Sonntag, 31. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -7-



[GE]gessen: Supercrèmiges Hummus aus Kichererbsenmehl

[GE]trunken: Panaché mit Picon 

[GE]grillt: Tessiner Luganighe  

[GE]backen: Vier-Jucharten-Brot, Emmerkekse, Cookies mit Gerstenflocken

[GE]wesen: Herr C. war geschäftlich am Bodensee tätig (siehe Foto),          während ich Haus, Hund und Garten hüten durfte

[GE]sehen: Alle Folgen von "Sherlock"

[GE]lesen: Das geraubte Leben des Waisen Jun Do - Adam Johnson

[GE]freut: Schweinchenkraulen quasi direkt vor der Haustüre

Noch mehr [GE]freut: Heute auf dem Flohmarkt zwei Schälchen von Bitossi
und einen grossen, orangefarbenen Le Creuset Krug ergattert

[GE]kauft: Einen handhohen Feigenbaum für die Terrasse

[GE]hört: A Horse with no Name - America

[GE]lacht: 
Über das eifersüchtige Schweinwoll.
Er kriegt jedes Mal eine Krise, wenn ich kleine Schweinchen kraule.
Probiert dann krampfhaft, sich zwischen mich und Jungschwein Herbert 
zu drängen, stupst mich an und jodelt beleidigt vor sich hin, weil er 
zwei Minuten keine Aufmerksamkeit bekommt.


Freitag, 29. Mai 2015

Buchvorstellung: Tee aus Kräutern und Früchten von R. Beiser


Viele Gartenbesitzer werden Jahr für Jahr mit dem gleichen Problem konfrontiert: Wohin mit all dem Überschuss? Nachdem Familie und Freunde versorgt sind, bleiben oft noch grosse Mengen übrig, die wir nicht sofort verbrauchen können. Gemüse wird dann meist eingefroren, Obst zu Kompott, Konfitüre und Sirup verkocht. Kräuter hingegen trockne ich vorzugsweise im Dörrer. So halten sie sich viel länger, beanspruchen kaum Platz und sind vielseitig einsetzbar. Oregano, Liebstöckel, Majoran und Bergbohnenkraut beispielsweise landen im Kochtopf. Waldmeister und Lavendel als Mottenabwehr im Kleiderschrank. Marokkanische Minze, Zitronenmelisse und Verveine im Badewasser oder in der Teekanne. Als ich vor einigen Wochen den grossen Rosmarinstrauch stark beschneiden musste, kam mir die Idee, die Zweige zu trocknen und daraus einen Aufguss zu bereiten. Mit Orangensaft und Honig vermischt, ergab das einen sehr angenehm schmeckenden Eistee. Dieses Erlebnis war der Anstoss zu weiteren Nachforschungen. Neugierig wie ich bin, wollte ich wissen, welche anderen Garten- und Wildkräuter sich ebenfalls für die Teeherstellung eignen. Dabei bin ich auf das Buch Tee aus Kräutern und Früchten von Rudi Beiser aus dem Kosmos Verlag gestossen, welches ich euch heute vorstellen möchte.

Erster Eindruck:
Handliches und kompaktes Taschenbuch, das auf über 170 Seiten etwa ebenso viele Fotos zu bieten hat. Dank dem Format, der übersichtlichen Gliederung und der ausführlichen Pflanzenporträts, taugt das Buch auch als Exkursions- und Wanderbegleitung.

Inhalt:
Der Umschlag ist ausklappbar und bietet gleich vorneweg eine kleine Einführung in den Pflanzen- und Blütenaufbau, ausserdem werden Bestimmungsmerkmale von Wurzeln, Stängeln, Blättern, Blüten, Früchten und Fruchtständen gezeigt. Weiter geht es mit dem ersten Teil, in dem sich alles um die Theorie dreht: Warum selbst gesammelter Tee besser schmeckt, welche Sammelausrüstung empfehlenswert ist, wie Standorte geschont und Schadstoffe vermieden werden können, welches der richtige Erntezeitpunkt ist, ob die Pflanzen(teile) ganz oder zerkleinert getrocknet werden sollten, verschiedene Trocknungsmethoden, Fermentation, richtige Lagerung und eine doppelseitige Tabelle mit den jeweiligen Erntezeiten der vorgestellten Pflanzen. Der zweite Teil befasst sich mit der Kunst des Teemischens. Natürlich schmecken viele Sorten auch pur, d.h. ohne Beimengung von anderen Kräutern, Früchten oder Gewürzen. Wem das aber zu langweilig ist, der beginnt seine eigenen Teemischungen zu kreieren.


Ein gutes Parfüm besteht aus Basis-, Herz- und Kopfnote, die aufeinander aufbauen und sich ergänzen. Genau so sollte es auch bei einer guten Teemischung sein. Zuerst wird die Basispflanze (z.B. Melisse, Hopfen) ausgewählt, Füllpflanzen (wie Himbeerblätter, Frauenmantel) verleihen Volumen, Schmuckpflanzen (Blüten, Früchte) sorgen für die optische Gefälligkeit und Aromapflanzen (Minze, Gewürze) für den ausgewogenen Geschmack. Die empfohlenen prozentualen Anteile sind in einem Kreisdiagramm dargestellt (das erleichtert die nervige Rechnerei), zudem gibt es noch Vorschläge für Grundmischungen wie Konzentrationstee, Gute-Nacht-Tee oder Kinder-Tee. In einer weiteren Tabelle wird die Verwendung und Wirkung jeder porträtierten Pflanze übersichtlich zusammengefasst. Im dritten Teil erfährt der Leser Tipps und Tricks zur richtige Zubereitung, danach folgen die einzelnen Pflanzenporträts von A (wie Anisysop) bis Z (wie Zitronenverbene). Jeder Sorte ist eine ganze Doppelseite gewidmet. Links die "Fahndungsfotos", darunter Illustrationen zur einfacheren Bestimmung und rechts sind die getrockneten Pflanzenteile abgebildet. Im Begleittext finden sich die jeweiligen Merkmale, Verwechslungsmöglichkeiten, Vorkommen, Geschmack, Erntezeit, Trocknungsempfehlungen, Zubereitungstipps und ein paar Zeilen zur Geschichte. Den Abschluss bildet ein ausklappbarer Rückendeckel mit Fotos aller vorgestellten Teekräuter, womit die rein optische Auswahl erheblich erleichtert wird.

Was meint der Magen:
Ich bin seit Anfang der Gartensaison fleissig am Trocknen. Mittlerweile stehen im Vorratsschrank Gläser mit getrockneten Erdbeerblättern, kleinen Walderdbeeren, Waldmeister, Gundermann, den ersten Ringelblumenblüten, Zitronenmelisse und Holunderblüten. Die getrockneten Fichtensprossen habe ich gleich zu Sirup weiterverarbeitet, Rezept dazu demnächst auf diesem Kanal. In den nächsten Wochen werden Frauenmantel und Steinklee folgen, den ich übrigens extra zu diesem Zweck ausgesät habe. Die Bienen und Hummeln im Garten werden es mir danken, die Kleidermotten eher weniger. Nebenbei möchte ich noch folgende Kräuter und Früchte bevorraten: Basilikum, Beifuss, Birkenblätter, Dost, Ehrenpreis, Gänseblümchen, Giersch, Holunderbeeren, Johannisbeeren, Mädesüss, Klatschmohn, Quecke und Weissdornblüten. Das Mischen werde ich für trübe Herbsttage aufsparen, vielleicht ist bis dahin auch noch das eine oder andere oben nicht aufgezählte Kräutlein dazugekommen. 

Fazit:
Dieses Buch bietet einen sehr guten Einstieg und Überblick zum Thema Kräutertee-DIY. Die Abschnitte über Trocknungsmethoden und Fermentation hätten für meinen Geschmack noch ein bisschen ausführlicher sein dürfen, aber das ist lässliches Gemecker. Das Buch ist, so wie es ist, rundum empfehlenswert. Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst. Einen ganz herzlichen Dank an den Kosmos Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.
Und ab damit zu #EiNaB, wo Beiträge rund um das Thema Nachhaltigkeit gesammelt werden.


Dienstag, 26. Mai 2015

Zum Abschluss: Rhabarberkonfitüre²


Links mit Vanille, rechts mit Kokosmilch

Der Rhabarber im Garten geht langsam zur Neige. Höchste Zeit, noch eine Portion Frühlingsglück einzumachen. Früher war mir das Ende der Rhabarbersaison schnurzpiepegal, damals konnte man mich mit Rhabarberkonfitüre jagen. Vor vielen, vielen Jahren stand eines Tages ein Glas davon bei uns im Schrank. Passend zur suppigen Konsistenz, verlieh die grün-gelb-gräuliche Farbe der Konfitüre einen Touch von Seekrankheit. Die langen Fäden darin erinnerten an glibberigen Tang und der Geschmack glich einer schweren Havarie. Sauer, zusammenziehend, in den Zähnen hängen bleibend. *schüttel* Ich kann mich nicht mehr erinnern, wer unserer Familie dieses Glas voll Unglück vermacht hatte. Aber ich kann mich daran erinnern, dass ich die folgende Dekade anfing zu rennen, sobald etwas mit Rhabarber in meine Nähe kam. Einzige Ausnahme war das Erdbeer-Rhabarber-Kompott meiner Frau Mama, alles andere verweigerte ich. Eine Tragödie, aus heutiger Sicht. Mittlerweile ist aber alles aufgeholt. Unzählige Rhabarberwähen, -kuchen, -torten und -törtchen, Berge von Kompott und literweise Sirup fanden den Weg in meinen Magen. Doch um eines habe ich mich bis letzte Woche gedrückt: Rhabarberkonfitüre, das Schreckensgespenst meiner Kindheit. Todesmutig habe ich mich in die Küche begeben, ein bisschen püriert, ein bisschen gefärbt et voilà, isch bin bekehrt. Klassisch mit Vanille oder exotisch mit Kokosmilch, ihr habt die Qual der Wahl.  


Für 4 Gläser à 250 ml und ein Glas à 125 ml:

  • 1 kg Rhabarber, geputzt gewogen
  • 650 g Gelierzucker 2:1 
  • Saft einer Orange
  • 100 ml Hibiskuskonzentrat*
  • Mark einer Vanilleschote oder ein gehäufter 1/4 Tl Vanillepulver

Rhababer in Scheibchen schneiden und zusammen mit dem Gelierzucker in einem grossen Topf vermischen. Eine Stunde Saft ziehen lassen. Orangensaft und Hibiskuskonzentrat unterrühren und mit dem Stabmixer fein pürieren. Topfinhalt auf mittlerer Stufe zum Kochen bringen. Kräftig rühren und zwischendurch abschäumen nicht vergessen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen, Vanillemark unterrühren und eine weitere Minute kochen. Sofort in die sterilisierten Gläser füllen, Deckel gut zudrehen und mit einem Tuch bedeckt auskühlen lassen. Hält sich, sofern sauber gearbeitet wurde, mindestens ein Jahr. Nach dem Anbruch vorzugsweise im Kühlschrank lagern. 



Für 2 Gläser à 350 ml:

  • 400 gr Rhabarber, geputzt gewogen
  • 3 El Zitronensaft
  • 250 gr Gelierzucker 2:1
  • 165 ml Kokosmilch (eine Minidose, z.B. von Chaokoh)
  • 25 ml Hibiskuskonzentrat*

Rhababer in Scheibchen schneiden und zusammen mit dem Gelierzucker in einem grossen Topf vermischen. Eine Stunde Saft ziehen lassen. Zitronensaft, Kokosmilch und Hibiskuskonzentrat unterrühren, mit dem Stabmixer fein pürieren. Topfinhalt auf mittlerer Stufe zum Kochen bringen. Kräftig rühren und zwischendurch abschäumen nicht vergessen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen. Sofort in die sterilisierten Gläser füllen, Deckel gut zudrehen und mit einem Tuch bedeckt auskühlen lassen. Wegen der Kokosmilch würde ich auf eine verkürzte Haltbarkeit tippen, also möglichst bald verbrauchen und nach dem Anbruch vorzugsweise im Kühlschrank lagern. Quelle: Milchmädchen


* Hibiskuskonzentrat macht sich geschmacklich nicht wirklich bemerkbar, aber farblich einen riesigen Unterschied. Wer keinen Hibiskus hat, streicht das Konzentrat ersatzlos. Rezept für alle anderen: 15 Gramm Hibiskusblüten mit 250 ml Wasser in einem kleinen Topf aufkochen. Fünf Minuten kochen, Herd ausschalten, Deckel auflegen und eine Stunde ziehen lassen. Absieben und weiterverwenden. Reste mit kaltem Wasser, Süssungsmittel nach Wahl und Eiswürfeln zu einem Hibiskus-Eistee vermischen.

Garten-Koch-Event Mai: Rhabarber [31.05.2015]
Mein dritter und letzter Beitrag zum Rhabarbermonat Mai.

Sonntag, 24. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -6-



[GE]gessen: Gebratener grüner Spargel mit Austernpilzen

[GE]trunken: Damla sakizli (Kaffee mit Mastix)

[GE]kocht: Erdbeer-Rhabarber-Vanille-Konfitüre

[GE]backen: Muffins mit Quittenbutter

[GE]wesen: In Maisprach (siehe [GE]lacht)

[GE]sehen Shame mit Michael Fassbender

[GE]lesen Der Distelfink - Donna Tartt

[GE]freut: 
Im Garten lebt seit drei Jahren eine dicke, fette Kröte. 
Die Quietscher, die Herr C. ausstösst, wenn er sie sieht, sind herzerfrischend.
(Von wegen nur Frauen sind so veranlagt...)

[GE]ärgert: Über den Telefonterror von irgendwelchen dubiosen Firmen, die bis zu acht (!) Mal pro Tag anrufen. 

[GE]kauft: Eine Schreibtischlampe aus den 80ern für Herrn C.

[GE]hört: Radio Orchid - Fury in the Slaughterhouse 

[GE]lacht:  
Am Samstag Holunderblütensirup gekocht und insgesamt 17 Flaschen abgefüllt.
Am Sonntag (Mühletag) der Mühle Maisprach einen Besuch abgestattet.
Zuerst Mehl und Körner, dann noch fünf Lose gekauft.
Vier waren Nieten, eines enthielt eine Gewinnummer.
Freudig zum Gewinnzelt gehüpft, Los abgegeben und....
....eine Flasche Holundersirup gewonnen.
Juhui.


Mittwoch, 20. Mai 2015

Ein Abgesang: Das Zic Zac in Allschwil


Es gibt Restaurants, bei denen man schon Sekunden nach dem Eintreten weiss, dass besser schleunigst der Rückwärtsgang eingelegt werden sollte. Warum die meisten Menschen trotz solcher Vorahnungen nicht flüchten, ist mir schleierhaft. Bis ich es kürzlich selbst erlebte. Herr C. hatte mich abends zu einem Termin begleitet und danach spontan zum Essen eingeladen. Unsere Wahl fiel auf das Zic Zac in Allschwil, welches in der Umgebung bekannt ist für seine Burger und den Biergarten. Wir hatten in den letzten Monaten von Freunden und Bekannten gehört, dass die Qualität gesunken sei und wollten uns selbst davon überzeugen, da wir früher gerne ab und zu dort gegessen hatten. An besagtem Abend hatte das Wetter umgeschlagen und so entschieden wir uns für einen Plätzchen im Innern. Ein Kellner nahm uns in Empfang, geleitete uns zu einem Tisch, legte die Karten nieder und verschwand. Keine Nachfrage, ob uns der Tisch gefällt oder ob wir lieber irgendwo anders sitzen wollen. Mir fiel nur ein Ausdruck dafür ein: Typische Massenabfertigung. Das war der Punkt, an dem ich am liebsten wieder gegangen wäre. Warum wir trotzdem geblieben sind? Hunger. Und zu müde, um noch eine andere Lokalität zu suchen. Wir blätterten durch die Karte und entschieden uns für unsere zwei Lieblingsburger. Sagenhafte fünf Minuten später standen die vollbeladenen Teller vor unsere Nase. Fünf Minuten? Genau, fünf Minuten. Rekordverdächtig. Und auch sonst verdächtig. Wie kann ein Koch innerhalb von maximal vier Minuten zwei Burger, zwei Portionen Pommes und zwei Side Salads zubereiten und anrichten? 

Eigentlich wollte ich es gar nicht wissen. Um mich abzulenken, beäugte ich die Beilagen genauer. Riesige Stücke Eisbergsalat, mindestens ein Drittel davon bestanden aus nichts als der weissen Mittelrippe. Rechts angetrocknete Karottenstücke, in der Mitte angetrockneter Mais aus der Dose, links geschmacklose Gurkenstücke. Von allem probiert, die Industriesalatsauce als nicht essbar eingestuft (Maggi meets Zuckerdose) und zu den Pommes übergegangen. Diese waren öltriefend, labbrig und kaum gesalzen. Der Burger konnte es auch nicht herausreissen. Labbrige, kaum angewärmte Brötchenhälften. Eine Seite bestrichen mit einem scharfen, nach abgelaufenem Paprikapulver duftenden Tomatenmatsch. (Auf Nachfrage wurde beschieden, dass es sich dabei um BBQ-Sauce handeln soll). Gummiger Schmelzkäse. Die Ananasscheibe aus der Dose war auf einer Seite schwarz. Der Speck fetttriefend, nicht kross, zu kurz gebraten und viel zu salzig. Das Pattie war auf einer Seite ebenfalls schwarz und von komischer Konsistenz. Der Anschnitt offenbarte Fettklümpchen und Knorpelstückchen in der ansonsten komplett homogenen grauen Fleischmasse. Erinnerte mich an einen Burger, den ich Jahre zuvor auf einer Studentenparty gereicht bekam. Billigstes Fleisch und billigste Brötchen aus dem Discounter, lieblos zusammengezimmert. Hauptsache Mampf. Nach ein paar Bissen war mir der Appetit gründlich vergangen und ich schob den Teller zur Seite. Herr C. ass ein bisschen mehr, befand aber auch sein Gericht nur geniessbar, weil er den ganzen Tag über noch nichts gegessen hatte. Während wir auf den Kellner warteten, gaben zwei Damen einen Tisch weiter ihre Burgerteller ebenfalls fast unangetastet zurück. Einige Zeit später tauchte der zuständige Herr auf und erkundigte sich beim Abräumen, ob es denn geschmeckt habe. Nein, hatte es nicht, erkennbar an dem kaum angerührten Speisen. Ich gab ihm eine kurze, freundliche Zusammenfassung. Er nickte und erkundigte sich bei Herrn C., wie es ihm geschmeckt habe. Er äusserte sich in die gleiche Richtung. Kommentarlos verschwand die Bedienung samt den Tellern. Als er Minuten später wieder auftauchte, baten wir um die Rechnung, die auch prompt ausgestellt wurde. Und wie sollte es auch anders sein, beide Gerichte wurden vollumfänglich berechnet. Ebenso die zwei Getränke. Kein "Ich habe ihre Beschwerde an die Küche weitergeleitet" oder ähnliches. Und natürlich auch kein "Darf ich ihnen dafür einen Kaffee auf Kosten des Hauses servieren?". Dafür einen unfreundlichen Blick, als Herr C. die Summe nicht aufrundete. 

Wann genau ist eigentlich die Personalschulung auf ein solch furchtbares Niveau herabgesunken? Ausrutscher in einer Küche können immer passieren, aber solch katastrophale Leistungen und dazu noch inkompetentes Personal vergraulen doch auch die willigsten Gäste. Bei uns haben sie es jedenfalls geschafft. Schade, ich mochte den Biergarten. Und die Burger. *soifz*


Sonntag, 17. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -5-



[GE]gessen: Geräuchertes Rückenfilet vom Lachs mit Wickenknospen

[GE]trunken: Feigenblättertee

[GE]kocht: literweise Holunderblütensirup

[GE]backen: 4-Korn-Toast 

[GE]wesenIm Garten. Junge Piepmätze beobachtet.

[GE]sehen: Das Schweigen der Lämmer

[GE]lesen: Katia Mann - Die Frau des Zauberers

Aus[GE]sät: Hirschhornsalat, Sonnenblumen und Mombacher Speckbohnen
 
[GE]freut: Über Kaffeeöl von H. Antoniewicz

[GE]kauft: Und Sonntags rührte Nonno die Polenta - Giò Waeckerli-Induni

[GE]hört: '74-'75 (The Connells)

[GE]weint: 
B.B. King has left the building


Freitag, 15. Mai 2015

Second: Mürbe Galettes aus Emmer- & Roggenmehl mit Rhabarberfüllung



Was dem Briten sein Hand Pie, ist dem Franzosen seine Galette. 

Kurzer Steckbrief:

Grösse 
Von wünzig klein bis XXL-Familienformat.

Teig
Helles Weizenmehl ist out,  Mehl aus Urgetreide und Mischungen sind der Dernier Cri.

Füllung 
Süss oder salzig. Erlaubt ist, was gefällt.

Ob mit oder ohne Ei, daran scheiden sich die Geister. Ob mit oder ohne Backpulver, ist eine Glaubensfrage. Ungesalzene oder gesalzene Butter? Mönsch, Kindies, ihr könnt das halten wie ihr wollt. Meine Galettes haben den Segen von der kritischsten Prüferin des Universums, auch bekannt als mein Schwesterherz. Und wenn sie sagt, ich zitiere: Die sind perfekt. Voll yummie!, dann ist das auch so. Punkt. Amen. Aus.


Für den Teig:
  • 120 gr helles Emmermehl
  • 60 gr helles Roggenmehl
  • 50 gr Zucker
  • knapper 1/2 Tl Weinsteinbackpulver
  • 85 gr gesalzene Butter, kühlschrankkalt (ich bevorzuge diese Sorte mit Meersalz)
  • 1 Ei Grösse L, kühlschrankkalt
  • 2-4 El kaltes Wasser

Füllung:
  • 120 gr dünne Rhabarberstangen, geputzt gewogen
  • 1 kleiner Apfel (möglichst eine mürbe, saure Sorte)
  • 40 gr Zucker
  • 1/8 Tl Zimtpulver

Mehl, Zucker und Backpulver in einer Schüssel mischen. Kalte Butter in dünne Scheiben schneiden und in die Schüssel geben. Mit einem Pastry Cutter, zwei Messern oder den Händen schnell einarbeiten, bis die Butterstücke linsengross sind. Ei mit einer Gabel verquirlen und unter die krümelige Masse rühren. Schüsselinhalt auf die Arbeitsfläche kippen, vorsichtig mit den Händen zusammenfügen und esslöffelweise soviel Wasser zugeben, bis der Teig gerade zusammenhält. KURZ auf der Arbeitsfläche durchkneten, bis er gerade homogen ist. Ganz wichtig: Der Teig darf nicht warm werden. In 5 Stücke à etwa 78 Gramm teilen. Rund formen, auf einen vorgekühlten Teller legen und 15 Minuten im Kühlschrank parkieren.


Unterdessen die Rhabarberstangen in zentimetergrosse Stücke schneiden. Apfel schälen, vierteln, Kerngehäuse und Fliege entfernen und in etwa gleich grosse Stücke schneiden. 60 gr davon abwiegen und zum Rhabarber geben. Mit Zucker und Zimt vermischen. Ofen auf 180 Grad vorheizen. Arbeitsfläche ganz fein bemehlen, ein gekühlten Teigball aus dem Kühlschrank nehmen und mit dem Handballen zu einer untertassengrosse Scheibe plattieren, die möglichst gleichmässig dick sein sollte. Schnell arbeiten, damit der Teig nicht warm wird. 2 El Füllung in der Mitte geben, ein bisschen verteilen. Darauf achten, dass rundherum ein etwa 2 cm breiter Rand frei bleibt. Ränder vorsichtig umklappen und ein wenig wie bei Piroggen einkneifen/formen/festdrücken. Auf ein mit Backpapier belegtes Backblech legen. Mit den restlichen vier Teigportionen genau gleich verfahren. Blech auf der zweiten Schiene von unten einschieben und 15 Minuten backen. Eine Schiene höher einschieben und weitere 10-15 Minuten backen, bis der Teig appetitlich gebräunt ist und das Innere wie ein blubbernder Früchtesee aussieht. Auf einem Gitter auskühlen lassen und zimmerwarm servieren.

Garten-Koch-Event Mai: Rhabarber [31.05.2015]
Mein zweiter Beitrag im Monat Mai zum Thema Rhabarber.


Mittwoch, 13. Mai 2015

Rezension: Hummus, Bulgur & Za'atar



Herr C. ist zu meinem Leidwesen kein begeisterter Fan der orientalischen Küche. Er kann gut auf Auberginen, Kreuzkümmel, Chilis und Korianderkraut verzichten, und ist allgemein skeptisch, wenn mit Gewürzen wie Zimt, Piment und Koriandersamen verschwenderisch umgegangen wird. Mastix, Mahlap, Rosen- und Orangenblütenwasser gehören seiner Meinung nach in Kosmetik, aber nicht auf den Teller. Gemüse oder Salate mit Zitronensaft findet er viel zu sauer und zuckersüsses Gebäck kann ihn auch nicht locken. Mit anderen Worten: Oft, wenn er geschäftlich abwesend ist, steigt im Hause C. eine Orgie wie aus 1001 Nacht. Natürlich nur auf kulinarischer Ebene, für alles andere bin ich viel zu alt. Um mein Repertoire zu erweitern, ist kürzlich Hummus, Bulgur und Za'atar von Rawia Bishara aus dem Fackelträger Verlag bei mir eingezogen. Glücklicherweise ist Herr C. bald eine Woche abwesend, denn auf der Nachkochliste hat sich dank des Buches noch einiges mehr angesammelt.

Erster Eindruck:
Optisch ein Volltreffer. Fast jedes Rezept wird von einem seitenfüllenden, stimmigen Foto begleitet. Die Farben und Dekoelemente sind, passend zu den Gerichten, orientalisch-bunt und versetzen mich schon beim Durchblättern in Ferienstimmung. Fotos von Land, Leuten und Lebensmitteln runden das Ganze ab. 

Inhalt:
Aufgeteilt wurde in folgende Kapitel: Frühstück, Vorspeisen, Salate, Suppen & Eintöpfe, Beilagen, Eingelegtes & Saucen und Desserts. Aber halt, da fehlt ja noch etwas. Genau, die Hauptgerichte. Dieses Kapitel wird noch unterteilt in Vegetarisch, Fisch & Schalentiere, Geflügel und Lamm & Rind. Am Anfang des Buches findet sich praktischerweise gleich eine Doppelseite mit dem Titel "Speisekammer", auf der die wichtigsten Zutaten für die mediterran-orientalischen Köstlichkeiten aufgelistet und kurz erklärt werden. Jedes Kapitel, und auch beinahe jedes Rezept, werden mit ein paar Worten der Autorin eingeleitet. Spätestens jetzt wird klar, dass es sich um ein sehr persönliches Kochbuch handelt, was die Lektüre noch viel sympathischer macht. Unter den über 130 Rezepten finden sich einige Klassiker, wie beispielsweise Hummus, Kibbeh, Baba Ghanoush, M(u)hammara, Falafel, Taboulé, gefüllte Weinblätter und Harira. Viel häufiger vertreten sind aber Familienrezepte, die man in anderen Kochbüchern vergeblich sucht. Zum Beispiel Eier mit Za'atar, Joghurt-Tahini mit Kichererbsen, syrischer Kartoffelsalat, Tomaten-Kürbis-Suppe, Blumenkohleintopf mit Lamm und Granatapfelsirup,  gegrillter Red Snapper in Weinblättern, Hühnchen-Fetti oder Palästinensischer Couscous. Nicht ganz zum Konzept passend sind europäische bzw. amerikanische Gerichte wie Rosenkohl mit Panko, Rote-Bete-Salat mit Basilikumpesto, Blumenkohlsalat, Aubergine Napoleon, Lachs mit Pestosauce oder Schokolade-Himbeer-Kuchen. Normalerweise schätze ich eine grosse Bandbreite, doch die letztgenannten Rezepte sind meiner Meinung nach komplett überflüssig.

Unbedingt ausprobieren möchte ich noch:

- Libanesische Pasteten mit Mastix und Fleischfüllung 
- Eingelegte gefüllte Auberginen
- Fladenbrot mit roter Paprika und Zwiebeln
- Okraschoten mit Lamm und Granatapfelsirup
- Gegrillter Löwenzahn mit karamellisierten Zwiebeln
- Scharfer Reis mit Tomaten, Kreuzkümmel und Erbsen
- Gefüllte Artischocken mit Fleisch und Pinienkernen
- Eingelegte Steckrüben mit Roter Bete
- Sahlab mit Mastix, Orangenblüten- und Rosenwasser
- Glutenfreier Mandarinen-Aprikosen-Kuchen
- Mamoul mit Mastix, Mahlap und Pistazien (und ja, ich bin ein kleiner Mastix-Freak)

Was meint der Magen:
Fünf Rezepte habe ich herausgepickt und vier davon haben meine Erwartungen erfüllt oder sogar übertroffen. Die gebratenen Tomatenscheiben sind einfach in der Zubereitung und zerschmolzen förmlich im Mund. Die Reste landeten am nächsten Tag zusammen mit Tahini-Petersilien-Sauce in einem Stück Fladenbrot, was ein köstliches Sandwich ergab. Das Schüsselchen grauer Hummus wurde, trotz der ungewöhnlichen Farbe, noch am gleichen Abend mit Begeisterung weggedippt. Im Rezept werden helle Kichererbsen verwendet, ich hatte aber nur noch schwarze Ceci aus Italien im Vorratsschrank. Das verwendete Tahin war ebenfalls schwarz, sonst wäre das Ergebnis wohl schmutzigbraun ausgefallen. Schwesterherzens Kommentar: Toller Partygag. Beton in der Schüssel. Tstststststs.....


Der Olivenaufstrich mit Sardinen fand hellen Anklang bei Herrn C., mir war er pur schon fast ein bisschen zu fischig. Liegt aber wahrscheinlich an der Qualität der verwendeten Fischkonserve und nicht am Rezept. Muttabal, eigentlich ein Salat aus Auberginen und Tomaten, blieb aus Versehen ein paar Umdrehungen zu lange im Mixer und transformierte sich zu einem Aufstrich. Geschmeckt hat es trotzdem. Einzig beim Arabischen Brot konnte ich keinen Erfolg verbuchen. 620 ml Wasser, 250 gr Joghurt und 250 ml Olivenöl auf 750 gr Mehl ergeben eine flüssige Pampe, aber keinen knet- oder formbaren Brotteig. Das Desaster ahnend, hatte ich glücklicherweise nur ein Sechstel der Menge angerührt. Den türkischen Bäcker zwei Strassen weiter freute es, so wurde er für mein Testessen zwei seiner Pide los. Good to know: Wer kein gut sortiertes türkisches und/oder arabisches Lebenmittelgeschäft in seiner Nähe hat (oder über entsprechende Vorräte verfügt), wird beim Nachkochen zwangsläufig schnell an seine Grenzen stossen. Viele Zutaten lassen sich nur schlecht oder gar nicht ersetzen, darum unbedingt bei nächster Gelegenheit Granatapfelsirup, Tahini, Bulgur, rote Linsen, Kreuzkümmel, Piment und Co. bunkern.

Fazit:
Definitiv kein typisch orientalisches Kochbuch. Aber genau das macht seinen Reiz aus. Wer sich, seine Familie und Freunde mit schnörkellosen Gerichten ohne Chichi verwöhnen möchte, liegt mit diesem Kochbuch genau richtig. Eher für fortgeschrittene Köche als für blutige Anfänger geeignet, denn die Anleitungen und die einzelnen Arbeitsschritte sind manchmal sehr knapp gehalten.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst. Einen ganz herzlichen Dank an den Fackelträger Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Dienstag, 12. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -4-




[GE]gessen: Zwei gedörrte Comice-Birnen aus einer der letzten Schweizer Holzofendörrereien 

[GE]trunken: Chatzeseicherli halb/halb
(Schorle aus Uva Americana-Saft und Mineralwasser)  

[GE]kocht: Zwei Sorten Rhabarberkonfitüre

[GE]backen: Brot mit Grünkern und Hirse

[GE]wesen: Stippvisite in Zürich

[GE]sehen: Headhunter mit Aksel Hennie 

[GE]lesen: Steile Welt. Leben im Onsernone - Stef Stauffer

[GE]freut: Über einen riesigen marokkanischen Bettüberwurf, 
den mir Tante Z. von ebendort mitgebracht hat

Noch nicht Aus[GE]pflanzt: Forellenschluss, Broccoli, Kürbisse, Randen

[GE]gönnt: Ein Säckchen voller Leckereien von Schwarzenbach

[GE]hört: Ship of Fools - Erasure 

[GE]lacht: Über den Ausdruck "Malermeister-Terrorzelle" im neuen Klufti-Krimi


Sonntag, 10. Mai 2015

First: Einfache Rhabarber-Pudding-Torte



Der erste Rhabarber aus dem Garten musste mit einer speziellen Zubereitung geehrt werden. Im Unterschied zur altbekannten Methode, Torten nach dem Backen zu füllen, wird die Füllung hier gleich mitgebacken. Oder hat irgendjemand etwas gegen weniger Aufwand und weniger Abwasch?

P.S. Frisch mit Puderzucker bestäubt hätte ihr Bild jedes Lehrbuch für gehobene Pâtisserie zieren können. Zehn Sekunden später war die ganze Pracht dahin. Was lernen wir daraus? Hetzerei + lauwarmes Gebäck + falsch eingestellter Fotoapparat = Optik gestrichen. Glücklicherweise zählen ja eh nur die inneren Werte.


Für die Puddingschicht:

  • 250 ml Milch
  • 45 gr Zucker
  • 1 Prise Salz
  • Mark einer halben Vanilleschote
  • 2 Msp Kurkumapulver
  • 25 gr Speisestärke 
  • 20 gr Butter

Vier Esslöffel Milch in ein kleines Schälchen geben, die Speisestärke darin klümpchenfrei anrühren. Restliche Milch, Zucker, Salz, Vanillemark und Kurkuma in einen Topf geben und unter Rühren zum Kochen bringen. Sobald der Topfinhalt kocht, die angerührte Speisestärke zügig untermischen. Etwa zwei Minuten unter ständigem Rühren kochen, bis die Flüssigkeit merklich eingedickt ist. Topf zur Seite ziehen, Butter unterrühren und in einen tiefen, kalt ausgespülten Suppenteller giessen. Der Durchmesser der Vertiefung sollte nicht grösser als 18 cm sein, sonst passt die Puddingschicht nicht in die Springform. Oberfläche mit Klarsichtfolie abdecken, damit sich keine Haut bildet. Komplett abkühlen lassen und dann für eine Stunde in den Kühlschrank stellen. Klarsichtfolie abziehen und wie unten beschrieben weiterverfahren.


Für eine Springform mit 18 cm Durchmesser:

  • 185 gr Mehl
  • 40 gr Speisestärke 
  • 2 Tl Backpulver
  • 180 gr Butter, weich
  • 110 gr Zucker
  • 1 Prise Salz
  • 2 Eier Grösse L
  • 3 El Milch
  • 2 grosse Rhabarberstängel, geputzt und in kleine Stücke geschnitten
  • 1 El Zucker

Ofen auf 180 Grad vorheizen. Boden und Seiten der Springform mit Backpapier auskleiden. Mehl, Backpulver und Speisestärke vermischen und durchsieben. Butter mit Zucker und Salz crèmig aufschlagen. Eier jeweils einzeln 30 Sekunden lang unterrühren. Mehl abwechselnd mit der Milch untermischen, bis der Teig schön glatt ist. Hälfte des Teiges in die Form geben und einigermassen glatt streichen. Pudding vom Teller lösen und vorsichtig auf den Teig gleiten lassen. Restlichen Teig darüber verteilen und wieder glatt streichen. Mit den Rhabarberwürfeln toppen und mit dem Zucker bestreuen. Auf der zweiten Schiene von unten einschieben und 90 Minuten backen (oder bis der Stäbchentest positiv verläuft). Falls die Oberfläche zu schnell bräunt, locker mit Alufolie abdecken. Zwanzig Minuten in der Form abkühlen lassen, erst dann Ring und Boden entfernen. Auf einem Gitter komplett auskühlen lassen und mit viel Schlagsahne servieren. Quelle: Table for 2 / Eingereicht beim Garten-Koch-Event Mai.

Garten-Koch-Event Mai: Rhabarber [31.05.2015]


Donnerstag, 7. Mai 2015

Orangiges Schafmilcheis mit eingestrudelter Erdbeersauce



Beinahe wäre ich daran vorbeigelaufen. Auf der Suche nach Bergbauernbutter, bemerkte ich einen ganzen Karton voll verbilligter Schafmilch. Ich ging weiter auf Buttersuche und nachdem ich in der hintersten Ecke der Regalzeile fündig geworden war, kehrte ich grübelnd zur Milch zurück. Was könnte ich daraus machen? Frischkäse? Mmmmhhh... Hatte ich überhaupt noch Lab im Kühlschrank? Mmmmmhhh.... Definitiv unsicher grübelte ich weiter. Pudding? Griessköpfchen? Vanillesauce? Mmmmmmhhhh.... Mir fiel nichts gescheites ein, darum ging ich Richtung Kasse, packte auf dem Weg dorthin noch vier Körbchen vergünstigte Erdbeeren ein und fuhr anschliessend im Nieselregen nach Hause. Dort angekommen, zog ich gerade die nassen Kleider aus, als ein Gedankenblitz mein Hirn durchzuckte. Schafmilch = hoher Fettgehalt = supercrèmiges Eis. Blitzschnell zog ich mich wieder an und schwang mich, mittlerweile im strömenden Regen, nochmal aufs Velo. Schwein gehabt, von den sechs Flaschen waren noch vier da. Als ich aus dem Laden trat, war der Regen so heftig, dass mir nichts anderes übrig blieb, als das Velo zu schieben. So hatte ich genug Zeit, um über meine undichte Regenjacke zu fluchen (vergessen nach dem Waschen zu imprägnieren) und zu überlegen, auf welche Sorte Eis ich eigentlich Lust hatte. Die Grundmasse sollte die gleiche wie beim Vanilleeis sein, allerdings mit kleinen Änderungen. Statt Vanille stellte ich mir Orange und Grand Marnier vor. Und was passt dazu wie die Faust auf's Auge? Erdbeeren! Zwar noch keine einheimischen, aber zumindest vor dem Entsorgen gerettete welche. Was soll ich noch sagen? Ich bin hin und weg. Crèmiges Milchglacé mit einer dezenten Nuance von Orangen und Grand Marnier, ergänzt durch frisch-fruchtige Erdbeerstrudel... Njammi! Aus den restlichen Erdbeeren entstand übrigens eine Konfitüre mit Bergamotteschalen. Génial, nebenbei bemerkt. Doch das ist eine andere Geschichte. (Fortsetzung folgt).


Für die Erdbeersauce:
  • 300 gr Erdbeeren, geputzt gewogen
  • 75 gr Gelierzucker 2:1
  • 30 gr frisch gepresster Orangensaft
  • 30 gr frisch gepresster Zitronensaft

Erdbeeren in kleine Stücke schneiden. Zusammen mit den restlichen Zutaten in einem Topf vermischen und eine Stunde ziehen lassen. Zum Kochen bringen, 6 Minuten sprudelnd kochen lassen. Topf zur Seite stellen und zwei Stunden auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. Dann mit dem Mixstab fein pürieren. Die dunkelrote Masse wird flüssiger und hellrot. Abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am nächsten Tag die schaumig-wobblige Sauce in der letzten Minute vor Verwendung aus dem Kühlschrank holen und kurz durchrühren. 


Für das Schafmilcheis:
  • 500 gr Schafmilch (6,3% Fett)
  • 300 gr Sahne
  • 110 gr Zucker
  • 2 El/30 gr Agavendicksaft
  • 4 abgeschälte Streifen Bio-Orangenschale
  • 2 Prisen Salz
  • 14 gr Speisestärke 
  • 60 gr Frischkäse 
  • 3 El Grand Marnier

400 gr Milch, Sahne, Zucker, Agavendicksaft, Orangenschale und Salz in einen Topf geben, auf den Herd stellen und unter Rühren zum Kochen bringen. Unterdessen die Speisestärke mit der restlichen Milch klümpchenfrei verquirlen. Wenn die Milchmischung kocht, Topf zur Seite ziehen und die angerührte Speisestärke zügig untermischen. Wieder auf die heisse Platte schieben und unter ständigem Rühren etwa eine Minute kochen, bis es merklich andickt. Vom Herd nehmen und die Schalenstreifen herausfischen. Frischkäse in einer kleinen Schüssel glatt rühren. Vier Esslöffel von der heissen Milchmischung zugeben und kräftig rühren, bis die Masse völlig glatt ist. Die Frischkäsemilch in den Topf löffeln und klümpchenfrei verquirlen. Waschbecken etwa handbreit mit kaltem Wasser füllen, Topf hineinstellen und so lange rühren, bis der Inhalt nur noch lauwarm ist. Dann den Grand Marnier untermischen. Wasser auswechseln und den Topf im Becken stehen lassen, bis der Inhalt vollständig abgekühlt ist. In einen grossen Messkrug mit Ausguss (vorzugsweise aus Glas) umfüllen, abdecken und über Nacht in den Kühlschrank stellen.

Am nächsten Tag nach Gebrauchsanweisung in der Eismaschine gefrieren lassen. Unterdessen eine Tupperschüssel im Tiefkühler vorkühlen und aus Backpapier eine passende Abdeckung ausschneiden. Nach 45 Minuten das Eis abwechselnd mit der Erdbeersauce in die vorgekühlte Schüssel füllen. Mit einem breiten Löffelstiel verwirbeln, vorsichtig den Backpapierdeckel andrücken und ab damit in den Tiefkühler. Nach 2-3 Stunden ist das Glacé fester und servierbereit. Erst dann, also wenn das Eis fest ist, mit dem Deckel verschliessen. Das Backpapier nicht entfernen, es sorgt dafür, dass sich auf der Oberfläche keine gummige Schicht oder Eiskristalle bilden. Das Eis hält sich locker einen Monat im Tiefkühler und behält dabei seine crèmige Konsistenz. Tipp: Schüssel 10 Minuten vor dem Servieren aus dem TK holen und Deckel abnehmen. Danach lässt es sich sehr gut portionieren. Geht zur Not aber auch ohne Aufwärmzeit.

Zitronige Variante: Orangenschale durch 4 Streifen Zitronenschale und Grand Marnier durch 3 El Limoncello, Wodka oder Grappa ersetzen.

Ergibt etwa 1,2 Liter Eis (Notiz an mich: Etwas mehr, als mein gelbes Tupperli fassen kann).


Dienstag, 5. Mai 2015

Rezension: Yemek - Rezepte aus Istanbul


Einige von euch wissen vielleicht, dass ich eine ganz spezielle Beziehung zur Türkei habe. Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre, würde ich heute im Sommer an der Westküste leben und während der kalten Jahreszeit in Istanbul. Tja, es sollte halt nicht sein. Doch lassen wir die Vergangenheit ruhen, reden wir lieber vom Essen. Denn die türkische Küche hat weit mehr zu bieten als Döner, Lahmacun und Pide, wie uns das Buch Yemek aus dem Edel Verlag beweist.

Erster Eindruck:
Frisch, fröhlich, farbenfroh. Ein Eyecatcher, der das Kind in mir weckt. Die Kombination aus bunten, spielerisch arrangierten Lebensmitteln und dem Untertitel "Rezepte aus Istanbul" lässt nur noch einen Gedanken zu: Meins! Her damit!

Inhalt:
Im Innern geht es genau so vielfarbig weiter. Die Kapitel sind unterteilt in Morgen, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht. Ein kulinarischer Tag in Istanbul könnte dann wie folgt aussehen: Morgens starten wir mit Menemen (gebratenem Gemüse mit Eiern) und Pogaça (Dillbrötchen mit Fetafüllung). Mittags gibt es Mücver (Zucchinipuffer), Mercimek köftesi (Linsennocken) und Mahmudiye yemegi (Hühncheneintopf mit getrockneten Aprikosen). Die türkische Tea Time am Nachmittag versüssen uns Gül böregi (Börekschnecken) und Tel kadayif (Engelshaar). Abends geht es weiter mit Fava (Bohnenpüree) und Acili ezme (Tomatensalat mit Kräutern) als Meze, gefolgt von Hünkar begendi (Lammragout auf Auberginenbéchamel). Nachts, nach dem Discobesuch, gibt es noch eine Cevizli lahmacun (Nusspizza) auf die Hand, denn nach der Völlerei verzichten wir auf's Taxi und gehen zu Fuss. Fast alle Rezepte sind mit einem Foto garniert, zwischendurch eingestreut sind Doppelseiten mit Impressionen aus Istanbul. Schlimmes Fernweh lässt grüssen. 

Was mir hingegen nicht besonders gefällt, sind die vielen verschiedenen Schrifttypen, -grössen und -farben. Wirkt irgendwie chaotisch und nach einiger Zeit leicht nervig. Leider gibt es noch ein paar andere Kleinigkeiten, die den Lesegenuss stellenweise ein wenig trüben. Beispielsweise wird Kaymak (eingedickter, streichbarer Doppelrahm) ohne zusätzliche Erklärung einfach mit "Rahm" übersetzt. Normaler, flüssiger Rahm bzw. Sahne kann Kaymak aber nur in den seltensten Fällen ersetzen. Ein weiteres Beispiel: Der Kaffee wird mit zwei Teelöffeln Pulver pro Mokkatasse (!) gekocht. Diese Menge hätte meine Fastschwiegermutter garantiert ins Grab befördert. Einerseits, weil er so zubereitet quasi ungeniessbar ist, und andererseits bleibt kaum Flüssigkeit zum Ausschenken übrig. Ein Löffel Pulver pro Tasse, und ab vier Personen noch einen Löffel voll für die Kanne, sind völlig ausreichend. Yenidünya (Nespole - Eriobotrya japonica) sind nicht mit unseren einheimischen Mispeln (Mespilus germanica) verwandt, auch wenn das immer wieder fälschlich behauptet wird. Fröhlich wird vorgeschlagen, statt getrocknete Nanaminze könne man auch Pfefferminze aus einem Teebeutel verwenden... Absolutes NO-NO-NO-GO! Genau so wie Fava aus D-o-s-e-n-b-o-h-n-e-n. Nope. Unerklärlicherweise werden die Tomaten für den Tomatenkräutersalat zwar enthäutet, die Kerne und das schlabberige Innere aber nicht entfernt. Hefe wird, wie so oft, völlig überdosiert. Neun Gramm Trockenhefe auf 350 Gramm Mehl für Pizzateig, und ein Würfel Frischhefe auf eine halbes Kilo Mehl für Pide sind eindeutig viel zu viel des Guten. Und ich kann nur hoffen, dass die im Glossar aufgeführten Glasnudeln als Ersatz für Kadayif als Witz gemeint sind. Schon klar, ich meckere hier auf hohem Niveau, aber nobody's perfect. 

Was meint der Magen:
Beim Ausprobieren hatte ich leider kein glückliches Händchen. Nur ein Rezept konnte mich komplett überzeugen, die anderen vier gingen mehr oder weniger in die Hose. Die Gözleme mit Kartoffel- und Spinatfüllung waren, strikt nach Anleitung zubereitet, total fade. Kartoffeln und Spinat werden ohne Salz gekocht und so wie es sich liest, schmeckte es auch. Die Verkostung der Açma-Brötchen war ähnlich enttäuschend, da die Hefe bei der vorgeschriebenen Behandlung den Dienst verweigerte. Laut Rezept wird die Milch erwärmt, Puderzucker und zerbröckelte Hefe eingerührt und in der Hefemilch noch die Butter geschmolzen. Erwartungsgemäss ging dann gar nichts mehr, denn Hefe sollte nie direkt mit Fett in Berührung kommen. Nach vier Stunden Wartezeit, in der der Teig sich keinen Millimeter rührte, musste ich nochmals Hefe untermischen. Die dominierte dann den Geschmack, deshalb landeten die meisten Brötchen am nächsten Tag auf dem Kompost. 

Eckige Açma mit Olivenfüllung

Die Yufka-Apfelröllchen werden mit Tahin Helva zubereitet. Diese typisch türkische Süssigkeit gab es nirgends ohne unerwünschte Zusatzstoffe, zum Glück fand ich eine kleine Packung mit 200 Gramm Inhalt (Normalgrösse ist 400 Gramm). Zum Vergleich rührte ich Sesammus mit Puderzucker glatt und buk die Hälfte mit dieser Mischung. Bei der Verkostung fiel die Variante mit Helva durch, die Röllchen hatten einen komisch muffigen Beigeschmack. Als letztes versuchte ich die Nusspizza, der ich allerdings ein paar kleine Änderungen (z.B. Reduzierung der Hefemenge) angedeihen liess. Die Pizzen waren mein persönliches Highlight. Sogar Herr C. fand sie richtig gut, besonders zu einem Rucolasalat.

Fazit:
Gemischt. Optisch würde ich das Buch mit gut bis sehr gut bewerten. Rezepttechnisch sehe ich es eher im mittleren Bereich, also mehr für Anfänger oder Einsteiger. Wer zum Beispiel keine Probleme damit hat, Bohnen und Kichererbsen aus der Dose zu verwenden, der wird mit diesem Kochbuch viel Freude haben.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst. Einen ganz herzlichen Dank an den Edel Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Sonntag, 3. Mai 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -3-



[GE]gessen: Bratwurst vom Evolèner Rind

[GE]trunken: Den letzten Stachelbeersirup 

[GE]kocht: Gemüse mit Erdnusssauce auf Surti Kolam Reis

[GE]backen: Chocolate Chip Orange Cookies mit Haselnussmus und WonderFlour

[GE]wesen: Im Garten

[GE]sehen: Vom Winde verweht

[GE]lesen: A Chemical Prison von Barbara Nadel

[GE]freut: Über fröhlich wachsende Schalotten, Ranunkeln und Hirschhornsalat

[GE]schleppt: Eine Kiste mit Pflänzchen vom ProSpecieRara-Setzlingsmarkt

[GE]kauft: Alla moda - Italian Ceramics of the 1950s-70s von Mark Hill

[GE]hört: Twist in my Sobriety - Tanita Tikaram
und
Black Velvet - Alannah Myles

[GE]lacht:  
Über ein Pärchen im Asialaden.
Er, Schweizer, etwa Mitte 50. Sie, Thailänderin, ca. Mitte 30.
Er zu ihr: Schätzeli, bitte nicht die scharfe Currypaste, die mag ich nicht.
Sie packt seelenruhig die grosse Dose in den Wagen.
Er wieder zu ihr: Schätzeli, nicht die Reisnudeln, die mag ich nicht.
Ohne ihn zu beachten, legt sie mehrere Packungen in den Wagen.
Aus der Tiefkühltruhe nimmt sie einen 2,5 Kilo Sack Riesencrevetten.
Er zu ihr: Aber Schätzeli, ich mag keine Crevetten.
Sie dreht sich um, baut sich vor ihm auf (sie ist 40cm kleiner als er):
Wenn du jetzt still bist, kriegst du am Sonntag Rösti mit Bratwurst.
Danach konnte sie in Ruhe zu Ende einkaufen.


Freitag, 1. Mai 2015

Purpurner Magnolienessig



Gerade als bei uns im Quartier der grosse Magnolienbaum anfing zu blühen, begann der Regen. Drei Tage später, als die Sonne sich wieder zeigte, waren die Blüten der unteren, erreichbaren Äste alle abgefallen. Einen Magnolienbaum ausfindig zu machen ist nicht schwer, aber meistens wachsen die Blüten in unerreichbaren Höhen, und mit einer Leiter über der Schulter lässt sich schlecht auf Raubzug gehen. Besonders, wenn man mit dem Velo unterwegs ist. Zufälligerweise fand sich zwei Dörfer weiter noch ein Baum, der übersät war mit Blüten und dessen Äste weit genug herunterhingen.


Ich habe mir dann acht Exemplare herausgepickt, die noch nicht vollständig geöffnet waren. Zu Hause wurden sie gut ausgeschüttelt und in Reisessig eingelegt. Zwei Tage später war der Essig purpurfarben und duftete fein blumig, mit einem Hauch Ingwer und Zitrone. Zitrone? Ingwer? Yep, je nach Sorte können Magnolienblüten ganz unterschiedlich bzw. untypisch duften. 

Den typischen Magnolienduft findet man vor allem bei hellen, rosafarbenen Tulpen-Magnolien. Weisse Sternmagnolien hingegen riechen oft sehr dezent nach Jasmin. Wer wissen will, wie der fertige Essig schmecken wird, muss nur ein Blütenblatt abzupfen und probieren. Wenn der Geschmack gefällt, mit dem Pflücken beginnen. Oder sich einen anderen Baum suchen. Ich will euch übrigens nicht vergiften, Magnolienblüten sind essbar und unbehandelt oder verzuckert eine wunderhübsche Deko für Kuchen und Torten. Quelle: Zauberhafte Blütenküche von E. Mayer


Für ein Glas mit 500 ml Fassungsvermögen:

  • 8-10 grosse Magnolienblüten
  • ca. 400 ml Reisessig (bevorzugt von Narcissus mit 4,6% Säure)

Blüten gründlich ausschütteln und die grünen Stielansätze entfernen. In das saubere Glas schichten und mit dem Essig übergiessen. Mit einem kleinen Tellerchen oder einem Eierbecher (siehe Foto) beschweren, damit die Blüten nicht an der Oberfläche treiben. Gut verschliessen und mindestens eine Woche ziehen lassen. Danach absieben, in eine saubere Flasche füllen und kühl und dunkel lagern. Passt hervorragend zu Salaten mit Obst, exotischen Dressings oder gedünstetem Fisch. Die Idee habe ich übrigens hier gemopst: Eatweeds - Wild Food Guide to the Edible Plants of Britain