Sonntag, 3. Juli 2016

Rostiges Kochgeschirr aus Gusseisen reinigen & neu einbrennen



Vor ein paar Tagen waren Herr C. und ich zusammen in einer Brockenstube. Nachdem wir den Laden betreten hatten, verschwand er zwischen den Regalen auf der Suche nach irgendwelchem elektrischen Zubehör. Ich hingegen steuerte in Richtung Geschirrabteilung. Zuerst zog es mich zu den Tellern hin, da wir welche für den Schrebergarten besorgen wollten. Nach ein paar Minuten befanden sich im Einkaufskorb acht hübsche Exemplare und weil Herr C., ganz ungewohnt, immer noch nicht in Sicht war, schlenderte ich weiter zu den Küchenaccessoires. Kurze Zeit später hatte ich nicht nur die Speiseteller erworben, sondern gleich auch noch einen schweren, gusseisernen Wok. Herr C. hatte mich unterdessen eingeholt, schüttelte betrübt den Kopf und murmelte: Oh je, noch mehr Altmetall. Normalerweise wäre nun ein schier endloser Monolog über verschwendungssüchtige Frauen an der Reihe gewesen. Dank dem lächerlich niedrigen Kaufpreis von 2 Franken, sparte er sich die Atemverschwendung. Als Ersatzhandlung beäugte er den Wok ausgiebig und erkundigte sich skeptisch: Kriegst du den überhaupt wieder sauber? Was für eine abgrundtief doofe Frage... 


... denn mittlerweile habe ich eine Technik entwickelt, mit der ich jedes noch so verdreckte/rostige Teil aus schwarzem, nicht emaillierten Gusseisen wieder blitzeblank sauber bekomme. Und das weiss er ganz genau. Ich halte ihm schliesslich nach jeder Schrubbelaktion voller Stolz das neuwertige "Alteisen" unter die Nase und verlange grenzenlose Bewunderung für meinen Einsatz. Typischer Fall von männlicher Küchenzubehördemenz.


Ich gehe aber davon aus, dass es Leute gibt, die interessierter sind als Herr C. und gerne erfahren würden, wie sich mein Reinigungs-/Restaurierungsprozess zusammensetzt. Zufälligerweise habe ich kürzlich einen echten Härtefall behandelt und daran gedacht, von den einzelnen Schritten Fotos zu knipsen. 


Es handelte sich um einen uralten Gusseisenbräter, den ich neben einer Alu-Sammelstelle gefunden habe. Wie ihr auf dem Titelfoto sehen könnt, war der erste Eindruck recht gut. Doch bei genauerem Hinsehen fielen mir aussen ein paar Macken und der Flugrost am Boden auf (siehe Fotos 2 & 3). Nicht wirklich schlimm, die starken Schmutzverkrustungen und der Rost im Innern bereiteten mir wesentlich mehr Sorgen. 


Ausgangslage: 
Bräter aus Gusseisen, innen NICHT emailliert. Verdreckt, stellenweise stark rostig.


Benötigte Hilfsmittel: 
Abwaschmittel, Topfreiniger, Backofenreiniger (Potz aus der Migros), 
evt. einen grossen Plastiksack, Stahlwolle, hoch erhitzbares Rapsöl zum Einbrennen.


Topfreiniger befeuchten und mit einem grosszügigen Spritzer Abwaschmittel versehen. Bräter und Deckel innen und aussen gründlich schrubben. Abbrausen, abtrocknen und beides mit dem Backofenreiniger grosszügig einsprühen. Wer keine Platzprobleme hat, lässt den Bräter nun ein paar Stunden/über Nacht in der Spüle oder in der Badewanne stehen. Alternative: Den eingeschäumten Bräter in einen grossen Plastiksack stellen, diesen verschliessen und irgendwo verstauen, wo er niemandem im Weg steht (Terrasse, Treppenhaus, Keller etc.).


Wenn der Dreck sich zu lösen beginnt, ist es Zeit für den nächsten Schritt. 


Nun mit der Stahlwolle so viel Dreck und Rost wie möglich wegschrubben. 
Das erfordert, je nach Verschmutzungs- und Verrostungsgrad, ziemlich viel Geduld und Ausdauer.


Dafür kann sich das Ergebnis sehen lassen. Wenn sich Dreck und Rost hartnäckig halten, nochmals mit Backofenspray einschäumen, einige Stunden/über Nacht einwirken lassen und wieder kräftig mit der Stahlwolle bearbeiten. Falls nötig, gesamte Prozedur wiederholen.


Sobald Dreck und Rost beseitigt wurden, alles nochmals gründlich mit Topfreiniger und Abwaschmittel schrubben. Mit heissem Wasser abspülen und gut abtrocknen bzw. fünf Minuten zum Trocknen in den Ofen stellen. Sobald die gereinigten Flächen völlig trocken sind, unverzüglich mit dem Einbrennen beginnen.


Dazu nimmt man etwa 2 Esslöffel Rapsöl, die man mit der Hand, einem fusselfreien Tuch oder einem Schwamm im Topf/auf der Deckelinnenseite verteilt und dünn damit einreibt. Es sollte sich kein See auf dem Boden bilden und auch keine Stelle unbehandelt bleiben. Wichtig: Den Topfrand nicht vergessen!


Topf und/oder Deckel auf das Gitter stellen und auf der zweiten Schiene von unten einschieben. Ofen einschalten und 150 Grad anwählen. Je nach Grösse des Ofens, können Bräter und Deckel nebeneinander eingebrannt werden. Sollte das nicht möglich sein, einfach nacheinander einbrennen. Deckel nicht auf den Bräter auflegen, er muss separat mit der eingeölten Fläche nach oben platziert werden. Eine Stunde einbrennen lassen. Dann den Ofen ausschalten, Bräter/Deckel herausholen und mit einem fusselfreien Tuch oder einem Schwamm vorsichtig das überschüssige Öl wegtupfen bzw. wegwischen. Wieder in den Ofen stellen, Türe einen Spalt breit öffnen und den Bräter darin auskühlen lassen, ggf. danach den Deckel einbrennen. Nach dem vollständigen Auskühlen in den Schrank verräumen oder gleich zum Kochen oder Backen einsetzen. Zukünftig nach dem Gebrauch nur noch mit heissem Wasser spülen, um die Patina nicht zu beschädigen. Falls sich trotz sorgfältiger Pflege irgendwann Verkrustungen bilden oder der Rost wieder auftaucht, die ganze Prozedur wiederholen: Gründlich reinigen, evt. einschäumen und wieder einbrennen. Eine Menge Arbeit, aber es lohnt sich. Egal, ob es sich dabei um ein geerbtes oder gekauftes Stück handelt, denn Gusseisen ist quasi unzerstörbar und überlebt bei guter Behandlung mehr als eine Generation. Bestes Beispiel: Mein Gänsebräter von Le Creuset hat mindestens 80 Jahre auf dem Buckel und sieht keinen Tag älter als 40 aus. :-)

Und ab damit zu #Einab, wo Monat für Monat nachhaltige Ideen gesammelt werden.

Montag, 27. Juni 2016

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -57-




[GE]gessen: Den ersten Wurst-Käse-Salat des Jahres

[GE]trunken: Mandarinentee mit einem Schuss Karottensaft

[GE]braten: Grüne Bohnenflädli mit Kürbiskernen und Brennnesselsamen

[GE]backen: Schwarzes Sesambrot mit Amaranth & Dunkle Mürbestuten

[GE]wesen: Kurzer Ausflug zum Zweck der Essenbeschaffung ins Elsass unternommen

[GE]sehen:  Das Glück liegt auf dem Teller

[GE]lesen
Preserving Italy - Domenica Marchetti
Habe ich denn allein gejubelt? Eine Jugend im Nationalsozialismus
Eva Sternheim-Peters

[GE]freut: Über den Einzug der Isländer ins Achtelfinale der EM

[GE]ärgert: Über die Billag.
Fünf Monate zwischen schriftlich erfolgter Meldung und Zusendung eines einfachen Rückerstattungsformulares per Mail sind eine verdammte Zumutung. 

[GE]kauft:
 16 Eier, 3 Gläser Joghurt, 3 Ziegenkäse 
und einen Liter Apfelsaft vom demeter-Hof in Biederthal

[GE]hört: Good Old Fashioned Lover Boy - Queen

[GE]lacht:
die die Dame darauf verteilt (ab 16:22h).


Sonntag, 26. Juni 2016

Helles Gartenbrot aus dem Topf



Brotscheiben mit (riesen)grosser Porung sehen sexy aus. Haben aber leider einen (riesen)grossen Nachteil: Vernünftiges Bestreichen ist unmöglich. Die Butter bleibt klumpenweise in den Löchern hängen, die Konfitüre tropft heraus und nach dem Genuss ist man nicht selten bis zu den Ellenbogen verschmiert. Zu Hause, ohne Publikum, mit Seife und Wasser in greifbarer Nähe, kein (riesen)grosses Problem.


Doch Herr C., der seine Pausenbrote oft an den verrücktesten Orten verzehren muss, ist verständlicherweise über die Sauerei mit grossporigen Schnitteli not amused. Mein helles Gartenbrot ist nicht sexy, leider. Aber dafür unproblematisch in der Handhabung, aromatisch und ein wunderbares Alltags-/Sandwich-/Allroundbrot.


Sauerteig:

  • 15 gr Weizen-ASG
  • 75 gr Ruchmehl
  • 75 gr Wasser

Vermischen und etwa 12-16 Stunden bei Zimmertemperatur reifen lassen.


Hauptteig:

  • gesamter Sauerteig
  • 350 gr Weizenmehl Typ 550
  • 25 gr helles Roggenmehl
  • 230 gr Wasser
  • 5 gr frische Hefe
  • 8 gr Salz

Alle Zutaten in die Schüssel der Küchenmaschine geben. Zuerst 7 Minuten auf Stufe 1 kneten lassen, dann weitere 7 Minuten auf Stufe 2 kneten, bis sich der Teig von der Schüssel gelöst hat. Schüssel abdecken und den Teig etwa 4 Stunden bei Zimmertemperatur, oder über Nacht/ca. 12 Stunden an einem kühlen Ort (z. B. im Keller) aufgehen lassen. Einen Gärkorb mit einem Tuch auskleiden und/oder mit reichlich Ruchmehl bestreuen. Arbeitsfläche ebenfalls bemehlen, Teigschaber befeuchten und den Teig damit aus Schüssel heben. Mit bemehlten Händen vorsichtig auseinanderziehen, bis er etwa den Durchmesser einer Pizza hat. Zu einem länglichen Laib formen und mit dem Schluss nach oben in das vorbereitete Gärkörbchen setzen. Abdecken und 40-60 Minuten aufgehen lassen, bis er sich um ca. 70% vergrössert hat. Unterdessen einen Gusseisentopf mit Deckel (ich: 4,7 Liter Cocotte von Le Creuset) auf das Gitter stellen, auf der zweiten Schiene von unten einschieben und den Ofen auf 250 Grad vorheizen. (Dauert bei mir ca. 35 Minuten). Topf aus dem Ofen holen, Deckel wegnehmen. Teig vorsichtig schräg hineinkippen, so dass das Gärtuch gut weggezogen werden kann. Schnell einschneiden, Deckel wieder auflegen und zurück in den Ofen damit. Zuerst 15 Minuten bei 250 Grad, dann 30 Minuten bei 220 Grad backen. Den Deckel entfernen, Gitter auf die unterste Schiene versetzen und das Brot noch 5-10 Minuten nachbacken. Vorsichtig aus dem Topf heben und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen. Knistert und fenstert beim Abkühlen.

Donnerstag, 23. Juni 2016

Buchvorstellung: Butterzopf und Federkohl



In einer grösseren Stadt zu wohnen hat viele Vorteile. Zum Beispiel die schier unendliche Auswahl an Lebensmitteln aus allen Teilen der Welt. Wie wäre es mit frischem Galgant aus Asien? Kaniwa aus Südamerika? Gemüsebananen aus Afrika? Marshmallow Fluff aus Amerika? Kängurusteaks aus Australien? Kann ich euch alles im Handumdrehen besorgen. Falls ihr hingegen saisonale und regionale Produkte von Direktvermarktern bevorzugt, sieht es ziemlich düster aus. Normalerweise würde ich den nächstgelegenen Wochenmarkt empfehlen, doch der hiesige taugt überhaupt nichts. Regionale Erzeugnisse sind leider Mangelware, die meisten Stände bieten vorwiegend langweiliges Zeug vom Grosshändler. Ganz zu schweigen von den Preisen, die oft, auch für Schweizer Verhältnisse, mehr als unverschämt sind. Darum empfehle ich lieber Hofläden und kleine Wochenmärkte in der Region. Wer hingegen einen ausgedehnten Markt mit möglichst vielen lokalen Produzenten erleben möchte, dem lege ich den Samstagsmarkt in Luzern ans Herz. Oder den Markt in Bern. Oder den in Solothurn. Was euch dort alles erwartet? Das könnt ihr im kürzlich erschienenen Buch Butterzopf und Federkohl von Barbara Halter und Vanessa Püntener aus dem Rotpunktverlag nachlesen.

Erster Eindruck:
Handlich, kompakt und übersichtlich. Trotz des Hardcovers mehr Reiseführer als Koch- oder Coffee Table Book. Über 200 stimmungsvolle Fotos, viele davon ganz- und doppelseitig. 

Inhalt:
Die zwei Autorinnen nehmen den Leser mit auf eine Reise zu zehn malerischen Schweizer Wochenmärkten in Aarau, Bern, Biel, Chur, Luzern, Schaffhausen, Solothurn, St. Gallen, Winterthur und Zürich. Anhand einiger ausgewählter Marktfahrer wird ein Querschnitt des jeweiligen Marktangebotes vorgestellt. Die Produzenten/Verkäufer und ihre Spezialitäten werden kurz und knackig, d.h. je mit ein paar Sätzen, beschrieben. Praktische Informationen dürfen natürlich nicht fehlen, darum sind Markttage, Zeiten und weitere interessante Märkte angegeben. Sehr sympathisch sind die Empfehlungen zum Einkehren und Verweilen, so kann der Marktbummel mit einem gemütlichen Café- oder Restaurantbesuch verknüpft werden. Danach folgt in jedem Kapitel die ausführliche Vorstellung eines aussergewöhnlichen Produzenten. Beispielsweise von Mathias Wirth, dem "Sirupier de Berne", der Biometzgerei Bärtschi oder Eigenbrötler Daniel Amrein. Abschliessend noch ein passendes Rezept und weiter geht es zum nächsten Markt. Insgesamt sind es neun Rezepte und eine Anleitung für einen herbstlich dekorierten Kürbis. Qualität vor Quantität. (Obwohl ich persönlich nichts gegen eine grössere Anzahl Rezepte gehabt hätte).

Fazit: 
Auf der Rückseite des Buches steht: ..."Ihre Geschichten und Bilder sind eine Liebeserklärung an die Menschen hinter den Marktständen und ihre Leidenschaft für das Essen und den Genuss"... Das hätte ich nicht besser formulieren können. Einziger Wermutstropfen: Der Preis. Aber meiner Meinung nach es ist jeden Rappen bzw. Cent wert. Und allemal günstiger als eine SBB-Tageskarte.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Rotpunktverlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.