Donnerstag, 9. Mai 2013

3 x Limo mit Giersch - What else?



Giersch (lat. Aegopodium podagraria) ist die Pest in Pflanzengestalt. Still und leise tauchen die hübschen Blätter an einer Ecke des Gartens auf und ehe man reagieren kann, sind Quadratmeter damit verseucht. Er treibt uns mit seiner Hartnäckigkeit bald in den Wahnsinn, denn aus jedem im Boden verbliebenen Wurzelrest spriessen Jahr für Jahr neue Pflanzen. Und es werden immer mehr. Ausrupfen hält die Population einigermassen in Schach, mehr aber auch nicht. Unkrautvernichter kommt nicht in Frage, damit wäre unser Wir-gärtnern-ja-sooooo-ökologisch-biologisch-mit-dem-Mond-und-leichtem-Hang-zur-Anthroposophie-Konzept dahin. Also wird bei jedem Gartenbesuch ein halber Kessel voll ausgerissen und zwei Wochen später ist alles wieder nachgewachsen. Kommentar Herr C.: Abfackeln und zubetonieren. Die Versuchung ist gross...

Einen positiven Effekt haben die Strapazen. Aus den Gierschblättern können wunderbar würzige Speisen und Getränke zubereitet werden. Junge, gerade entfaltete Blätter samt zarten Stielen schmecken nach Karotte, Petersilie und ein wenig nach Sellerie. Sie eignen sich für Salat, Pesto, Suppe, Kräuterquark oder gekocht als Spinatersatz. Ältere Blätter sind zäher und ideal für Limonade. Die traditionelle Variante umfasst Apfelsaft und Gundermann, den ich gerne durch immer verfügbare Himbeerblätter ersetze. Im Experimentierwahn entstand die Holunder-Giersch-Limo, die farbliche Abwechslung ins Glas bringt. Die Kräuterlimo ist ein wenig aufwendiger, hält sich dafür aber auch länger im Kühlschrank. Wichtig: Nur Pflanzen sammeln, die man auch wirklich kennt bzw. anhand bestimmter Merkmale sicher identifizieren kann.* 



Old fashioned Gierschlimonade:

  • 12 Gierschblätter
  • 3 Zweige Zitronenmelisse
  • 5 Himbeerblätter oder 2 Zweige Gundermann
  • 1 kleiner Zweig Marokkanische Minze 
  • 1 Liter naturtrüber Apfelsaft

Kräuter waschen und sorgfältig trocken schütteln. Zu einem Strauss zusammenfassen und mit den Händen gegeneinander drehen, als ob man Wäsche auswringen würde. An einem kühlen Plätzchen 12-18 Stunden im Apfelsaft ziehen lassen. Durch ein feines Sieb giessen, in eine heiss ausgespülte Flasche füllen, im Kühlschrank aufbewahren und innerhalb von 4 Tagen verbrauchen.



Holunderbeer-Giersch-Limonade:

  • 20 Gierschblätter
  • 7 Zweige Zitronenmelisse
  • 3 Zweige Minze
  • 1 Liter Holunderbeersaft

Gleiches Vorgehen wie bei der Limo oben.



Kräuterlimonade mit Giersch:

  • 700 ml naturtrüber Apfelsaft
  • 2 El Birnel
  • 15 Wacholderbeeren, angequetscht
  • 4 Zweige Rosmarin
  • 10 Zweige Zitronenthymian
  • 6 Zweige Zitronenmelisse
  • 4 Salbeiblätter
  • 4 Himbeerblätter
  • 1 Handvoll Gierschblätter
  • Saft einer halben Zitrone

Alle Kräuter waschen und sorgfältig trocken schütteln. Saft mit Birnel und Wacholderbeeren zum Kochen bringen. Herd ausschalten und Kräuter zugeben. Zitronensaft unterrühren, Deckel auflegen und im Topf auskühlen lassen. Absieben, in eine Flasche umfüllen und im Kühlschrank lagern. Hält sich maximal 10 Tage.


Zum Servieren mit Mineralwasser verdünnen, ein paar Tropfen Zitronensaft dazu und nach Belieben mit Birnel oder Agavendicksaft nachsüssen. Variationen: Mit oder ohne Kohlensäure, Orangen- oder Limettensaft, Süssmostkonzentrat oder Appelstroop. Wer die Wahl hat, hat die Qual. Als Inspirationsquellen dienten das Buch Delikatessen am Wegesrand und die Zeitschrift Schrot & Korn, Ausgabe Mai 2013


* Kleine Auswahl hilfreicher Literatur: Meine wilde Pflanzenküche von Meret Bissegger, Essbare Wildpflanzen von Stefan Fleischhauer, Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger von Eva-Maria Dreyer


Kommentare:

kochpoetin hat gesagt…

Geniale Bekämpfungsmaßnahme :-)(ich rotte ihn samt feinster Wurzeln jährlich im Garten meiner Mutter...)

magentratzerl hat gesagt…

Ich sehe schon; Du bist mein Kräuter-Guru! Glücklicherweise haben wir keinen Giersch im Garten, aber kann man aus Moos eingentlich auch Limo machen?

Cooketteria hat gesagt…

@ kochpoetin
Was nicht weicht, wird gemampft. Oder so... :D

Cooketteria hat gesagt…

@ magentratzerl
Kräuter-Guru? *giggel* Meinst du wirklich mich? Ich, die vor drei Jahren im Wald zwei Blättchen jungen Aronstab (sehr giftig!) gegessen hat, weil ich ihn für Sauerampfer gehalten habe? Seit dieser Erfahrung nehme ich die Bestimmungsbücher übrigens mit auf meine Wanderungen.

Limo aus Moos? Hast du zuviel davon oder magst du den mosigen Geschmack so sehr? Hmmmm.... Stefan Wiesner kocht daraus Suppe, aber der kocht ja auch mit Steinen und Schnee.

magentratzerl hat gesagt…

Ich hab zuviel. Eigentlich nur. Statt Rasen.
Und doch,Kräuterguru- was für ein Glück, dass Du den Aronstab überlebt hast. Ich hoffe, der Waldmeister, den ich neulich entdeckt habe, ist wirklich Waldmeister ;-); ich wollte nämlich roden und Sirup kochen.

Wilde Henne hat gesagt…

Ich hatte grad gestern Giersch im Salat. Aber die Limo könnte ich auch mal ausprobieren. Meine Nachbarin ist froh, über allen Giersch, den ich aus ihrem Garten entferne.

Wilde Henne hat gesagt…

Ne, das ist nicht Dein Ernst, dass Du Aronstab gegessen hast? *schreck*
Ich hab grad heute bei mir ein Bild von einem Aronstab veröffentlicht.

Cooketteria hat gesagt…

@ magentratzerl
Kenn ich. An bestimmten Stellen sieht es aus wie hindrapiert oder wie in einem japanischen Garten jahrelang gehegt und gepflegt. Ich glaube, dass normales Moos weder in Getränken noch in Speisen mit grossem Nutzen verarbeitet werden kann. Falls ich über eine Verwendungsmöglichkeit stolpere, gebe ich dir Bescheid. Und Petri Heil beim Roden des Waldmeisters.

Cooketteria hat gesagt…

@ Wilde Henne
Jungen Giersch hatte ich auch schon in einem gemischten Salat. Leider mochte Herr C. den Geschmack nicht sonderlich. Aber mit Quark vermengt darf ich ihn zu Gschwellti auftischen.

Doch, doch, ich habe mich damals voller Freude über die Aronstabblätter hergemacht. Im mitgeführten Wanderbuch war das Bild der Pflanze fälschlicherweise mit "Sauerampfer" betitelt, so kam es zu der Verwechslung. Glücklicherweise brannte mein Mund schon beim zweiten Blatt so komisch, sonst hätte ich fröhlich weiter gemampft. Ausser einer geschwollenen, tauben Zunge und leichten Orientierungsproblemen stellten sich netterweise keine weiteren Vergiftungserscheinungen ein. Diesen Vorfall nahm ich zum Anlass, mich mit Literatur einzudecken und mich auf diesem Gebiet weiterzubilden, bevor ich mich unfreiwillig ins Grab fresse...äh...esse.

Rickimaus hat gesagt…

Spitze. Dankeschön für die vielen tollen Girsch-Rezepte. Bei mir wächst er auch an jeder Stelle im Garten. Es ist zum verrückt werden.

Aber diesen Frühling könnte ich es nicht lassen und habe vor der Terasse jede Menge Gift versprüht. Mal sehen ob ich ihn endgültig kalt machen konnte.

Aber über das Thema Beton hatte ich auch schon nachgedacht. Dann aber in der Farbe GRÜN. sieht wenigstens netter aus ;)

Viele Grüße
Ricki

P.S. schau doch auch mal bei mir vorbei:
Food Blog & Scrapbooking Blog

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen. Gift kommt für uns (zumindest momentan) nicht in Frage. Aber wenn das Zeug so weiter wächst, bleibt uns auch nicht mehr viel anderes übrig. *soifz*

Mmmmh... Ich habe mich vor ein paar Tagen auf deinem Foodblog angemeldet und gerade gesehen, dass ich gar nicht mehr gelistet bin. Komische Sache. Irgendetwas stimmt nicht mit meinem Account, kann mich zur Zeit auch nur über Blogger anmelden und meine Leseliste verschwindet immer wieder stundenweise. Ich melde mich grad nochmal an, mir gefällt euer Blog nämlich richtig gut.

Ganz liebe Grüsse zurück