Donnerstag, 14. Juni 2012

Trial & Error - Topo Map Love Cake



Bei Table for 2 gesehen und sofort auf dem Spitzenplatz meiner To-Do-Liste gelandet. Der Kuchen sieht so toll aus und die Geschmackskombination von Vanille und Padan gefällt mir ausserordentlich gut. Das verlangte Cake-Flour hatte ich beim letzten Einkauf im Asiashop mitgenommen, Padanextrakt schon vor einigen Wochen hergestellt. Das Rezept schien nicht allzu schwierig, daher habe ich es gestern nachgebacken. Aber irgendwo war der Wal Wurm drin'.

Es fing schon beim Teig an. Ich musste die angegebene Flüssigkeitsmenge verdoppeln, damit der Teig einigermassen streichfähig war. Unter eine Hälfte die Vanilleessenz gemischt, unter die andere einen Esslöffel Padanextrakt. Da die Masse mit jeder Sekunde dicker zu werden schien (?), war an vier Schichten überhaupt nicht zu denken. Also eine Teighälte in die Form gespachtelt und mit Kakaopulver bestreut. Restlichen Teig darüber gegeben und vorsichtig glatt gestrichen. In den Ofen gestellt und nach 40 Minuten sah der Kuchen grandios aus. Schön aufgegangen, goldgelb, richtig toll. Erfolgreich den Stäbchentest gemacht und dann aus dem Ofen geholt. Zum Abkühlen auf ein Gitter gestellt und kurz die Küche verlassen. 

Nach 10 Minuten kam ich zurück, um den Kuchen aus der Form zu holen. Mist, er war ziemlich heftig zusammengesackt. Weitere 15 Minuten gewartet und dann trotzdem aus der Form geholt. Das scheint er mir sehr übel genommen zu haben, denn auf dem Gitter sackte er noch mehr zusammen. Die grünen Punkte auf der braunen Oberfläche sahen auch ganz witzig aus. Kuchen mit Pocken. Njammi...

Nach dem Auskühlen angeschnitten und fast rückwärts aus der Küche gerannt. Das zarte Lindgrün des Teiges hatte sich in ein grelles Giftgrün verwandelt. Und die Kakaoschicht war definitiv zu dick. Wow, viel mehr hätte wohl nicht schief gehen können. Trotzdem todesmutig ein Stück probiert und oho, er schmeckte wirklich gut. Die Konsistenz war definitiv zu kompakt, aber lustigerweise nicht klitschig, obwohl es auf dem Foto so aussieht. Keine Ahnung, was da alles falsch gelaufen ist, aber der nächste Versuch folgt bald. Und dann sieht mein Ergebnis hoffentlich so wie Wendys Cake aus. Hoffentlich.

Hat jemand von euch schon mal mit asiatischem Cake-Flour gebacken und kann mir vielleicht den einen oder anderen Tipp dazu verraten? Ich vermute ja stark, dass das plötzliche Verdicken und das Zusammensacken an diesem Mehl (bzw. meiner falschen Handhabung des Mehls) liegen könnte. 

Zumindest taugt dieser mutierte Kuchen zu einem weiterer Beitrag für Heikes Event "Ugly Food".

Dienstag, 12. Juni 2012

Griechischer Reispudding nach Art der zwei Schwestern



Unseren ersten gemeinsamen Urlaub verbrachten Herr C. und ich auf Rhodos. Kurz vor Ende der Saison hatten wir das Vergnügen, die Insel fast für uns alleine zu haben. Einziger Nebeneffekt war das eingeschränkte kulinarische Angebot in unserem kleinen Dörfchen. Nur zwei Restaurants hatten noch geöffnet, alle anderen waren schon in der Winterpause. So assen wir abends oft an einem kleinen Gyrosstand, der von zwei Schwestern betrieben wurde. Zu den exzellent gewürzten Spiessen frisch vom Grill gab es wahlweise Salat, Gemüse, Pommes und/oder frisches Brot. Und danach immer noch eine grosse Portion Rizogalo als Dessert. Herr C. versuchte jeden Abend, mir meine Portion abzuschwatzen, da er den Reispudding so gerne mochte. Weil ich so verliebt war, hatte er meistens Erfolg. Heute hätte er keine Chance mehr... 

Der "Pudding" der zwei Schwestern war eher eine dickflüssige Crème mit ausgeprägtem Zimtaroma. Trotz zahlreicher Kochbücher über die griechische Küche, fand ich nirgends ein Rezept, welches dem Rizogalo aus Rhodos nahe kam. Nach einigen DIY-Fehlversuchen stellte sich heraus, dass Reismehl die gesuchte Zutat war. Mit Mais- oder Weizenstärke wird der Pudding einfach nicht so richtig schlotzig.  

Für zwei Portionen:

  • 500 ml Vollmilch
  • 1 gehäufter El Milchreis
  • 1 Prise Salz
  • 1 kleines Stück Zimtstange (3-4 cm)
  • 1 gehäufter El Zucker
  • 50 ml Sahne
  • 1 gehäufter El Reismehl
  • frisch gemahlener Zimt (optional) 

200 ml Milch, Milchreis, Salz und Zimtstange aufkochen. Zehn Minuten auf kleiner Hitze kochen lassen, ab und zu umrühren. Herd abschalten, über den Topf ein Küchentuch legen und Deckel fest draufpressen. Reis 20-30 Minuten quellen lassen. Weitere 250 ml Milch und Zucker in den Topf geben, aufkochen, immer mal wieder umrühren. Unterdessen das Reismehl in der restlichen Milch und der Sahne klümpchenfrei verrühren. Wenn der Topfinhalt kocht, Zimtstange herausfischen und aufgelöstes Reismehl einrühren. Unter ständigem Rühren einige Minuten kochen, bis der Pudding merklich andickt. In kalt ausgespülte Schüsselchen füllen und Oberfläche mit Klarsichtfolie abdecken. So kann sich keine Haut bilden. Mindestens fünf Stunden in den Kühlschrank stellen, damit der Pudding durchkühlen kann. Mit Zimt bestreuen und kalt servieren.

Anmerkung:
Reismehl ist in Bio-Läden und in Asia-Shops erhältlich.

Montag, 11. Juni 2012

Das Glück steht im Regal und heisst Lilienporzellan



Letzte Woche war ich kurz in der Stadt. Ein bisschen geschneuggt, die ersten Saturn-Pfirsiche gekauft, Bibliothekskarte verlängert, neue Krimis und Kochbücher ausgeliehen und dann spontan beschlossen, noch kurz meinem Lieblingsbrocki einen Besuch abzustatten.

Mit meinem Second-Hand-Mantra auf den Lippen ("Ich brauche nichts, ich will nichts, ich kaufe nichts und wenn ich es doch tue, kriegt Herr C. wieder einen Tobsuchtsanfall...Oooooohhhmmm...") schlenderte ich durch die Regalreihen. Und da stand sie plötzlich und strahlte mich mit ihrer sonnengelben Farbe an. Erster Gedanke: Oh, wie hübsch. Haben will! Zweiter Gedanke: Du brauchst keine Suppenschüssel, du hast schon drei Stück (siehe Mantra). Dritter Gedanke: Och, wenn ich schon mal hier bin, dann gucke ich zumindest, ob eine Porzellanmarke vorhanden ist. So rein zu Fortbildungszwecken.

Schüssel gedreht und es war LILIENPORZELLAN! Ich bin vor Freude fast ausgetickt. Sie sah aus wie neu und der Preis erst.... (die Pfirsiche waren teurer). Tante Google lieferte dann noch folgende Informationen: Es handelt sich um eine Ragoutschüssel aus der Serie "Daisy", produziert 1963-1965. Im Internet werden solche Teile ab 500 Euro aufwärts gehandelt. Denke mal, dass es sich dabei eher um überrissene Phantasiepreise handelt. Aber es hört sich natürlich nicht schlecht an, wenn man bei einer Party so beiläufig fallen lassen kann: Schön, dass dir die Schüssel gefällt. Aber würdest du sie bitte wieder hinstellen? Mit Sachen, die mehrere Hundert Euro kosten, sollte man etwas vorsichtiger umgehen. Höhöhöhö.... ;-)

Samstag, 9. Juni 2012

New York Cheesecake - Let's get the party started


Danke Onkel Z. 
Ohne deinen Fingerzeig hätten wir den Cheesecake glatt übersehen... :D

Seit 1998 der Hit bei jeder Feier und von Freunden und Familie immer wieder gerne gewünscht. Warum ich weiss, wann ich den Cheesecake zum ersten Mal gebacken habe? Weil im Kochbuch immer noch die Quittung aus dem Buchladen liegt. Am selben Tag habe ich das Rezept noch mit einer datierten Anmerkung versehen: 26. Februar - Sehr gut, den hätte ich gerne als Hochzeitstorte. Beim ersten Mal hat's nicht geklappt. Vielleicht beim nächsten Mal. Falls es das gibt. (Und ja Herr C., das war ein Wink mit dem Zaunpfahl!) 

Über die Jahre habe ich das Rezept natürlich ein wenig angepasst. Früher aromatisierte ich Belag und Guss ausschliesslich mit ätherischen Ölen. Die hatte ich, dank der damals weit verbreiteten Duftlampen, immer in petto. Die Duftlampe ist schon lange auf den Müll gewandert und der Bestand an ätherischen Ölen infolgedessen drastisch geschrumpft. Abgeriebene Zitrusschalen, von unbehandelten Früchten, sind ein guter und preiswerter Ersatz. Wer einen jungfräulich weissen Cheesecake bevorzugt, sollte die Variante mit den ätherischen Ölen* mal ausprobieren.

Für den Boden :

  • 10 Scheiben (Dinkel)Zwieback, sehr fein zerbröselt
  • 1 Tl Zimt
  • 50 gr Butter, zerlassen
Eine Springform (28 cm Durchmesser) mit Backpapier auslegen oder gründlich einfetten. Zwiebackbrösel mit Zimt und der Butter mischen. Den Boden der Form mit dieser Mischung bedecken. Mit dem Löffelrücken oder den Händen leicht andrücken, damit der Boden gleichmässig dick wird.

Für den Belag:
  • 1 kg Magerquark
  • 100 gr Zucker
  • 75 gr selbst gemachter Vanillezucker
  • 4 Eier
  • Fein abgeriebene Schale einer Zitrone oder 6 Tropfen ätherisches Zitronenöl

Ofen auf 180 Grad vorheizen. Quark, Zucker und Vanillezucker in eine Rührschüssel geben und mit dem Rührbesen oder dem Handmixer glatt rühren. Zitronenschale oder -öl zugeben. Dann die Eier eines nach dem anderen unterschlagen, bis alles gut vermischt und die Masse glatt ist. Vorsichtig auf den Boden giessen, glatt streichen und auf der mittleren Schiene 45-50 Minuten backen. Der Rand sollte fest, die Mitte noch etwas weich und die Oberfläche hellgoldfarben sein. Backofen ausschalten. Zwischen Türe und Ofen einen Holzlöffel klemmen, damit die Hitze nur langsam entweicht. Mindestens eine Stunde im Ofen auskühlen lassen. Wenn man den Kuchen direkt aus dem Ofen nimmt, reisst die Oberfläche unschön auf. 

Für den Guss:
  • 1 Becher Saure Sahne, Crème fraîche oder Schmand (200 gr)
  • 3 gehäufte Tl Zucker
  • 1 Tl fein abgeriebene Orangenschale oder 2 Tropfen ätherisches Orangenöl
Unterdessen Saure Sahne, Zucker und Orangenschale oder -öl gut verrühren. Geht am einfachsten, wenn man die Sahne dabei im Becher lässt. So spart man sich auch gleich den Abwasch einer weiteren Schüssel. Wenn der Kuchen ausgekühlt ist, aus dem Backofen nehmen und den Ofen auf 220 Grad vorheizen. Den Guss vorsichtig auf den Kuchen giessen, glatt streichen. Keine Angst, da läuft dank der Vertiefung in der Quarkmasse (sackt nach dem Backen etwas ein) nichts runter. Fünf Minuten in den Ofen stellen, damit der Guss kurz angebacken wird. Zum Auskühlen auf ein Kuchengitter stellen und dann abgedeckt über Nacht im Kühlschrank deponieren. Ohne den Kühlschrankaufenthalt wird der Cheesecake nicht schnittfest. Nur als Info.

Wer mag, kann den Cheesecake noch mit Früchten dekorieren. 
Anmerkung:
* Bei der Dosierung Vorsicht walten lassen. Je nach Konzentration braucht man deutlich weniger ätherisches Öl, als ich oben angegeben habe. Tropfenweise untermischen und zwischendurch probieren. Der Geschmack sollte ausgeprägt, aber nicht alles erschlagend sein. Bitte keine Öle verwenden, auf deren Etikett "naturidentisch" oder ähnliches steht. Solche Chemiebomben sind definitiv nicht für den Verzehr geeignet! Sehr gute und 100 % reine ätherische Öle erhält man im Bio-Laden oder zum Beispiel bei Farfalla. Backaromen sind in diesem Fall kein Ersatz. Dann lieber die abgeriebenen Schalen verwenden. Quelle: "Jüdische Küche - 100 authentische Rezepte" von Elizabeth Wolf-Cohen