Mittwoch, 1. Mai 2013

Abgelaufener Käsekuchen



Herr C. war letzte Woche in bester Laune und hatte Lust auf eine Überlandfahrt. Unterwegs machten wir Halt bei einem kleinen Laden, in dem ich mich mit einigen Spezialitäten eindecken konnte. Beim Mustern der Regale fiel mir ein Päckchen Kastanienflocken auf, deren Haltbarkeitsdatum Ende März abgelaufen war. Ich nahm die Flocken zusammen mit meinen Einkäufen zur Kasse und wies die Dame auf die abgelaufene Ware hin. Sie bedankte sich und bot mir an, die Flocken gratis mitzunehmen. Ich habe sie wohl ziemlich komisch angeguckt, denn sie entschuldigte sich sofort, dass sie mir dieses Angebot überhaupt unterbreitet hatte. Ich schüttelte energisch den Kopf. Natürlich würde ich mich über das Päckchen Flocken freuen. Nur weil das Datum überschritten wurde, müssen sie ja noch lange nicht ungeniessbar sein. Wir hielten kurz ein Schwätzchen über Sinn und Unsinn von Haltbarkeitsdaten und nach einer sehr netten Verabschiedung grübelte ich den Rest der Fahrt über ihre Reaktion nach. Muss man sich heutzutage wirklich entschuldigen, wenn man Kunden ein abgelaufenes Produkt kostenlos anbietet, statt es direkt in den Müll zu werfen?


Um auf den Punkt zu kommen: Ich bin Haltbarkeitsdaten gegenüber sehr kritisch eingestellt. Ich verstehe sie als eine Empfehlung oder Richtlinie, aber nicht als unumstössliches Gebot. Wann haben wir eigentlich verlernt, unseren Sinnen zu vertrauen? Wir können Schimmelbildung oder Verfärbungen sehen. Wir können riechen, ob etwas ungewohnt duftet oder gar schon säuerlich/gärig/eklig stinkt. Eine kleine Kostprobe gibt uns Auskunft, ob es noch gut schmeckt oder schon ins Nirvana übergegangen ist. Jeden Tag werden tonnenweise Lebensmitteln weggeworfen, nur weil es bequemer ist, sich auf einen Aufdruck zu verlassen, als kurz seine Sinne zu reaktivieren. Idiotisch, oder? Und so geschah es, dass Frau C. im Kühlschrank zwei Becher mit Bio-Topfen entdeckte, die ihre besten Tage schon hinter sich hatten. Sie probierte je ein Löffelchen voll und weil sie zufrieden war, buk sie einen Käsekuchen daraus, der mit frischem Quark auch nicht besser sein könnte. Ha.


Für eine Springform mit 18 cm Durchmesser:

  • 5 Scheiben Vollkornzwieback, fein zerbröselt
  • 20 gr Butter, geschmolzen
  • wenig Zimtpulver
  • 1 Prise Salz

Springform mit Backpapier auslegen oder gründlich einfetten. Zwiebackbrösel mit Zimt, Salz und Butter mischen. Den Boden der Form mit dieser Mischung bedecken. Mit dem Löffelrücken oder den Händen leicht andrücken, damit die Schicht überall gleichmässig dick ist.

  • 125 gr Butter, weich
  • 120 gr Zucker
  • 1/3 Tl Vanillepulver
  • 3 Eier
  • 35 gr Speisestärke
  • 250 gr Halbfettquark
  • 250 gr Rahmquark

Ofen auf 180 Grad vorheizen. Butter, Zucker und Vanillepulver crèmig rühren. Eier einzeln zugeben, gut unterrühren, bevor das nächste in die Schüssel wandert. Speisestärke über die Buttermasse sieben, kurz unterrühren. Beide Quarksorten zugeben und nur so lange mischen, bis alles schön homogen ist. Vorsichtig auf den Boden giessen, glatt streichen und auf der zweiten Schiene von unten 50 Minuten backen. Eventuell nach 30 Minuten mit Alufolie abdecken, falls die Oberfläche zu schnell bräunt. Der Käsekuchen sollte schön aufgegangen und die Oberfläche mittelbraun sein. Backofen ausschalten. Zwischen Türe und Ofen einen Holzlöffel klemmen, damit die Hitze nur langsam entweicht. Mindestens eine Stunde im Ofen auskühlen lassen. Wenn man den Kuchen direkt aus dem Ofen nimmt, reisst die Oberfläche unschön auf. Danach auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen. Mit frischen Erdbeeren servieren und vom Sommer träumen.

Quelle: Chez Lilly (anderer Boden, Quarkmasse und Vorgehen abgeändert)

Kommentare:

Sinnes freuden hat gesagt…

Da fragt man sich wirklich, wie denn die Menschen früher überlebt haben, so ganz ohne Mindesthaltbarkeitsdatum...
Ich sehe dieses Datum wie eine Art Garantiezeit. Den Fernseher werfe ich ja auch nicht weg, wenn die Garantie erloschen ist.

Jules Gartenküche hat gesagt…

Liebe C! du hast ja so recht! Allerdings haben Männer und Frauen eine unterschiedliche Ekelgrenze, weil wir Frauen genetisch so programmiert sind, unseren Nachwuchs zu schützen, während Männer durchaus auch mal was essen, was von einer Frau als verdorben errochen oder erschmeckt wurde. Habe ich gelesen...bei meinem Nordlicht und mir trifft das auf jeden Fall zu (auch ohne Nachwuchs).
Liebe Grüße, Jule

Sandra von from-snuggs-kitchen hat gesagt…

Der Käsekuchen schaut unglaublich lecker aus! Ich könnte jetzt so zum Frühstück mal...

Und ich sehe das mit dem Haltbarkeitsdatum genauso!

kochpoetin hat gesagt…

Ich vertraue meinen Sinnen noch ;-) (der Ricotta für die Basilikumgnocchi war schon 2 Monate "abgelaufen"). Wunderschöner Käsekuche! Gar nicht eingesunken.

Anonym hat gesagt…

Ich bin bezüglich Haltbarkeitsdatum ganz deiner Meinung. Habe kürzlich ein 3 Monate altes Naturjoghurt gegessen. Es war vorzüglich und ich lebe noch!
Frau A. vom Bodensee

Tom hat gesagt…

Ja, so sehe ich das auch. In Zeiten wo selbst Salz oder Honig ein M.h.D. verpasst bekommt und der Großteil der Menschheit Hunger leidet, ist das schon ziemlich perfide.

Gruß Tom

kegala hat gesagt…

ich gehöre auch zu denen, die ihre Nase überall reinstecken, um zu testen ob das Produkt auch genießbar ist ;))
und da schaue ich auch nicht als erstes auf das MHD.
Dein Kuchen sieht toll aus!

Cooketteria hat gesagt…

@ Sinnesfreuden
Guter Vergleich. Den werde ich mir merken.

@ Jule
Kann ich mir noch irgendwie vorstellen. Werde es mal mit Herrn C. austesten. Und so ganz unter uns: Du darfst mich gerne mit Tanja ansprechen...äääähh.. anschreiben. :-) Ich geize ein wenig mit meinem richtigen Namen. Mea culpa.

@ Sandra
He,he... Ich hatte ein Stück zum Frühstück. Göttlich, sage ich dir. Göttlich.

@ Kochpoetin
Ein wenig eingesunken ist er schon, aber das sieht man nur von hinten. Ist auch völlig egal, so gut wie er ist, dürfte er sogar total zusammensacken.

@ Frau A.
Willkommen im Club. Ich hatte kürzlich eine Sauermilch, die laut Aufdruck seit 10 Wochen nicht mehr geniessbar sein dürfte und wunderbar geschmeckt hat. Sauermilchprodukte und Joghurt sind meiner Erfahrung nach sehr viel länger haltbar, als man glauben würde.

@ Tom
MHD auf Honiggläsern finde ich immer noch zum Schreien komisch. Wenn das die alten Pharaonen gewusst hätten... :D

@ Kegala
Tolle Einstellung. Unterstütze ich sofort.



Wilde Henne hat gesagt…

Cookie, die Torte sieht super aus! Und was das Haltbarkeitsdatum betrifft, so spinnt die Menschheit einfach. Ich verlasse mich auf meine Sinne, denn die sind die einzigen, denen ich traue.

Cooketteria hat gesagt…

Danke. Bin mit der Torte als auch den Fotos sehr zufrieden.

Frau Saltimbocca-Lüdenscheidt hat gesagt…

Danke, dass du es aussprichst!
Viel wichtiger als ein schnödes Datum, ist der Eindruck den das Produkt selbst hinterlässt. Leider werden viele Leute immer lemminghafter, anstatt sich auf sich selbst zu verlassen.