Dienstag, 20. November 2012

Bayern meets Ungarn meets Vietnam: Fischkraut



Familie Kohl und ich werden wohl nie die dicksten Freunde werden. Was ganz klar an traumatischen Erlebnissen in der Kindheit liegt. Solche von der Sorte: "Keine Diskussionen Madame, iss deinen Rosenkohl / den Chinakohl / das Sauerkraut / den Rotkohl oder was auch immer da auf deinem Teller liegt. Gemüse ist gesund." Schlimmste vorstellbare Kombination war Kohl mit viel Kümmel und Speck gekocht. Und wie wurde Kohl bei uns zu Hause meistens zubereitet? Mit viel Kümmel und Speck. Shit happens. 

Mit einigen Sorten konnte ich mich wieder anfreunden, auch wenn es ein paar Jahre dauerte. Herr C. hingegen ist eine menschgewordene Kohlvernichtungsmaschine. Er verzehrt unglaubliche Mengen, ohne danach tot umzufallen. Roh als Salat, gedämpft, gewokt, gekocht, gebacken.... Hauptsache Kohl (und Fleisch, nicht zu vergessen). Allerdings gibt es immer wieder kleine Meinungsverschiedenheiten über die angemessene Würzung. Logische Konsequenz: Crossover in Reinkultur.


Für 3-4 Personen (oder einen Herrn C.):

  • ein halber Kopf / ca. 500 gr Jaroma- oder Weisskohl 
  • 1 El Butter
  • 1 grosse Zwiebel
  • 1-2 Tl Kümmel
  • 1 Tl mildes Paprikapulver
  • etwa 1 El gute Fischsauce

Kohl so fein wie möglich hobeln. Zwiebel ebenfalls dünn hobeln oder in feine Streifen schneiden. Zwiebelstreifen in der Butter anbräunen. Kümmel und Paprikapulver zugeben, eine halbe Minute mitbraten. Kohl untermischen, mit einem grossen Schluck Wasser ablöschen, Hitze reduzieren und den Deckel aufsetzen. Fünf Minuten köcheln. Umrühren und mit der Fischsauce würzen. Ich würde empfehlen, mit der Hälfte der Menge zu beginnen, da manche Saucen extrem salzig sind. Probieren und ggf. mehr Fischsauce zugeben. Deckel wieder auflegen und den Kohl langsam weich schmoren. Zehn Minuten auf der ausgeschalteten Platte ruhen lassen. Mit gebratenen Schupfnudeln, Spätzle oder Knöpfli servieren.

Sonntag, 18. November 2012

Flohmarktschätze Teil 11 - Durch Raum und Zeit


Wir starten in Finnland, mit einem Schälchen aus der Rice-Serie von Friedl Holzer Kjellberg 

 Hauchdünnes, wunderschön durchscheinendes Porzellan aus den 50ern, produziert von Arabia Finland
  
Art Déco Kaffeedose aus den 20ern von Langenthal für Café Hag

 Langenthal Suppenteller aus den 50ern und neue Messlöffel aus den USA 

 Zwei süsse Schüsseln aus der DDR, die fast 50 Jahre vergessen im Estrich standen
Hinten: Einer von vier Arzberg Saftbechern aus den 70ern

Die ehemaligen Besitzer haben die Schüsseln von Verwandten geschenkt bekommen, damals wie heute für unmodisch befunden und deshalb nie benutzt. Des einen Leid ist des anderen Freud. 

Euch allen noch einen schönen (Rest)Sonntag


Freitag, 16. November 2012

Bolo de Cenoura (Brasilianischer Karottenkuchen)



Wie peinlich aber auch. Ich liebe Rüeblikuchen und ich habe auf meinem Blog noch nie ein Wort darüber verloren. Fotos sind irgendwo gespeichert, das Rezept sowieso. Aber wie so oft, fehlt einfach die Zeit, um alles direkt nach der Vollendung zu veröffentlichen. Da rutschen optisch eher unscheinbare Gerichte schnell in die Versenkung. Was mein Standartrüeblikuchen nicht verdient hat. Das Rezept wird also bald nachgereicht. Zwischenzeitlich präsentiere ich euch Bolo de Cenoura, brasilianischen Karottenkuchen. Bei mir allerdings im Kleinformat und mit Deep Purple Karotten, die das Gebäck dunkelviolett färben. Im Original wird dem Teig kein Aroma zugesetzt, mit einer Zitrusnote gefallen mir die Küchlein aber wesentlich besser. Fast eine Bedrohung für meinen Lieblingskuchen und auf alle Fälle eine nette und bunte Abwechslung auf dem Kuchenteller.


Für 6 Muffins oder Herzen (Nordic Ware):

  • 70 gr Butter 
  • 85 gr Karotten, geschält gewogen
  • Saft einer Mandarine oder Clementine 
  • abgeriebene Schale einer halben Mandarine oder Clementine 
  • 1 El Grand Marnier oder Cointreau
  • 1 Ei Grösse L
  • 65 gr Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 100 gr Mehl
  • 3/4 Tl Weinsteinbackpulver

Ofen auf 210 Grad vorheizen, Formen mit Papierförmchen bestücken oder gründlich einfetten. Butter schmelzen und einige Minuten zum Abkühlen zur Seite stellen. Karotte in Stücke schneiden, mit dem Saft der Mandarine im Mixer zu einem glatten Brei pürieren. Mandarinenschale, Grand Marnier, Ei, Zucker und Salz zugeben, kurz einmixen. Mehl und Backpulver sieben, unter die Karottenmasse mischen. Nicht zu lange rühren, sonst werden die Küchlein nicht luftig. Mit einem Löffel in die Förmchen füllen und auf der mittleren Schiene 18-20 Minuten backen. Stäbchentest nicht vergessen. Kühl aufbewahrt bleiben sie 4-5 Tage ein echter Leckerbissen.

Mittwoch, 14. November 2012

Antwerpse Koekjes



Eigentlich heissen sie Antwerpse Handjes und sind eine beliebte Spezialität der gleichnamigen Hafenstadt. Auf belgischen Blogs kursieren verschiedenste Rezepte, die von sich behaupten, dem Original sehr nahe zu kommen. Ich entschied mich für die Version eines Frauenvereins, deren Newsletter mit Rezepten alle zwei Monate in meinem Mailfach landet. Der Geschmack ist tatsächlich verblüffend ähnlich, allerdings sind meine Kekse zu dick geraten. Etwas dünner würden sie dem Original noch näher kommen. Mangels passendem Ausstecher, nenne ich sie Koekjes (Kekse) statt Handjes (Hände).


Für etwa 40 Koekjes:

  • 175 gr Butter, sehr weich
  • 160 gr Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 1 Ei Grösse L, getrennt
  • 250 gr Mehl
  • Mandelblättchen

Butter mit Zucker und Salz schaumig rühren. Eigelb gründlich unterrühren. Mehl untermischen und den Teig 30 Minuten in den Kühlschrank stellen, bis er sich formen lässt. Zu einer Rolle mit etwa 5 cm Durchmesser formen, in Frischhaltefolie einschlagen. Seiten auf der Arbeitsfläche etwas flachdrücken, damit die Rolle leicht rechteckig wird. Über Nacht im Kühlschrank fest werden lassen. Am nächsten Tag den Ofen auf 170 Grad vorheizen. Backblech mit Backpapier belegen. Rolle aus dem Kühlschrank holen, aus der Folie wickeln und in etwa 3 mm dünne Scheiben schneiden. Mit etwas Abstand auf dem Blech verteilen. Dünn mit verquirltem Eiweiss bestreichen und mit Mandelblättchen belegen. Auf der mittleren Schiene einschieben und 10-12 Minuten backen. Die Koekjes sollten hell bleiben. In einer gut schliessenden Blechdose sind sie drei Wochen haltbar.