Dienstag, 30. August 2016

Orangiger Hippie-Eistee mit Honig



Langsam schleicht sich der Herbst in mein Gemüt. Tagsüber ist es zwar noch angenehm warm, doch abends schon zu kühl für T-Shirts und kurze Hosen. Bald werde ich die leichte Sommerdecke gegen das dickere Duvet eintauschen, wieder jeden Morgen Socken anziehen und die durch Gartenarbeit mühsam erworbene Bräune wird nach und nach verblassen. Doch bis dahin zelebriere ich noch jeden Sommertag, indem ich genüsslich auf der Terrasse ein grosses Glas Hippie-Eistee zum Frühstück geniesse.


Für ein kleines Gläschen Hippie-Tee-Pulver:

  • 3 Tl Kurkumapulver
  • 1/4 Tl Zimtpulver
  • 1/4 Tl Mandarinen- oder Orangenschalenpulver
  • 1/8 Tl Ingwerpulver
  • 1/8 Tl Kardamompulver
  • 2 Umdrehungen schwarzer Pfeffer aus der Mühle
  • 2 Msp Nelkenpulver
  • 2 Msp Vanillepulver
  • 1 Msp gemahlener Galgant
  • 1/2 Hibiskusblüte, fein zerkrümelt

Alle Gewürze vermischen und in ein kleines, dicht schliessendes Gläschen umfüllen. Kühl und lichtgeschützt aufbewahrt hält sich das Pulver etwa drei Monate. Am besten schmeckt die Mischung natürlich mit frisch gemahlenen/gemörserten Gewürzen. Aber das muss ich ja nicht extra betonen, oder? Die Mischung reicht für einen Liter Eistee.

Für einen halben Liter Hippie-Eistee:

  • 500 ml kaltes Wasser
  • 2 Tl Hippie-Tee-Pulver
  • Abrieb einer halben Bio-Orange
  • heller Honig, z.B. Akazie oder Klee 
  • 150 ml frisch gepresster Orangensaft

In einem kleinen Topf die 150 ml Wasser mit dem Teepulver und dem Orangenabrieb verquirlen. Zum Kochen bringen und vier Minuten köcheln lassen. Durch ein feines Sieb giessen und nach Geschmack mit Honig süssen. Restliches Wasser und Orangensaft unterrühren. Mit Eiswürfeln servieren. Oder in eine Glasflasche umfüllen und vor dem Genuss ein paar Stunden im Kühlschrank durchkühlen lassen. Wenn es kälter wird, kann der Tee natürlich auch heiss serviert werden. 


Sonntag, 28. August 2016

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -66-



[GE]gessen: Salat aus Käferbohnen, Tomaten und Möhrengrünpesto

[GE]trunken: Unmengen Kokoswasser

[GE]kocht: Hirsepolenta mit Trüffelsalz & Mammutbasilikum, dazu gedämpfter Broccoli

[GE]backen: Römerbrot und Zwetschgenmuffins mit Grand Marnier

[GE]wesen: Jeden zweiten Tag im Garten

[GE]sehen: Ich weiss, was du letzten Sommer getan hast

[GE]lesen
Als Hemingway mich liebte - Naomi Woods
Kains Opfer - Alfred Bodenheimer
Das Ende vom Lied - Alfred Bodenheimer

[GE]freut: Zusage! Zusage!! Zusage!!!

[GE]ärgert: Über den unbekannten Schmarotzer, welcher regelmässig alle Radieschensämlinge auffrisst

[GE]hörtMojito - Züri West

[GE]erntet: Violette Bohnen, Zucchetti en masse, Verveine, Marokkanische Minze, rosa und weisse Himbeeren


Samstag, 27. August 2016

Bulgarische Tarte



Bei dieser Affenhitze ist fast jeden Abend Salat angesagt. Mir reicht dazu ein Stück Brot, doch der Herr des Hauses wünscht sich regelmässig ein Steak als Beilage. Oder ein Entrecôte. Oder eine Bistecca Fiorentina. Der hart ausgehandelte Kompromiss: Eine salzige Tarte. Lässt sich gut vorbereiten, macht kaum Arbeit und allfällige Reste sind am nächsten Tag gern gesehene Gäste in seiner Lunchbox. 


Für eine rechteckige Tarte- oder Brownieform (30 x 20 cm):

  • 250 gr Feta
  • 2 rote Spitzpaprika
  • 1 Schalotte
  • 2 lange Zweige Oregano
  • 2 Zweige Zitronenthymian
  • 1 Zweig Majoran
  • 1 Ei Grösse L
  • leicht gehäufter 1/4 Tl Sumach
  • ein bisschen Zitronenabrieb
  • Pfeffer
  • 1 rechteckig ausgewallter Blätterteig

Ofen auf 200 Grad vorheizen, das Gitter auf der untersten Schiene positionieren. Feta mit den Fingern über einer Salatschüssel fein zerkrümeln. Paprika waschen, putzen und in kleine Stücke hacken. Schalotte schälen und in feine Ringe schneiden. Kräuter entstielen und die Blätter grob hacken. Alles in die Schüssel zu dem Käse geben. Ei in einem Schüsselchen verquirlen, zusammen mit Sumach, Zitronenschale und einer grosszügigen Portion Pfeffer unterrühren. Form mit dem Blätterteig auslegen, überstehende Ränder abschneiden bzw. umbiegen. Füllung auf dem Teig verteilen und ab in den Ofen damit. Etwa 40 Minuten backen, bis der Blätterteig aufgeplustert und die Füllung leicht gebräunt ist. Mit reichlich Salat servieren.


Dienstag, 23. August 2016

Buchvorstellung: Anleitung zur Stadtflucht. Ein Kochbuch. Auch.



Es gibt Kochbücher, die fallen dank ihres ungewöhnlichen Formats auf. Andere springen ins Auge, weil Autorennamen oder Titel automatisch mit Genuss assoziiert werden. Manchmal bleibt der geneigte Kunde aber auch vor der Auslage eines Bücherladens stehen, weil das grossformatige Foto auf einem Umschlag so verführerisch aussieht. Ähnlich erging es mir, als ich in einer Vorschau auf die Anleitung zur Stadtflucht aus dem Residenz Verlag aufmerksam wurde, auf deren Cover ein rosafarbenes U-Boot prangte*. Meine Neugier war geweckt. Was würde sich im Innern finden? Urban nomad meets Unternehmen Petticoat? Ex-Seesoldaten feiern wilde Partys mit 3-Gänge-Menüs auf einem Truppenübungsplatz? Aber fangen wir doch, wie üblich, beim ersten Eindruck an und arbeiten uns gemächlich durch den Inhalt.

Erster Eindruck:
Quadratisch, gross, wertig. Fester Einband und zwei rosafarbene Lesebändchen. Eingeteilt sind die Rezepte nach den Jahreszeiten, jedes mit einem seitenfüllenden Foto versehen. Ein wohltuend schlichtes Layout. Bis dahin gefiel mir alles, was ich gesehen hatte. Beim zweiten Durchblättern begann sich allerdings die Frage aufzudrängen, warum inmitten der Rezepte, Fotos von ganz oder teilweise unbekleideten Damen auftauchen. Oder die Abbildung eines Mädchens, welches, zwar mit einer weissen Bluse bekleidet, bis zur Brust in einem Weiher steht und so aussieht, als wäre sie ziemlich high und/oder selbstmordgefährdet. Daneben findet sich ein Text von Philipp Traun mit dem Titel "Anleitung zur totalen Verweigerung". Hat die Druckerei etwa Mist gebaut und Teile eines Kunstbandes eingeschmuggelt? Doch ein paar Seiten weiter wird klar: Nein, diese Konstellation ist tatsächlich gewollt. Ob man in einem Kochbuch beispielsweise das Bild einer Schwangeren, mit entblösstem Bauch und Stützstrümpfen, neben der verwirrenden "Anleitung zum freundlichen Umgang mit seiner Mutter" wirklich braucht, sei dahingestellt. Ich bin weder prüde noch eine Kunstbanause, aber ohne die deplatzierten Nackedeis und die Traunerschen Ergüsse würde mir das Werk wesentlich besser gefallen. 

Inhalt:
Nach der knappen Anleitung zur Anleitung, aus der hervorgeht, dass die Autoren sehr viel Wert auf regionale und saisonale Bio-Lebensmittel legen, und die Verteilung der oben erwähnten "poetischen" Fotos und Texte keiner Logik untergeordnet ist (sic!), folgen gleich die Kapitel mit den Rezepten. Eine kleine Auswahl:

Frühling
Carpaccio von der Chioggia-Rübe / Lachsforelle mit Mangold und Zitronenkaramell / Spargeleis

Sommer
Gazpacho mit Lavendel-Crustini / Einkornrisotto mit Paradeisern & Melanzani / Verbenen-Pesto

Herbst
Kaltes Beiried auf Apfel-Walnuss-Salat / Krautfleckern à la Tante Jolesch / Apple Crumble

Winter
Geräucherte Forelle auf Senfgemüse / Rostbraten vom Tuxer Rind / Veganer Brownie

Insgesamt finden sich auf den über 150 Seiten 40 Rezepte für Vorspeisen, Hauptgerichte und Desserts. 

Was meint der Magen:
Wir starteten unser Testmenü mit einer Kräutersuppe. Zuerst wird aus einem grossen Bund (?) verschiedenster Kräuter ein Pesto hergestellt. Ich sammelte also eine halbe Salatschüssel voll Melde, Schnittlauch, Hirschhornsalat, Fenchelgrün, Borretsch, Rucola, Dill und Sellerieblätter. Die Suppengrundlage wird separat gekocht und zuletzt das Kräuterpesto einpüriert. Geschmacklich war die Suppe recht gut und farblich hübsch sattgrün. Das Foto im Buch zeigt allerdings ein Tässchen mit zartweissem Inhalt. Hmmm....
Die Tafelspitzsülze mit Birne hingegen fanden wir nur mässig gelungen. Das Rezept sollte vielleicht überarbeitet werden. Es fehlt zum Beispiel die Anweisung, die Gelatineblätter vor der Zugabe in den Fond einzuweichen. Ein halbes Bund Jungzwiebeln und zwei Stiele Liebstöckel sind leider zu viel des Guten, und erschlugen zusammen den delikaten Fleischgeschmack. Merkwürdigerweise ist auf dem Referenzfoto nur ein Streifen Grünzeug in der Sülze erkennbar, während mein Ergebnis vor grünen Sprenkeln nur so strotzte...


Der Karottenkuchen mit Hanfnuss-Karamell war ein einziges Desaster. Der Teig, bestehend aus 3 Eiern, 50 gr Zucker, 100 ml Öl, 250 gr geriebenen Karotten (ich: Küttiger Rüebli aus dem Garten), 125 gr Mehl und 1,5 Tl Natron, benötigte in meinem Ofen 50 statt 30 Minuten, bis der Stäbchentest positiv verlief. Trotzdem sackte er beim Auskühlen komplett zusammen und war innen klitschig. Beim Probieren stellte sich dann noch heraus, dass er regelrecht geschmacksbefreit und unterzuckert war. Wahrscheinlich hätte das Hanfnuss-Karamell etwas gegen die arg fehlende Süsse ausrichten können, aber da der Kuchen so völlig misslungen war, hatte ich keine Lust auf seine Vollendung. Er landete zwei Tage später unbetrauert im Kompost.

Fazit: Sicherlich empfehlenswert für Leute mit einem ausgeprägten Kunstsinn. Oder als Geschenk für zukünftige Mitglieder der Stadtflucht Bergmühle. Oder für Fans von Tobias Moretti, der das Tuxer Rind grossgezogen hat. Aber meinen (Kunst)Geschmack hat es leider nicht getroffen.

* Das Unterseeboot wurde irgendwann vor dem Erscheinungstermin gegen einen wesentlich langweiligeren rosa VW-Bus auf dem Cover ausgetauscht. Warum auch immer.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Residenz Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.