Donnerstag, 31. Januar 2013

Gedämpfte Platanos (süss oder salzig) und a bisserl Basiswissen



Meine erste Erfahrung mit diesem Fruchtgemüse war grässlich. Es sollte für ein paar liebe Menschen Ananas-Platano-Curry mit Reis als Hauptgericht geben. Wenn ich mich nicht irre, war es ein Rezept von einem trendigen Jungkoch. So nach dem Motto: It's hip to cook really exotisches Zeuch (without giving you very nötige Hintergrundinformationen). Zuerst liessen sich die knallharten, grassgrünen Bananen nicht schälen, dann wollten sie nicht gar werden. Aussen mehlig, innen hart und überaus geschmacklos waren die Stückchen. Ich musste sie aus dem Curry fischen und wegwerfen, sonst hätten mich meine Gäste gelyncht. Lange Jahre verspürte ich verständlicherweise keinen Drang nach einer zweiten Begegnung.


Damals wusste ich nicht, dass unreife (= grüne) Platanos eigentlich nur als Sättigungsbeilage zubereitet werden. Der Eigengeschmack spielt dann natürlich keine grosse Rolle. Gelbe Platanos sind etwas weniger mehlig und schmecken dezent nach Banane. Ab diesem Stadium sind sie in allen Rezepte einsetzbar, in denen nicht ausdrücklich eine grüne Platano verlangt wird. In Afrika und Südamerika werden Platanos verwendet wie hierzulande die Kartoffel. Gebraten, gekocht, gebacken, frittiert, zu Brei zerstampft oder auch gedämpft. Vollreife Früchte sind schwarz gesprenkelt, bei überreifen ist die Schale durchgehend schwarz. Voll- und überreif eignen sie sich auch für gebackene oder gekochte Desserts. Wegen dem hohen Stärkegehalt würde ich sie nicht roh verzehren, auch wenn das von einigen Rohköstlern empfohlen wird.


Platanos, im deutschen Sprachraum als Gemüse-, Mehl- oder Kochbananen bekannt, sind oft in Asiashops und mittlerweile sogar bei Grossverteilern erhältlich. In Basel bekommt man unreife und (voll)reife Plantains bei Aggarwal, unreife in grossen Migros- und Coop-Filialen für +/- 4 Franken pro Kilo. Auch schon gesehen bei Rewe und Edeka, für knapp 2 Euro das Kilo. Bevorzugt reife Früchte kaufen, das Nachreifen kann Wochen in Anspruch nehmen. Erfahrungswerte in meiner kühlen Küche (Durchschnittlich 18 Grad): Drei bis vier Wochen von grasgrün nach gelb, eine weitere Woche bis sich schwarze Sprenkel zeigen. Nochmal ein bis zwei Wochen mehr, bis sie vollständig schwarz sind. 


Platanos zu dämpfen ist supereinfach und kostengünstig. Für die süsse Version nehme ich am liebsten knallschwarze Früchte. Je schwärzer die Schale, desto aromatischer und süsser ist der Inhalt. Wobei die Süsse nicht an die einer Obstbanane heranreicht. Für die salzige Variante dürfen sie auch unreifer sein.

Pro Person nimmt man eine grosse Platano. Waschen, die Enden kappen und jede Banane mit der Schale in 5-6 dicke Stücke schneiden. In einem grossen Topf wenig Wasser zum Kochen bringen. Dämpfeinsatz aufklappen und hineinsetzen. Platanos auf den Einsatz legen, Deckel auf den Topf und dann, je nach Reifegrad, 10-20 Minuten dämpfen. Ab und zu kontrollieren, ob Wasser nachgefüllt werden muss. Wenn ein eingestochenes Messer wie durch weiche Butter flutscht, sind die Platanos gar. Aus dem Topf heben, schälen und in Scheiben schneiden. Mit wenig flüssiger Butter oder Alsan bepinseln, oder winzigkleine Flöckchen darauf verteilen, und mit Zucker oder Salz bestreuen. Fertig. 

Anstelle des Zuckers könnte man auch Honig oder Agavendicksaft nehmen. Oder Kokosraspel drüberstreuen und einen Klecks Joghurt dazu reichen. In Indien werden die gesüssten Scheiben übrigens unter dem Namen Pazham Puzhungiyathu gerne als Snack oder Dessert verzehrt. Gesalzen serviere ich sie als Beilage zu anderem Gemüse, Reis oder Salat. Oder mit Tzatziki. Hört sich, zugegebenermassen, pervers an, schmeckt aber toll. Wenn man auf Banane mit Knoblauch steht. Auch sehr empfehlenswert: Gemüsebananenzopf


Montag, 28. Januar 2013

Belgische Hefewaffeln nach Jan Hedh



Was ist so ziemlich das Dümmste, was man sich vor einem baldigen Umzug antun kann? Na? Schwere Bücher kaufen. Hab's trotzdem getan. Im Ausverkauf. Bin schliesslich auch nur eine triebgesteuerte Frau. So zog Jan Hedhs Backbuch "Swedish Breads and Pastries" ein. Bloss nicht vom englischen Titel verwirren lassen, denn die meisten Rezepte sind, im Gegensatz zum Autor, nämlich nicht schwedischen Ursprungs. Warum irgendein Trottel dem Originaltitel "Bröd & Kaffebröd" (Brot & Gebäck) noch das komplett irreführende "Swedish" hinzufügen musste, werden wir wohl leider nie erfahren. Die JFK-Akten lassen grüssen... 


Gestern gelüstete es mich nach den belgischen Hefewaffeln aus dem Buch. Statt Vanille musste mein neues Lieblingsgewürz namens Alma Mater in den Teig. Schon seit November im Dauereinsatz, schaffe ich es erst jetzt, euch davon vorzuschwärmen. Entdeckt habe ich es im Onlineshop von Schwarzenbach. Tante Z. war so lieb und hat beim letzten Besuch ein Döschen dieser asiatischen Wurzel mitgebracht. Tipp: Wer zufällig in der Nähe von Zürich ist, sollte unbedingt einen Abstecher in das Ladengeschäft machen. Eingerichtet im Stil der Jahrhundertwende ist es optisch und olfaktorisch immer eine Reise wert. 


Beim ersten Schnuppern erinnert es entfernt an Spekulatiusgewürz. Erst auf der Zunge entfaltet sich das ganze Geschmackslabyrinth. Leicht caramellig, viel Vanille und etwas Koriander, eine Spur herb und holzig wie Zimt und Sandelholz, ein Quäntchen Urwaldpfeffer und eine grosse Dosis je ne sais quoi. Je nach Verwendungszweck scheint immer wieder eine andere Note zu dominieren. Faszinierend, wie würzig-pfeffrig es in einem Kuchen schmeckt und mehr in Richtung Vanille geht, wenn es mit Früchten gemischt wird. Empfehlung: Unbedingt ausprobieren!


Für 12 Waffeln:

  • 170 gr Wasser
  • 250 gr Milch oder Buttermilch
  • 250 gr Mehl
  • 1 Tl Zucker
  • 4 gr Trockenhefe

Wasser zum Kochen bringen, sofort mit der kühlschrankkalten Milch mischen. Die Flüssigkeit sollte nun etwas mehr als handwarm sein. Mit Mehl, Zucker und Trockenhefe in einer Schüssel klümpchenfrei verrühren. Abdecken und mindestens 30 Minuten ruhen lassen, bis sich das Volumen vergrössert hat und die Oberfläche von Bläschen bedeckt ist. Wer die Waffeln am nächsten Morgen backen möchte, stellt nun den Teig über Nacht in den Kühlschrank. Vor der Weiterverarbeitung Raumtemperatur annehmen lassen und kurz mit dem Schwingbesen durchquirlen.

  • 1 sehr grosszügige Prise Meersalz
  • 2 grosse Eier
  • 150 gr geschmolzene Butter, lauwarm
  • Mark einer Vanilleschote oder 1 Tl Alma Mater
  • 2 gehäufte El Rohrzucker (optional)
  • 1 Tl Backpulver (optional)

Zuerst Salz und Eier unter den Teig rühren, dann Butter und restliche Zutaten gründlich untermischen. Waffeleisen aufheizen. Genug Teig einfüllen, bis die untere Platte gerade so bedeckt ist. 15 Sekunden warten, bis sich an der Oberfläche Bläschen zeigen. Erst dann den Deckel schliessen. So werden die Waffeln besonders luftig. Goldbraun backen. Sofort servieren oder nebeneinander auf einem Kuchengitter auskühlen lassen. Gut verpackt können die Waffeln 2-3 Tage gelagert  und  problemlos im Toaster aufgewärmt werden. 

Anmerkung: Rohrzucker und Backpulver sind mein Anteil am Rezept. Wenn die Waffeln ohne Beilage oder Topping serviert werden, würde ich den Zuckeranteil sogar auf 3-4 Esslöffel erhöhen. Das Backpulver ist nicht zwingend nötig, nimmt dem Teig aber den hefigen/fermentierten Geschmack, den ja viele nicht so mögen.

P.S. Ich freue mich sehr über die zahlreichen lieben Kommentare und Mails, die zur Zeit hier eintrudeln. Ganz herzlichen Dank dafür. Leider schaffe ich es momentan nicht, zeitnah darauf einzugehen. Geschweige denn, regelmässig bei anderen Blogs mitzulesen oder dort zu kommentieren. Bitte nicht krumm nehmen. Ich mag euch alle immer noch. :-)


Mittwoch, 23. Januar 2013

Live und in Farbe: Geschenkt ist noch zu teuer

Wollt ihr euch mal so richtig amüsieren? Dort drüben steht das Popcorn, nehmt Platz und macht es euch bequem. Heute erzähle ich euch die lange Geschichte von der total verrückten Hausbesichtigung.

Es begann alles mit einer harmlosen Anzeige, die etwa so lautete: Freistehendes Bauernhaus mit reichlich Land drumherum zu vermieten. Einfacher Standart, vernünftiger Preis.

Klang verlockend. Angerufen, Gesprächspartnerin sympathisch gefunden und einen Besichtigungstermin ausgemacht. Da dieser erst eine Woche später stattfinden sollte, fuhren wir zum Zwecke einer Vorbesichtigung gleich mal vorbei. Was wir sahen, erfreute unser Herz. Ein schickes Häuschen, nicht zu gross und nicht zu klein. Drumherum etwas Land mit alten Obstbäumen. Dahinter einige Häuser. Naja, wir hatten etwas mehr Freiraum erwartet, aber es kann ja nicht alles perfekt sein. Schnell noch durch die unteren Fenster gelinst. Gepflegte helle Räume, schöne Holzböden, sehr gemütlich. Wir waren uns sofort einig. Wenn der Rest des Hauses in einem ebenso guten Zustand ist, würden wir morden, um dort einziehen zu dürfen.

Und dann kam der sehnsüchtig erwartete Tag der Besichtigung. Es schneite wie verrückt, die Strassen waren teilweise unpassierbar und nur mit Mühe und Not schafften wir die Hinreise. Verschneit sah das Häuschen noch bezaubernder aus, die unverbaute Aussicht noch grandioser. Unser zukünftiges Vermieterpärchen begrüsste uns überschwänglich. (Er zu ihr: "Sind das die, die wegen dem Schnee später kommen? Oder wer sind die? Hä?"). Kaum im Flur, wurden wir aufgefordert, die Schuhe auszuziehen. Machen wir doch gerne. Oder doch nicht. Der Boden war eiskalt. Trotz dickster Socken hatten wir beide innerhalb von Minuten kein Gefühl mehr in den Zehen und die Füsse begannen kurze Zeit später wegen der Kälte zu schmerzen. Als ob wir barfuss auf Eis stehen würden. Aber von solchen Kleinigkeiten lassen wir uns doch nicht aufhalten.

Im Obergeschoss befanden sich zwei Zimmer. Die Wände bunt ("Wird nicht frisch gestrichen"), die Böden unbehandelt bzw. unversiegelt ("Wird nicht gemacht"). Im grösseren Zimmer bullerte der Ofen, der auch den kleineren Raum nebenan hätte aufheizen sollen. Von Wärme war nichts zu spüren, es war klirrend kalt. Ich hielt meine Hand etwa fünf Zentimeter über die Platte, um sie kurz aufzuwärmen. Obwohl das Feuer hell loderte, war der Ofen höchstens lauwarm. Kein Wunder, wie mir Herr C. später erklärte. Ausnahmslos alle Öfen waren uralt, leicht bis mittelschwer defekt und hatten null Wärmespeicherung. Man könnte das Geld auch direkt zum Fenster hinauswerfen, statt es für Feuerholz auszugeben. Nachfrage: "Würde es sich nicht lohnen, einen guten Ofen anzuschaffen?" Antwort: "Wieso? Gute Öfen sind auch nicht besser." Eine Weisheit, die ich mir merken muss.

Als nächstes ging es ab auf den Estrich. Eine funzelige Funzel verdunkelte die Treppe, auf der ich mir zuerst den grossen Zeh anknallte, bevor ich über die letzte Stufe stolperte. Reichlich unelegant landeten ich auf den rohen Boden. Zwei Fenster, ein Loch zwischen den Fenstern und verschobene Dachziegel spendeten etwas zusätzliches Licht. Es reichte, um die uralten Ziegel und irgendwelches Gerümpel erkennen zu können. Keine Isolierung, also nicht als Wohn- oder Lagerraum nutzbar. Auf dem Rückweg rutschte ich auf einer unebenen Stufen aus und konnte im letzten Moment verhindern, Kopf voran ins selbst gebastelte Elektrotableau zu sausen. Dessen Aussehen hätte übrigens jedem Elektriker unweigerlich einen Herzinfarkt beschert. Ich sah schon die Grabinschrift vor mir: Mitten aus dem Leben gerissen, als sie eine Sicherung wechseln wollte. Unser künftiger Vermieter, nennen wir ihn Mario, schien meinen entsetzten Blick mit Faszination zu verwechseln und erklärte stolz, dass er diesen Murks zusammengebastelt hatte. "Was sind sie denn von Beruf?" - "Gipser". Cool.

Herr C. war nicht minder entsetzt. Als er Mario zu verstehen gab, dass er sich mit Elektrozeugs auskenne, wollte dieser gleich ein paar Ratschläge, wie er denn die ganze Konstruktion an einer behördlichen Kontrolle vorbeischmuggeln könne. Solche Kontrollen verursachen schliesslich nur unnötige Kosten und bringen rein gar nichts. O-Ton: "Die wollen doch nur, dass du es nicht selber machst." Wo er recht hat, hat er recht.

Weiter ging's im Erdgeschoss. Zwei eiskalte Zimmer mit bunten Wänden ("Wird nicht frisch gestrichen") und ein weiterer Ofen, der keinerlei wahrnehmbare Wärme spendete. Die Aussicht war so entzückend, dass ich um ein Haar die Präsentation der Küche verpasst hätte. Hätte ich doch bloss weiter aus dem Fenster gestarrt, dann wären mir viele, viele Albträume erspart geblieben. Erster Blick (geblendet durch den frischen Schnee): Ganz nett. Zweiter Blick: Vielleicht doch nicht. Dritter Blick: WTF????? Zu meiner Linken eine erst kürzlich dorthin platzierte, freistehende Badewanne. Okay, nicht gerade das Highlight der nächsten Wohnmesse, aber es könnte schlimmer sein. In einem alten Bauernhaus macht es Sinn, die Waschgelegenheit in den wärmsten Raum des Hauses zu verlegen. Wenn man im 19. Jahrhundert lebt. Aber doch nicht im Jahr 2013! ("Herr Richter, es war wirklich keine Absicht. Ich bin über eine kaputte Fliese gestolpert, im Verlängerungskabel hängen geblieben und dadurch landete der laufende Mixer in der Wanne....")

Direkt neben Wanne und Türe stand, ohne jegliche Abschirmung, ein Klo. K-L-O. Bevor ich diesen Anblick verdauen konnte, meldete sich Frau Vielleicht-doch-nicht-zunkünftige-Vermieterin zu Wort: Das ist äusserst praktisch, wenn man kleine Kinder hat. Bitte???? Ich kann mir auch nichts schöneres vorstellen, als ein Kind mit Magen-Darm-Grippe, dessen Krankheitsgeräusche und -gerüche mich beim Kochen begleiten. Bei einem Erwachsenen dürfte der Entertainmentfaktor noch höher liegen. Oder wenn die Toilette verstopft und überläuft. *würg* Also schnell nach rechts geguckt und über den eigenen Quietscher erschrocken. Küche? So etwas nennt ihr Küche? Zwei winzige Schränkchen, ein Minibar-Kühlschrank und ein uralter Herd, dessen Backofentüre mittels einer Schrauben-Haken-Hölzchen-Konstruktion an Ort und Stelle gehalten wurde. Erfindungsreichtum kann man ihnen also nicht absprechen.

Der Rest bestand aus kackbraunem (wie passend..) Spanplattendesign. Alles abgegriffen, zerkratzt oder beschädigt. Rohe Wand rund um's Fenster, nackter Beton über der ganzen "Küchenzeile" ("Wir haben die Oberschränke herausgerissen"), kaputter Boden. Erklärung: Die Küche sollte in den Schopf verlegt werden. Aha. Und wann wird sie verlegt? Antwort wie aus der Pistole geschossen: Die Küche wird so vermietet, wie sie ist. Langsam drängte sich die Frage auf, wer von uns zum Frühstück statt Cornflakes ein paar LSD-Pillchen eingeworfen hatte.

Der Keller hingegen war eine Wohltat. Neuer Fussboden, neue Waschküche, eine nett gekachelte Dusche und ein abgetrenntes Kloräumchen. Irritierend waren die unfertige Ecke des Bodens, das Gerümpel in der Waschküche, der rostig verfärbte Duschboden, die mitten im Raum stehende Kloschüssel und die noch eisigere Kälte. Machen wir's kurz: Der Boden bleibt so, wie er ist. Wäsche muss während der kalten Jahreszeit mit dem Entfeuchter getrocknet werden. Es sei denn, wir würden uns einen Trockner anschaffen. Auf eigene Kosten, natürlich. Da die Leitung ab und zu mal einfriert, hatte er das Klo abmontiert. Passiert das oft? Nee, letztes Jahr war es nur ein Mal. Wie wäre es mit einem kleinen Radiator? Nicht nötig, es gibt ja noch das Klo in der Küche. Wie konnte ich das bloss vergessen... Duschen ist ganzjährig möglich, aber zwischen September und April sollte man es nur stinkbesoffen tun. Sonst hält man den Kälteschock nicht so gut aus. Keine Isolierung, keine Heizung. Wir wünschen einen fröhlichen Aufenthalt in ihrem eigenen Klein-Sibirien.

Unter dem Keller lag noch ein Raum. Im Halbdunkel meinte ich ein Schwimmbecken auszumachen. Aber wieso standen darin mehrere Ölfässer? Des Rätsels Lösung: Mister Universalhandwerker hatte angefangen, sich hier seinen eigenen Öltank mit Teichfolie zu basteln. Herr C. war kurz vor einer Ohnmacht und ich hätte mir beinahe in die Hose gemacht. Bei solch eisigen Temperaturen einen Lachanfall unterdrücken zu müssen, ist höllische Schwerstarbeit. Zumindest die geräumige Tiefkühltruhe hätte ich also von der Einkaufsliste streichen können. Im angrenzenden Schopf gab's dafür sowieso keinen Platz. Dort nahm nämlich ein riesiger Haufen Hausrat den grössten Teil der Fläche ein. Würde das Gerümpel vor unserem Einzug verschwinden? Er schien die Frage auch nach der dritten Wiederholung nicht gehört zu haben. Vielleicht waren seine Ohren zugefroren. Auch der Schopf war nicht isoliert, nicht heizbar und daher nicht zu gebrauchen. Wo er dort die Küche unterbringen wollte, ist mir bis heute ein Rätsel.

Im Gänsemarsch gingen wir dann nach draussen, wo es im Gegensatz zum Keller, schon fast angenehm warm war. Überraschenderweise wurde uns eröffnet, dass ein Teil des Landes der Gemeinde gehöre ("Weiss auch nicht genau wieviel"). Mauern und Zäune müssten alle noch errichtet und der provisorisch abgestützte Teil noch dringend gesichert werden. Das grosse Loch in der Terrasse hatte er vorsorglich mit einem Brett verdeckt. Aus Angst vor Unfällen oder in der Hoffnung, dass wir es nicht entdecken würden? Und ja, ihr habt's erraten, Supermario wird sich auch dieser Probleme nicht annehmen. Wofür hat er denn schliesslich Mieter? Doch ich greife vor.

Nach der Führung schien er unsere fehlende Begeisterung für seine Horrorruine entfernt zu ahnen ("bemerken" wäre wahrlich übertrieben formuliert). Er zündete sich zur Aufmunterung gemütlich einen Joint an und begann zu schwadronieren: "Am besten wäre es, wenn ihr euch ein älteres Pärchen als Mitbewohner sucht. Die wohnen dann im ausgebauten Schopf. Küche und Bad müsstet ihr euch teilen, aber das ist ja kein Problem. Alte Leutchen sind genügsam." Mitbewohner? Ausgebauter Schopf?? Küche und Bad teilen??? Von was redete der Mann????

"Ihr könntet auch in das Haus investieren. Zum Beispiel den Schopf ausbauen. Oder noch besser, ihr investiert eine grössere Summe und wir wohnen zusammen als WG. Kannst es ja von der Bank leihen." Zwischenbemerkung: Vier Erwachsene, zwei Kinder, ein Hund verteilt auf vier Zimmer, mit einer reinen Wohnfläche von etwa 70 Quadratmetern. Luxuriös. Wieso wollte ich asoziales Kind bloss ein ganzes Haus nur für uns drei, wenn ich stattdessen eine richtig tolle Jubeltrubel-Kiffer-Kinder-Senioren-WG haben kann? Langfristiger Mietvertrag übrigens ausgeschlossen. Wenn sie kein anderes Haus finden, welches ihnen gefällt, würden sie hier wieder einziehen. Könnte jederzeit passieren. Wie schön aber auch.

Pothead wollte dann noch wissen, wer von uns sich um dem Garten kümmern würde. Beide natürlich. Von dieser Antwort schien er sehr enttäuscht zu sein. Er wandte sich mit Hundeblick an Herrn C. und gab patzig zurück: "Aber ich hatte gehofft, dass du mir beim Renovieren hilfst." Wie jetzt? Renovieren? Während wir dort wohnen? Warum hat er das nicht in den sechs Monaten getan, als das Haus leer stand? Was will er denn renovieren? Alles, was er vorhin noch nicht renovieren wollte? Von einer Mietreduktion oder ähnlichem war natürlich nie die Rede. Unsere Reaktion auf die Nachfrage, ob uns seine Pläne gefallen würden, könnt ihr euch sicher vorstellen. Wir blieben sehr höflich, wiesen auf die ganzen Mängel hin und bezweifelten vorsichtig die Richtigkeit der angegeben Mietsumme. Erst jetzt schien er zu begreifen, dass wir seinem Charme nicht erlegen waren. Grosszügig bot er uns an, eine Nacht darüber zu schlafen und ihm dann unser Angebot zu unterbreiten. Wir nahmen dankbar an und machten uns so schnell wie möglich aus dem Staub.

Im Auto konnten wir uns nicht mehr beherrschen. Zuerst probierten wir ernsthaft darüber zu reden. Vergeblich. Wir gackerten wie irre Hühner. Brüllten vor Lachen. Rissen einen dummen Witz nach dem anderen. Konnten uns überhaupt nicht mehr beruhigen. Zumindest hatten wir den Rest des Tages etwas zum Schmunzeln.



Sonntag, 20. Januar 2013

Kenianische Erdnuss-Chili-Suppe



Während ich schreibe, bullert die Heizung auf höchster Stufe. Trotz mehrerer Schichten Kleidung, der Daunendecke, dem Wollschwein als Wärmflasche und einer Wollmütze auf dem Kopf, friere ich mir auf dem Sofa fast den Hintern ab. Alle umliegenden Wohnungen sind leer, kein bisschen Wärme ringsherum. So kann die eisige Kälte ungehindert durch Wände und Boden kriechen. Herr C. hat sich nach Davos in ein tropisch warmes Hotel verkrümelt. Zumindest ist er nicht zum Vergnügen dort oben, das würde mir den Rest geben. Ich kann die Stellung hier nur halten, weil der Strom heissen Tees nicht versiegt. Unterbrochen wird das Programm nur von brandheisser Suppe. Gestern war es Karotte mit viel Ingwer, heute Erdnuss mit Chili. Zum Dessert gibt's Hot Whiskey, als Bettmümpfeli eine zweite Decke und Snowboardsocken. Bin ich nicht zu beneiden? 


Für 2-3 Portionen:

  • 1/2 Tasse geschälte, rohe Erdnüsse (ca. 80 gr)
  • 1 Knubbel Butter
  • 1 mittlere Zwiebel, sehr fein gehackt
  • 500 ml kaltes Wasser
  • 350 ml Milch
  • Chilipaste oder -pulver nach Geschmack
  • Salz, schwarzer Pfeffer

Erdnüsse in einer Pfanne gleichmässig hellbraun rösten. Kurz abkühlen lassen und im Zerkleinerer oder Mörser zu einer feinen Paste verarbeiten. Butter in einem Topf zerlassen, Zwiebelstücke darin anschwitzen. Erdnussmus zugeben, kurz mitbraten. Mit dem Wasser ablöschen. Unter kräftigem Rühren aufkochen. Salzen und 15 Minuten auf kleinster Stufe köcheln. Hitze hochdrehen, Milch einrühren. Mit Chili, Pfeffer und Salz würzen. Wenn keine Schärfe gewünscht wird, milde Paprikapaste oder -pulver verwenden. Nochmals 2-3 Minuten kochen. Heiss servieren.


P.S. Leider keine positiven Fortschritte in puncto Wohnungssuche. 


Freitag, 11. Januar 2013

Verlorener Lebensmut und andere Petitessen


Jetzt ist es endgültig. Das wunderbare Haus, in dem wir leben, wird abgerissen. Natürlich haben wir nicht erst gestern davon erfahren. Aber es erfolgten so viele Beschwerden, Einsprachen und Auflagen von behördlicher Seite, dass wir glaubten, die Pläne müssten zum Scheitern verurteilt sein. Wie sie es trotzdem geschafft haben? Ich weiss es nicht und will es auch nicht wissen. Weil es mich wütend machen würde. Nein, nicht wütend. Rasend. Schreiend. Tobend.

Ich kann mich einfach nicht damit abfinden, dass unser kleines Idyll einem riesigen Neubau weichen muss. Wir bekamen grosszügigerweise ein Erstmietrecht zugesprochen, von dem wir keinen Gebrauch machen werden. Nicht, weil wir nicht wollen, sondern weil die künftigen Schickimicki-Wohnungen das Dreifache unseres alten Mietpreises kosten werden. 

In den elf Jahren, seit ich hier wohne, wurde so gut wie nichts am Haus oder in den Wohnungen erneuert, verbessert oder renoviert. Laut einer anderen Mieterin geht das schon seit Anfang der 90er so. Der neue Verwalter liess das Gebäude vergammeln. Mit dieser Vorgehensweise ist es sehr einfach, den gewünschten "sehr schlechten Zustand" hinzubekommen, der letztendlich der Grund für die Abbruchbewilligung war. Ist doch egal, wenn die Leute nicht wissen, wohin sie sollen. Und wieso sollten wir ihnen unsere Hilfe anbieten und sie bei der Wohnungssuche unterstützen? Hauptsache, wir werden mit dem neuen Bau eine Menge Geld scheffeln. In den Statuten der Liegenschaftsbesitzerin steht, dass eine ihrer wichtigsten Aufgaben das Bauen und Vermieten von kostengünstigen Wohnungen ist. Ich lach mich schief.

Oder eben doch nicht. Es tut mir jetzt schon weh, dieses kleine Paradies verlassen zu müssen. Trotz der ganzen Mängel und dem ungeliebten Herd. Mitten in der Stadt wieder so eine kleine, bezahlbare Oase zu finden, ist unmöglich. Von den vielen Wohnungen, die ich in letzter Zeit besichtigen durfte musste, hat mir die gestrige den letzten Mut geraubt. Direkt an einer Hauptverkehrsachse, in einem grottenhässlichen Betonbunkerbau. Mit Wohnungen, die an langgezogene Kaninchenställe erinnern. Mit Bodenbelägen aus Plastik, die bei mir Ekel auslösen. Ein Badezimmer, halb so gross, wie unser jetziges. Eine Küche, ein Drittel so gross, wie die jetzige. Die ganze Wohnung war deutlich kleiner, verwinkelter, lauter und dunkler als die jetzige. Dafür mit einem Mietpreis, der deutlich über dem jetzigen liegt. Toll, nicht?

Ich habe unzählige Telefonate geführt und immer wieder die gleichen entmutigenden Auskünfte erhalten. Tut mir leid, die Wohnung ist schon vergeben. Nein, sie dürfen dort keine Haustiere halten. Ja, sie dürfen Haustiere halten, allerdings keine Hunde. In vielen Inseraten wird ausdrücklich betont, wie familien- und kinderfreundlich die zu vermietenden Wohnungen sind. Aber keiner von denen hat eine hundefreundliche Wohnung zu vergeben. Verdammt, ich komme mir langsam wie eine Schwerverbrecherin vor, nur weil ich auch weiterhin mein Leben mit dem kleinen Wollschwein teilen will. Wir reden hier schliesslich über einen knapp 40 cm grossen Hund und nicht über einen tollwütigen Werwolf. 

Hätte ich Kinder, könnte mir niemand den Einzug aus diesem Grund verweigern. Doch als Hundebesitzer bist du ein Paria. Egal, dass der Hund noch nie Anlass zu Klagen gegeben hat. Was die Verwaltung auch gerne bestätigen würde. Egal, dass er so gut wie nie bellt, absolut stubenrein und verträglich mit allem und jedem ist. Ich mag nicht mehr bitten und betteln, erklären, dass er nie länger als zwei Stunden alleine zu Hause ist und keinen Ärger macht. Keine Lust mehr, zu jedem Immobilienheini nett sein zu müssen, nur weil er vielleicht andere Wohnungen in anderen Liegenschaften im Angebot hat. Ich bin gefrustet, entmutigt und mehr als traurig. Bitte entschuldigt mich für die nächsten Tage.  


Dienstag, 8. Januar 2013

Vallemaggia 2 - Bigger, better, more



Versprochen ist versprochen. Nun kommt der zweite Beitrag zum Thema Pane Vallemaggia. Beim ersten Versuch hatte ich ja mit ein paar Problemchen zu kämpfen. Unter anderem war das erstgebackene Brot etwas flach und beide wurden auf der Unterseite viel dunkler als auf der Oberseite. Wie schon im ersten Post erwähnt, ist es gar nicht so einfach, in einem Ofen ohne Oberhitze, eine vernünftige Bräunung zu erzielen. 

Nebenbei würde ich unseren Hausverwalter immer noch gerne mit einem Lächeln im Gesicht durch die ganze Stadt peitschen, weil er mir damals den billigsten Schrott in die Küche gestellt hat. Obwohl ich ihm angeboten hatte, die Differenz zu einem richtig guten Herd aus eigener Tasche zu bezahlen. Denn das Vorgängermodel war genau so schrottig und ausserdem noch gemeingefährlich. Dank des austretenden Gases wären wir vor ein paar Jahren um ein Haar in die Luft geflogen. Seine Antwort klingt für mich noch heute wie blanker Hohn: "Machen sie sich keine Sorgen. Sie bekommen einen ganz tollen neuen Herd, das verspreche ich ihnen". Ha,ha.. Der schlechteste Witz ever!

Anyway, ein zweiter Anlauf wurde gestartet und ich melde gehorsamst, dass er von Erfolg gekrönt wurde. 
Ich fasse mal kurz zusammen:

- Migros Ruchmehl durch dunkleres Spezial Ruchmehl aus der Mühle Maisprach ersetzt
- Farina di Manitoba Anteil von 250 auf 100 Gramm gesenkt
- 150 Gramm Weizenmehl Typ 550 zugemischt

Der Teig war etwas trockener und liess sich besser falten. Statt zwei Brote formte ich ein grosses Brot, welches in einer Glasform gehen musste, da meine Gärkörbchen zu klein sind. Die Gehzeiten blieben gleich. Das Brot liess sich viel besser einschneiden, der Teig blieb nicht so stark am Messer kleben. Ich gab noch etwas Wasser auf's Blech und einen kleinen Gutsch direkt in den Ofen. Bei 250 Grad 10 Minuten, 5 Minuten bei 210 Grad und 40 Minuten bei 200 Grad gebacken. Danach noch 10 Minuten bei 230 Grad für eine bessere Bräunung angehängt. Die Unterseite wurde nicht zu dunkel, Krume und Kruste fand ich besser als beim ersten Versuch. Es hatte auch genau die Masse, die Petra für ihr gekauftes Vallemaggia angibt. *froi*

Ob es den Vergleich mit einem original Tessiner Pane Vallemaggia standhalten würde, kann ich leider frühestens im April beurteilen. Aber falls ich das Glück haben sollte, solch ein Brot vor Ort verkosten zu können, werde ich einen dritten Post zu dem Thema eröffnen. Bis dahin erfreue ich mich an meiner Version.


Samstag, 5. Januar 2013

Neu und nur für kurze Zeit: Gemüsiger Dreikönigskuchen



Süsse Dreikönigskuchen können seit Neujahr an jeder Ecke gekauft werden. Eine Unsitte, die Herr C. heute so kommentierte: War jetzt gestern Dreikönig oder ist es heute? Sind die zu früh dran mit den Kuchen oder verkaufen sie die vertrockneten Überreste? 


Diesem Statement kann ich mich nur anschliessen. Bei uns gibt es am 6. Januar einen Dreikönigskuchen. Nicht früher und nicht später. Basta. Mit einer Ausnahme: Das hier präsentierte Exemplar wurde schon im November gebacken. Ein Testlauf sozusagen, denn der Herr des Hauses ist kein Süssschnabel. Darum habe ich ihm zu Ehren einen salzigen Dreikönigskuchen kreiert. Wer mag, kann dem Teig noch gebratene Speckwürfel zugeben. Als ich den Kuchen damals gebacken habe, hatte ich keine zur Hand. Aber morgen werde ich ihm eine Freude bereiten und 100 Gramm zugeben. Er kriegt den Speck, ich die Bohne.


Für einen grossen Dreikönigskuchen:

  • 25 gr getrocknetes Suppengemüse (Mix aus Karotten, Pastinaken, Lauch, Sellerie & Kräutern)
  • 150 gr kaltes Wasser

Getrocknetes Gemüse im Mixer fein zerkleinern und über Nacht einweichen. Das Wasser sollte vollständig aufgesogen sein. Eventuelle Restflüssigkeit abgiessen, abmessen und wieder zum Gemüse geben. Wassermenge im Teig entsprechend reduzieren.

  • 400 gr Halbweissmehl oder Weizenmehl Typ 550
  • 80 gr Ruchmehl oder Mehl Typ 812
  • 50 gr Dinkelmehl Typ 630
  • 20 gr Zucker
  • 10 gr Salz
  • 8 gr frische Hefe
  • 200 gr knapp lauwarme Milch oder Hafermilch
  • 100 gr Wasser, knapp lauwarm
  • 20 gr Rapsöl 
  • 1 grosse getrocknete Bohne  

Alle Zutaten bis und mit Rapsöl in die Schüssel der Rührmaschine geben. Fünf Minuten auf der niedrigsten Stufe kneten, dann einen Gang höher schalten und weitere 7-10 Minuten kneten lassen, bis sich der Teig von der Schüssel gelöst hat. Auf der eingeölten Arbeitsfläche zu einer Kugel formen, zurück in die Schüssel legen, abdecken und 3-4 Stunden verdoppeln lassen. Backofen auf 210 Grad vorheizen. Teig in sieben gleich grosse Stücke teilen. Grob rund formen, abgedeckt 10 Minuten entspannen lassen. Zu gleichmässigen Kugeln schleifen. In einer Kugel die Bohne von unten her einarbeiten und mit ein wenig Abstand auf dem mit Backpapier belegten Blech arrangieren. Mit eingeölter Frischhaltefolie abdecken und etwa 40 Minuten aufgehen lassen, bis sich ihr Volumen fast verdoppelt hat. Folie wegnehmen und das Blech auf der zweiten Schiene von unten einschieben. Schwaden und 10 Minuten anbacken, dann die Hitze auf 190 Grad herunterdrehen. Weitere 25 Minuten backen. Falls die Oberfläche zu schnell bräunt, mit einem Stück Alufolie abdecken. Auf einem Gitter auskühlen lassen. Dazu passen Butter, Käse und Trockenfleisch. Salat oder Suppe sind auch nicht verkehrt.

Anmerkung: Wenn Kinder mitessen, bitte darauf achten, dass die Bohne gross genug ist, damit sie nicht aus Versehen verschluckt wird und in der Speiseröhre stecken bleibt. Empfehlenswert sind Käfer-, Butter- oder Favabohnen. Der Zucker kann problemlos durch einen Esslöffel Birnel ersetzt werden, welches in der lauwarmen Flüssigkeit aufgelöst wird. Die Bohne ist übrigens immer im zweiten Stück von Links. Ganz sicher.


Freitag, 4. Januar 2013

Rosins Tiramisu - Geht's noch???


Gestern Abend wollte ich eine Dokumentation ansehen, die zu meinem Leidwesen kurzfristig aus dem Programm gekippt worden war. Macht nichts, dachte ich, es wird sich schon etwas anderes finden und begann zu zappen. Bei einem Privatsender lief gerade eine Sendung namens "Rosins Restaurants", in der der Spitzenkoch heruntergewirtschaftete Speiselokale wieder flott machen will. Also so etwas wie "Die Küchenchefs" in der extralangen Version. Oder wie "Bumann der Restauranttester", ohne den fürchterlichen Dialekt. 

Die Szene, in die ich reinzappte, sah folgendermassen aus: Der Koch demonstrierte zwei Küchenmitarbeitern, wie sie ein Tiramisu zubereiten sollen. Beide bekennen, dass sie zwar in einem (pseudo)italienischen Restaurant arbeiten/kochen, aber noch nie ein Tiramisu zubereiten mussten. Na, dann sind wir mal gespannt.

Punkt 1: 
Herr Rosin erklärt auf Nachfrage, warum nur die Eigelbe für die Mascarponemasse verwendet werden: Eigelb enthalte Fett, zusammen mit Zucker gäbe das eine fettige Basis und das mache die ganze Sache schön crèmig. Aha. Und der Mascarpone ist fettfrei und dient nur dazu, die Masse weiss zu machen, oder was?

Punkt 2: 
Steif geschlagenes Eiweiss verleiht Luftigkeit. Was in diesem Fall unnötig ist, seiner Meinung nach. Okay, über die Verwendung von Eiweiss in einem Tiramisu lässt sich streiten. Ich verwende sie immer mit, denn dadurch wird das Dessert leichter. So lässt sich übrigens auch elegant das Problem der Eiweissverwertung aus der Welt schaffen.

Punkt 3:
Zitronenschale verleiht ein frisches, fruchtiges Aroma. So, so. Wollen wir das denn in einem Tiramisu?

Punkt 4: 
Um der Mascarponemasse mehr Festigkeit zu verleihen, rührt er Gelatine unter. No, no, no! Gelatine hat in einem Tiramisu nichts zu suchen! Wenn das Mengenverhältnis Zucker-Eigelb-Mascarpone und geschlagenes Eiweiss stimmt, ist die Masse nach ein paar Stunden Ruhezeit problemlos portionierbar. Kein Verlaufen, kein Matsch. Und zwar ohne Gelatine, Herr Rosin!

Punkt 5: 
Löffelbiskuits werden nur hälftig in den Kaffee eingetaucht. Damit sie nicht durchweichen. Ich persönlich finde harte Löffelbiskuitstücke in einem Tiramisu einfach furchtbar. Aber auch darüber kann man sich streiten.

Punkt 6: 
Es kam noch dicker. Die Löffelbiskuits wurden abwechselnd mit der Mascarponecrème in die Formen geschichtet und darüber schüttete (S-C-H-Ü-T-T-E-T-E) er Rum! Rum!! Rum!!! *kreisch*

Punkt 7: 
Frage: Warum wird der Kakao erst kurz vor dem Servieren über das Tiramisu verteilt? Rosins Antwort: Weil der enthaltene Zucker sonst feucht wird und das macht den Kakao matschig. Haaalllooo?!? Der Witz ist doch, dass der Kakao (ohne irgendwelche Zusätze) das Dessert durch seine Bitternote perfekt abrundet. Warum ein "Sternekoch", zu einem gesüssten Kakaopulver greift, welches evt. noch weitere unnötige Zusätze enthält, ist mir ein Rätsel.

Vielleicht, weil er selbst keine Ahnung hat?

Sorry, Herr Rosin, nach dieser Verhunzung werde ich ihnen fernsehtechnisch tunlichst aus dem Weg gehen. Denn sonst kriege ich noch einen Schreianfall. Ausschlag. Krätze. Oder ähnliches. Was sie zu Hause oder in ihrem Restaurant zusammenbröseln, ist ganz klar ihre Sache. Aber ahnungslosen Leutchen, die noch nie ein Tiramisu gemacht haben, ihre Version als "typisch italienisch" anzudrehen, finde ich unterirdisch. So.

Update vom 5. Januar 2013
Eine Leserin hat mir freundlicherweise den Link zum Rezept auf der Homepage des Senders geschickt. Was mich zu Punkt 8 meiner Meckerliste führt. Laut Anleitung sollen die nicht verwendeten Eiweiss einfach entsorgt werden. Sagt ihnen der Begriff "Eiweissverwertung" (siehe Punkt 2) etwas? Wie wäre es mit Meringues oder Financiercakes? Empfinden sie es nicht als Schande, tadellose Lebensmittel sinnlos wegzuwerfen? Meine Oma hätte ihnen für so eine Verschwendung gehörig den Marsch geblasen. Hoffentlich tut's die ihre auch.


Mittwoch, 2. Januar 2013

Gesegnet seien die Grosszügigen (besonders wenn sie mich bedenken)






Herr C. ist ja sowieso der allerallerbeste Mann auf Erden. Doch in der Vorweihnachtszeit mag ich ihn noch ein klitzekleines bisschen mehr als sonst. Dann darf ich nämlich hemmungslos im Bücherladen zuschlagen. Natürlich immer im Rahmen eines gewissen Budgets, aber da er von Natur aus ein grosszügiger Mensch ist, bleibt es nie beim guten Vorsatz, nur ein oder zwei Stück zu kaufen. Tja, er weiss halt, was mich glücklich macht und wie er sich Genörgel ersparen kann.







Tante Z. und Herr C's Frau Mama räumten, unabhängig voneinander, die Regale mit den Gewürzen und Würzmischungen von Sonnentor leer. Ich kann gar nicht aufhören, mich an den Päckchen und Döschen glücklich zu schnüffeln. Besonders über das Vanillepulver, Flower Power und die Schutzengelmischung freue ich mich sehr. Ausgezeichnet, ihr beiden, ausgezeichnet! *händereib*





                                                                                    

Von Schwesterherz stammt weiterer Lesestoff. O-Ton: Da ist alles dabei, was du magst. Krimi, Kochbuch, historischer Roman und was zu lesen. Ha,ha... 
Tante Z. hat mir mit den farbenfrohen Handtüchern eine grosse Freude bereitet. Ich liebe bunte Küchentextilien! Die Tücher, und viele weitere schöne Sachen, stammen aus dem Werkheim Neuschwende. Elle & Jay hatten die süssen Cups mit Säckli voll selbstgebackenen Guetzli gefüllt, die unterdessen mit Behagen verspeist wurden. (P.S. Die Vanillekipferl waren göttlich!)
Die Lieblingsnichte schmuggelte im Handgepäck Maldon Sea Salt, Smoked Paprika, Mixed Spice und Taste Nr. 5: Umami aus Grossbritannien raus. Aus dem Tessin stammt der Uva-Americana-Brand, aus Italien das Riesenglas Sardellen und aus der Schweiz das Aromabadekissen. Danke, Miss Kilkenny. Und dank Schwesterherz und NZZ Format auf DVD, bin ich nun mit Tipps und Tricks für's Urban Farming versorgt.

Nein, das ist nicht der unaufgeräumte Küchentisch (der sieht noch chaotischer aus), sondern unser Carepaket für den nächsten Wandertag. Sogar an Wollschweins Bedürfnisse und eventuelle Verletzungen wurde gedacht. Die Spender scheinen zu wissen, wie ungeschickt ich manchmal bin ("Schatz, wolltest du nicht den Ast zuspitzen, statt deinen Daumen abzusäbeln?"). Das sexy Foulard dient übrigens dazu, dass man uns auch in den tiefsten Wäldern aufspüren kann, falls wir uns verlaufen. Einfach damit winken und schon wird man gerettet. Es sei denn, die Retter lesen "Vogue". Dann würden sie uns wohl direkt erschiessen... Trotzdem ein dickes Dankeschön an Lolo und Piet.


So, ich hoffe, ich konnte euch alle ein wenig neidisch machen. Because your Neid feed my Freude. :D

Danke, euch edlen Spendern und Jean-Pierre für den Truthahn und den Wein! 
Danke, für eure Gesellschaft, Unterstützung, Liebe, Geduld und den Spass, den ich mit euch haben darf.  

XXXX


Dienstag, 1. Januar 2013

Gebt mir sofort einen Rooibos Chai oder...



Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein... äääähhh... neues Jahr. Na, seid ihr alle gut angekommen? Das Wollschwein und ich durften gestern eine kleine Privatparty feiern, da Herr C. zuerst arbeiten und danach die Sau rauslassen musste. Ich hätte die Möglichkeit gehabt, an einer schicken Party mit Dinner teilzunehmen, aber das Menü hörte sich zu gräuslich an (u.a. Crevetten-Ceviche mit Passionsfruchtsauce und Lauchsalat *würg*). Da verzichte ich gerne auf den Ausgang zugunsten des wollschweinigen Seelenheils. Er ist zwar nicht lärmempfindlich, aber das stundenlange Geböllere im nahen Park findet er trotzdem nicht wirklich berauschend. Um uns den Abend zu versüssen, gab es eine Aufführung von "Cabin in the Woods". Dazu Schnitteli vom frisch gebackenen Miche-Brot mit Trüffelbutter und hauchdünnem Schinken. Die zweite Variante war mit selbstgemachtem Schafsfrischkäse und Schnittlauch. 

Schlag Mitternacht habe ich dann mit mir selbst angestossen und die Flasche halt gezwungenermassen alleine geleert. Reste sind mir zutiefst unsympathisch. Danach teilten wir uns noch ein paar Kekse und gingen bald darauf ins Bett. Zumindest dachte ich das. Doch als mich Herr C. nach seiner Rückkehr weckte, lag ich angezogen auf dem Sofa. Zusammen mit einem friedlich meine Kniekehlen anschnarchenden Wollschwein. Nach dem heroischen Rübergetorkel ins Bett, dämmerte die Erkenntnis, dass ich lieber auf dem Sofa geblieben wäre. Herr C. schnarcht nämlich einiges lauter. Und das auch noch auf Augen-, bzw. Ohrenhöhe....

So war die erste Handlung heute morgen, eine Kanne voll Rooibos Chai aufzusetzen. Vielleicht schaffe ich's damit, den Tag zu überstehen. Es kann ja nur noch besser werden. Hoffentlich. Cheerio, Miss C.!


Für einen Liter:

  • 600 ml kaltes Wasser
  • 1/2 Vanilleschote, ausgekratzt (z.B. aus dem Vanillezuckerglas)
  • 1/2 Zimstange 
  • 8 Gewürznelken
  • 8 Pimentkörner
  • 4 schwarze Pfefferkörner
  • 3 grüne Kardamomkapseln
  • 2 Beutel Rooibostee
  • 500 ml Vollmilch
  • Kokosnuss- oder Palmzucker 

Gewürze, ausser Vanille und Zimt, im Mörser sanft anquetschen. Wer keinen Mörser hat, nimmt eine schwere Pfanne, mit der man die schlüpfrigen Scheisserchen kurz verprügelt. Zusammen mit dem Wasser in einem kleinen Topf 15 Minuten leise köcheln. Herd ausschalten, Teebeutel in den Topf hängen und 10 Minuten ziehen lassen. Teebeutel und Gewürze entfernen, Milch zugeben und Hitze wieder einschalten. Langsam heiss werden lassen und nach Geschmack mit  Kokos- oder Palmzucker süssen.