Donnerstag, 31. Januar 2013

Gedämpfte Platanos (süss oder salzig) und a bisserl Basiswissen



Meine erste Erfahrung mit diesem Fruchtgemüse war grässlich. Es sollte für ein paar liebe Menschen Ananas-Platano-Curry mit Reis als Hauptgericht geben. Wenn ich mich nicht irre, war es ein Rezept von einem trendigen Jungkoch. So nach dem Motto: It's hip to cook really exotisches Zeuch (without giving you very nötige Hintergrundinformationen). Zuerst liessen sich die knallharten, grassgrünen Bananen nicht schälen, dann wollten sie nicht gar werden. Aussen mehlig, innen hart und überaus geschmacklos waren die Stückchen. Ich musste sie aus dem Curry fischen und wegwerfen, sonst hätten mich meine Gäste gelyncht. Lange Jahre verspürte ich verständlicherweise keinen Drang nach einer zweiten Begegnung.


Damals wusste ich nicht, dass unreife (= grüne) Platanos eigentlich nur als Sättigungsbeilage zubereitet werden. Der Eigengeschmack spielt dann natürlich keine grosse Rolle. Gelbe Platanos sind etwas weniger mehlig und schmecken dezent nach Banane. Ab diesem Stadium sind sie in allen Rezepte einsetzbar, in denen nicht ausdrücklich eine grüne Platano verlangt wird. In Afrika und Südamerika werden Platanos verwendet wie hierzulande die Kartoffel. Gebraten, gekocht, gebacken, frittiert, zu Brei zerstampft oder auch gedämpft. Vollreife Früchte sind schwarz gesprenkelt, bei überreifen ist die Schale durchgehend schwarz. Voll- und überreif eignen sie sich auch für gebackene oder gekochte Desserts. Wegen dem hohen Stärkegehalt würde ich sie nicht roh verzehren, auch wenn das von einigen Rohköstlern empfohlen wird.


Platanos, im deutschen Sprachraum als Gemüse-, Mehl- oder Kochbananen bekannt, sind oft in Asiashops und mittlerweile sogar bei Grossverteilern erhältlich. In Basel bekommt man unreife und (voll)reife Plantains bei Aggarwal, unreife in grossen Migros- und Coop-Filialen für +/- 4 Franken pro Kilo. Auch schon gesehen bei Rewe und Edeka, für knapp 2 Euro das Kilo. Bevorzugt reife Früchte kaufen, das Nachreifen kann Wochen in Anspruch nehmen. Erfahrungswerte in meiner kühlen Küche (Durchschnittlich 18 Grad): Drei bis vier Wochen von grasgrün nach gelb, eine weitere Woche bis sich schwarze Sprenkel zeigen. Nochmal ein bis zwei Wochen mehr, bis sie vollständig schwarz sind. 


Platanos zu dämpfen ist supereinfach und kostengünstig. Für die süsse Version nehme ich am liebsten knallschwarze Früchte. Je schwärzer die Schale, desto aromatischer und süsser ist der Inhalt. Wobei die Süsse nicht an die einer Obstbanane heranreicht. Für die salzige Variante dürfen sie auch unreifer sein.

Pro Person nimmt man eine grosse Platano. Waschen, die Enden kappen und jede Banane mit der Schale in 5-6 dicke Stücke schneiden. In einem grossen Topf wenig Wasser zum Kochen bringen. Dämpfeinsatz aufklappen und hineinsetzen. Platanos auf den Einsatz legen, Deckel auf den Topf und dann, je nach Reifegrad, 10-20 Minuten dämpfen. Ab und zu kontrollieren, ob Wasser nachgefüllt werden muss. Wenn ein eingestochenes Messer wie durch weiche Butter flutscht, sind die Platanos gar. Aus dem Topf heben, schälen und in Scheiben schneiden. Mit wenig flüssiger Butter oder Alsan bepinseln, oder winzigkleine Flöckchen darauf verteilen, und mit Zucker oder Salz bestreuen. Fertig. 

Anstelle des Zuckers könnte man auch Honig oder Agavendicksaft nehmen. Oder Kokosraspel drüberstreuen und einen Klecks Joghurt dazu reichen. In Indien werden die gesüssten Scheiben übrigens unter dem Namen Pazham Puzhungiyathu gerne als Snack oder Dessert verzehrt. Gesalzen serviere ich sie als Beilage zu anderem Gemüse, Reis oder Salat. Oder mit Tzatziki. Hört sich, zugegebenermassen, pervers an, schmeckt aber toll. Wenn man auf Banane mit Knoblauch steht. Auch sehr empfehlenswert: Gemüsebananenzopf


Montag, 28. Januar 2013

Belgische Hefewaffeln nach Jan Hedh



Was ist so ziemlich das Dümmste, was man sich vor einem baldigen Umzug antun kann? Na? Schwere Bücher kaufen. Hab's trotzdem getan. Im Ausverkauf. Bin schliesslich auch nur eine triebgesteuerte Frau. So zog Jan Hedhs Backbuch "Swedish Breads and Pastries" ein. Bloss nicht vom englischen Titel verwirren lassen, denn die meisten Rezepte sind, im Gegensatz zum Autor, nämlich nicht schwedischen Ursprungs. Warum irgendein Trottel dem Originaltitel "Bröd & Kaffebröd" (Brot & Gebäck) noch das komplett irreführende "Swedish" hinzufügen musste, werden wir wohl leider nie erfahren. Die JFK-Akten lassen grüssen... 


Gestern gelüstete es mich nach den belgischen Hefewaffeln aus dem Buch. Statt Vanille musste mein neues Lieblingsgewürz namens Alma Mater in den Teig. Schon seit November im Dauereinsatz, schaffe ich es erst jetzt, euch davon vorzuschwärmen. Entdeckt habe ich es im Onlineshop von Schwarzenbach. Tante Z. war so lieb und hat beim letzten Besuch ein Döschen dieser asiatischen Wurzel mitgebracht. Tipp: Wer zufällig in der Nähe von Zürich ist, sollte unbedingt einen Abstecher in das Ladengeschäft machen. Eingerichtet im Stil der Jahrhundertwende ist es optisch und olfaktorisch immer eine Reise wert. 


Beim ersten Schnuppern erinnert es entfernt an Spekulatiusgewürz. Erst auf der Zunge entfaltet sich das ganze Geschmackslabyrinth. Leicht caramellig, viel Vanille und etwas Koriander, eine Spur herb und holzig wie Zimt und Sandelholz, ein Quäntchen Urwaldpfeffer und eine grosse Dosis je ne sais quoi. Je nach Verwendungszweck scheint immer wieder eine andere Note zu dominieren. Faszinierend, wie würzig-pfeffrig es in einem Kuchen schmeckt und mehr in Richtung Vanille geht, wenn es mit Früchten gemischt wird. Empfehlung: Unbedingt ausprobieren!


Für 12 Waffeln:

  • 170 gr Wasser
  • 250 gr Milch oder Buttermilch
  • 250 gr Mehl
  • 1 Tl Zucker
  • 4 gr Trockenhefe

Wasser zum Kochen bringen, sofort mit der kühlschrankkalten Milch mischen. Die Flüssigkeit sollte nun etwas mehr als handwarm sein. Mit Mehl, Zucker und Trockenhefe in einer Schüssel klümpchenfrei verrühren. Abdecken und mindestens 30 Minuten ruhen lassen, bis sich das Volumen vergrössert hat und die Oberfläche von Bläschen bedeckt ist. Wer die Waffeln am nächsten Morgen backen möchte, stellt nun den Teig über Nacht in den Kühlschrank. Vor der Weiterverarbeitung Raumtemperatur annehmen lassen und kurz mit dem Schwingbesen durchquirlen.

  • 1 sehr grosszügige Prise Meersalz
  • 2 grosse Eier
  • 150 gr geschmolzene Butter, lauwarm
  • Mark einer Vanilleschote oder 1 Tl Alma Mater
  • 2 gehäufte El hellbrauner Rohrzucker, optional
  • 1 Tl Weinsteinbackpulver, optional

Zuerst Salz und Eier unter den Teig rühren, dann Butter und restliche Zutaten gründlich untermischen. Waffeleisen aufheizen. Genug Teig einfüllen, bis die untere Platte gerade so bedeckt ist. 15 Sekunden warten, bis sich an der Oberfläche Bläschen zeigen. Erst dann den Deckel schliessen. So werden die Waffeln besonders luftig. Goldbraun backen. Sofort servieren oder nebeneinander auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Gut verpackt können die Waffeln 2-3 Tage gelagert  und  problemlos im Toaster aufgewärmt werden. 

Anmerkung: Rohrzucker und Backpulver sind mein Anteil am Rezept. Wenn die Waffeln ohne Beilage oder Topping serviert werden, würde ich den Zuckeranteil sogar auf 3-4 Esslöffel erhöhen. Das Backpulver ist nicht zwingend nötig, nimmt dem Teig aber den hefigen/fermentierten Geschmack, den viele nicht so mögen.

P.S. Ich freue mich sehr über die zahlreichen lieben Kommentare und Mails, die zur Zeit hier eintrudeln. Ganz herzlichen Dank dafür. Leider schaffe ich es momentan nicht, zeitnah darauf einzugehen. Geschweige denn, regelmässig bei anderen Blogs mitzulesen oder dort zu kommentieren. Bitte nicht krumm nehmen. Ich mag euch alle immer noch. :-)


Mittwoch, 23. Januar 2013

Live und in Farbe: Geschenkt ist noch zu teuer

Wollt ihr euch mal so richtig amüsieren? Dort drüben steht das Popcorn, nehmt Platz und macht es euch bequem. Heute erzähle ich euch die lange Geschichte von der total verrückten Hausbesichtigung.

Es begann alles mit einer harmlosen Anzeige, die etwa so lautete: Freistehendes Bauernhaus mit reichlich Land drumherum zu vermieten. Einfacher Standart, vernünftiger Preis.

Klang verlockend. Angerufen, Gesprächspartnerin sympathisch gefunden und einen Besichtigungstermin ausgemacht. Da dieser erst eine Woche später stattfinden sollte, fuhren wir zum Zwecke einer Vorbesichtigung gleich mal vorbei. Was wir sahen, erfreute unser Herz. Ein schickes Häuschen, nicht zu gross und nicht zu klein. Drumherum etwas Land mit alten Obstbäumen. Dahinter einige Häuser. Naja, wir hatten etwas mehr Freiraum erwartet, aber es kann ja nicht alles perfekt sein. Schnell noch durch die unteren Fenster gelinst. Gepflegte helle Räume, schöne Holzböden, sehr gemütlich. Wir waren uns sofort einig. Wenn der Rest des Hauses in einem ebenso guten Zustand ist, würden wir morden, um dort einziehen zu dürfen.

Und dann kam der sehnsüchtig erwartete Tag der Besichtigung. Es schneite wie verrückt, die Strassen waren teilweise unpassierbar und nur mit Mühe und Not schafften wir die Hinreise. Verschneit sah das Häuschen noch bezaubernder aus, die unverbaute Aussicht noch grandioser. Unser zukünftiges Vermieterpärchen begrüsste uns überschwänglich. (Er zu ihr: "Sind das die, die wegen dem Schnee später kommen? Oder wer sind die? Hä?"). Kaum im Flur, wurden wir aufgefordert, die Schuhe auszuziehen. Machen wir doch gerne. Oder doch nicht. Der Boden war eiskalt. Trotz dickster Socken hatten wir beide innerhalb von Minuten kein Gefühl mehr in den Zehen und die Füsse begannen kurze Zeit später wegen der Kälte zu schmerzen. Als ob wir barfuss auf Eis stehen würden. Aber von solchen Kleinigkeiten lassen wir uns doch nicht aufhalten.

Im Obergeschoss befanden sich zwei Zimmer. Die Wände bunt ("Wird nicht frisch gestrichen"), die Böden unbehandelt bzw. unversiegelt ("Wird nicht gemacht"). Im grösseren Zimmer bullerte der Ofen, der auch den kleineren Raum nebenan hätte aufheizen sollen. Von Wärme war nichts zu spüren, es war klirrend kalt. Ich hielt meine Hand etwa fünf Zentimeter über die Platte, um sie kurz aufzuwärmen. Obwohl das Feuer hell loderte, war der Ofen höchstens lauwarm. Kein Wunder, wie mir Herr C. später erklärte. Ausnahmslos alle Öfen waren uralt, leicht bis mittelschwer defekt und hatten null Wärmespeicherung. Man könnte das Geld auch direkt zum Fenster hinauswerfen, statt es für Feuerholz auszugeben. Nachfrage: "Würde es sich nicht lohnen, einen guten Ofen anzuschaffen?" Antwort: "Wieso? Gute Öfen sind auch nicht besser." Eine Weisheit, die ich mir merken muss.

Als nächstes ging es ab auf den Estrich. Eine funzelige Funzel verdunkelte die Treppe, auf der ich mir zuerst den grossen Zeh anknallte, bevor ich über die letzte Stufe stolperte. Reichlich unelegant landeten ich auf den rohen Boden. Zwei Fenster, ein Loch zwischen den Fenstern und verschobene Dachziegel spendeten etwas zusätzliches Licht. Es reichte, um die uralten Ziegel und irgendwelches Gerümpel erkennen zu können. Keine Isolierung, also nicht als Wohn- oder Lagerraum nutzbar. Auf dem Rückweg rutschte ich auf einer unebenen Stufen aus und konnte im letzten Moment verhindern, Kopf voran ins selbst gebastelte Elektrotableau zu sausen. Dessen Aussehen hätte übrigens jedem Elektriker unweigerlich einen Herzinfarkt beschert. Ich sah schon die Grabinschrift vor mir: Mitten aus dem Leben gerissen, als sie eine Sicherung wechseln wollte. Unser künftiger Vermieter, nennen wir ihn Mario, schien meinen entsetzten Blick mit Faszination zu verwechseln und erklärte stolz, dass er diesen Murks zusammengebastelt hatte. "Was sind sie denn von Beruf?" - "Gipser". Cool.

Herr C. war nicht minder entsetzt. Als er Mario zu verstehen gab, dass er sich mit Elektrozeugs auskenne, wollte dieser gleich ein paar Ratschläge, wie er denn die ganze Konstruktion an einer behördlichen Kontrolle vorbeischmuggeln könne. Solche Kontrollen verursachen schliesslich nur unnötige Kosten und bringen rein gar nichts. O-Ton: "Die wollen doch nur, dass du es nicht selber machst." Wo er recht hat, hat er recht.

Weiter ging's im Erdgeschoss. Zwei eiskalte Zimmer mit bunten Wänden ("Wird nicht frisch gestrichen") und ein weiterer Ofen, der keinerlei wahrnehmbare Wärme spendete. Die Aussicht war so entzückend, dass ich um ein Haar die Präsentation der Küche verpasst hätte. Hätte ich doch bloss weiter aus dem Fenster gestarrt, dann wären mir viele, viele Albträume erspart geblieben. Erster Blick (geblendet durch den frischen Schnee): Ganz nett. Zweiter Blick: Vielleicht doch nicht. Dritter Blick: WTF????? Zu meiner Linken eine erst kürzlich dorthin platzierte, freistehende Badewanne. Okay, nicht gerade das Highlight der nächsten Wohnmesse, aber es könnte schlimmer sein. In einem alten Bauernhaus macht es Sinn, die Waschgelegenheit in den wärmsten Raum des Hauses zu verlegen. Wenn man im 19. Jahrhundert lebt. Aber doch nicht im Jahr 2013! ("Herr Richter, es war wirklich keine Absicht. Ich bin über eine kaputte Fliese gestolpert, im Verlängerungskabel hängen geblieben und dadurch landete der laufende Mixer in der Wanne....")

Direkt neben Wanne und Türe stand, ohne jegliche Abschirmung, ein Klo. K-L-O. Bevor ich diesen Anblick verdauen konnte, meldete sich Frau Vielleicht-doch-nicht-zunkünftige-Vermieterin zu Wort: Das ist äusserst praktisch, wenn man kleine Kinder hat. Bitte???? Ich kann mir auch nichts schöneres vorstellen, als ein Kind mit Magen-Darm-Grippe, dessen Krankheitsgeräusche und -gerüche mich beim Kochen begleiten. Bei einem Erwachsenen dürfte der Entertainmentfaktor noch höher liegen. Oder wenn die Toilette verstopft und überläuft. *würg* Also schnell nach rechts geguckt und über den eigenen Quietscher erschrocken. Küche? So etwas nennt ihr Küche? Zwei winzige Schränkchen, ein Minibar-Kühlschrank und ein uralter Herd, dessen Backofentüre mittels einer Schrauben-Haken-Hölzchen-Konstruktion an Ort und Stelle gehalten wurde. Erfindungsreichtum kann man ihnen also nicht absprechen.

Der Rest bestand aus kackbraunem (wie passend..) Spanplattendesign. Alles abgegriffen, zerkratzt oder beschädigt. Rohe Wand rund um's Fenster, nackter Beton über der ganzen "Küchenzeile" ("Wir haben die Oberschränke herausgerissen"), kaputter Boden. Erklärung: Die Küche sollte in den Schopf verlegt werden. Aha. Und wann wird sie verlegt? Antwort wie aus der Pistole geschossen: Die Küche wird so vermietet, wie sie ist. Langsam drängte sich die Frage auf, wer von uns zum Frühstück statt Cornflakes ein paar LSD-Pillchen eingeworfen hatte.

Der Keller hingegen war eine Wohltat. Neuer Fussboden, neue Waschküche, eine nett gekachelte Dusche und ein abgetrenntes Kloräumchen. Irritierend waren die unfertige Ecke des Bodens, das Gerümpel in der Waschküche, der rostig verfärbte Duschboden, die mitten im Raum stehende Kloschüssel und die noch eisigere Kälte. Machen wir's kurz: Der Boden bleibt so, wie er ist. Wäsche muss während der kalten Jahreszeit mit dem Entfeuchter getrocknet werden. Es sei denn, wir würden uns einen Trockner anschaffen. Auf eigene Kosten, natürlich. Da die Leitung ab und zu mal einfriert, hatte er das Klo abmontiert. Passiert das oft? Nee, letztes Jahr war es nur ein Mal. Wie wäre es mit einem kleinen Radiator? Nicht nötig, es gibt ja noch das Klo in der Küche. Wie konnte ich das bloss vergessen... Duschen ist ganzjährig möglich, aber zwischen September und April sollte man es nur stinkbesoffen tun. Sonst hält man den Kälteschock nicht so gut aus. Keine Isolierung, keine Heizung. Wir wünschen einen fröhlichen Aufenthalt in ihrem eigenen Klein-Sibirien.

Unter dem Keller lag noch ein Raum. Im Halbdunkel meinte ich ein Schwimmbecken auszumachen. Aber wieso standen darin mehrere Ölfässer? Des Rätsels Lösung: Mister Universalhandwerker hatte angefangen, sich hier seinen eigenen Öltank mit Teichfolie zu basteln. Herr C. war kurz vor einer Ohnmacht und ich hätte mir beinahe in die Hose gemacht. Bei solch eisigen Temperaturen einen Lachanfall unterdrücken zu müssen, ist höllische Schwerstarbeit. Zumindest die geräumige Tiefkühltruhe hätte ich also von der Einkaufsliste streichen können. Im angrenzenden Schopf gab's dafür sowieso keinen Platz. Dort nahm nämlich ein riesiger Haufen Hausrat den grössten Teil der Fläche ein. Würde das Gerümpel vor unserem Einzug verschwinden? Er schien die Frage auch nach der dritten Wiederholung nicht gehört zu haben. Vielleicht waren seine Ohren zugefroren. Auch der Schopf war nicht isoliert, nicht heizbar und daher nicht zu gebrauchen. Wo er dort die Küche unterbringen wollte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Im Gänsemarsch gingen wir dann nach draussen, wo es im Gegensatz zum Keller, schon fast angenehm warm war. Überraschenderweise wurde uns eröffnet, dass ein Teil des Landes der Gemeinde gehöre ("Weiss auch nicht genau wieviel"). Mauern und Zäune müssten alle noch errichtet und der provisorisch abgestützte Teil noch dringend gesichert werden. Das grosse Loch in der Terrasse hatte er vorsorglich mit einem Brett verdeckt. Aus Angst vor Unfällen oder in der Hoffnung, dass wir es nicht entdecken würden? Und ja, ihr habt's erraten, Supermario wird sich auch dieser Probleme nicht annehmen. Wofür hat er denn schliesslich Mieter? Doch ich greife vor.

Nach der Führung schien er unsere fehlende Begeisterung für seine Horrorruine entfernt zu ahnen ("bemerken" wäre wahrlich übertrieben formuliert). Er zündete sich zur Aufmunterung gemütlich einen Joint an und begann zu schwadronieren: "Am besten wäre es, wenn ihr euch ein älteres Pärchen als Mitbewohner sucht. Die wohnen dann im ausgebauten Schopf. Küche und Bad müsstet ihr euch teilen, aber das ist ja kein Problem. Alte Leutchen sind genügsam." Mitbewohner? Ausgebauter Schopf?? Küche und Bad teilen??? Von was redete der Mann????

"Ihr könntet auch in das Haus investieren. Zum Beispiel den Schopf ausbauen. Oder noch besser, ihr investiert eine grössere Summe und wir wohnen zusammen als WG. Kannst es ja von der Bank leihen." Zwischenbemerkung: Vier Erwachsene, zwei Kinder, ein Hund verteilt auf vier Zimmer, mit einer reinen Wohnfläche von etwa 70 Quadratmetern. Luxuriös. Wieso wollte ich asoziales Kind bloss ein ganzes Haus nur für uns drei, wenn ich stattdessen eine richtig tolle Jubeltrubel-Kiffer-Kinder-Senioren-WG haben kann? Langfristiger Mietvertrag übrigens ausgeschlossen. Wenn sie kein anderes Haus finden, welches ihnen gefällt, würden sie hier wieder einziehen. Könnte jederzeit passieren. Wie schön aber auch.

Pothead wollte dann noch wissen, wer von uns sich um dem Garten kümmern würde. Beide natürlich. Von dieser Antwort schien er sehr enttäuscht zu sein. Er wandte sich mit Hundeblick an Herrn C. und gab patzig zurück: "Aber ich hatte gehofft, dass du mir beim Renovieren hilfst." Wie jetzt? Renovieren? Während wir dort wohnen? Warum hat er das nicht in den sechs Monaten getan, als das Haus leer stand? Was will er denn renovieren? Alles, was er vorhin noch nicht renovieren wollte? Von einer Mietreduktion oder ähnlichem war natürlich nie die Rede. Unsere Reaktion auf die Nachfrage, ob uns seine Pläne gefallen würden, könnt ihr euch sicher vorstellen. Wir blieben sehr höflich, wiesen auf die ganzen Mängel hin und bezweifelten vorsichtig die Richtigkeit der angegeben Mietsumme. Erst jetzt schien er zu begreifen, dass wir seinem Charme nicht erlegen waren. Grosszügig bot er uns an, eine Nacht darüber zu schlafen und ihm dann unser Angebot zu unterbreiten. Wir nahmen dankbar an und machten uns so schnell wie möglich aus dem Staub.

Im Auto konnten wir uns nicht mehr beherrschen. Zuerst probierten wir ernsthaft darüber zu reden. Vergeblich. Wir gackerten wie irre Hühner. Brüllten vor Lachen. Rissen einen dummen Witz nach dem anderen. Konnten uns überhaupt nicht mehr beruhigen. Zumindest hatten wir den Rest des Tages etwas zum Schmunzeln.



Sonntag, 20. Januar 2013

Kenianische Erdnuss-Chili-Suppe



Während ich schreibe, bullert die Heizung auf höchster Stufe. Trotz mehrerer Schichten Kleidung, der Daunendecke, dem Wollschwein als Wärmflasche und einer Wollmütze auf dem Kopf, friere ich mir auf dem Sofa fast den Hintern ab. Alle umliegenden Wohnungen sind leer, kein bisschen Wärme ringsherum. So kann die eisige Kälte ungehindert durch Wände und Boden kriechen. Herr C. hat sich nach Davos in ein tropisch warmes Hotel verkrümelt. Zumindest ist er nicht zum Vergnügen dort oben, das würde mir den Rest geben. Ich kann die Stellung hier nur halten, weil der Strom heissen Tees nicht versiegt. Unterbrochen wird das Programm nur von brandheisser Suppe. Gestern war es Karotte mit viel Ingwer, heute Erdnuss mit Chili. Zum Dessert gibt's Hot Whiskey, als Bettmümpfeli eine zweite Decke und Snowboardsocken. Bin ich nicht zu beneiden? 


Für 2-3 Portionen:

  • 1/2 Tasse geschälte, rohe Erdnüsse (ca. 80 gr)
  • 1 Knubbel Butter
  • 1 mittlere Zwiebel, sehr fein gehackt
  • 500 ml kaltes Wasser
  • 350 ml Milch
  • Chilipaste oder -pulver nach Geschmack
  • Salz, schwarzer Pfeffer

Erdnüsse in einer Pfanne gleichmässig hellbraun rösten. Kurz abkühlen lassen und im Zerkleinerer oder Mörser zu einer feinen Paste verarbeiten. Butter in einem Topf zerlassen, Zwiebelstücke darin anschwitzen. Erdnussmus zugeben, kurz mitbraten. Mit dem Wasser ablöschen. Unter kräftigem Rühren aufkochen. Salzen und 15 Minuten auf kleinster Stufe köcheln. Hitze hochdrehen, Milch einrühren. Mit Chili, Pfeffer und Salz würzen. Wenn keine Schärfe gewünscht wird, milde Paprikapaste oder -pulver verwenden. Nochmals 2-3 Minuten kochen. Heiss servieren.


P.S. Leider keine positiven Fortschritte in puncto Wohnungssuche.