Montag, 12. November 2012

50-Stunden-Toastbrot (geht aber auch schneller)



Nach dem Topo Love Map Cake Desaster sitze ich immer noch auf einer fast vollen Packung Red Lotus Cake Flour. Auf der Suche nach anderen Verwertungsmöglichkeiten fand ich die verlockend aussehenden Overnight Soft Buns. Rezept nur husch, husch durchgelesen und den Poolish auf dem Küchentisch, statt im Kühlschrank, reifen lassen. Am nächsten Tag keine Zeit zum Backen gehabt, Vorteig in den Kühlschrank gestellt und bis zum nächsten Morgen vergessen. Statt 16 Stunden durfte der Poolish über 50 Stunden reifen.

Aus Versehen nahm ich dann normales Mehl statt Typ 550 für den Hauptteig, Milchpulver war aus, keine Eier mehr im Kühlschrank und wo der letzte Rest Butter abgeblieben ist, weiss nur Herr C. Also schnell improvisiert, mit der Folge, dass der Teig viel zu weich war, um daraus Hörnchen zu formen. Beim Backen ging das Brot dann so stark auf, dass ich es nur mit Mühe und Not (Umkippen der Form) aus dem Ofen bekam. Lange Rede, kurzer Sinn: Es ist trotzdem was geworden. Ein riesig tolles Toastbrot.


Poolish:

  • 150 gr Mehl Typ 550
  • 150 gr kaltes Wasser
  • 1/4 Tl Trockenhefe

Alle Zutaten in einer Schüssel verrühren, mit Klarsichtfolie abdecken und dann 16 Stunden bei Zimmertemperatur reifen lassen. Direkt verbacken oder maximal 2 Tage bis zur weiteren Verwendung im Kühlschrank lagern. Mindestens 2 Stunden vor der Weiterverarbeitung aus dem Kühlschrank holen.


Hauptteig:

  • 250 gr Mehl Typ 403
  • 100 gr Cake Flour oder Mehl Typ 403
  • 50 gr Zucker
  • 7 gr Salz
  • 2 gr Trockenhefe
  • 75 gr Hafermilch, lauwarm
  • 50 gr Wasser, lauwarm
  • 40 gr Alsan, geschmolzen

Mehl, Cake Flour, Zucker, Salz und Hefe in der Schüssel der Küchenmaschine verrühren. In die Mitte eine Mulde machen, Vorteig hineingeben. Hafermilch, Wasser und Alsan drübergiessen. Maschine 2 Minuten auf kleiner Stufe, danach 10 Minuten auf mittlerer Stufe kneten lassen. Der Teig darf am Schluss noch leicht klebrig sein. Etwa 60 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat. Zusammenfalten, auf wenig Mehl einrollen, in eine mit Backpapier ausgelegte Cakeform legen. Mit geölter Klarsichtfolie abdecken, Teig aufgehen lassen, bis er sich deutlich vergrössert hat. Das dauerte bei mir weitere 60 Minuten. Oberfläche nach Belieben mit etwas Sahne bepinseln, einschneiden und 10 Minuten bei 210 Grad im vorgeheizten Ofen backen. Hitze auf 190 Grad reduzieren, weitere 25-30 Minuten backen, bis das Toastbrot goldbraun ist. 


Samstag, 10. November 2012

Kürbiskernkuchen



Der Herr Schwiegervater war ein Bio-Pionier. Lange bevor Bio richtig hip wurde, bot er in seinem Laden nebst Lebensmitteln auch Artikel des täglichen Bedarfs in Bioqualität an. Heute würde man ihm alles aus den Händen reissen, damals liefen die Geschäfte etwas schleppend. So kam es, dass öfters unverkaufte Lebensmittel auf dem Esstisch der Familie landeten. Mit einem Schmunzeln erinnert sich Herr C. gerne an wahre Sauerkrautorgien, weniger lustig fand er kistenweise überreife Mangos oder Bananen.

Aus dieser Zeit stammt auch seine Abneigung gegenüber Kürbiskernen. Ob er sich daran mal überfressen hat oder die Kerne von Anfang an nicht mochte, weiss er nicht mehr. Jedenfalls beäugt er mich immer misstrauisch, wenn ich Kürbiskerne einkaufe. Je grösser die Packung, desto mehr Wohlwollen verscherze ich mir. Am Anfang unserer Beziehung schmuggelte ich ab und zu ein paar Kürbiskerne ins Essen. Er hat es immer gemerkt und war not amused. Umso erfreuter war ich, als er (fast) freiwillig ein Stückchen Kuchen probiert hat. Sein Urteil: Essbar. Zweite Äusserung: Warum prickelt es auf meiner Zunge so komisch? Ich geb's auf. Endgültig.


Für einen kleinen Kuchen:

  • 80 gr sehr weiche Butter
  • 70 gr Zucker
  • 2 Eier Grösse L
  • 1 Prise Salz
  • 2 Msp frisch geriebene Tonkabohne (oder die doppelte Menge Vanillemark)
  • 130 gr Kürbiskerne, frisch gemahlen*
  • 4 El frisch gepresster Orangensaft
  • 50 gr Mehl
  • 1 Tl Weinsteinbackpulver

Ofen auf 180 Grad vorheizen. Eine Springform (18/20 cm Durchmesser) gut ausbuttern oder mit Backpapier auslegen. Butter mit dem Zucker und den Eiern sehr cremig rühren. Salz, Vanillemark oder geriebene Tonkabohne und die Kürbiskerne untermischen. O-Saft löffelweise unterrühren. Mehl und Backpulver darüber sieben, kurz miteinander vermischen. In die vorbereitete Form füllen, glatt streichen und auf der mittleren Schiene 25-30 Minuten backen. Stäbchentest nicht vergessen. Kühl gelagert und gut eingepackt, hält sich der saftige Kuchen mindestens 3-4 Tage frisch. Quelle: Steirisch Kochen

*Ganze Kürbiskerne kurz in der Pfanne anrösten, bis sie fein duften. Auf einem Teller auskühlen lassen, dann im Cutter oder Standmixer so fein wie möglich zerkleinern. Bitte nicht auf Vorrat mahlen, die Kerne verlieren sehr schnell ihr Aroma und werden ranzig.


Donnerstag, 8. November 2012

Ein Rezept für Griesswölkchen gefällig?



Ende der 80er bestellte ich in einem österreichischen Ausflugslokal meine erste Griessnockerlsuppe. Es war Liebe auf den ersten Bissen. Sie waren recht klein, nicht wirklich fluffig, garantiert aus der Tüte, aber für meine Begriffe eine richtig extravagante Suppeneinlage, die ich auf Anhieb mochte. Um den Familienfrieden zu wahren, kaufte Frau Mama einige Fixfertig-Tüten für den Vorrat. Nachdem das Fertigzeug aufgebraucht war, gab es wieder hausgemachte Suppen mit diversen Einlagen. Aber nie wieder Griessnockerl.

Zwei Jahrzehnte später fand ich im Kühlregal eines Supermarkts eine Packung Griessklösschen. Die entbehrungsreichen Jahre hatten ein Ende. Ich war regelrecht süchtig nach dem Zeug. Doch irgendwann wechselte das Sortiment und die Nockerln verschwanden wieder aus meinem Leben. Natürlich dachte ich oft an DIY. Aber durch den Hinterkopf geisterte die Versagensangst. Denn Griessnockerl sind schwierig. Heikel. Kapriziös. Zerfallen leicht. Bleiben kompakt. Kleben an Topfboden. Rangieren auf Platz zwei der Scheidungsgrundrangliste. Und so weiter und so fort. Stimmt alles nicht. Glaubt mir. Einfach ausprobieren.


Für 12 Nockerln (reicht für 3-4 Personen):

  • 30 gr sehr weiche Butter
  • 1 Ei, möglichst zimmerwarm
  • wenig frisch geriebene Muskatnuss
  • 2 grosszügige Prisen Salz
  • 80 gr Hartweizengriess

In einem grossen Topf mindestens eine Handbreite hoch Wasser zum Kochen bringen.*

Butter mit dem Handmixer cremig rühren. Ei, Muskat und Salz zugeben. Weiter rühren, bis die Masse schön schaumig ist. Griess untermengen, fünf Minuten ruhen lassen. Mit nassen Händen oder zwei Esslöffeln Nocken formen. Auf einen kalt abgespülten Teller legen, bis alle Nockerln geformt sind. Dann Stück um Stück ins sprudelnd kochende Wasser geben. Deckel halb auflegen, 12 Minuten kochen. Herd ausschalten, Deckel ganz auflegen und zehn Minuten ziehen lassen. In heisser Brühe servieren.

* Wichtig: Das Wasser sollte schon fast kochen, wenn ihr mit der Zubereitung beginnt. Kochwasser muss auf die Nockerln warten, nicht umgekehrt. Unbedingt einen Topf wählen, der schön breit ist. Wenn sie nicht genug Platz haben, können sie ihr Volumen nicht verdreifachen und werden nicht fluffig. Quelle: Wunderkessel

Mittwoch, 7. November 2012

Linsen-Paté nach Meret Bissegger


Fürs Foto in den Regen raus gerannt, fünf Bilder geknipst und dann die Schnitte genüsslich verdrückt

Nach dem würzigen Quittenkompott mit Kurkuma folgt der zweite Streich, eine Linsen-Paté. Ebenfalls nach einem Rezept von Meret Bissegger. Die Linsenmenge wurde mangels Verfügbarkeit reduziert, der Gemüsenanteil aber bewusst nicht gekürzt. Petersilienstiele sind ein Geheimtipp der Frau Mama. In Gemüsesuppen ganz mitkochen, vor dem Verzehr herausfischen. Kleingeschnitten, in Eintöpfen oder Schmorgerichten, werden sie selbstverständlich mitgegessen. Während der Saison friere ich Petersilienblätter und -stängel getrennt ein, so sind auch kleinste Mengen immer zur Hand. Wer keine Stängel vorrätig hat, kann sie hier auch weglassen. Bitte nicht durch Petersilienblätter ersetzen, deren Geschmack wäre zu dominant.


Für 6 Personen:

  • 4 grosse Petersilienstiele, fein geschnitten
  • 75 gr rote Linsen
  • 2 Lorbeerblätter
  • 300 ml Wasser

Linsen mit Petersilienstielen, Lorbeerblättern und Wasser in einem kleinen Topf zum Kochen bringen. Köcheln lassen, bis die Linsen verkocht sind. Ab und zu umrühren. Das Wasser wird dabei vollständig absorbiert. Im Topf befindet sich dann ein dicker Linsenbrei, aus dem die Lorbeerblätter nun entfernt werden. Zur Seite stellen.

  • 1 El Butter oder Alsan
  • 80 gr Schalotte, gehackt 
  • 80 gr Sellerie, in kleinen Würfeln
  • 1 Knoblauchzehe, fein gehackt
  • 1/2 Tl Thymian
  • 1 Gewürznelke
  • 2 Lorbeerblätter
  • 150 ml Weisswein
  • 150 ml Wasser
  • 1 El Malzessig
  • 1/2 Tl Majoran
  • 1/2 El Gemüsebrühepulver
  • 3 El Sherry
  • 60 gr Butter oder Alsan, in Stücke geschnitten
  • Pfeffer, Salz oder Sojasauce

Schalotte und Sellerie langsam in der Butter anbraten. Knoblauch zugeben, eine Minute mitbraten. Thymian, Nelke, Lorbeerblätter in die Pfanne geben, mit Weisswein ablöschen. Wenn der Weisswein kocht, Wasser und Essig zugiessen. Hitze hochdrehen und Flüssigkeit einreduzieren, bis fast nichts mehr übrig ist. Majoran und Brühepulver einrühren, Sherry zugiessen. Kochen, bis die Flüssigkeit fast verdampft ist. Linsen unterrühren, zwei Minuten erhitzen. Herd ausschalten, Nelke und Lorbeerblätter rausfischen, fünf Minuten stehen lassen. Dann mit dem Stabmixer oder im Cutter zu einer glatten Masse pürieren. Butter oder Alsan Stück für Stück unter das warme Linsenpüree rühren. Mit Pfeffer und evt. Salz oder Sojasauce abschmecken. Paté in eine Schüssel oder kleine Portionsförmchen füllen. Wenn die Paté ausgekühlt ist, mit Klarsichtfolie abdecken und mindestens 6 Stunden im Kühlschrank fest werden lassen. Mit Gemüse, Brot oder Crackern servieren.