Donnerstag, 11. Oktober 2012

Die Schwarznuss - Eine kleine Anleitung



Die Früchte des Schwarznussbaumes (bot. Juglans nigra) werden in unseren Breitengraden nicht wirklich geschätzt. Sogar Eichhörnchen verschmähen diese fettreichen Nüsse, weil die Schale so schwer zu knacken ist. Viele Leute wissen nicht, dass Schwarznüsse essbar sind oder lassen sich, wie die Eichhörnchen, von der steinharten Umhüllung abschrecken. In den USA hingegen, wo sie unter der Bezeichnung "Black Walnut" bekannt sind, gelten sie als ausgesprochene Delikatesse. Dort werden sie beispielsweise zu Cookies, Kuchen und Eis/Glacé verarbeitet. Leider muss der Genuss hart erarbeitet werden. Aber es lohnt sich. Die Kerne sind unglaublich aromatisch, vielseitig verwendbar und ein superexklusives Geschenk für alle Nussliebhaber. 

Genug geplaudert, schreiten wir zur Praxis:

1. Handschuhe und Bekleidung
Beim Sammeln und Reinigen stets Plastikhandschuhe tragen. Sonst dürft ihr euch mehrere Tage an braun gebeizten Händen und dunkel verfärbten Fingernägeln erfreuen. Als Bekleidung würde ich alte Sachen empfehlen, da die Flecken sich hartnäckig jeglichen Reinigungversuchen widersetzen.


2. Nüsse sammeln
Schwarznüsse sind reif, wenn sich die grüne Schale gelblich verfärbt. Das geschieht meistens Ende September/Anfang Oktober. Ab diesem Zeitpunkt können sie gepflückt werden. Oder einfach warten, bis die Nüsse von alleine herunterfallen. Beim Aufsammeln sollten Exemplare ohne äussere Schale bevorzugt werden. Das erspart euch eine Menge Arbeit.


3. Umhüllung entfernen
Falls die Nuss von einer grünen/gelben/schwarzen Schale umhüllt ist, muss diese unbedingt entfernt werden. Die einfachste Methode ist folgende: Gummistiefel anziehen, Nüsse auf einen Betonboden (z.B. Gehweg) legen und darüber laufen. Dabei mit den Füssen hin und her wackeln, damit die Schale sich gut löst. Keine Angst, das Innenleben wird dabei nicht beschädigt. Danach dürft ihr aus der Matschepampe die Nüsse herausklauben. Pampe bitte nicht im Kompost, sondern mit dem Hausmüll entsorgen. Man kann die Schale auch mühselig von Hand entfernen (ist bei einem weit fortgeschrittenen Reifegrad aber ziemlich eklig).


4. Waschen
Waschen muss sein und zwar so gründlich wie möglich. Am einfachsten gestaltet sich der Vorgang im Garten. Nüsse in einen Waschzuber geben, mit Wasser bedecken und erstmal einige Minuten kräftig umrühren, damit das anhaftende Zeug sich besser löst. Nüsse, die auf dem Wasser schwimmen, entsorgen. Danach mit behandschuhten Händen kräftig "durchkneten", damit sich die Nüsse gegeneinander reiben. Wasser auswechseln und wieder einige Minuten durchwalken. Ggf. mehrmals wiederholen. Wenn sich die Ummantelung gar nicht lösen will, mit einer harten Bürste nachhelfen. Wer keinen Garten hat, kann die Nüsse auch im Waschbecken reinigen. Bitte beachten, dass sich poröses Material (Risse, Holz etc.) dauerhaft braun verfärbt. Die Nüsse müssen am Ende nicht blitzeblank sein, aber je mehr Nussschale sichtbar ist, desto besser.


5. Trocknen
Nach dem Waschen müssen die Nüsse so schnell wie möglich trocknen, damit sie nicht anfangen zu schimmeln. Erster Schritt: In einem Metallsieb gut abtropfen lassen. Siebe aus Plastik oder Keramik sind wegen der Verfärbungsgefahr ungeeignet. Wer ein altes Handtuch übrig hat, kann die Nüsse damit abrubbeln. Sonst auf Küchenpapier ausweichen. Danach auf einem Kuchengitter zum Trocknen auslegen. Das Gitter für die nächsten 2-3 Tage in einen gut belüfteten, eher kühlen Raum stellen. Nicht auf oder neben der Heizung platzieren, bei Temperaturen über 25 Grad wird das Fruchtfleisch schnurstracks ranzig.


6. Trocknen, die Zweite
Wenn die Nüsse sich rundum trocken anfühlen, können sie platzsparender in einen Weidenkorb oder oben offenen Karton umgeschichtet werden. Den Boden des Weidenkorbs vorher mit Zeitungspapier auslegen, so vermeidet man unliebsame Krümelorgien. Keine dicht schliessenden Behälter wie Plastikkisten o.ä. verwenden. Nun müssen die Nüsse mindestens zwei Wochen durchtrocknen, damit das Fruchtfleisch seinen vollen Geschmack und eine härtere Konsistenz entwickeln kann. Je länger sie ruhen dürfen, desto besser lassen sie sich schälen. Ab und zu umschichten und auf Schimmel kontrollieren.


7. Schälen
Mit Hammer oder Schraubstock. Nussknacker sind gänzlich ungeeignet. Falls vorhanden, eine Schutzbrille tragen. Kinder und Tiere anderweitig beschäftigen. Fröhliches Fluchen kann übrigens auch helfen. ;-)


8. Aufbewahrung
Ungeschält sind die Nüsse monatelang haltbar. Wer auf Vorrat knacken möchte, sollte das Fruchtfleisch danach gründlichst aussortieren. Schalensplitter sind Plombenkiller! Geschälte Nusskerne vorzugsweise im Kühlschrank aufbewahren. Besser: Direkt in den Tiefkühler verfrachten. 


P.S. Freue mich natürlich über jede Anregung, Verbesserungsvorschläge und Erfahrungsberichte. Werde die Anleitung gerne damit ergänzen.

P.P.S. Unbedingt ausprobieren: Ungarischer Gewürzkuchen mit Schwarznüssen und die Schwarznussrollen.


Kommentare:

Aquamarina hat gesagt…

Danke für die nett gestalteten Informationen! Habe heute durch Zufall mit einer Freundin zum ersten Mal die Schwarznuss entdeckt und bin froh, dass es bereits professionelle Ratschläge gibt, ein Nussknacker hat leider bereits den Geist aufgegeben ;-)...

Anonym hat gesagt…

Nüsse ins Wasser geben, Schalen schwimmen obenauf.

Cooketteria hat gesagt…

Genialer Tipp! Dankeschön!

Anonym hat gesagt…

Habe einen Schwarznußbaum im Garten, wußte nicht, daß man ie Früchte essen kann, bis heute immer alle gehäckselt und auf einem extra Platz kompostiert, gibt wunderbar krümeligen Kompost, ist aber erst nach 1 Jahr verwendbar. Danke für die Information, werde die einmal kosten müssen ... :-)

Cooketteria hat gesagt…

Danke für die Info. Ich wusste nicht, dass man die Nüsse (wenn auch gesondert) kompostieren kann. Leider haben wir keinen Schwarznussbaum im Garten (sammle die Nüsse immer im Park) und häckseln können wir mangels Strom auch nicht, aber es klingt sehr spannend. Krümligen Kompost kann man ja immer brauchen.

Doro hat gesagt…

Wusste bisher nicht, dass man die Nüsse essen kann. Es lassen sich schöne Knöpfe daraus machen, ist aber auch mühsam. Vorsichtig dünne Scheiben sägen und polieren.
Doro

Cooketteria hat gesagt…

Interessant. Das mit den Knöpfen werde ich ausprobieren. Merci für den Tipp!

multikulinaria hat gesagt…

Oh, die kannte ich noch nicht. Als begeisterte Wildpflanzennutzerin werde ich künftig die Augen nach Schwarznussbäumen offen halten. Danke für die Info!

Cooketteria hat gesagt…

Bei uns sind Schwarznussbäume oft in Parks und manchmal auch auf Friedhöfen anzutreffen. Bin mir nicht ganz sicher, meine aber, dass ich sie in Frankreich auch schon als Alleebäume gesehen habe. Laut einem Stadtgärtner waren sie hier in den 80ern sehr beliebt, danach wurden sie nur noch vereinzelt gepflanzt. Liegt wohl auch daran, dass Eichhörnchen die Nüsse verschmähen und die Gärtner dadurch doppelte Arbeit haben. Trotzdem viel Glück bei der Suche!

Anonym hat gesagt…

Hallo und guten Tag ^^

Danke für den Bericht und die Informationen. Ich habe in Köln ganz in der Nähe einen Schwarznuß-Alleebaum und habe heute die am Boden liegenden Nüße geerntet. Freue mich das ich jetzt weiß was ich da für unsere Eichhörnchen, Eichelhäher, Elstern, Meisen usw. eingesammelt habe.

Bin mal gespannt wie lange ich brauche um meine Hände wieder sauber und geruchsfrei zu bekommen ^^

Werde die Nüsse nur trocknen und im Winter für die Tiere knacken. Bin mal gespannt wie sie angenommen werden, da ja fettreich und nahrhaft.

fg

SH

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen. :-)

Bei meiner letzten Sammelaktion ging einer der Plastikhandschuhe beim Stöckchenwerfen kaputt (dem Hund war langweilig) und ich habe ohne weitergesammelt. Die Flecken auf der Haut und den Fingernägeln waren noch drei Wochen später sichtbar. Leider habe ich bis heute kein patentes Mittel dagegen gefunden. Marseiller Seife und kräftiges Schrubben sind meiner Erfahrung nach am wirksamsten. Aber auch nur, so lange die Flecken noch frisch/feucht sind.

Würde mich über einen Erfahrungsbericht bzw. eine Rückmeldung dazu sehr freuen.

Ganz liebe Grüsse

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank für die ausführlichen Informationen!

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen :-)

Anonym hat gesagt…

Hallo,ich habe gestern auch welche gefunden,mitlrrweile eine weidenkorb voll, möchte gerne die schalen kochen und für meine haare verwenden,mit hena misschen :) damit nicht ganz rot wird sondern dunkelbraun,machen wir es.mit normale walnussschalen auch :), mal sehen , was aus meine haare wird :) und auch vielleicht Stoff färben :) die nüsse werde im Winter essen :)

Danke für Informatione! LG
Nuni

Susa hat gesagt…

danke für den Blog. habe heute am Fluss (Österreich) zufällig die Schwarznüsse gefunden und sofort den Walnussduft der Schalen und das Abfärben bemerkt. Auf der Suche nach der Bestimmung dieser Art bin ich über diesen Blog gestolpert.Werde entsprechend "bewaffnet" morgen die Nüsse einsammeln.

LG Susa

Milan Olodum hat gesagt…

Die Grünen Schal sind sehr gut um Medizin daraus zu gewinnen man legt sie in Wodka ein das sind 37% Alkoholgehalt etwa und nach 2 Wochen ist die Tinktur fertig

Anonym hat gesagt…

Anonym B: Relativ problemlos erfolgt das Öffnen über das stumpfe Ende der Nuss. Hier gibt es eine Kerbe, in die man einen Schraubenzieher oder einen schmalen Keil ansetzt und diesen mit dem Hammer eintreibt. Die Nuss hälftet sich.
Diese Pozedur wird erleichtert, wenn man die Nuss nicht gerade essen will. Man kocht sie über 2 und mehr Stunden in einem Sud aus Essigwasser, versetzt mit Salz und Spülmittel. Danach lässt sich die Nuss mit einer Zahnbürste bestens vom restlichen Fruchtfleisch reinigen und man erhält das so schön gekerbte Holz. Im Schraubstock eingeklemmt, kann man Scheiben schneiden und erhält wunderschön gemaserte, strukturierte "Knöpfe". Oder man malt sie an als Schmuck für Gestecke, Kränze u.ä.

Cooketteria hat gesagt…

Danke für die tollen Tipps :-)

Anonym hat gesagt…

Wenn man sich an den verfärbten Händen nicht stört, dann kann man das wohl ruhig auch ohne Handschuhe machen. Die Stoffe, welche die Haut beim Schälen der Früchte abbekommt, sollen gut für sie sein.

Cooketteria hat gesagt…

Kann man natürlich auch. Aber mich persönlich haben vor allem die verfärbten Fingernägel enorm genervt. Sie sahen wochenlang aus, als ob ich in einem Kohlebergwerk schufte (dunkel Ränder unter den Nägeln) und nebenbei schwerste Kettenraucherin bin (gelbliche Verfärbungen auf den Nägeln).... Bei den optischen Nebenwirkungen verzichte ich gerne auf die eventuellen positiven Wirkungen. ;-)

Anonym hat gesagt…

Bei uns gibt es keine Schwarnuss geschweige denn Wallnüsse. Wäre jemand bereit mir bei der nächsten Ernte welche zukommen zu lassen ? um mir daraus Pflänzchen zu ziehen.

MfG C.R.

Oliver Bauer hat gesagt…

Nachdem ich nun 1 Jahr regelmäßig Eichhörnchen beobachte und fotografiere muss ich dem Mythos widersprechen dass Eichhörnchen die Schwarznuss verschmähen weil deren Schale zu hart sei. Sie können die Schale problemlos öffnen und offensichtlich tun sie das auch recht gerne, das habe ich inzwischen vielfach beobachtet und könnte es auch mit zahlreichen Bildern belegen. Sie brauchen dafür nur ein paar wenige Minuten und verbrauchen dafür etwas mehr Energie. Ich habe den Eindruck dass sie sich speziell im Winter die Energie einteilen und zu dieser Jahreszeit leichtere Nahrung bevorzugen, z.B. hängengebliebenr Ahorn-Samen den sie leicht direkt von den Zweigen futtern können. Sie lassen die Schwarznuss meinen Beobachtungen zufolge also nur im Winter liegen und bereits im Frühjahr knabbern sie emsig die übrig gebliebenen Schwarznüsse auf. Die Häufigkeit mit der ich das beobachte lässt mich darauf schließen dass die Schwarznuss eine Delikatesse für Eichhörnchen ist, für die sie den Aufwand des Öffnens gerne in Kauf nehmen (Ausnahme im Winter).

https://www.flickr.com/photos/undertable/albums/72157655276906754