Dienstag, 7. Februar 2012

Gletscherblaues Jelly mit Gin


Könnte fast als Jade-Buddha durchgehen
Für den Event habe ich mir zwei Ziele gesetzt. Erstens: Jeden Monat mindestens einen Beitrag einreichen. Zweitens: In keinem Gericht künstliche Lebensmittelfarbe einsetzen. Bei der Januaraufgabe "Weiss" war das ja kein Problem. Aber wie zum Geier kriegt man irgendwelche Lebensmittel oder Gerichte natürlich hellblau gefärbt? Blue Curaçao war für mich keine Option, das Blau des Likörs wird durch künstliche E-Nummern erzeugt. Rotkohl, blaue Kartoffeln, Zwetschgen, blaue Trauben, Heidelbeeren und schwarze Johannisbeeren liefern wunderschöne Lila-, Violett-, und Purpurtöne, aber kein reines Blau.

Links ohne, recht mit viel Sahne
Meine letzte Rettung könnten blaue Malvenblüten sein. Hoffte ich zumindest. Aus ihnen lässt sich ein tiefblauer Auszug herstellen, der aber nicht farbstabil ist. Kommt der Malvenauszug mit Säure in Kontakt, färbt er sich rot. Lässt man ihn einige Zeit stehen, wird er grün. Und je länger die Blüten mit dem Wasser in Kontakt sind, desto dunkler wird der Auszug. Leider nicht dunkelblau sondern dunkelviolett. Egal was ich mit den Blüten auch anstellte, in keinem Fall war das Endergebnis ein beständiges Blau.

Versuchsreihe Jelly im Glas
Kurz vor dem Griff zur Lebensmittelfarbe hat Robert von lamiacucina mich gerettet. Im Nachwort seines Beitrags zum Event erklärt er, warum er dem Sirup zu seinem Panna Cotta eine winzige Prise Backpulver zugesetz hat. Nämlich um eine Blaufärbung zu erreichen. Also fix eine kleine Prise Natron in den Malvenauszug gerührt und er blieb blau! Egal ob ich den Auszug über Nacht stehen liess, mit Zucker vermischt und/oder erhitzt habe, er blieb blau. Blau, blau, blau, blau! Nur beim Kochen färbte er sich wieder grün. Aber damit kann ich leben. Juhui! Weil ich gerade in meiner Schwabbelspeisen-Phase bin, entschied ich mich, einen blauen Wackelpudding zu produzieren.

Kalt angesetzter Malvenauszug
Für das Jelly muss zuerst ein Malvenauszug hergestellt werden. Ich nehme dazu 3 Tl getrocknete Malvenblüten, gebe sie in ein Glas und giesse 100 ml kaltes Wasser dazu. Einige Minuten stehen lassen, bis sich das Wasser dunkelviolett gefärbt hat. Dann den Auszug durch ein sehr feines Sieb filtern und die Flüssigkeit zur Seite stellen.


Für 3 Portionen:

  • 240 ml kaltes Wasser
  • 30 - 40 gr Zucker
  • 1/2 Tl Agar-Agar
  • 70 ml Bombay Sapphire Gin
  • 1 Msp Natron
  • 3 - 4 Tl Malvenauszug
  • 1 - 2 Tl Sahne oder Kokosmilch (optional)

Wasser, Zucker und Agar-Agar in einem kleinen Topf zum Kochen bringen. Zwei Minuten kochen lassen, dann den Topf vom Herd ziehen. Natron zugeben und gut verrühren. Gin zugeben, verrühren und dann teelöffelweise den Malvenauszug zugeben, bis der Topfinhalt kräftig blau ist. Die Sahne oder Kokosmilch Tröpfchen für Tröpfchen unterrühren, bis der gewünschte Farbton erreicht ist. Dann in Förmchen füllen und einige Stunden im Kühlschrank gelieren lassen.

Dazu passt zum Beispiel ein Orangensalat.


Anmerkungen:
Je mehr Sahne oder Kokosmilch zugegeben wird, desto hellblauer wird das Jelly. Für den gletscherblauen Buddha (oberstes Bild) habe ich nur sehr wenig Sahne verwendet. Daher ist er dunkler, als der Buddha auf dem zweiten Bild rechts. Mir gefällt der dunklere Farbton wesentlich besser, da der hellblaue Buddha und das Jelly im Glas so aussehen, als ob die Hauptzutat Weichspüler wäre...



Kommentare:

Wilde Henne hat gesagt…

Cool - Dein Wackelbuddha schaut super aus. Ebend, die Idee mit dem Malvenauszug hatte ich vor zehn Tagen auch schon (http://wildespoulet.blogspot.com/2012/01/ein-experiment.html). Ist leider misslungen, weil mir Roberts Info mit dem Natron noch gefehlt hat. Aber Du hast es schön hingekriegt.

Lieben Gruss von der Wilden Henne

pe. hat gesagt…

Das ist doch mal ein natürlicher und wirklich himmelblauer beitrag. find ich sehr gelungen :)

Cooketteria hat gesagt…

@ Wilde Henne:
Dankeschön. Und noch ein Merci für deinen Link. Wenn ich deine Versuchsreihe schon früher gesehen hätte, hätte ich mir einige Testläufe sparen können...

Es funktioniert übrigens nicht nur mit Natron, sondern auch mit Salz. Allerdings fiel mir keine gescheite Verwendung für blaues Salzwasser ein.

Liebe Grüsse zurück

Cooketteria hat gesagt…

@ pe.
Dankeschön. Noch ein Lob mehr und ich kriege ganz rote Ohren... :-)

Sybille hat gesagt…

Toll, Dein blauer Buddha, mich hat der Robert ja geschimft...
Danke für die Topinambur- Info.
Ich bekomme die Knollen von meiner Schwester aus dem Garten. Könnte jetzt nicht sagen ob die rötlich oder bräunlich sind. Ich versuchs jetzt mal mit gekauften.
LG Sybille

Cooketteria hat gesagt…

Oh, böser, böser Robert... ;-)

Bei mir hat er sich noch nicht beschwert, wahrscheinlich weil er den Eintrag noch gar nicht gesehen hat (zum Glück, bin ja nicht besonders kritikfähig..) *lach*

Deine Kreation finde ich richtig spannend. Werde ich mal ausprobieren, wenn Herr C. weit, weit weg ist. Der hat schon meine Buddhas als "Weichspüler-Lilliputaner" beschimpft...

Alice hat gesagt…

Ach da ist er ja wieder der kleine wundervolle Buddha ;-) und Du hast recht, Dein Beitrag erinnert mich irgendwie an meinen *kicher* Chaos pur würd ich sagen! :) aber Dich hat der Buddha wahrscheinlich etwas beruhigt oder? ;)

LG

Anonym hat gesagt…

sieht toll aus,wurde mal gerne wissen wie das schmeckt ,und wo bekommt man den malven blueten her ??

Denise Diezis hat gesagt…

Wo hast du diese tolle buddhaform her?

Cooketteria hat gesagt…

@ Denise

Die bekam ich vor ein paar Jahren zum Geburtstag geschenkt.
Herr C. hat sie damals bei Sibler in Zürich gekauft: www.sibler.com

Leider habe ich keine Ahnung, ob die Formen dort noch erworben
werden können. Gib mal "il Buddino" bei Tante Google ein, vielleicht
tauchen dann noch mehr Verkaufsstellen auf.

Wünsche dir auf alle Fälle viel Glück bei der Suche.

Ganz liebe Grüsse