Freitag, 7. Oktober 2016

Buchvorstellung: Knollen von Peter Becker



Vor vielen, vielen Jahren sass ich eines Tages am Küchentisch und entspitzte massenhaft Buschbohnen, die meine Mutter später blanchierte und einfror. Natürlich hatte ich mich nicht freiwillig für diese Schinderei gemeldet und haderte daher mit meinem Schicksal als Gemüseputzsklavin. In der Hoffnung, als Ausgleich für mein Leid, die Frau Mama auf die Palme zu bringen, stichelte ich: Warum tut ihr euch den ganzen Mist an? Jäten, umgraben, hacken, glätten, säen, wieder jäten, giessen, Pflanzen betüddeln, noch mehr jäten, täglich giessen, ernten, putzen, einmachen und blecht dafür auch noch ein Heidengeld. Schlaue Menschen kaufen fixfertig gerüstetes TK-Gemüse und sparen sich den Umweg über die Gartenarbeit! Frau Mama blieb cool und konterte: Weil es einfach besser schmeckt. Zu meinem Leidwesen hatte sie völlig Recht, aber das hätte ich niemals nie zugegeben. Heute, über zwanzig Jahre später, möchte ich noch hinzufügen: Ausserdem ermöglicht der Eigenanbau auch den Genuss von Gemüse, Obst, Kräutern, Wildkräutern und Blumen, die man nicht im Laden oder auf dem Markt kaufen kann. Apropos Blumen: Wer hat schon einmal Dahlienknollen gegessen? Oder Taglilienknollen? Mashua? Melloco? Yacon? Oca? Klingt spannend? In diesem Fall empfehle ich euch das Buch Knollen - Vergrabene Küchenschätze aus aller Welt von Peter Becker aus dem Kosmos Verlag.

Erster Eindruck:
Hardcover, mattes Papier, unaufdringliches Layout, eingestreute Seiten mit Warenkunde, durchgehend bebilderte Rezepte.

Inhalt:
Peter Becker ist Koch, Wildkräuterdozent, Gesundheitsberater für Ernährung und beschäftigt sich seit 15 Jahren mit essbaren Knollen als Alternative zur Kartoffel. Sein Augenmerk liegt dabei auf Biodiversität, Erhalt der Kulturlandschaft und fairen Arbeitsbedingungen in den Anbauländern, wie er im Vorwort betont. Im hinteren Teil des Buches werden 18 Knollengewächse vorgestellt und jeder Sortenbeschreibung folgen ausgefallene Rezepte. Ein kleiner Auszug aus den vier Hauptkapiteln:

Aus dem Supermarkt - Trüffelkartoffel, Süsskartoffel, Topinambur, Erdmandel, Dahlienknolle
Veilchen-Cookies mit Trüffelkartoffeln / Süsskartoffel-Käsekuchen / Dahlien-Teff-Schupfnudeln

Exotische Knollen - Taro, Yams, Wasserkastanie, Maniok
Taro-Kokos-Eis / Yams-Waldorfsalat / Maniok mit grüner Sauce

Aus dem Garten - Oca, Yacon, Mashua, Erdbirne
Gebackene Oca / Yacon-Gemüse-Curry / Mashua-Beignets

Für experimentierfreudige Geniesser - Taglilie, Knollenziest, Lotuswurzel, Yambohne, Melloco
Stachys in Basilikumsahne / Pfannengerührte Lotuswurzel / Bunter Yambohnensalat

Lobend erwähnen möchte ich noch die aufs Wesentliche konzentrierten, ganzseitigen Fotos, die Anbautipps für Gärtner und das doppelte Rezeptregister am Ende des Buches. Negativ aufgefallen ist mir eigentlich nur ein Druckfehler: Trüffelkartoffeln unbedingt VOR dem ersten Frost ernten, denn durch Minustemperaturen wird Stärke in Zucker umgewandelt. Und wie immer: Eine Reduzierung der Hefemenge kann Wunder bewirken.

Was meint der Magen:
Topinambur wächst bei uns im Garten wie wild und bildet hübsche Sichtschutzhecken, die im Spätherbst regelmässig ausgedünnt werden müssen, damit sie nicht schnurstracks alles überwuchern. Die Knollen bereite ich meistens wie Kartoffeln zu: Gekocht, im Ofen gebacken, als Suppe oder Salat. Die Idee, sie für Müsliflocken zu verwenden, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich habe die Raspel nach dem Trocknen noch zusätzlich im Blitzhacker zerkleinert und verwende sie nun regelmässig als Zusatz in meinen Instant-Porridge-Mischungen. 


Bei der Zubereitung der Maniok-Bratlingen musste ich spontan auf die verlangten Eicheln verzichten, weil etwa 80% der gesammelten Exemplare verwurmt waren. Stattdessen zermixte ich eine Karotte und ein paar Löffel gekochten Dinkelreis als Ersatz. Die Bratlinge waren nett, aber irgendwie fehlte der Pfiff. Entweder lag es an den fehlenden Eicheln oder ich bin beim Würzen zu vorsichtig vorgegangen. Die Tapioka-Gemüsesülze hingegen fand ich richtig toll. Ich liebe Tapiokaperlen in süssen Suppen und Beerengrütze, obwohl die Optik nicht gerade hinreissend ist. Herr C. frotzelt dann immer: Es gibt wieder Froschlaich als Nachspeise! Juhui! Froscheier für alle! Auch die Sülze hat er mit diesem Spruch gesegnet, allerdings gab es sie nicht zum Dessert, sondern als Vorspeise mit einem gemischten Salat. Ich mochte sie uneingeschränkt und gönnte mir zwei zusätzliche Portionen. Herr C., der alte Miesepeter, fand sie nur "ganz okay" (und verlangte trotzdem einen Nachschlag).

Fazit:
Ich, so ganz persönlich, hätte gerne noch einiges mehr über Anbau, Lagerung und verarbeitete Knollenprodukte, wie beispielsweise fermentiertes Maniokmehl, erfahren. Insbesondere ausführlichere Informationen zum Anbau in Mitteleuropa (Krankheiten, Schädlinge, Dünger, Erntemengen etc.) wären eine hervorragende Ergänzung. Die Rezepte sind meist einfach umzusetzen, auch wenn die umfangreichen Zutatenlisten zuerst eher abschreckend wirken. Ein nettes Geschenk für fortgeschrittene Hobbyköche und/oder erfahrene (Knollen)Gärtner.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Kosmos Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.

Mittwoch, 5. Oktober 2016

Peruanischer Kakaomix



Oscar Wilde sagte einst: Allem kann ich widerstehen, nur der Versuchung nicht. Mit diesem Bonmot auf den Lippen, welches übrigens mein kulinarisches Lebensmotto ist, wühlte ich vor einigen Wochen im Bioladen in der Ramschkiste herum. Die Ausbeute bestand aus zwei Riegeln Kakaobutter, Matcha-Tee, Muskatnüssen, weissem Pfeffer und einer Packung Lucuma. Wegen einer Sortimentsumstellung wurde alles verbilligt angeboten und bei den Schnäppchenpreisen musste ich einfach zuschlagen. Die Kakaobutter ist schon fast aufgebraucht, da sie sich perfekt zum Anbraten von Fleisch eignet. Tee und Gewürze verschwinden nach und nach, nur das Lucumapulver stand immer noch kaum angetastet im Vorratsschrank. Pur, d.h. nur mit Milch oder Fruchtsaft verrührt, schmeckt es mir überhaupt nicht. Auch in Smoothies und Joghurtmixgetränken konnte es mich nicht wirklich überzeugen. Die zwei Kekssorten mit Lucuma waren ganz okay, wobei mir die Schokovariante wesentlich besser gefiel. So entstand die Idee, mit dem Pulver eine Kakaomischung zu kreieren. Nach ein paar Experimenten hat sich dann der Peruanische Kakaomix als Testsieger herauskristallisiert. 


Für ein kleines Gläschen:

  • 30 gr Kakaopulver 
  • 30 gr Lucumapulver
  • 1 El Machica (geröstetes Gerstenmehl) oder Malzkaffee
  • 1,5 Tl Carobpulver
  • 3/4 Tl Kurkumapulver
  • 1/8 Tl Vanillepulver
  • 1/8 Tl Zimt- oder Cassiapulver
  • 1 Prise Salz
  • 20 gr Kokosblütenzucker 

Alle Zutaten vermischen und in ein luftdicht schliessendes Glässchen umfüllen. Die Kakaomischung ist mindestens 3 Monate haltbar und eignet sich daher auch wunderbar als (Last-Minute-)Geschenk. Soll der Peruanische Kakao heiss serviert werden, einfach 250 ml (pflanzliche) Milch in einem Topf erhitzen, 2 Tl Kakaomix einrühren und gründlich verquirlen. In kalten Flüssigkeiten entstehen kleine Klümpchen, die sich mit einem Löffel kaum verrühren lassen. Für ein optimales Ergebnis lieber mit dem Stabmixer durchwirbeln.


Montag, 3. Oktober 2016

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -71-



[GE]gessen
: Gratin aus Kartoffeln, Kohlrabi, Zucchini & Lauch

[GE]trunken: Traubensaft aus den eigenen Americano-Trauben

[GE]kocht: G'schwellti, und am nächsten Tag Rösti aus den Resten

[GE]backenZucchinibrot & Apple Butter Croissants mit Schinken und Käse

[GE]wesen: Auf Brockitour

[GE]sehen: Dallas Buyers Club 

[GE]lesen: Wetterschmöcker - Michael Theurillat
Whole Grain Baking Made Easy - Tabitha Alterman

[GE]freut: Über Geschenke in Form von einem Shopping-Gutschein, Oberteilen und Socken aus Bio-Baumwolle, 5 Säckchen speziellen Tulpenzwiebeln, 2 Packungen Gemüse-Tee, einem Krimi, Mandelsirup, Olivenöl und eingelegtem Meerfenchel

Gusseisernes zum Geburtstag [GE]gönnt
Ein kirschroter Bräter von Cousances 
Eine knallorangefarbene Kasserolle, ebenfalls von Cousances 
 Eine Aebelskiver-Pfanne von Griswold

Auf der Terrasse [GE]nossen
Das beinahe hochsommerliche Wetter am 29. September.
25 Grad, strahlender Sonnenschein und ein glückliches Schweinwoll 

[GE]hörtSneakin' Sally through the Alley - Robert Palmer

Aus[GE]sät und [GE]pflanzt :
Spinat, Grünkohl, Schnittsalat
80 Tulpenzwiebeln und 15 Puschkinienzwiebelchen
Es lebe die Tulpomanie!


Sonntag, 2. Oktober 2016

Altweiberbrot mit violetten Rüebli und gepufftem Teff



Dieses wohlschmeckende, saftige Brot ist meinem Schwesterherz gewidmet.
Nomen est omen.
Hö,hö..


Sauerteig:
  • 20 gr Weizen-ASG
  • 140 gr lauwarmes Wasser   
  • 150 gr Lichtkornroggenmehl Typ 1150
Alles zusammen verrühren und 16 Stunden versäuern lassen.

Quellstück:
  • 50 gr Sonnenblumenkerne
  • 40 gr gepuffte Teffkörner
  • 13 gr Salz
  • 130 gr kaltes Wasser
Alle Zutaten vermischen, abdecken und 16 Std. quellen lassen.

Hauptteig:
  • 150 gr violette Karotten
  • Sauerteig
  • Quellstück
  • 155 gr Ruchmehl 
  • 150 gr Weizenmehl Typ 550
  • 25 gr fein gemahlener Weizen oder fein gemahlene Gerste
  • 90 gr warmes Wasser
  • 20 gr Kokoszucker
  • 10 gr Rapsöl
  • 6 gr frische Hefe

Karotten schälen, putzen, würfeln und in den Zerkleinerer geben. Mit 3-4 Impulsschaltungen fein zerhacken, 110 Gramm abwiegen und zur Seite stellen. Restliche Zutaten in die Schüssel der Küchenmaschine geben und 10-12 Minuten auf Stufe 1 verkneten lassen. Karottenstückchen zugeben und 2-3 Minuten einkneten. Der Teig löst sich von der Schüssel, bleibt aber leicht klebrig. Auf einer gut eingeölten Fläche mit eingeölten Händen falten. Zurück in die Schüssel legen und 30 Minuten ruhen lassen. Eine 30 cm lange Kuchen- oder Brotbackform mit Backpapier auslegen. Das Backpapier sollte etwa 2 cm über dem Formenrand enden (wie bei einem Eissoufflé). Die Arbeitsfläche gut bemehlen und den Teig mit feuchten Händen zu einer ca. 28 cm langen Rolle formen. In die Form legen, mit einer Duschhaube abdecken und etwa 40 Minuten an einem warmen Plätzchen gehen lassen, z.B. im Ofen mit eingeschalteter Lampe, bis der Teig den Formenrand erreicht hat. Ofen auf 250 Grad vorheizen und das Gitter auf der untersten Schiene einschieben. Während der Aufwärmzeit den Teig bei Zimmertemperatur gehen lassen, bis er sich fast verdoppelt hat (ca. 25 Minuten). Einschieben und kräftig schwaden. Backen: Zuerst 15 Minuten bei 250 Grad, dann 30 Minuten bei 200 Grad. Brot aus dem Ofen holen, aus der Form nehmen und noch 10 Minuten nachbacken. Auf einem Gitter auskühlen lassen.