Samstag, 5. Januar 2013

Neu und nur für kurze Zeit: Gemüsiger Dreikönigskuchen



Süsse Dreikönigskuchen können seit Neujahr an jeder Ecke gekauft werden. Eine Unsitte, die Herr C. heute so kommentierte: War jetzt gestern Dreikönig oder ist es heute? Sind die zu früh dran mit den Kuchen oder verkaufen sie die vertrockneten Überreste? 


Diesem Statement kann ich mich nur anschliessen. Bei uns gibt es am 6. Januar einen Dreikönigskuchen. Nicht früher und nicht später. Basta. Mit einer Ausnahme: Das hier präsentierte Exemplar wurde schon im November gebacken. Ein Testlauf sozusagen, denn der Herr des Hauses ist kein Süssschnabel. Darum habe ich ihm zu Ehren einen salzigen Dreikönigskuchen kreiert. Wer mag, kann dem Teig noch gebratene Speckwürfel zugeben. Als ich den Kuchen damals gebacken habe, hatte ich keine zur Hand. Aber morgen werde ich ihm eine Freude bereiten und 100 Gramm zugeben. Er kriegt den Speck, ich die Bohne.


Für einen grossen Dreikönigskuchen:

  • 25 gr getrocknetes Suppengemüse (Mix aus Karotten, Pastinaken, Lauch, Sellerie & Kräutern)
  • 150 gr kaltes Wasser

Getrocknetes Gemüse im Mixer fein zerkleinern und über Nacht einweichen. Das Wasser sollte vollständig aufgesogen sein. Eventuelle Restflüssigkeit abgiessen, abmessen und wieder zum Gemüse geben. Wassermenge im Teig entsprechend reduzieren.

  • 400 gr Halbweissmehl oder Weizenmehl Typ 550
  • 80 gr Ruchmehl oder Mehl Typ 812
  • 50 gr Dinkelmehl Typ 630
  • 20 gr Zucker
  • 10 gr Salz
  • 8 gr frische Hefe
  • 200 gr knapp lauwarme Milch oder Hafermilch
  • 100 gr Wasser, knapp lauwarm
  • 20 gr Rapsöl 
  • 1 grosse getrocknete Bohne  

Alle Zutaten bis und mit Rapsöl in die Schüssel der Rührmaschine geben. Fünf Minuten auf der niedrigsten Stufe kneten, dann einen Gang höher schalten und weitere 7-10 Minuten kneten lassen, bis sich der Teig von der Schüssel gelöst hat. Auf der eingeölten Arbeitsfläche zu einer Kugel formen, zurück in die Schüssel legen, abdecken und 3-4 Stunden verdoppeln lassen. Backofen auf 210 Grad vorheizen. Teig in sieben gleich grosse Stücke teilen. Grob rund formen, abgedeckt 10 Minuten entspannen lassen. Zu gleichmässigen Kugeln schleifen. In einer Kugel die Bohne von unten her einarbeiten und mit ein wenig Abstand auf dem mit Backpapier belegten Blech arrangieren. Mit eingeölter Frischhaltefolie abdecken und etwa 40 Minuten aufgehen lassen, bis sich ihr Volumen fast verdoppelt hat. Folie wegnehmen und das Blech auf der zweiten Schiene von unten einschieben. Schwaden und 10 Minuten anbacken, dann die Hitze auf 190 Grad herunterdrehen. Weitere 25 Minuten backen. Falls die Oberfläche zu schnell bräunt, mit einem Stück Alufolie abdecken. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Dazu passen Butter, Käse und Trockenfleisch. Salat oder Suppe sind auch nicht verkehrt.

Anmerkung: Wenn Kinder mitessen, bitte darauf achten, dass die Bohne gross genug ist, damit sie nicht aus Versehen verschluckt wird und in der Speiseröhre stecken bleibt. Empfehlenswert sind Käfer-, Butter- oder Favabohnen. Der Zucker kann problemlos durch einen Esslöffel Birnel ersetzt werden, welches in der lauwarmen Flüssigkeit aufgelöst wird. Die Bohne ist übrigens immer im zweiten Stück von Links. Ganz sicher.


Kommentare:

lamiacucina hat gesagt…

und wer wird König, Speck oder Bohne ?

kochpoetin hat gesagt…

Und wozu backt man die Bohne ein? Hat der, der sie findet, dann sieben Jahre Gück?
lg eva

Cooketteria hat gesagt…

@ Robert
Der Speck, dängg. Damit sind die Chancen höher, dass Herr C. nicht wieder tagelang schlecht gelaunt ist, weil er nicht König sein durfte. ;-)

@ Eva
Ich vergesse immer, dass dieser Brauch ausserhalb der Schweiz und Frankreich nicht sehr bekannt ist.

Hier werden in die Dreikönigskuchen kleine Plastikkönige eingebacken und zusammen mit Pappkronen verkauft. Denn derjenige, der den König in seinem Stück findet, ist für einen Tag Herrscher über die Familie. Kleine Kinder (und Herr C.) finden diesen Brauch irre witzig, weil sie dann ihre Eltern und Geschwister herumkommandieren können.

Mangels Plastikkönig nehme ich halt eine grosse Bohne. Hier noch ein Video des Schweizer Fernsehens zu diesem Thema:

http://www.srf.ch/player/tv/tagesschau/video/beliebter-dreikoenigskuchen?id=a4279bfd-90f0-4de5-aa51-b620b0e676a7

kochpoetin hat gesagt…

danke :-) sehr erhellend!

magentratzerl hat gesagt…

Ich hab ja Kinder....ich könnte diesen schweizer Brauch ja mal esten und dann mal schauen, wer in der Familie den meisten Spaß hat.... :-)

Cooketteria hat gesagt…

@ kochpoetin
Gern geschehen. Wir tun doch alles für ein gutes Verhältnis zwischen D und CH. Und liebe Grüsse in den hohen Norden. Wie sehr ich doch Lübeck vermisse. *soifz*

@ magentratzerl
Kinder kann ich keine Vorweisen, aber aus Erfahrung mit fünf Nichten und Neffen kann ich sagen : Der Spass ist garantiert. Allerdings oft sehr einseitig verteilt. :-)

Sybille hat gesagt…

Sehr schön hast du kreiert!

Wir kennen das hier ja nicht und sags bitte auch niemandem.
Die stürzen sich da drauf wie die Aasgeier und zack haben wir schon wieder eine neue Verkaufsmasche.
:)

Wilde Henne hat gesagt…

Bei uns muss der König an diesem Tag die Küche nicht aufräumen. Leider war ich in all den Jahren, seit ich Kinder habe (und das sind doch mittlerweilen schon mehr als 16 Jahre) kein einziges Mal König. Auch heute nicht.

kegala hat gesagt…

wir kennen den schönen Brauch nicht, den Königskuchen deftig zu kreieren ist eine gute Idee!

kochpoetin hat gesagt…

:-) ich habe ja schon einiges über die Schweitzer gelernt (hatte mal für vier Wochen ein Frau aus Bern als Mitradlerin). Wieso vermisst du Lübeck?

Cooketteria hat gesagt…

@ Sybille
Dankeschön. Bin ja auch schon ganz leise. ;-)

@ Wilde Henne
Kannst dich mit meiner Schwester in ein Boot setzen. Sie hofft seit fast 20 Jahren auf den König, um der Küchenarbeit zu entkommen. :D

@ Kegala
Dankeschön. So sehr ich den süssen Kuchen mag, die salzige Version gefällt mir noch besser. Reste gibt es kleingewürfelt als Croûtons. Mmmmhh, so fein.

@ kochpoetin
Weil meine Familie mütterlicherseits aus Lübeck stammt und ich im geheimen auch ein kleines Nordlicht bin. Als ich gesehen habe, dass du in Hamburg wohnst, hat mich das Fernweh wieder mal überwältigt.