Sonntag, 11. Dezember 2016

Ankarsrum or not Ankarsrum - Folge 3: Das Zubehör



Macht es euch bequem, denn heute folgt der dritte und letzten Teil meiner Ankarsrum-Testreihe, in der wir das Zubehör genauer unter die Lupe nehmen. Der Generalimporteur Avissa AG hat mir dafür den Mahlaufsatz, den Mixer, den Gemüseschneider, den Fleischwolf und die Spritzgebäckpresse zugeschickt. Beginnen wir direkt mit dem Mahlaufsatz mit Stahlkegelmahlwerk, der gegen meine Salzburger MT5 Getreidemühle mit Granitsteinen antrat. Anfänglich hatte ich einige Skrupel. Ist es überhaupt fair, eine leistungsstarke Haushaltsmühle gegen einen popeligen Maschinenaufsatz antreten zu lassen? Das wäre ja etwa so, als ob man einen Fiat Cinquecento gegen einen Lamborghini ins Rennen schicken würde, dachte ich. Oder Chanel mit H&M vergleicht. Doch schon nach dem ersten Durchlauf musste ich meine Meinung grundlegend revidieren.

Mahlleistung des Aufsatzes (gegen den Uhrzeigersinn): Feines Mehl (nicht ausgesiebt), feiner Schrot, grober Schrot aus Weizen

Im Mahlaufsatz der Ankarsrum können nebst Getreide auch Ölsaaten, Kaffee, Pilze und Gewürze gemahlen bzw. zerkleinert werden. Das Einsatzgebiet der Salzburger Mühle beschränkt sich hingegen auf Getreide, Pseudogetreide und Hülsenfrüchte. Ölhaltige Samen oder Gewürze dürfen nur in geringen Mengen zusammen mit Getreide vermahlen werden, weil sie sonst die Mahlsteine grausam verkleben würden. Dafür verwandelt die Salzburger alles, was man ihr anvertraut, in puderfeines Mehl. Das Mehl aus dem Mahlaufsatz ist spürbar grober und enthält sichtbare Kleiestückchen, die vor der Verwendung für Feingebäck ausgesiebt werden sollten. Beim Schrot hat der Aufsatz dann wieder deutlich die Nase vorne. Die Getreidekörner werden gleichmässiger zerteilt und der Mehlanteil ist geringer als bei der Salzburger. Die Mahlleistung der Salzburger liegt bei ca. 100 Gramm pro Minute, der Mahlaufsatz benötigt etwa 2,5 Minuten für die gleiche Menge feines Weizenmehl. Hobbybäcker sind mit dem vergleichsweise günstigen Aufsatz (CHF 149.00 / MT5: CHF 750.00) also gut bedient. 


Für den weiteren Testverlauf schickte ich die Salzburger Mühle auf die Tribüne und holte stattdessen die kleine, uralte Stahlkegelmühle von Rotel/Jupiter aus dem Schrank. Das Maschinchen hat bei uns nur ein Bleiberecht, weil es in der Lage ist, Mohn zu mahlen. Leider lassen die Bedienung und das Endergebnis zu wünschen übrig. Um 250 Gramm Mohn anzuquetschen, benötigt die Rotel etwa 10 Minuten reine Laufzeit. Währenddessen müssen die Zufuhrschnecke und/oder der Kegel mehrmals gereinigt werden, weil alles mit zermatschtem Mohn verstopft ist. Je länger die Maschine läuft, desto wärmer wird sie und das wirkt sich nachteilig auf Konsistenz und Geschmack des zerkleinerten Mohns aus. Wenn Herr C. nicht süchtig nach Mohnstriezeln wäre, hätte ich die Rotel schon lange ins Brockenhaus abgeschoben. Und nach Weinachten wird sie auch voraussichtlich dort landen, denn ich bin fest entschlossen, mir den Mahlaufsatz der Ankarsrum zu gönnen. Warum? Weil er der König der Mohnmühlen ist! In maximal vier Minuten zermahlt der Aufsatz ein Päckchen Mohnsamen in feines Mohnmehl. Kein Verstopfen, keine Erwärmung, keine Zicken! Auch Sesam, Sonnenblumenkerne, Lein- und Chiasamen sind für den Aufsatz keine ernstzunehmenden Gegner. Absolut coole Sache! Kleiner Tipp am Rand: Zur Reinigung eine handvoll Vollkornreis auf mittlerer Einstellung durch die Maschine bzw. den Aufsatz jagen. Eventuelle Überbleibsel mit einem Pinsel oder einem Zahnstocher entfernen.


Über den Mixaufsatz habe ich eigentlich schon alles in diesem Post gesagt: KLICK


Der Gemüseschneider wird mit drei verschiedenen Trommeleinsätzen geliefert: Scheiben, Röstiraffel und Rohkostraffel. Getestet wurde mit Kartoffeln, Randen, Rüebli und Topinambur. Die Ergebnisse waren durchgehend gut, allerdings ist das Einfülloch eher klein geraten und nur die Karotten passten unzerschnitten der Länge nach hindurch. Wie bei Trommelraffeln üblich, sollte bei einer längeren Laufzeit bzw. grossen Mengen das Innere der Trommel zwischendurch mit einem Löffel gereinigt werden. Besonders Kartoffelscheiben bleiben wegen der austretenden Stärke gerne haufenweise im Innern kleben. Als Ergänzung sind noch drei weitere Trommeln erhältlich: Feinreibe, Julienneraffel und die Kartoffelreibe. Alle Teile dürfen in die Geschirrwaschmaschine, aber den Aufsatz habe wegen seiner Sperrigkeit lieber von Hand abgewaschen.


Pleiten, Pech und Pannen überschatteten den Testlauf des Fleischwolfes und am Ende habe ich statt Fleisch nur eingeweichte Kichererbsen für Falafel durchgepresst. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, einmal selber Hackfleisch herzustellen. Blöderweise gab es bei der Bestellungsaufgabe ein Verständigungsproblem und der Biobauer händigte mir schlussendlich drei Kilo fixfertiges Rindshackfleisch statt Rinderfleisch für Hackfleisch aus. Noch mehr Hackfleisch hätte unsere Tiefkühltruhe nicht verkraftet, darum wich ich auf Falafel aus. Kicherbsen über Nacht eingeweicht und am nächsten Tag durch den Fleischwolf gejagt. Am meisten hat mich erstaunt, wie gleichmässig das Hülsenfrüchtepüree wurde. Die Bällchen liessen sich dadurch angenehm formen und hielten beim Frittieren besser zusammen. Zum Fleischwolf-Set gehören noch drei Wurstfüllaufsätze, die auf meinen Wunsch hin aber nicht mitgeschickt wurden. Herr C. hat zwar sein Interesse an der Wurstherstellung bekundet, aber dagegen habe ich Einspruch eingelegt. Sobald er einen Wurstkurs besucht hat, darf er sich im Wurstmachen üben. Und keine Sekunde vorher!


Um ihn zu versöhnen, durfte er bei der Herstellung von Schokozigarren und Wiener Kringeln mit dem Spritzgebäckvorsatz helfen. Tatsächlich ist es einfacher, sich zu zweit ans Werk zu machen. Eine Person stopft den Teig durch den Fleischwolf und die andere Person hält das mit Backpapier belegte Tablett oder Backblech drunter. Dies verhindert unerwünschte Verformungen und zerdrückte Teigberge. Wenn man den Dreh mal raus hat, lässt sich innerhalb von wenigen Minuten ein ganzes Blech mit Keksteiglinien füllen. Wer Kreise, Herzen oder andere Formen bevorzugt, muss von Hand nachformen. Der Vorsatz ist praktisch für Spritzteig, der zu kompakt für einen Spritzsack ist. Ein nettes Spielzeug und Must-have für Spritzkeksjunkies.


Mein Fazit:
Die Ankarsrum Assistent ist einsame Spitze als Knetmaschine, dank dem umfangreichen Zubehör eine richtig tolle Allrounderin und auch für Anfänger uneingeschränkt empfehlenswert. Einzig ihre Leistung als Rührmamsell fällt dagegen ab, was vor allem an der speziell geformten Rührschüssel liegt. Wenn eine möglichst vielfältige Nutzung angepeilt wird, ist das Deluxe-Paket von Vorteil. Es besteht aus der Maschine samt Grundzubehör, Mixaufsatz, Zitruspresse, Fleischwolf, je vier Nudel- und Lochscheiben, drei Wurststopfern, Passiersatz, Reibsatz und Spritzgebäckvorsatz. Fünf Jahre Garantie auf das Gerät und zwei Jahre auf das Zubehör sind für Schweizer Kunden natürlich inklusive. Ich bin absolut glücklich mit meiner neuen Assistentin und kann sie euch nur wärmstens ans Herz legen.

Folge 1: Ankarsrum or not Ankarsrum & Brotteige

Folge 2: Rührschüssel & Schlagwerk

Und nun noch das übergrosse Kleingedruckte: Einen ganz herzlichen Dank an Herrn Vogel von der Avissa AG, dem Schweizer Generalimporteur der Ankarsrum Assistent. Ohne ihn und seine Firma wäre dieser Gerätetest nicht möglich gewesen. Als Gegenleistung darf ich die Maschine inkl. Grundausstattung & Mahlaufsatz behalten, das andere hier erwähnte Zubehör wurde mir leihweise überlassen. Ich erhalte keinerlei Bezahlung oder Vergünstigungen für meine Berichte. Alle drei Posts geben ausschliesslich meine persönliche Meinung wieder und sind ohne jegliche Einflussnahme von Aussenstehenden (Ausnahme: Herr C.) entstanden.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Danke Dir für Deinen interessanten Test. Bin noch unentschlossen, tendiere aber in Richtung Ankarsrum. Mein Mann hat letzten Herbst einen Wurstkurs besucht und würde sich über einen elektrischen Fleischwolf sicher freuen.

Herzliche Grüsse

Ines

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen :-)

Und liebe Grüsse zurück.

P.S. Falls noch Fragen auftauchen, einfach per Kommentarfunktion melden.

Anonym hat gesagt…

Hallo,

vielen Dank für den super Testbericht. Leider bin ich immer noch unentschlossen. Das liegt daran, dass ich Videos und Tests der Maschine meist nur für Brot- und Knetteige finde.

Ich plane die Anschaffung einer Maschine zu 90% fürs süsse Backen (Kuchen, Kekse, Muffins, Brownies usw.). Bin sehr unsicher, ob Kitchenaid, Kenwood oder Ankarsrum.

Mich würde vor allem interessieren:

- kann die Ankarsrum auch normale Mengen Teig herstellen in der großen Schüssel ? Also vor allem Rührteige. Butter schaumig schlagen usw. Die kleine Schüssel finde ich inkl. Rührer sieht extrem "billig" aus. Täuscht das nur auf Fotos?

- würdest du sie als reine Süss-Back-Maschine empfehlen (vorausgesetzt, man möchte primär in der Edelstahlschüssel arbeiten).

Würde mich sehr freuen über eine Antwort.

Liebe Grüße,
J

Cooketteria hat gesagt…

Liebe J

Zuerst muss ich nachfragen: Was verstehst du unter "normalen" Mengen? Ich bereite für uns zwei z.B. oft nur 4 Muffins oder Kuchenteig für eine 16er Springform zu. Für mich also normal, für eine vierköpfige Familie hingegen ist eher die doppelte oder dreifache Menge "normal" (12 Muffins & 26er Springform/Blechkuchen).

Wie schon geschrieben, verwende ich für meine "Minimengen" ausschliesslich den Handrührer oder einen Rührbesen. Ich persönlich finde keine der drei Küchenmaschinen wirklich geeignet, um Klein- und Kleinstmengen zusammenzurühren.

Natürlich kannst du die Edelstahlschüssel der Ankarsrum für Rührteige verwenden, aber das lohnt sich erst, wenn du z.B. die Teigmenge für einen grossen (Blech)Kuchen darin zubereiten möchtest. Für kleinere Mengen und Butter schaumig rühren empfehle ich die zweite Schüssel mit Planetenschlagwerk. Diese Schüssel ist allerdings nicht gerade mein Lieblingsspielzeug, u.a. auch weil die Reinigung mehr Zeit beansprucht. Beides, Schüssel und Rührer, sind aber gut verarbeitet, robust und sehen in Wirklichkeit tatsächlich besser aus als auf den Fotos.

Die Ankarsrum wurde als Knetmaschine für grössere Mengen konzipiert, und auf diesem Gebiet ist sie einsame Spitze. Das heisst, wenn du sie tatsächlich nur als Süss-Back-Maschine für "normale" Haushaltsmengen einsetzen möchtest, würde ich dir zu einem anderen Gerät raten, da die Edelstahlschüssel samt Equipment nicht für solche "Klein"Mengen entworfen wurde.

Liebe Grüsse

Anonym hat gesagt…

Hallo,

vielen Dank für die schnelle Antwort. :)

Mit "normal" meinte ich standard-Rezepte. Also für einen normalen Kastenkuchen, für 12 Muffins oder für einen Käsekuchen in einer Rundform. Was man eben so backt für einen - wieder normalen - Sonntag. Kann es leider nicht besser beschreiben. :))

Ich finde die Maschine echt super vom Prinzip. Man sieht, wie der Teig sich bewegt und wie es voran geht. Und ich glaube, dass dieses Produkt auch von hoher Qualität ist.

Nur habe ich eben Angst, dass ich mit meinen "normalen" Mengen, darin letztlich nichts zu Stande kriege, weil die Mengen zu gering sind. :(

Werde mir am Wochenende in der Stadt mal die Maschinen anschauen.

Danke trotzdem :)

LG

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen. :-)