Sonntag, 18. November 2018

Nan-E Barbari



Langsam aber sicher kommt der Winter angekrochen und je kälter es wird, desto lieber halte ich mich in der Nähe des Backofens auf. Gibt es etwas Entspannenderes, als an einem nasskalten Tag in der warmen Küche zu stehen und einem Brot beim Backen zuzuschauen?


Wobei die Kombination aus gemütlichem Sofa, spannendem Buch und Grog natürlich auch ihren Reiz hat...😉


Mein Nan-E barbari ist die Weiterentwicklung eines Rezeptes, das ich vor Jahren von einem befreundeten Iraner erhielt. Die Oberflächenstruktur des Brotes ist eher untypisch, viele Bäcker im Iran backen Nan-E Barbari mit Längsrillen. Laut meinem Kollegen wurde der Brotkauf in seiner Familie folgendermassen gehandhabt: Zwei Brote mit Längsrillen für den Vater, der dazu Käse, gekochte Eier und gehackte Kräuter zum Frühstück ass. Fünf Brote mit runden Vertiefungen aus einer anderen Bäckerei für den Rest der Familie, die Konfitüre und Honig bevorzugte. Dazu muss man wissen, dass typisch persische Konfitüren ziemlich dünnflüssig sind und auch der Honig fast nur in liquider Form erhältlich ist. Nach dem Auftragen sammelten sich die Aufstriche in den Vertiefungen, konnten deshalb nicht von den Brotstücken runtertropfen und die Mutter hatte weniger zu reinigen.


Für ein Fladenbrot:

  • 300 gr Weizenmehl Typ 550
  • 35 gr dunkles Ruchmehl 
  • 3 gr frische Hefe
  • 225 gr knapp lauwarmes Wasser
  • 5 gr Salz

Alle Zutaten in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben und 15 Minuten auf Stufe 1 kneten, bis sich der Teig von der Schüssel gelöst hat. Auf einer eingeölten Fläche falten, zurück in die Schüssel legen. Abdecken und eine halbe Stunde bei Zimmertemperatur anspringen lassen. Danach 12-15 Stunden bei etwa 5 Grad (Kühlschrank, Terrasse) aufgehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

  • 40 gr Wasser
  • 1 Tl Weizenmehl Typ 550
  • 2 Prisen Zucker

Am nächsten Tag dem Teig zwei Stunden Zimmertemperatur zum Akklimatisieren gönnen. Kurz vor der Weiterverarbeitung den Ofen auf 240 Grad vorheizen. Backblech auf der zweituntersten Schiene umgekehrt einschieben. Wasser, Mehl und Zucker in einen kleinen Topf geben und eine Minute unter ständigem Rühren kochen, bis die Pampe angedickt ist und glänzt. In ein Schälchen umfüllen und abkühlen lassen. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche vorsichtig zu einem Rechteck formen. Mit einer grossen Schüssel abdecken und 30 Minuten entspannen lassen. Arbeitsfläche und Hände grosszügig bemehlen und das Rechteck zu einem ca. 50 cm langen Fladen ausziehen. Diagonal auf ein Backpapier legen. Oberfläche und Seiten gleichmässig dünn mit der Mehlpampe bestreichen. Überschüssige Pampe abstreichen und entsorgen. Mit den Fingern reihenweise Vertiefungen reindrücken. Dabei darauf achten, dass der Boden nicht perforiert wird. 

  • 2 Tl Sesam, egal ob hell oder schwarz
  • 1 Tl Za'atar, optional

Grosszügig mit Sesam und, falls verwendet, Za'atar bestreuen. Nochmals 5 Minuten zum Entspannen gönnen. Dann den Teig schnell mit dem Backpapier auf das umgedrehte Blech gleiten lassen und 18-20 Minuten backen, bis das Fladenbrot aufgegangen und nett gebräunt ist.

P.S. Wenn irgendwo noch ein Glas der besten Persischen Quittenkonfitüre rumsteht, ist das Glück perfekt. 

Freitag, 16. November 2018

Schön ist es, auf der Welt zu sein....

Am Abend völlig kaputt ins schon recht volle Tram eingestiegen und einen Eckplatz ergattert, der nur eine verkleinerte Sitzfläche bot. Eine Station später nimmt eine junge Schülerin neben mir Platz. An der nächsten Station steigt eine alte Frau ein. Schülerin steht auf, und bietet ihr den Platz an. Die Frau sitzt fast auf mich drauf, haut mir ihren Ellenbogen in die Seite, dreht sich zu mir um und giftelt: Machen sie sich gefälligst dünn!
Ich: Tut mir leid, geht nicht. Neben mir ist ein Eckvorsprung.
Drücke mich aber, obwohl es sehr unbequem ist und meine lädierte Schulter protestiert, noch ein bisschen mehr gegen den Vorsprung. 
Zwei Minuten Ruhe.
Dann dreht sie sich wieder um: Sie müssen abnehmen. Sie sind zu dick.
Nach dieser unnötigen Beleidigung grinst sie beifallheischend in die Menge.
Ich: Sie können sich gerne irgendwo anders hinsetzten, wenn ich ihnen zu dick bin.
Sie grinst und scheint die Situation zu geniessen. So à la David gegen Godzilla.
WTF???
Eine Station weiter nimmt eine junge Dame mit Trisomie 21 auf der anderen Seite der Meckerziege Platz. Weil die Sitzflächen generell eher eng bemessen sind und wahrscheinlich auch, weil die Frau, trotz damenhafter Aufmachung und pseudoadliger Attitüde stinkt (viel zu viel aufdringliches Parfüm mit einer immer mehr durchdrückenden Unternote von Urin), rückt sie etwas von ihr ab.
Meckerziege: Sie müssen nicht wegrücken. Sie sind ja nicht ganz so dick wie die auf der anderen Seite. 
Die junge Dame versteht, dass diese Aussage kein Kompliment war.
Junge Dame: Ich bin so wie ich bin und muss mich für niemanden ändern.
Das Grinsen war nun in meinem Gesicht zu finden.
 Als Reaktion darauf, versucht die Meckerziege die junge Schülerin in ein Gespräch zu verwickeln, die aber kein Interesse zeigt.
Die Meckerziege dreht sich beleidigt um und rammt mir nochmals ihren Ellenbogen in die Seite.
Ich: Wie gesagt, wenn es ihnen nicht passt, können sie sich gerne einen anderen Platz suchen. Oder aussteigen und ein Taxi nehmen.
Während der restlichen Fahrt rückt sie mir immer mehr auf die Pelle und verkündet noch mehrmals, dass ich zu dick bin und gefälligst aufstehen soll. Dann hätte sie mehr Platz und mir würde das Stehen "gut tun".
Klar, ich nehme pro Minute Stehzeit sicherlich 3 Kilo ab...
Als ich dann aufstehe, um das Tram an meiner Station zu verlassen, drehe ich mich um und sage höflich: Sie sollten nächstes Mal frische Inkontinenzeinlagen anziehen, bevor sie aus dem Haus gehen. Es ist nämlich nicht angenehm neben jemanden zu sitzen, der so stark nach Urin riecht.
Meckerziege wird rot im Gesicht und winkt mich weg: Verschwinden sie endlich.
Drehe mich nochmals um: Ich wünsche ihnen auch einen schönen Abend.

Draussen, an der eiskalten Luft, wird mir wieder bewusst, wie sehr ich Pflegepersonal bewundere, das tagtäglich mit unzähligen Idioten derselben (oder noch schlimmeren) Sorte konfrontiert wird und solch unfassbar unfreundlichen Leuten auch noch den Hintern abwischen muss.

Ich kann nur hoffen, dass ich nie so enden werde.

Und wenn doch, dass mich Herr C. dann umgehend aus dem fahrenden Tram schubst.

Mittwoch, 14. November 2018

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -175-



[GE]gessen
Einen Klöpfer aus der Appenzeller Metzgerei Fässler, den Herr C. noch vor seiner Abreise vertilgen wollte, dann aber glücklicherweise vergessen hat. 

[GE]trunken: Cola Cinnamon Zero. Bäh.

[GE]kocht: Feierabendborschtsch
Notiz: 1,2 Liter Wasser, eine mittlere Randenknolle, eine mittlere Zwiebel, eine grosse Karotte, ein Stückchen Kurkuma, eine grosse Pastinake, ein Viertel Weisskohl, Garam Masala, Piment, Majoran, Bohnenkraut und Dill.

[GE]backen: Rahmröggli & eine Elsässer Fleischtourta

[GE]wesen: Büchertauschtisch. 
Einen Sack voll Lektüre weggebracht und nur vier Bücher mitgenommen! 
*mirwahnsinnigstolzaufdieschulterklopf*

 [GE]sehen: Bohemian Rhapsody

[GE]lesen: La Grotta Ices - Kitty Travers

[GE]freutSämtliches Geblümse auf der Terrasse und in der Wohnung hat die zweiwöchige Giesspause gut überstanden.

Aus[GE]packt: Die Brockischätze aus der Ostschweiz.
Unter anderem japanische, niederländische und in der Schweiz produzierte Blumenigel, farbenfrohe Fondueteller aus den 60ern, zwei Op-Art-Vasen, eine versilberte Vase der Verrerie St. Prex, Das verrückte Labyrinth, ein Bibermodel, Das Ostschweizer Lebkuchenbuch, Hirtenstock und Käsebrecher.

[GE]ärgert
Auf Geheiss von Herrn C., musste ich drei kleine Kenzan in einem Brocki zurücklassen. Ich zitiere: Du brauchst nicht alles doppelt und dreifach! Wo willst du die alle unterbringen?(In dem Moment hätte ich ihm gerne geantwortet, dass ich sie künftig auf seiner Betthälfte lagere, wenn er nicht endlich in Richtung Elektroabteilung verschwindet. Aber ich bin ja ein nettes Mädel und darum schweigend, aber mit einem Grinsen im Gesicht, Richtung Kasse geschlendert). Zu Hause hat sich nun herausgestellt, dass ich für zwei spezielle Gefässe genau diese Miniatur-Blumenigel gebraucht hätte und alle mitgebrachten Exemplare nicht durch die engen Öffnungen passen. *gnah*

[GE]hört: Another one bites the dust - Queen

Vor[GE]nommen:
Endlich meine Modelsammlung zu katalogisieren. Langsam aber sicher verliere ich nämlich den Überblick und Doppelkäufe schleichen sich ein. Könnte ja einen zweiten Blog zu diesem Thema einrichten. *grübel*

Sonntag, 11. November 2018

Rahmröggli - Fluffiges Roggenmischbrot ohne Sauerteig



Ziel: Ein Brot mit einem relativ hohen Roggen- und Vollkornweizenanteil ohne Sauerteigzugabe.
Weg: Mit einigen Misserfolgen gepflastert.
Motivationsanschub: Zwei Wochen lang helle Weizenbrötchen zum Frühstück...
...und ein sackteures Maisbrot vom Bäcker, das schon wenige Stunden nach dem Kauf furztrocken war.
Ergebnis: Geschmack, Konsistenz & Frischhaltung = Allererste Sahne.
Rahmröggli for President!
Yeah!

Quellstück:
  • 150 gr fein gemahlener Roggen (io: Waldstaudenroggen)
  • 75 gr Farina di Manitoba integrale
  • 255 gr lauwarmes Wasser

Vermischen, abdecken und 2 Stunden bei Zimmertemperatur quellen lassen. Anmerkung: Körnerliebhaber können noch 2 El geröstete Sesamsamen zugeben (siehe Foto). Nicht nötig, aber nett.

Hauptteig:
  • Quellstück
  • 300 gr Weizenmehl Typ 550
  • 145 gr Sahne, zimmerwarm
  • 35 gr heller Honig (io: Blütenhonig aus Rehentobel)
  • 10 gr Salz
  • 4 gr frische Hefe

Alle Zutaten in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Acht Minuten auf Stufe 1 kneten, danach noch 5 Minuten auf Stufe 2 kneten lassen, bis der Teig sich vollständig von der Schüssel gelöst hat. Auf einer eingeölten Fläche falten, zurück in die Schüssel legen. Abdecken und 5-6 Stunden bei Zimmertemperatur aufgehen lassen, bis sich das Teigvolumen verdoppelt hat. Alternative: Über Nacht auf der Terrasse, d.h. 12-14 Stunden bei ca. 5 Grad aufgehen lassen, am nächsten Tag zwei Stunden zum Akklimatisieren in der Küche gönnen. Ofen auf 240 Grad vorheizen, Gitter auf der untersten Schiene einschieben. Eine 30 cm lange Brotbackform mit Backpapier auskleiden. Arbeitsfläche mit Mehl bestäuben. Den Teig in vier gleich grosse Stücke zerteilen. Jedes Teigstück zu einer länglichen Zunge ausziehen, aufrollen, Seiten einschlagen und in die vorbereitete Form legen. Die Oberfläche mit 2-3 Stössen aus der Sprühflasche befeuchten, mit einer Duschhaube abdecken und ca. 50 Minuten bei Zimmertemperatur aufgehen lassen, bis der Teig etwa fingerbreit über den Rand schaut. Mit einem scharfen Messer schräg ca. 3 cm tief einschneiden (wie bei einem Tessinerbrot). In den Ofen stellen, kräftig schwaden und die Hitze danach auf 220 Grad reduzieren. 10 Minuten anbacken. Dann auf 200 Grad runterdrehen und weitere 30 Minuten backen. Aus der Form nehmen und noch 10 Minuten nachbacken. Das nussig-milde Rahmröggli bleibt locker 5 Tage frisch und ist, u.a. auch deshalb, unser neuer Liebling der Saison.