Freitag, 31. Juli 2015

Holunderkapern



Besonders die hübsche Farbe und der leicht fruchtig-holunderige Touch, der den dunkleren Beeren zu verdanken ist, machen die Kapern für mich zu einem Must-do-have-eat. Wer lieber neutralere Kapern möchte, sollte also nur die grünen Beeren verwenden. Generell gilt: Je reifer sie sind, desto leichter lassen sie sich abzupfen. Die knallgrünen Exemplare sind noch bombenfest mit den Stielen verbunden, daher am besten ganz behutsam abrebeln oder mit dem Daumennagel abknipsen. Mit den Zinken einer Gabel geht es zwar wesentlich schneller, aber die dünnen Stielchen bleiben dann zu etwa 80% an den Beeren hängen. Das ist allerdings nur ein rein optisches Problem, geschmacklich ändert sich nichts. 


Für 4 Gläser à 250 ml:

  • 660 gr unreife Holunderbeeren (gerebelt gewogen, pro Glas ca. 165 Gramm Beeren)*
  • 100 gr Salz
  • 1/2 El grobes Meersalz  
  • 500 ml Weissweinessig
  • 125 ml Wasser 
  • 125 ml Weisswein
  • 2 El Zucker
  • 12 Pfefferkörner
  • 8 Wacholderbeeren
  • 4 Pimentkörner
  • 1 Knoblauchzehe
  • 2 kleine Lorbeerblätter

Holunderbeeren in ein Sieb geben, gründlich abbrausen und abtropfen lassen. Unterdessen 100 gr Salz in eine Glas- oder Porzellanschüssel geben, ein Liter kaltes Wasser zugiessen und Salz darin auflösen. Beeren in das Salzwasser geben, kurz durchrühren und Schüssel mit einem Deckel oder Klarsichtfolie verschliessen. 24 Stunden bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Einmal umrühren kann nicht schaden.              

Am nächsten Tag die Beeren in ein Sieb schütten und kurz abtropfen lassen. Unterdessen in einem grossen Topf einen Liter Wasser mit dem restlichen halben Esslöffel Salz zum Kochen bringen. Beeren ins kochende Wasser geben, aufkochen und von da an exakt zwei Minuten kochen lassen. Sofort abschütten und im Sieb gut abtropfen lassen. Gewürze in die ausgekochten Gläser verteilen. Ich nehme je 3 Pfefferkörner, 2 Wacholderbeeren, ein Pimentkorn, 1/4 Knoblauchzehe und ein halbes Lorbeerblatt pro Glas mit 250 ml Füllmenge. Beeren mit einem Löffel in die vorgewärmten Gläser verteilen. Essig mit Wasser, Weisswein und Zucker aufkochen. Eine Minute sprudelnd kochen und sofort in die Gläser giessen. Sie sollten bis knapp unter den Rand mit Flüssigkeit gefüllt sein. Gut verschliessen und unter einem Küchentuch langsam auskühlen lassen. Die Holunderkapern müssen vor dem Verzehr mindestens zwei Wochen (besser 2-3 Monate) ruhen. Wenn sauber gearbeitet wurde, sind sie mindestens ein Jahr lang haltbar. Geöffnete Gläser vorzugsweise im Kühlschrank aufbewahren.

* Ein Obst-/Gemüse-Knischtersäckli fasst ca. 1 Kilo Holunderdolden.

Dienstag, 28. Juli 2015

Rezension: Anatolien von Somer Sivrioglu

               
                                                  Cover: https://exlibris.blob.core.windows.net/covers/9783/8624/4763/3/9783862447633xl.jpg

Machen wir es kurz: Mir ist zum Heulen zumute. Selten so auf eine Neuerscheinung gefreut, selten so schwer enttäuscht worden. 

Erster Eindruck:
Leider kann ich euch über die gedruckte Ausgabe keine Auskunft geben, da mein Rezensionsexemplar im PDF-Format ist. Vorteil: Die Umwelt wird durch den elektronischen Versand geschont. Nachteile: Alle grossformatigen Fotos sind so stark verpixelt, dass ich über ihre Qualität kein Urteil abgeben kann. Ausserdem besitze ich keinen E-Reader und 350 Seiten am Computer durchzublättern bzw. lesen zu müssen, ist definitiv kein Vergnügen. 

Inhalt:
Was mir direkt ins Auge stach, waren die massiven Fehler bei den Mengenverhältnissen im ersten Kapitel. Bei den Simits (Sesamkringel aus Hefeteig) sollen insgesamt 435 ml Flüssigkeit und 300 Gramm Mehl zu einem elastischen Teig verarbeitet werden. In der Anleitung steht zwar, dass ein bisschen mehr Mehl untergeknetet werden soll, falls der Teig zu weich ist. Allerdings müsste in diesem Fall die Mehlmenge etwa verdoppelt werden. Für acht Stück werden ausserdem 350 Gramm Pekmez zum Tunken verlangt, die Hälfte davon ist erfahrungsgemäss mehr als ausreichend. Oh je, so ein Einstieg lässt nichts Gutes ahnen.

Weiter geht es mit dem Rezept für Finger-Pide: Ein halbes Kilo Mehl, 625 ml Flüssigkeit und dazu noch 50 ml Sonnenblumenöl. Coole Sache. Umgekehrt ist es bei den Teigrollen mit Haselnüssen. Wie man aus einem Kilo Mehl, zwei Eiern, 125 ml Öl und 125 Gramm Joghurt einen weichen, elastischen Teig zaubern kann, entzieht sich meiner Kenntnis. Die Brioche nach Balkanart werden mit drei Kartoffeln gefüllt. Ungefähre Grösse? Hilfreiche Gewichtsangabe? Fehlanzeige. Der Teig für die Pide mit viererlei Käse besteht aus 450 Gramm Mehl und völlig unzureichenden 100 ml Flüssigkeit. Für das Maisbrot mit Lauch und Sprotten, welches aus einem Kilo Mehl und je einem halben Kilo und Fisch und Gemüse besteht, sind nur 2 Teelöffel Backpulver als Lockerungsmittel vorgesehen. Rezepte in anderen Büchern verlangen für vergleichbare Mengen 1-2 Tüten Backpulver.

Und es hapert nicht nur bei den Backrezepten, auch sonst sind einige Mengenangaben reichlich merkwürdig. Beispielsweise Leber-Kebap: 300 Gramm Leberstücke werden mit fast ebenso viel Butter eingerieben. Viel zu viel hilft viel? Andererseits zeigt das Foto zu den Kretischen Eiern eine Pfanne voller Grünzeug, in deren Mitte vier gebratene Eier wie in einem Nest liegen. Mit einer Handvoll Wildkräuter ist das aber definitiv nicht zu bewerkstelligen. Ein oder zwei Salatsiebe voll wären eher angebracht, damit das Gericht für vier Personen reicht (vergleichbar mit dem Volumenschwund von Spinat). Beim Eintopf mit Hülsenfrüchten und Portulak ist dafür wieder Rätselraten angesagt. Wieviel wiegt ein Bund Portulak oder ersatzweise wilder Rucola? 50 Gramm? 100 Gramm? 250 Gramm? Mehr? Auf dem Foto ist der Eintopf zwar mit ein paar Blättchen dekoriert, aber es ist nicht erkennbar, wieviel unter die Hülsenfrüchte gemischt wurde. Wenig? Mehr? Viel? Ein weiteres Mysterium: Blätterteig für die Böregi wird mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser und geschmolzener Butter zubereitet. Interessant. 

Auch Getränke und Suppen wurden vom Fehlerteufel nicht verschont. Salgam Suyu (fermentierter Karottensaft) wird mit einer doppelt so hohen Salzlösung angesetzt als gemeinhin empfohlen. Das behindert erstens die Milchsäuregärung und zweitens wird das Ergebnis viel zu salzig. Auch die Basilikumlimonade müsste meiner Meinung nach am Schluss noch kräftig verdünnt werden: 220 Gramm Zucker, Saft und Schalenabrieb (!) von 8 Zitronen und 500 ml Wasser ergeben zusammengemischt ein Konzentrat, pur würde ich das nicht trinken wollen. Dazu passt die kalte Mandelsuppe, die ebenfalls sehr konzentriert daher kommt: 360 ml Flüssigkeit, 125 ml Olivenöl, eine dicke Scheibe Brot und 160 Gramm Mandeln vereinen sich laut Rezept zu einer "Suppe", die in eine grosse (???) Schüssel umgefüllt wird. In der Zutatenliste für die pochierten Quitten kommen 660 Gramm Zucker vor, in der Anleitung wird aber nur etwa die Hälfte verarbeitet. Wohin mit dem Rest? Und dann hätten wir noch die Helva mit Joghurt-Himbeereis. Eine Masse aus 6 Eigelb, 3 Eiweiss, 220 Gramm Zucker, einem halben Liter Sahne und 2 Esslöffeln Joghurt soll ein "Joghurteis" ergeben. Danke, aber ich verzichte.

Neben dieser unvollständigen Aufzählung grober Fehler, mutet vieles andere geradezu harmlos an: Ayran wird mit Milch zubereitet, der Ersatz für Sucukwurst ist eine gefrorene, in dünne Scheiben geschnittene Hackfleischrolle, Manti werden als "Mini-Rindfleischklösschen" betitelt (es  handelt sich um eine Art Ravioli) und ähnliches mehr. Und lasst euch bloss nicht von Gerichten wie Jakobsmuscheln in Limettenmarinade mit Känguruh-Pastirma, Tintenfisch mit grünem Chili aus dem Wok oder Kalbskotelettes mit Blumenkohlpüree irritieren, denn der Autor lebt und arbeitet in Australien. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. 

Was meint der Magen:
Ich gebe ganz ehrlich zu, nach der enttäuschenden Lektüre hatte ich eigentlich gar keine Lust, aus dem Buch etwas nachzukochen. Trotzdem raffte ich mich auf, Kaymak aus Stärke, Rohmilch, Sahne und Butter "nachzubauen". Ergebnis: Undefinierbare Schlonze. Kein Vergleich zu frischem Kaymak. Sogar die lang haltbare Version aus der Dose ist um Klassen besser. Was spricht denn dagegen, Kaymak durch ähnliche, gute Milchprodukte zu ersetzen? Mascarpone, Crème double, Clotted Cream oder auch Schmand sind auf alle Fälle näher am Original, als dieser unbrauchbare Ersatzpudding. Die Hochzeitssuppe mit Huhn, Reis und Joghurt enttäuschte ebenfalls. Huhn und Kichererbsen werden ohne Salz gegart und unser Vogel war erst nach der verdoppelten Kochzeit durch. Das könnte natürlich auch an der Grösse des Tieres gelegen haben, denn wie in einigen anderen Rezepten auch, fehlt hier ebenfalls die Grammangabe (ungefähr hätte auch schon gereicht, wir wollen ja nicht pingelig sein). Die fertige Suppe kam nicht besonders gut an, Konsistenz und Geschmack glichen Reisbrei aus dem Babygläschen. Paprika- und Minzebutter konnten das Gericht leider auch nicht retten. Aus Trauer um das gute Huhn, habe ich dann das Handtuch geworfen.  

Fazit:
Wen wundert's: Keine Empfehlung meinerseits. Ausserdem möchte ich anmerken, dass ich die Versendung eines PDF-Dokumentes, anstelle eines reellen Rezensionsexemplares, ziemlich schäbig finde. Ich verfolge keinerlei finanzielle Ziele mit meinen Besprechungen. Just for fun und so. Aber für die vielen investierten Stunden, hätte ich gerne zumindest ein gedrucktes Exemplar als Gegenleistung. Überbezahlt bin ich deswegen noch lange nicht... Nur damit keine Missverständnisse entstehen: Die Rezension wäre genau gleich negativ ausgefallen, wenn ich stattdessen ein Buch vor mir liegen gehabt hätte.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Das PDF wurde mir kostenlos vom Christian Verlag zur Verfügung gestellt.


Montag, 27. Juli 2015

Erdmandelbrownies (ohne Mehl, Butter und Nüsse)



Im Schrank stehen seit Anfang des Jahres zwei Gläser Erdmandelcrème von Govinda. Eines hatte ich mir damals selber gekauft, und kurze Zeit später ein weiteres Glas geschenkt bekommen. Leider hat sich herausgestellt, dass ich mit diesem Aufstrich überhaupt nichts anfangen kann. Normalerweise wird beim Vermahlen Erdmandelöl zugegeben, um eine streichfähige Paste zu erhalten. Govinda hat aber bei ihrem Produkt einen anderen Weg eingeschlagen und sich für billigeres Sonnenblumenöl als Streckmittel entschieden. Zusammen mit der parfümartigen Vanillenote ergibt das eine eigenartige Pampe, welche ich pur nicht essen mag. (Obwohl auf dem Etikett nur "Vanille" angegeben ist, empfinde ich den Geschmack als künstlich. Ausserdem erinnert er mich an die gelben, tannenbaumförmigen Bedufter für's Auto aus den 80ern). Der Vanillemief ist so penetrant, dass er auch aus Smoothies und Fruchtdesserts heraussticht. Nach einigen Überlegungen kam mir die Idee, dass eine Kombination aus dunkler Schokolade, Kakao, Kokoszucker und Rum den unerwünschten Geschmack überdecken könnte. Um meine Theorie zu überprüfen, änderte ich das Kürbiskernbrownies-Rezept ein wenig ab und schob eine halbe Stunde später die Backform in den Ofen. Zu meinem grössten Missfallen hat es nicht ganz geklappt, die störende Vanille war immer noch viel zu deutlich wahrnehmbar. Aber der Browniekuchen an sich war klasse. Ein zweiter Anlauf, mit einem anderen Erdmandelmus, überzeugte sogar Herrn C. Aber was mache ich jetzt mit dem übrigen Glas von Govinda? 


Für eine kleine Kastenform (21 x 12 cm):

  • 1 Ei, Grösse XL
  • 55 gr Kokospalmzucker
  • 2 Tl Kakaopulver
  • 2 Prisen Salz
  • 65 gr dunkle Schokolade, mind. 70%
  • 1/2 Tl Weinsteinbackpulver
  • 140 gr Erdmandelmus
  • 1 Tl Rum (optional)

Ofen auf 160 Grad vorheizen, Gitter auf der mittleren Schiene einschieben. Form mit Backpapier auslegen. Ei mit Zucker, Kakaopulver und Salz gründlich verquirlen. Schokolade grob hacken und mit Weinsteinbackpulver unter die Eimischung rühren. Zuletzt Erdmandelmus und Rum schnell untermischen, bis der Teig gerade homogen ist. In die vorbereitete Form geben, gleichmässig verteilen und 20-22 Minuten backen, bis der Kuchen aufgegangen und die Oberfläche gebräunt ist. Die Masse geht ziemlich auf, fällt aber beim Abkühlen wieder zusammen. Auf einem Gitter 10 Minuten abkühlen lassen, aus der Form heben, mit einem Löffel portionieren und lauwarm servieren. Oder in der Form auskühlen lassen, herausheben, in fingerdicke Scheiben schneiden und geniessen. Am besten noch am Backtag verspeisen.


Sonntag, 26. Juli 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -15-



[GE]gessenÜberbackener Fenchel, lauwarm serviert

[GE]trunken: Gurkenwasser mit Verveine und Ringelblumenblüten

[GE]kocht: Kurkuma-Cassia-Tee 

[GE]backen: Heidelbeer-Chüechli mit Ruchmehl und Koriander

Ein[GE]froren: Purpurne Plumcots und Heidelbeeren

  [GE]wesen: Auf der Terrasse, Fledermäuse beobachtet

[GE]sehen: Killer Elite mit Clive Owen

[GE]lesen
Land of the Blind - Barbara Nadel
Fermented Vegetables - Kristen Shockey  

[GE]freut und gleich ein[GE]packt: 
Über die günstigen Buchpreise in einem Brocki
Kleine Auswahl der Beute:
Buttenmost und Ochsenschwanz - Martin Jenni
Roggen und Schwarzbrot - Kichler & Reiner
Alb-Leisa - Thomas Stephan
Falscher Hase - Ruth Reichl 
Die Romanows - Robert K. Massie
Das Leben der grossen Mätressen - Caroline Hanken
[GE]ärgert:
Das Buch über Byzantinische Kunst ist mir auf dem Weg zur Kasse 
irgendwie abhanden gekommen. Bemerkt habe ich es aber erst, 
als wir wieder zu Hause waren. Ärgerlich. Sehr ärgerlich. 

[GE]kauft: Urfa Biber, auch bekannt als Isot(Biber) 
Fermentierte Chiliflocken, die nach Rosinen, Schokolade und Rauch schmecken. Génial, sage ich euch. 

[GE]hört und [GE]lacht:
Nights on Broadway - The Bee Gees
                               
Das beige Deux-Pièces ist der Knaller!
Meine Oma hatte exakt die selben Kleidungsstücke....


Freitag, 24. Juli 2015

Buchvorstellung: Vegan Oriental von Parvin Razavi



Gleich vorneweg: Es handelt sich bei Vegan Oriental nicht um eine Zusammenstellung von bekannten, traditionellen und seit jeher veganen Gerichten aus dem orientalischen Raum, wie der Titel vermuten lässt. Dank dieser falschen Annahme war ich beim ersten Durchblättern nämlich ziemlich irritiert. Curry-Hummus? Revani mit Dinkelmehl? Gegrillter Blumenkohl? Bitte? Hätte ich, wie man das allgemein sowieso tun sollte, zuerst das Vorwort aufgeschlagen, wäre mir folgendes nicht entgangen (ich zitiere die Autorin): ".. Die von mir kreierten Rezepte sind oft sehr einfach, meist in weniger als einer halben Stunde nachgekocht und lassen so jede Menge Zeit zum Geniessen!...." Aha, so ist das also. Darum alle Vorbehalte aus dem Kopf verbannt und noch einmal ganz von vorne angefangen zu lesen.

Erster Eindruck:
Bunt und fröhlich. Mattes Papier, matte Fotos, viele Illustrationen. Alles ist stimmig, ohne gekünstelt zu wirken. Fast jedes Rezept wird durch ein seitenfüllendes Foto begleitet. Die meisten Zutatenlisten sind kurz und beanspruchen samt Anleitungen insgesamt oft nur eine halbe Seite. Ausserdem sind sie sehr übersichtlich gehalten und leicht verständlich beschrieben. Leider wurden die Gerichte nicht durchgehend zweisprachig betitelt, aber das ist nur ein kleiner Minuspunkt. Ausgemerzt wird er sowieso gleich durch den Hinweis, dass das einzige im Buch verwendete Ersatzprodukt Sojajoghurt ist. 

Inhalt:
Nach dem Vorwort folgt die Vorstellung der sympathischen Autorin und Bloggerin (mir bis dahin unbekannt), die im Iran geboren wurde und später mit ihrer Familie nach Österreich emigrierte. Auf den nächsten Seiten werden im Glossar die wichtigsten Zutaten in alphabetischer Reihenfolge aufgelistet, zwei persische Reiszubereitungen erklärt und bevor man sich ins Kochvergnügen stürzt, noch Hinweise zu den Mengenangaben im Rezeptteil gegeben. Die folgenden 160 Seiten sind in geographische Kapitel unterteilt: Iran, Armenien, Syrien, Libanon & Jordanien, Ägypten, Marokko und Türkei. Die Reihenfolge der Gerichte in den einzelnen Kapiteln ist der Servierfolge entsprechend: Mezze, Hauptspeisen, Beilagen und Desserts. (Wobei nicht in jedem Kapitel zwingend jede Kategorie vertreten ist). Unsere kulinarische Reise durch den Orient startet also mit einer grossen Mezzeplatte. Empfehlen würde ich euch Mirza Ghasemi (rotes Auberginenmousse), Zitrussalat mit Sumach, Berberitzen und Pistazien, saure Karotten-Torshi, gebackene Mante mit Kürbisfüllung, gebratene Okras, breite Bohnen in Tomatensauce, Tabouleh aus Granatapfelkernen und Äpfeln, karamellisierter Fenchel mit Berberitzen, Relish mit Orangen und Koriander und dazu Khoubiz (libanesisches Fladenbrot, mit 25 Gramm Hefe auf 750 Gramm Mehl zubereitet). Als Hauptgericht hätten wir Baghali Ghatogh (Saubohneneintopf mit Dill) und Auberginen mit Walnuss-Granatapfelfüllung. Als Beilage passen Juwelen-, Safran- oder Linsenreis. Wer es leichter mag, nimmt einfach die gefüllten Tomaten. Im Herbst würde ich euch die Butternusskürbis-Tajine mit Koriander-Dattel-Couscous ans Herz legen und im Winter die gebackene Kartoffel-Kibbeh. Den Abschluss bilden frische Früchte, Zimt-Tee und türkischer Kaffee. Für die Süssschnäbel unter euch hätte ich noch ein Stückchen Mandel-Rosen-Kuchen und Feigen in Sirup. Na, wer möchte als erster bestellen? 

Was meint der Magen?
Der Zitrussalat aus Orangen, Grapefruit, Sumach, Berberitzen, Pistazien und Minze hat mich aus den Socken gehauen. Jeder Bissen offenbart eine andere Geschmackskombination, zum Beispiel süss und bitter, sauer und salzig oder minzig und pfeffrig. Wenn Sumach und Olivenöl durch etwas Zitronensaft und zwei Esslöffel Orangenblütenwasser ersetzt werden, wird aus dem Salat im Handumdrehen ein erfrischendes Dessert. Beim Mast' o Khiar (persischer Dip mit Gurke und Rosenblüten) habe ich mir erlaubt, Soja- durch Kuhmilchjoghurt zu ersetzen, da ich Sojajoghurt auf den Tod nicht ausstehen kann. Die Kombination aus Gurke, Knoblauch, Rosinen und getrockneten Rosenknospen ist wohl aber auch mit pflanzlichem Joghurt ziemlich gewöhnungsbedürftig. Nicht schlecht, aber recht speziell. Besonders, da es mit keiner der ausprobierten Beilagen (grillierte Zucchini- und Auberginenscheiben, Tomaten, Paprika und Fladenbrot) wirklich harmonierte. Herr C. hat dafür plädiert, bei einem zweiten Anlauf die Rosinen und Rosenknospen ersatzlos zu streichen. Mein Einwand, dass es dann ein gewöhnliches Tzatziki wäre, hat er freudig nickend quittiert.... Der Mandeldip aus fein gemahlenen Mandelblättchen, Brotkrumen, Knoblauch, Essig und Öl kam wesentlich besser an, wie das Foto beweist:


Die Linsenlaibchen bestehen eigentlich nur aus einer gewürzten Linsen- und Kartoffelmasse. Ich hatte vom Vortag aber noch eine Portion Dinkelreis übrig, die ich frech untergemischt habe. Herr C. hat ein Laibchen probiert, als ganz okay eingestuft, und dann mit Lichtgeschwindigkeit die dazu gehörenden gebratenen Tomatenscheiben weggefuttert. Inklusive den zur Seite gelegten Exemplaren für's Foto... Geheimtipp: Übrig gebliebene Laibchen - doofes Wort, ich weiss - mit Tomatenscheiben und reichlich Sesam-Petersilien-Sauce in ein Brötchen packen und am nächsten Tag als Lunch geniessen. 

Fazit:
Ich persönlich finde es grandios, dass in diesem Kochbuch auf jegliche Soja- und vegane Ersatzprodukte (ausser Sojajoghurt) verzichtet wurde. Weit und breit kein Tofu, kein Tempeh, keine Sojaschnetzel, kein Nussmus, kein veganer Käse, kein Liquid Smoke und keine hippen Superfoods wie Goji oder Maca. Fast alle Rezepte basieren auf Gemüse, Hülsenfrüchten und Reis/Kartoffeln/Couscous. Klingt langweilig? Ist es aber definitiv nicht. Ganz im Gegenteil. Darum, und weil das Preis-Leistungs-Verhältnis absolut stimmig ist, bekommt das Buch von mir eine uneingeschränkte Kaufempfehlung.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den NeunZehn Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Sonntag, 19. Juli 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -14-



[GE]gessen: Ballenberg-Wurst

[GE]trunken: Orangen-Buttermilch mit Kardamom

[GE]kocht: Glasnudelsalat

[GE]backen: Zitroniges Buttermilchbrot

[GE]wesen: Im Garten für die tägliche Gurkenernte

[GE]sehen: Wenn die Gondeln Trauer tragen

[GE]lesen: Grotesk - Natsuo Kirino

[GE]freut: Über das perfekte Fermentierungsverhalten 
der Tomaten-Peperoni-Salsa

[GE]ärgert: Über überrissene Portokosten, 
die mehr als das Doppelte der Postgebühr betragen

[GE]kauft: Vier Gährröhrchen und passende Stopfen 

[GE]hört: This Bitter Earth - Andrew Strong
Und danach noch den Rest des Debütalbums "Strong" aus dem Jahr 1993

[GE]schenkt bekommen:
Froilein Schwesterherz war geschäftlich in Griechenland unterwegs und hat mir, neben anderen Kleinigkeiten, zwei extragrosse Kochlöffel aus Olivenholz und Mastix-Zahnpasta mitgebracht. 
Danke se Lieblingssista!


Mittwoch, 15. Juli 2015

Orangen-Buttermilch mit Kardamom



Obwohl ich sonst sehr wärmeliebend bin, macht mir die momentane Hitzewelle ziemlich zu schaffen. Der Speiseplan besteht darum vorwiegend aus Rohkost (z.B. klein geschnippelten Tomaten, Peperoni, Gurken, Melonen), Salaten und literweise Cold Brew Tea. Trotzdem fühle ich mich unglaublich schlapp und versuche als Ausgleich, möglichst viele Vitamine in mich hineinzustopfen. Darum gab es die letzten Tage zum Frühstück Orangen-Buttermilch, die daneben gleich noch den Vorteil hat, herrlich erfrischend zu sein. 


Für 1-2 Personen:

  • 350 ml Buttermilch
  • 175 ml frisch gepresster Orangensaft mit Fruchtfleisch (3-4 Saftorangen)
  • 1-2 El frisch gepresster Zitronensaft
  • 1/8 Tl frisch gemahlener grüner Kardamom
  • optional ein paar Eiswürfel

Alle Zutaten in den Mixbecher geben und eine Minute auf höchster Stufe durchquirlen. Mit oder ohne Eiswürfel servieren. Wer mag, ergänzt das Getränk noch mit 1 Teelöffel Rosen- oder Orangenblütenwasser.


Montag, 13. Juli 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -13-



[GE]gessen: Einen hervorragenden Döner Kebap
(muss zwischendurch auch mal sein)

[GE]trunken: Cold Brew Tea aus Chrysanthemenblüten 

[GE]kocht: Zucchini mit Granatapfelsirup und Za'atar

[GE]backen: Stachelbeerchüechli

[GE]wesen: In Dornach, um den Neubau des Theaters zu beäugen

[GE]sehen: Berlin2Shanghai - 13'000 Kilometer mit dem Velo

[GE]lesen:
Die Bounty. Die wahre Geschichte der Meuterei - Caroline Alexander
Schlange im Paradies: Reise zu den Nachfahren der Bounty - Dea Birkett

[GE]freut: Über eine neue Quelle für Bio-Kokosblütenzucker. 
Ein Teil des Erlöses geht an ein Schulprojekt in Indonesien und 
trotzdem kostet das Kilo nur 9 Franken. Mehr Infos demnächst.

[GE]ärgert: Über Händler, die sich als harmlose Flohmarktbesucher 
ausgeben und ahnungslose Hobbyverkäufer übers Ohr hauen.

[GE]kauft: Ein Päckchen Mizuna-Samen für den Herbst

[GE]hört:

                               

[GE]lacht: 
Flohmarktbesucherin: Wieviel kostet diese Lampe?
Verkäufer: Wieviel ist sie ihnen den Wert?
Flohmarktbesucherin: Es wäre ein Geschenk für meine Schwiegermutter.
Also höchstens fünf Franken. Obwohl... Wenn ich es mir recht überlege,
reicht auch ein gekaufter Kuchen. So eine Gummiroulade von M-Budget. 
Mehr hat sie gar nicht verdient.

Scheint eine äusserst glückliche Beziehung zu sein...


Sonntag, 12. Juli 2015

Menu Selbdritt Vorspeise: Melanzane con Salsa di Sarde



Achtung, Achtung: Wegen akutem Zeitmangel und diversen anderen Problemchen, ist dieser Beitrag äusserst minimalistisch gehalten. 

Die Vorspeise, Auberginen mit Sardinensauce, wird bei mir serviert.
Den Hauptgang, Maispoularde mit Erbsen-Kartoffelstampf und Kardamom-Rüebli, gibt's bei lieberlecker
Und last, but not least: Schokoladentörtchen von se Guru himself, lamiacucina.

Meine Herren, es war mir eine Ehre.


Für die Sauce (ausreichend für 4-6 Portionen):

  • 1 Dose richtig gute Sardinen in Öl (80 gr Abtropfgewicht)
  • 40 gr Doppelrahmfrischkäse
  • 100 gr griechischer Joghurt (6% Fett)
  • 1/2 El Weisswein 
  • wenig fein abgeriebene Zitronenschale
  • (Kräuter)Salz, Pfeffer
  • 2 mittlere Gewürzgurken, bevorzugt selbst eingelegt

Sardinen in einem Sieb abtropfen lassen. Eventuell anhaftende Haut entfernen. In eine Schüssel umfüllen und mit einer Gabel ganz fein zermusen. Frischkäse und Joghurt zum Fisch geben und gut verrmischen. Mit Weisswein, Zitronenschale, Salz und Pfeffer nach Geschmack würzen. Falls die Sauce zu dick geraten ist, etwas mehr Joghurt und/oder 1-2 Tl Wein oder Wasser untermischen. Zur Seite stellen und durchziehen lassen, bis die Auberginen fertig sind. Gewürzgurken trocken tupfen und in kleine Würfelchen schneiden. 

  • pro Person eine halbe Aubergine (ca. 150 Gramm)
  • mildes Oliven- oder Rapsöl 
  • frisches Basilikum

Ofen auf 210 Grad vorheizen, Backblech mit Backpapier belegen. Auberginen waschen und die Enden kappen. In fingerdicke Scheiben schneiden und beidseitig mit Öl bepinseln. Pro Person rechnet man mit 4-6 Scheiben, je nach Grösse. Auf dem Backblech verteilen, leicht salzen und auf der mittleren Schiene einschieben. So lange backen, bis die Scheiben gebräunt und weich sind. Das dauert je nach Ofen etwa 15-20 Minuten. Auberginenscheiben auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Auf jeden Teller 4-6 Scheiben legen, grosszügig mit der Sardinensauce nappieren, mit reichlich Gurkenwürfelchen bestreuen und mit ganzen oder grob zerzupften Basilikumblättern garnieren.

Und ab damit zum Flotten Dreier von bushcooks kitchen, gehostet von Zorra.


Dienstag, 7. Juli 2015

Eistee ist out, Cold Brew Tea ist in!



Gesprächsfetzen bei einem Brunch: 
Möchtest du Kaffee oder Tee? - Weder noch, es ist einfach zu warm. Hast du nichts Kaltes? - Warte, ich schaue schnell im Kühlschrank nach. Also, ich hätte Milch, Orangensaft und ha, Cold Brew Coffee. Den hatte ich ja glatt vergessen. -  Was für Coffee? - Kalt gebrühter. - Wie bitte? - (Kurze Erklärung) - Oh, das ist aber eine richtig gute Idee. Nur schade, dass es nicht auch mit Tee funktioniert. Ich trinke nämlich lieber Schwarztee als Kaffee. - Funktioniert natürlich auch mit Tee, einfacher geht's kaum. - Echt?

Ja, echt. Einfach, praktisch, supergut.

Und so wird's gemacht:

Man nehme einen möglichst hohen, schlanken Glaskrug. Es funktioniert natürlich auch mit so ziemlich jedem anderen grossen Gefäss aus Glas, Porzellan oder Keramik. Der oben abgebildete Krug hat einfach den Vorteil, dass er wenig Platz im Kühlschrank beansprucht und auch problemlos in der Kühlschranktüre untergebracht werden kann. Die Färbung des Wassers bzw. die Stärke des Tees kann in einem Glasgefäss auch ein bisschen besser beobachtet werden, aber wie gesagt, es ist keine Voraussetzung für gutes Gelingen. Pro Liter Wasser werden 1-4 Teebeutel oder 1-4 Esslöffel loser Tee verwendet. Tee in den Krug geben und mit kaltem Wasser auffüllen. Abdecken und in den Kühlschrank stellen. Mindestens 4 Stunden ziehen lassen. Lapsang Souchong zum Beispiel ist schon nach wenigen Stunden trinkfertig, loser Kräuter- oder Früchtetee aus grossen Pflanzenteilen/Fruchtstücken benötigt mind. 12 Stunden, bis sich sein Aroma voll entfaltet hat. Die Zeitangaben sind nur ungefähre Richtwerte und müssen nicht sklavisch befolgt werden. Der grosse Vorteil dieses Verfahrens ist nämlich, dass die Ziehzeit problemlos verlängert oder verkürzt werden kann. Soll es schneller gehen, den Krug einfach an ein sonniges Plätzchen stellen und nach 2-3 Stunden ist der Tee fertig. In diesem Fall vorzugsweise mit ein paar Eiswürfeln servieren. Vergessen, die Teebeutel zu entfernen? Kein Problem. Die meisten Sorten schmecken auch nach einer verdoppelten Ziehzeit immer noch 1A. Vor dem Servieren nach Belieben süssen, beispielsweise mit Ahornsirup oder Apfeldicksaft. Eigentlich aber unnötig, denn kalt angesetzter Tee ist deutlich milder als die heiss gebrühte Variante. Für Kinder und Süssschnäbel empfiehlt sich eine Mixtur mit Sirup. 

Ausprobiert und für gut befunden:

Earl Grey und Sanddornsirup
Gemischter Kräutertee mit Goldmelissensirup
Früchtetee mit Holunderblütensirup
Lindenblüten mit Zitronensirup
Schwarztee mit Mandelsirup
Hagebutte mit Hibiskussirup
Orangenblüten mit Quittensirup

Alle Vorteile auf einen Blick: Kein unnötiger Energieverbrauch, da Wasser kochen und Eiswürfel bunkern auf einen Schlag entfallen. Quasi zero waste, wenn loser Tee mit einem Tee-Ei oder -netz verwendet wird.

Nachteil: Ein bisschen Vorausplanung ist Voraussetzung, aber das wird schnell zur Gewohnheit. Ich trinke tagsüber den Krug leer, wasche ihn am Abend kurz aus, gebe neuen Tee hinein und stelle ihn über Nacht in den Kühlschrank. Und am nächsten Tag beginnt das Spiel dann wieder von vorne. Echt einfach, oder?

Und ab damit zu #Einab, wo Monat für Monat nachhaltige Ideen gesammelt werden.


Sonntag, 5. Juli 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -12-



[GE]gessen: Linsensalat mit Blumenkohl und Ahornsirup-Senf-Dressing

[GE]trunken: Weisser Eistee mit Orange und Sanddornsirup

Ein[GE]kocht: Stachelbeersaft

[GE]backen: Cassischüechli mit Mandarinenmarmelade

[GE]wesen: Jeden Tag bis mindestens 23:00h im Garten

[GE]sehen: Zwei Folgen "Magnum"

[GE]lesen: Anni und Alois - Arm sind wir nicht  

Noch mehr[GE]lesen
Verdächtige Geliebte - Keigo Higashino
Jerusalem: Die Biographie - Simon Montefiore

[GE]freut: Über die reiche Beerenernte   

[GE]kauft und [GE]ärgert
Skyr nature im Coop (170 gr / 2.10 CHF) = Kilopreis 12.30 CHF 
Skyr nature bei Rewe (450 gr / 1.19 Euro) = Kilopreis 2.64 Euro / 2.75 CHF
Und da fragen sich unsere Politiker ernsthaft, warum so viele Schweizer regelmässig nach Deutschland fahren und dort die Läden plündern...

[GE]hört: Sternenhimmel - Hubert Kah

[GE]lacht: 
Kennt noch jemand den schrecklichen Song "Ecuador" aus dem Jahr 1997?
SWR3 hatte das Bum-Bum-Liedchen noch im selben Jahr 
umgemodelt zu "Ventilatooorrr", welches seither immer an heissen 
Sommertagen von unzähligen Hörern gewünscht wird. Spätestens bei der 
Stelle mit dem Sonnenschutzfaktor kann ich mir das Lachen nicht mehr verkneifen.


Donnerstag, 2. Juli 2015

Buchvorstellung: Speisekammer aus der Natur



Momentan komme ich kaum zum Verschnaufen. Zuerst waren die Johannisbeeren reif, es folgten die Himbeeren, dann die Stachelbeeren. Der Lavendel beginnt gerade zu blühen, Steinklee, Kapuzinerkresse und Königskerze ebenso. Und die Gemeinsamkeit? Alles will haltbar gemacht werden. In Form von Saft, Konfitüre, Gelée, Sirup, Tee, Kräutersalz, Tinktur.... Darum stehe ich gerade jeden Abend ein wenig ratlos in der Küche und überlege mir, was ich am besten mit diesem oder jenem anfangen soll. Dörren oder einfrieren? Einwecken oder einlegen? Kompott oder Mus? Dampfentsaften oder in die Zentrifuge? Süss oder sauer? Mit oder ohne Zucker? Fragen über Fragen. In Michael Machatscheks und Elisabeth Mauthners Speisekammer aus der Natur aus dem böhlau Verlag, werden einige davon beantwortet. Rezepte für kultivierte Obst- und Gemüsesorten sind darin zwar kaum vertreten, aber die Bevorratung und Haltbarmachung von Wildpflanzen wird ausführlichst vorgestellt. 

Erster Eindruck: 
Kompakt und trotzdem handlich, u.a. weil es aufgeschlagen liegen bleibt. Schon die ersten Fotos, auf der Innenseite des Hardcovereinbandes, bringen mich zum Staunen. Unzählige Einmachgefässe, deren Inhalt ich am liebsten jetzt, hier und sofort probieren möchte. Und zwar Glas für Glas, Flasche für Flasche. Wer über so eine Vorratskammer verfügt, der muss ein Spezialist auf dem Gebiet der essbaren Wildpflanzen sein. (Meine Vermutung trifft übrigens zu, siehe diverse andere Publikationen des Autors). Die unzähligen Fotos, laut Verlag über 500 an der Zahl, sind nicht hochprofessionell, aber authentisch. 

Inhalt:
Ich komme aus dem Staunen nicht heraus. Das Inhaltsverzeichnis überfordert mich schon fast, denn bisher hatte ich mein Wissen über die Haltbarmachung von Wildpflanzen als recht umfangreich eingeschätzt. Ha, komplette Selbstüberschätzung. Schon mal was von Waldgeissbart-Spargel gehört? Oder von eingelegten Schilfsprossen oder Schwarzwurzel-Blütenknospen? Knospenpulver als Würzmittel? Paste aus jungen Wacholdertrieben? Birken-Blättersirup? Kompott aus den Blattstielen des Alpenampfers? Und das sind nur einige wenige Rezepte, die mir sofort ins Auge sprangen. Unterteilt wird das Buch in vier jahreszeitliche Kapitel namens Frühlings-, Sommer-, Herbst- und Winternutzung. Die über 40 (!) Unterkapitel decken wirklich fast jede erdenkliche Möglichkeit der Konservierung ab. Damit die Liste nicht zu lang und unübersichtlich wird, habe ich nur ein paar Highlights herausgepickt:

- Mariniertes Spross- und Spargelgemüse (z.B. Margeritensprossen)
- Fermentierung von Blättern (z.B. Giersch)
- Marinierte Knospen (z.B. Ringelblumen, Spitzwegerich, Löwenzahn)
- Spezielle Gewürze aus Blüten, Blättern, Samen und Wurzeln 
- Verschiedene Siruparten (z.B. aus Spitzwegerich, Wiesensalbei)
- Tinkturen und Hochprozentiges (z.B. aus Apfelkernen, Ebereschenknospen)
- Pilze (z.B. getrocknete Pilze in Honig eingelegt)
- Wildkräuter-Chutneys (z.B. pures Chutney aus Alpenampfer-Blattstielen)
- Kompott (z.B. Weissdorn in Rotwein)
- Marmeladen und Wildobstsaucen (z.B. Zieräpfel in süss-saurem Sirup)
- Kandierte Blattstiele und Früchte (z.B. kandierte Hagebutten)
- Fruchtkäse (z.B. aus Cassis, Mispeln, Berberitzen)
- Alternative Kaffee-Arten aus Labkräutern, Wurzeln, Dörrobst und Nussfrüchten

Mehr als 300 Seiten, vollgepackt mit Tipps, Tricks, Anleitungen, Rezepten und Abwandlungsmöglichkeiten. Dazwischen eingestreut sind Abschnitte zu den einzelnen Pflanzen und hilfreiches Grundwissen. Beispielsweise eine Auflistung von Teekräutern und ihren Anwendungsgebieten bei Erkrankungen, und eine Übersicht über diejenigen Pilze, die sich gut für Pilzpulver eignen. Fotos ergänzen die allermeisten Rezepte, oft finden sich auch noch Abbildungen der Pflanzen, Pflanzenteile und Früchte. 


Was meint der Magen?
Ausprobiert wurden die eingelegten Bärlauchknospen, die mich allerdings ganz und gar nicht überzeugen konnten. Sie stanken extrem nach Knoblauch (acht Stunden später hatte ich den penetranten Geschmack immer noch im Mund) und waren von der Konsistenz her grauslich labbrig-lätsch. Werde das Experiment aber nächstes Jahr wiederholen, denn ich vermute, dass die Ursache des strengen Geschmacks und der unangenehmen Textur, zu weit ausgebildete Knospen waren. Mea culpa. Als nächstes landeten Zieräpfel aus dem Tiefkühler in süss-saurem Sirup, der sie in eine wahre Delikatesse verwandelte. Dank der minimalen Essigmenge passen sie nicht nur zu kaltem Braten oder einer Käseplatte, sondern auch gut zu Vanilleeis oder anderen Süssspeisen. Der getrocknete Gundermann hingegen wartet noch auf seinen Einsatz als Salat-/Küchengewürz, denn wie oben schon angetönt, bleibt momentan einiges auf der Strecke. 


Fazit:
Zwiegespalten. Der praktische Teil des Buches ist rundum empfehlenswert und bietet eine unglaublich reiche Auswahl an allem, was sich der Wildpflanzen-Aficionado nur wünschen kann. Aber... Das grosse ABER... Einleitung, Schlussbetrachtung und einige Texte dazwischen enthalten Sätze/Abschnitte, die stark an das pseudowissenschaftliche Geschwurbel gewisser Selbstversorgerbücher aus den 80ern erinnern. Und solches geht mir, bei aller Sympathie für den hervorragenden Praxisteil, doch ziemlich gegen den Strich. Beispiele: ..."alle Mittel fürs Leben, welche man benötigt, wachsen unmittelbar vor der Haustüre...".  Oder: "Doch die einfache Kost der strukturarmen Regionen als hinterwäldlerische Notnahrung abzutun, geht von einem Voyerismus und Unverständnis der Subsistenz und Dissidenz aus." Ein paar Seiten weiter: "Nur wahrlich gute Köche und Köchinnen vermögen sich über mehrere Jahre auch ohne Medienmarketing an einem Ort zu halten." Stimmt. Aber dann folgt dieses: "Doch auch jene Akteure der Haubenmeierei holen sich mittels wechselndem, jungem Personals den notwendigen zeittrendigen Input in die Speisen, um sich damit zu profilieren. Ständig wechselndes Personal ist wahrscheinlich die Ablenkung vom kulinarischen Abstieg." Ähem.... The best: "Bewusst mit einer natürlichen Neugier in der Natur spazieren gehen, können nur noch wenige Menschen. Der Grossteil benötigt dazu einen Hund, um von der eigenen inneren Leere abzulenken und um über das Tier Ansprache zu bekommen..".... Öhmmmm..... I'm not amused. Über den Wahrheitsgehalt der Aussagen kann man sich streiten. Besonders, da ich die Zitate aus dem Kontext gerissen habe. Aber über die schulmeisterliche Art und Weise müssen wir es nicht tun. Autoren, die so schreiben, als ob sie die Weisheit mit riesengrossen Löffeln gefressen hätten, können mir persönlich gestohlen bleiben. Aber... Das nächste ABER... Wer sich an solchen Aussagen nicht stört, oder sie grosszügig ignorieren kann, dem lege ich dieses Buch trotzdem wärmstens ans Herz. Wie schon erwähnt, der Rezeptteil ist grossartig und verdient es, gelesen und umgesetzt zu werden. Aber... (das letzte ABER, versprochen!)... wenn ich es in einer Buchhandlung in die Hand genommen und dort schon eines oder zwei der oben genannten Zitate gelesen hätte, wäre es nie bei mir im Regal gelandet. Deshalb: Zwiegespalten. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.      
Einen ganz herzlichen Dank an den böhlau Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Mittwoch, 1. Juli 2015

Kleines Intermezzo: Sacristains



Perfekt als kleines Mitbringsel und/oder als Abschluss eines gemütliches Grillabends.


Für 12 Stück:

  • 100 gr ganze Mandeln, nicht zu fein gehackt
  • 40-80 gr Zucker 
  • 1 Prise Salz
  • 1 kleines Ei
  • 1 El Sahne
  • 1 rechteckig ausgewallter Butterblätterteig (275 gr)

Ofen auf 200 Grad vorheizen und ein Backblech mit Backpapier belegen. Mandeln mit Zucker und Salz in einer kleinen Schüssel vermischen. Ei mit der Sahne verquirlen. Blätterteig auf der Arbeitsfläche ausrollen und der Länge nach halbieren. Beide Seiten mit der Eimischung bepinseln und eine Platte mit einem Drittel der Mandelmischung bestreuen. Leicht andrücken, dann die zweite Blätterteigplatte mit der Eiseite nach unten auf die bemandelte Blätterteigplatte legen. Oberseite mit Ei bestreichen, mit einem weiteren Drittel der Mandelmischung betreuen, leicht andrücken. Wenden und die letzte Seite mit dem verquirlten Ei bestreichen, restliche Mandelmischung darauf verteilen und nochmals sanft andrücken. In zwölf Streifen schneiden, verdrehen und auf das Backblech legen. Auf der mittleren Schiene einschieben und in ca. 15-18 Minuten goldbraun backen. Auf einem Kuchengitter auskühlen lassen und gleich wegknuspern oder in einer Blechdose maximal zwei Tage aufbewahren.