In Shops mit asiatischen Spezialitäten bin ich immer alleine anzutreffen. Erstens weil Herr C. den typisch würzigen, leicht fischigen Geruch nicht ausstehen kann und zweitens, weil ich seiner Meinung nach viel zu langsam bin. Er stürmt rein, checkt die fixfertigen Nudelgerichte durch und steht schon wieder draussen, bevor ich mir überhaupt einen Einkaufskorb über den Arm hängen konnte. Zumindest ist es eine Win-Win-Situation. Er sucht sich dann ein bequemes Plätzchen, kann gemütlich rauchen und nebenbei Telefonate erledigen, während ich in Ruhe, und ohne schlechtes Gewissen, die Regale nach unbekannten/neuen Produkten durchstöbere.
Beim letzten Besuch im Lieblingsshop bummelte ich wieder alle Gänge ab, und da lag zwischen den Adzukibohnen und der Tapiocastärke ein neuer Karton. Zuerst dachte ich, es wären Päckchen mit unförmigen Gerstengraupen. Erst beim näheren Hinsehen entdeckte ich in der linken Ecke die lustige Beschriftung: Job's Tears. Plötzlich begann es in meinem Kopf leise zu klingeln. Aber auch nach angestrengtem Hirnen kam ich nicht auf die Querverbindung. Zu Hause spuckte Tante Google dann folgende Informationen aus: Kann anstelle von Gerste in salzigen und süssen Gerichten verwendet werden, und im Fernen Osten wird daraus Tee gebraut (mehr Infos dazu bei missboulette).
Die Hiobsträne (lat. Coix lacryma-jobi) gehört zur Familie der Süssgräser und wird vorwiegend in Asien angebaut. Erstaunlicherweise gedeiht sie aber auch im kühleren Europa ziemlich gut (siehe hier). Ihre dekorativen Scheinfrüchte werden in einigen Ländern zu Schmuck und Rosenkränzen verarbeitet, die Pflanze dient aber auch als Tierfutter. Im Asialaden um die Ecke kostet ein halbes Kilo 2 Euro und ein paar Zerquetschte, also ein erschwingliches Vergnügen. Einweichen ist bei geschälten Körnern unnötig und nach dem Kochen können sie einige Tage im Kühlschrank aufbewahrt oder eingefroren werden.* Auf 2-2,5 Teile Wasser kommt ein Teil Hiobstränen. Salzen und 50-60 Minuten ohne Deckel kochen, bis die Körner weich sind. Oder 40 Minuten kochen, Deckel auflegen und 30 Minuten auf der warmen Herdplatte ziehen lassen. Eine Tasse/150 gr getrocknete Hiobstränen ergeben etwa 400 gr gekochte Körner. Geschmacklich erinnern sie an nussigen, leicht erdigen Mais und passen meiner Meinung nach sehr gut zu kräftigem Wintergemüse. Wer Rosenkohl nicht mag, kann ihn durch die gleiche Menge Karotten oder Navets ersetzen.
Für 4 Personen als Hauptgericht:
- 500 gr Rosenkohl
- 2 El Butter oder Olivenöl
- 400 gr gekochte Hiobstränen
- Kräutersalz, Sumach, schwarzer Pfeffer
- 2 El Crème fraîche (optional)
Rosenkohl putzen, d.h. die äussersten welken Blätter entfernen und den Strunk kürzen. Waschen, abtropfen lassen und mit einem scharfen Messer halbieren. Butter oder Öl in einer grossen Pfanne erwärmen, Rosenkohl mit der Schnittfläche nach unten nebeneinander in die Pfanne legen. Bei mittlerer Hitze etwa 5-7 Minuten anbraten, bis die Schnittflächen leicht gebräunt sind. Umrühren, Hitze hochdrehen, einen Schluck Wasser zugeben und schnell den Deckel auflegen. Nach 2-3 Minuten sollten die Röschen knapp gar sein. Hiobstränen in die Pfanne geben, kräftig würzen und rührbraten, bis der Rosenkohl durch und die Körner leicht angebraten sind. Wer mag, rührt am Schluss noch die Crème fraîche unter. Heiss servieren.
*Einweichen verkürzt die Kochzeit aber enorm. 12 Stunden in reichlich kaltem Wasser einweichen, 5-10 Minuten mit einer Prise Salz kochen und etwa 15 Minuten auf der heissen Herdplatte ausquellen lassen.