist sie dann etwas dröger, aber besser aufgequollen und immer noch heiss genug. Unterdessen kann man Salat oder andere Beilagen zubereiten, z.B. Tomatensalat mit Käferbohnen und Spiegeleier. 

Sonntag, 10. März 2024

Cuisine du Placard: Blitzschnelle Dinkelpolenta aka Mock Mash

Ein typisches "Hätte ich doch..." Bild. Hätte ich doch einen Krater aus der Dinkelpolenta geformt und den Blackened Seitan mit der Sauce in der Mitte drapiert.... Hätte ich doch eine bunte Schüssel anstatt den langweiligen Suppenteller genommen.... Hätte ich doch die quitschgrünen Kefen als Farbtupfer dazugelegt.... Hätte ich doch lieber die Reste abgelichtet, dann wäre die fotografierte Portion nicht komplett ausgekühlt.... Hätte, hätte, Fahrradkette. Vergesst das Foto. Wichtig ist nur: Weder mit Muskatnuss noch mit Butter sparen.

Für 2 Personen:

  • 300 gr Milch (io: Emmi Good Day laktosefrei - kaum süss, ideal für salziges Zeuch)
  • 200 gr Wasser
  • Kräutersalz
  • reichlich frisch geriebene Muskatnuss
  • 100 gr Dinkelgriess
  • 25 gr Butter - oder mehr, ganz nach Belieben
  • eine Prise schwarzer Pfeffer (io: eine grosszügige Prise Pestedà)
  • 2- 3 El geriebener Sbrinz oder Parmesan, optional (io: ohne, war nix mehr da)

Milchwasser mit ausreichend Salz aufkochen. Muskatnuss mit dem Griess verrühren. Unter stetem Rühren in die kochende Flüssigkeit einrieseln lassen. Mit dem Schwingbesen etwa 4 Minuten rührkochen, bis der Griess blubbert und eine weiche Kartoffelstockkonsistenz angenommen hat. Herd ausschalten. Butter und Käse, falls verwendet, untermischen. Vom Herd ziehen, Deckel auflegen und dem Dinkelgriessbrei ein bis zwei Minuten zum Nachquellen gönnen. Er sollte nicht zu flüssig und nicht zu fest sein, sonst beim nächsten Mal die Griessmenge um ein paar Gramm erhöhen oder verringern. Heiss auf den Tisch stellen. Kann man problemlos pur löffeln oder z.B. mit TK-Rahmspinat und einem Spiegelei garnieren. Ein Salat vorneweg wäre ideal. Reste schmecken auch zimmerwarm und am nächsten Tag in der Lunchbox. Idee geklaut bei Nigella Lawson.

Mittwoch, 1. April 2020

Gerste-Süsskartoffel-Polenta



Das Teenie-Ich war ein Tütensuppenjunkie. Meine Frau Mama, eine ausgezeichnete Suppenköchin, haderte jahrelang mit ihrem Schicksal und bezweifelte öfters, ob man ihr das richtige Baby bei der Entlassung aus dem Spital mitgegeben hatte. Erst nach meinem Auszug aus dem elterlichen Nest begann die Tütensuppenmanie abzuflachen. Nur in stressigen Zeiten hüpfte manchmal noch eine eingetütete Gerstensuppe in den Einkaufskorb. Später entdeckt ich Gerstenflocken und Gerstengriess für mich, ab diesem Zeitpunkt liess ich das Tütensuppenregal links liegen. Der Griess eignet sich natürlich nicht nur für Suppen sondern auch für Desserts, Brote und Polenta. Im Vergleich zur goldgelben Maispolenta sieht die gräuliche Gerstenpolenta aber reichlich unspektakulär aus. Aus der Überlegung, mit Gewürzen, Gemüse oder Obst ein wenig Farbe ins Spiel zu bringen, entstand dann die feine Gerste-Süsskartoffel-Polenta. Letzte Woche wurde sie von gebackenen Gemüsestücken begleitet, diese Woche von geschmortem Siedfleisch, Rüebli und Dörrzwetschgen. Für nächste Woche ist eine süsse Frühstücksversion mit Zimt und Ahornsirup eingeplant. Notabene weise ich jede Schuld von mir, falls morgen schweizweit Gerstengriess und Süsskartoffeln ausverkauft sind...


Für 4 Personen als Beilage:

  • eine mittlere Süsskartoffel, ca. 250 gr
  • 50 gr Wasser

Die Süsskartoffel schälen, in kleine Stücke schneiden und weich dämpfen. Dämpfsieb aus dem Topf heben, die Süsskartoffelstücke kurz abkühlen lassen. Zusammen mit dem Wasser im Zerkleinerer, oder mit dem Mixstab, zu einem glatten Brei verarbeiten. Notfalls mit einer Gabel fein zermusen.

  • 400 gr Milch
  • 400 gr Wasser
  • Salz oder Gemüsebouillon
  • 150 gr feiner Gerstengriess*

Milch, Wasser und reichlich Salz in einem ausreichend grossen Topf zum Kochen bringen. Gerstengriess mit einem Schwingbesen einrühren. Unter ständigem Rühren etwa 5 Minuten kochen, bis der Topfinhalt sich in einen dicken Brei verwandelt hat. Süsskartoffelpüree zugeben und zwei Minuten mitkochen. Herd ausschalten.

  • 2 El Butter
  • reichlich frisch geriebene Muskatnuss

Polenta mit Butter und Muskatnuss verfeinern, abschmecken. Ein Küchentuch über den Topf legen, Deckel drauf pressen. Auf der ausgeschalteten Platte mindestens 15 Minuten zum Ausquellen gönnen. Heiss servieren.

* Ersatz: Fein geschrotete Gerste. Gerstengraupen, zum Beispiel von Alnatura oder Vanadis, im Bioladen erwerben und gleich vor Ort schroten lassen. Besitzer einer Haushaltsmühle können im Coop ein Säckchen Pro Montagna Bio-Rollgerste besorgen und die benötigte Menge selber zerkleinern.

Dienstag, 17. Dezember 2019

Spinatpolenta aus Rheintaler Ribelmais



Vielleicht verdanke ich den aktuellen Erschöpfungszustand dem föhnigen Wetter, vielleicht aber auch dem alljährlich wiederkehrenden Weihnachtsterror. An jeder Ecke wird man mit bunten Lichterketten, Kunstschnee, Weihnachtssternen, singenden Nikoläusen, blinkenden Rentieren, künstlichen Tannenbäumen, Glühwein, sülzigen Weihnachtsliedern und Plastikengeln en masse zugeballert. Weihnachtsstimmung auf Teufel komm raus, im (Un)Glücksfall schon ab Ende September. Keine Spur von besinnlicher Adventszeit, sondern Hektik pur. Geschenke besorgen, Weihnachtsmenüs planen, Weihnachtsmärkte besuchen, von Weihnachtsessen zu Weihnachtsessen hetzen, Heim und Hof dekorieren, Haustiere und Kinder davon abhalten, die Deko zu mampfen oder zu zerstören... Too much, in jeder Beziehung. Ich probiere schon lange, so gut es geht, dagegenzuhalten. Die Geschenke für liebe Menschen werden möglichst schon Monate vorher besorgt, an der festlichen Speisefolge wird selten etwas grundlegend geändert, überlaufene Weihnachtsmärkte werden zukünftig rigoros aus dem Programm gestrichen, ebenso lieblose Weihnachtsfeten, bei denen es nur darum geht, sich schnurstracks ins Koma zu saufen. Unsere Deko ist minimalistisch, aber konzinn und wir brauchen weder Champagner noch Kaviar, um uns auf die kommenden Festtage einzustimmen. Im Gegenteil. Je einfacher das Essen vorher, desto grösser die Freude auf's Weihnachtsmenü.


Für 4 Personen:

  • 400 gr Wasser
  • 350 gr Vollmilch
  • 400 gr TK-Spinat ohne Zusätze (z.B. von Naturaplan, M-Budget oder zur Not halt 450 gr Rahmspinat)
  • Kräutersalz
  • 150 gr Rheintaler Ribelmais
  • 3 El Crème fraîche
  • reichlich frisch geriebene Muskatnuss
  • Pfeffer & Piment aus der Mühle
  • eine Handvoll fein geriebener Sbrinz, optional

Wasser und Milch mit dem Spinat in einem ausreichend grossen Topf zum Kochen bringen. Kräftig salzen. Den grossen Schwingbesen schnappen und unter ständigem Rühren den Maisgriess in die Flüssigkeit reinrieseln. Sobald der Griess anzudicken beginnt, Hitze reduzieren. Fünf Minuten kochen, dabei u-n-u-n-t-e-r-b-r-o-c-h-e-n rühren. Das ist echt wichtig, denn sonst blubbert sich das Zeug aus dem Topf, hinterlässt auf blossen Armen schmerzhafte Verbrennungen und ausserdem brennt Polenta schneller an, als ihr Archaeopteryx buchstabieren könnt. Wenn der Topfinhalt sich in einen dicken Brei verwandelt hat, Herd ausschalten. Crème fraîche unterrühren, mit Muskatnuss, Pfeffer und Piment würzen. Sbrinz, falls verwendet, zugeben und ggf. nachsalzen. Ein sauberes Küchentuch über den Topf legen, Deckel draufpressen und die Polenta auf der ausgeschalteten Herdplatte mindestens 10 Minuten ausquellen lassen. Unterdessen Salat rüsten, Vinaigrette zusammenrühren und pro Person zwei Eier (tot)braten. Auch fein: Spiegeleier gegen Fischfilets austauschen. En guete mitenand.

Donnerstag, 21. Februar 2019

UrDinkelbutterkuchen



Hätte ich ein Café, würde auf der Infotafel neben dem Eingang stehen: 

Saftiger UrDinkelbutterkuchen - Butterkuchen at its best!
Konsequent regional (Mehl, Griess, Walnüsse) und bio (Milchprodukte, Zucker, Mandeln, Gewürze).
Es het so lang s'het.

Die Leute würden mir die Bude einrennen. Garantiert.


Benötigt wird eine Wähenform mit 30 cm Durchmesser.

Kochstück:
  • 100 gr Milch
  • 20 gr feiner UrDinkel- oder Dinkelgriess (oder Maisgriess, ist evt. einfacher aufzutreiben)
  • 3 gr Salz

Alle Zutaten in einem Topf unter ständigem Rühren aufkochen. Abdecken und vier Stunden quellen lassen.

Teig:
  • Kochstück
  • 320 gr helles Urdinkelmehl oder Dinkelmehl Typ 630 
  • 20 gr dunkles UrDinkelmehl oder Dinkelruchmehl Typ 1050
  • 70 gr Zucker
  • gehäufter 1/4 Tl Zimt
  • 1/8 Tl Vanillepulver
  • 3 gr frische Hefe
  • 180 gr Milch, knapp lauwarm
  • 35 gr Butterflöckchen, kühlschrankkalt                      

Alle Zutaten, bis und mit Milch, in die Schüssel der Küchenmaschine geben. Kneten: Vier Minuten auf Stufe 1, dann die Butterflöckchen zugeben. Nochmal 4 Minuten auf Stufe 2 kneten, bis sich der Teig von der Schüssel gelöst hat. Er bleibt minimal klebrig. Auf einer eingeölten Fläche falten. Zurück in die Schüssel legen, abdecken und bei Zimmertemperatur 4-5 Stunden zum Verdoppeln gönnen. Backpapier in Formgrösse zuschneiden. Teig auf das Backpapier legen, mit nassen Händen sanft auf die Grösse der Unterlage ausziehen. Teig samt Backpapier in die Form legen, ggf. nachformen. Abdecken und 40 Minuten bei Zimmertemperatur entspannen lassen. Unterdessen den Ofen auf 220 Grad vorheizen und das Gitter auf der untersten Schiene einschieben.

Belag:
  • 70 gr Zucker
  • 65 gr Butter, in etwa 24 Würfel zerteilt
  • 50 gr Mandelblättchen oder 70 gr Walnusshälften, grob zerbrochen

Wenn der Teig schön aufgegangen ist, mit den angefeuchteten Fingerkuppen rundherum viele Vertiefungen reindrücken, ohne den Boden zu durchlöchern. Mit dem Zucker bestreuen. Butterflöckchen in die Vertiefungen drücken. Dabei rundherum einen etwa fingerbreiten Teigrand frei lassen, dies verhindert das Überblubbern und Anbrennen der beim Backen flüssigen Butter-Zucker-Mischung. Form und Ofenboden werden es euch danken. Mandelblättchen darüber verteilen oder die Walnusstücke rundherum im Teig versenken. Kuchen in den Ofen stellen, Temperatur gleich auf 200 Grad reduzieren und 10 Minuten anbacken. Temperatur auf 180 Grad senken und weitere 15-20 Minuten backen, bis der Butterkuchen aufgegangen und die Oberfläche durchgehend gebräunt ist. Aus dem Ofen holen und 15 Minuten in der Form abkühlen lassen. Auf ein Kuchengitter heben, Backpapier vorsichtig abziehen. Vor dem Servieren vollständig auskühlen lassen.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Ful aus Kichererbsen und Favabohnen mit Polenta nera



Ful ist ein einfaches, in ganz Nordafrika beliebtes Bohnengericht. In Ägypten wird es sogar gerne zum Frühstück gegessen, weil es billig und sehr nahrhaft ist. Meist werden getrocknete Favabohnen am Abend vorher in reichlich Wasser eingeweicht und am nächsten Tag ohne weitere Zutaten gar gekocht. Nachgewürzt wird dann mit Kreuzkümmel, Knoblauch, rohen Zwiebeln und reichlich Olivenöl, dazu gibt es oft hartgekochte Eier und immer Fladenbrot als Beilage. Marokkanisches Ful wird noch mit Tomaten und Kräutern verfeinert, was mir persönlich besser gefällt als die eher minimalistische ägyptische Variante. 

Als Ergänzung serviere ich gerne Polenta nera, eine fast vergessene Tessiner Spezialität. Der Name bedeutet übersetzt "schwarzer Brei" und beschreibt ziemlich treffend die dunkelgrau-gesprenkelte Farbe der gekochten Polenta. Früher wurde nur Buchweizen verwendet, heute wird eine Mischung aus Mais- und Buchweizengriess bevorzugt. Je höher der Anteil an Buchweizen, desto kräftiger und dunkler wird die Polenta. Zwei aussergewöhnliche Gerichte, die aber wunderbar zusammen harmonieren. Und auf den letzten Drücker ab damit zur Herzensköchin, die ihren ersten Bloggeburtstag mit einem Event feiert, für den sie Gerichte mit Kicherbsen, Polenta, Couscous, Bulgur und Hirse sucht.


Für vier Personen:

  • 1 Dose gekochte Kichererbsen (265 gr Abtropfgewicht)
  • 1 Dose kleine Favabohnen (265 gr Abtropfgewicht)
  • 1 grosse Zwiebel
  • 2 El Olivenöl
  • 1 El Tomatenmark
  • 250 ml Tomatensaft oder Wasser
  • Salz
  • je 1/4 Tl getrockneter Thymian, Bohnenkraut, Oregano, Majoran und Dill
  • 2 Prisen frisch gemörserter Kreuzkümmel
  • Pfeffer

Kicherbsen und Bohnen in ein Sieb leeren, gründlich abspülen und einige Minuten abtropfen lassen. Unterdessen die Zwiebel schälen und fein hacken. In einer Pfanne das Olivenöl erwärmen und die Zwiebelstücke darin bei mittlerer Hitze langsam anschwitzen. Die abgetropften Hülsenfrüchte zugeben, Tomatenmark unterrühren und wenn alles gut vermischt ist, Wasser oder Tomatensaft zugeben. Salzen, Deckel auflegen, Hitze hochdrehen und so lange kochen, bis die Sauce ziemlich dickflüssig ist (ca. 10 Minuten). Hitze zurückdrehen, den Deckel abnehmen, mit Kräutern, Kreuzkümmel und Pfeffer würzen und weitere fünf Minuten köcheln lassen, bis die Sauce fast eingekocht und sehr aromatisch ist. Zur Seite stellen und ein paar Minuten durchziehen lassen.

Unterdessen die Polenta zubereiten. Am einfachsten geht es mit fertig gemischter Polenta nera, die allerdings selten ausserhalb des Tessins erhältlich ist. Einfacher dürfte die italienische Version namens Polenta Taragna zu finden sein, hier in der Region wird sie zum Beispiel in der Manor verkauft. Sonst nimmt man 250 Gramm nicht zu feinen weissen oder gelben Polentagriess und mischt ihn mit 50 Gramm (evt. leicht geröstetem) Buchweizenmehl. Der Anteil kann natürlich auch wesentlich höher geschraubt werden, das ist reine Geschmacksache. Die auf der Packung angegebene Flüssigkeitsmenge um etwa 10 Prozent erhöhen und kräftig würzen nicht vergessen. Ich gebe hier bewusst keine genaueren Mengen an, da sich Flüssigkeitsbedarf und Kochzeit von Sorte zu Sorte erheblich unterscheiden können.

Für eine vegane Version wird die Polenta mit nur mit Wasser und Salz/Gemüsebrühe gekocht und mit frisch geriebener Muskatnuss abgeschmeckt. Mir gefällt sie allerdings mit einem Milch-Wasser-Gemisch wesentlich besser. Und wenn sich im Kühlschrank noch ein Stückchen Hartkäse zum Reiben (z.B. Sbrinz oder Pecorino) und eventuell noch ein, zwei Esslöffel voll Butter finden lassen, immer rein damit. Die Polenta kann nach der angegeben Kochzeit gleich serviert werden oder man löffelt die Masse in eine hitzebeständige Form, deckt die Oberfläche mit Klarsichtfolie ab (verhindert das Austrocknen) und lässt sie auskühlen. An diesem Punkt kann man sie auch für maximal drei Tage in den Kühlschrank stellen. Zum Braten in fingerdicke Scheiben schneiden, in Öl oder Butter auf beiden Seiten bräunen und heiss mit Ful servieren. Dazu noch ein grüner Salat und das Sommeressen für kühlere Tage ist perfekt abgerundet.

Donnerstag, 8. Mai 2014

Pilzragout mit Cookies Lieblingspolenta



Herr C. kam gestern Abend vom Spaziergang mit dem Wollschwein nach Hause, warf sich bibbernd auf's Sofa und meckerte über die "Arscheskälte" draussen. Sooo kalt finde ich es gar nicht, aber er war sicher im letzten Leben Kameltreiber in der Sahara und ist daher ein kleines bisschen empfindlicher als ich. Zum Aufwärmen gab es, frei nach Tom Franz, ein Pilzragout und unsere Lieblingspolenta mit Gemüse und Käse. 


Für 4 Personen:

  • 10 gr getrocknete Steinpilze
  • 4 grosse getrocknete Shiitake
  • 500 gr Champignons
  • 2 mittlere Zwiebeln
  • 4 Knoblauchzehen
  • 2 El Rapsöl
  • 2 El Butter
  • 1 Schuss Weisswein
  • 150 ml Sahne
  • Salz, Pfeffer

Steinpilze und Shiitake getrennt in jeweils 250 ml lauwarmem Wasser eine Stunde einweichen. Ausdrücken, bei den Shiitake die Stiele entfernen, klein hacken und zur Seite stellen. Einweichwasser durch einen Papierfilter giessen und ebenfalls zur Seite stellen. Champignons putzen und vierteln. Zwiebeln schälen und in kleine Stücke schneiden. Knoblauchzehen schälen und halbieren. Öl und Butter bei mittlerer Hitze in einer grossen Pfanne erwärmen. Zwiebelstücke zugeben und fünf Minuten anschwitzen. Knoblauch zugeben und weiter braten, bis die Zwiebelstücke goldgelb sind. Champignons in die Pfanne geben, zwei Minuten mitbraten. Steinpilze und Shiitake zugeben, Hitze hochdrehen und mit einem Schuss Weisswein ablöschen. Flüssigkeit verdampfen lassen und erst dann das gefilterte Einweichwasser und die Sahne zugiessen. Salzen, zwei Minuten brodelnd kochen, dann die Hitze wieder auf mittlere Stufe stellen und ohne Deckel so lange köcheln lassen, bis die Sauce schön eingedickt ist. Abschmecken und mit Polenta servieren.


Für die Lieblingspolenta:

  • 650 ml Wasser
  • 650 ml Milch
  • 260 gr weisser Polentagriess (Mulino Bianco)*
  • 2 gehäufte El getrocknetes Suppengemüse
  • 2 gehäufte El Butter
  • 1 grosszügige Handvoll fein geriebener Sbrinz oder Pecorino
  • (Kräuter)Salz

Wasser und Milch zusammen mit dem Suppengemüse und ausreichend Salz in einem grossen Topf zum Kochen bringen. Topf zur Seite ziehen, Polenta unter ständigem Rühren einrieseln lassen und wieder auf die heisse Platte stellen. Unter ständigem Rühren 3-4 Minuten kochen. Hitze abdrehen, Topf zur Seite ziehen, Butter und Käse unterrühren und abschmecken nicht vergessen. Zwischen Topf und Deckel ein Küchentuch oder Haushaltspapier legen, Deckel gut drauf drücken und 10 Minuten durchziehen lassen. Dank dem Küchentuch tropft das Kondenswasser nicht auf die Polenta und es hält gleichzeitig die Wärme im Topf. Falls die Beilage etwas länger braucht, einfach wieder auf die ausgeschaltete (noch heisse) Platte zurückschieben. So kann die Polenta problemlos eine halbe Stunde warm gehalten werden.

*Kann natürlich auch mit jeder anderen Sorte Polentagriess zubereitet werden. Flüssigkeitsmenge und Kochzeit ggf. nach Packungsaufdruck anpassen.

Anmerkung: Gekauftes Suppengemüse ist meist recht klein, da reicht die kurze Koch- und Ziehzeit. Selbst getrocknetes Gemüse oder Mischungen mit grossen Stücken evt. vorher im Mixer zerkleinern. 


Mittwoch, 14. März 2012

Massamba und Xima aus Moçambique



Unter der Bezeichnung Massamba versteht man in Moçambique einen Eintopf aus Maniokblättern, Erdnüssen und Kokosmilch. Maniokblätter sind in Europa selten frisch erhältlich, als Ersatz empfehlen sich Spinat, Blattkohl, Mangold, Chayoteblätter oder -triebe. Karotten sind zwar nicht ganz das Gleiche, aber das einzige Gemüse, welches sich gerade in meinem Kühlschrank aufhielt.

Zu Massamba wird immer Xima gereicht, ein Brei aus weissem Maismehl. Statt Maismehl verwende ich lieber Maisgriess, sprich Polenta. Zufälligerweise tummelte sich noch ein Päckchen weisse Polenta im Vorratsschrank. Mitgebracht im Dezember aus Bella Italia, aber auch hier in Feinkostgeschäften erhältlich. Weisse Polenta ist leicht süsslich und hat einen sehr dezenten Eigengeschmack. Natürlich kann man auch gelbe Polenta, Kartoffelbrei oder Reis dazu servieren. Wir nehmen's mit der Authentizität heute schliesslich nicht so genau. 


Oft wird dazu noch gegrillter Fisch serviert. Den habe ich heute aber unterschlagen, da ich keine Lust hatte, durch die halbe Stadt zu fahren, um ein bisschen Fisch aufzutreiben. Das Massamba alleine schmeckt schon so gut, dass man auch getrost darauf verzichten kann. Als Getränk empfehle ich ein eiskaltes Bier.


Zutaten für 4 Personen:

  • 80 gr geschälte rohe Erdnüsse
  • 1 El Öl
  • 1 mittlere Zwiebel, sehr fein gehackt
  • 1 El Tomatenmark 
  • etwa 400 ml heisse Gemüsebrühe 
  • 1 kleine Chilischote, fein gehackt oder 1 Tl Harissa
  • 250 ml Kokosmilch
  • Salz und Pfeffer
  • 800 gr Karotten

Karotten schälen und in beliebige Stücke schneiden. In kochendem, gesalzenem Wasser bissfest garen. Wasser abschütten und die gekochten Karotten abgedeckt zur Seite stellen.

Gleichzeitig die Erdnüsse in einer grossen Pfanne mit hohem Rand nicht zu dunkel rösten. Etwas auskühlen lassen und dann im Zerkleinerer sehr fein mahlen. Pfanne mit Küchenpapier auswischen, Öl erhitzen und die Zwiebelstücke darin anbraten. Tomatenmark und gemahlene Erdnüsse zugeben, eine Minute mitbraten. Mit der heissen Gemüsebrühe ablöschen und tüchtig rühren, damit sich keine Klümpchen bilden. Falls die Sauce jetzt schon sehr dick ist, mehr Gemüsebrühe oder Wasser zugeben. Fünf Minuten köcheln lassen. Harissa und Karottenstücke zugeben, zwei bis drei Minuten mitkochen. Kokosmilch einrühren, salzen und pfeffern. Weitere 2-3 Minuten auf dem Herd lassen, damit die Sauce schön heiss wird. Nicht mehr kochen, denn dann könnte sich die Kokosmilch trennen. Massamba heiss mit Xima servieren.


Xima:
  • 250 gr weisser oder gelber Polentagriess
  • 1,2 Liter kaltes Wasser
  • 2 Tl Salz
  • 1-2 El Butter oder Alsan

Polenta nach Packungsaufdruck zubereiten. Eventuell wird dazu weniger Wasser benötigt, als ich oben angegeben habe. Zum Schluss die Butter oder Alsan einrühren und heiss servieren.


Anmerkung:
Ich bevorzuge eine richtig dicke Sauce, die so richtig am Gemüse klebt. Falls eine dünnere Sauce gewünscht wird, am Ende der Kochzeit einfach mehr Brühe oder Wasser zugeben. Und da alles in 30 Minuten zubereitet ist, reiche ich es auf den letzten Drücker als Beitrag zum Speed Cooking Event von kochtopf ein.