Sonntag, 21. April 2013

Wenn das Leben dir Unkraut gibt, mach Löwenzahnsirup daraus


Mitte der Woche stand (oder treffender: sass, war gerade am Jäten) ich im Schrebergarten, als meine Äuglein auf die Parzelle nebenan schweiften. Dort bot sich ein pittoresker Anblick. Ein Blütenmeer, bestehend aus Taubnesseln, Schaumkraut, Löwenzahn und vielen anderen Unkräutern. Hübsch. Und mehr als ärgerlich.

Der Nachbar liess sich schon früher nie vor dem ersten Mai blicken. Gegärtnert wurde selten, meist kamen er und der lautstarke Anhang zum fröhlichen Barbecue mit anschliessender Müllentsorgung auf anderen Grundstücken. Flaschen, Korken, Essensreste, Knochen und diverse Plastikteile landeten dann bei uns drüben. Nun ist er seit zwei Jahren gar nicht mehr aufgetaucht. Nicht einmal zum Grillieren. Ein Krankenhausaufenthalt, wird gemunkelt. Genau weiss es keiner. In diesem Fall hat er mein Mitleid. Doch warum behält er dann den Garten? Keiner seiner zahlreichen Familienmitglieder oder Freunde hat sich dort je blicken lassen, um dem Urwald Einhalt zu gebieten. Soooo wichtig kann es ihm (oder ihnen) also nicht sein. Der Vorstand bemängelt bei Begehungen Bagatellen wie "ein Haufen Steine, stören das Umgebungsbild" oder "Spalier rostig", doch gegen die verwahrloste Parzelle, die nur aus Unkraut und Müll besteht, unternehmen sie nichts. So kann es nicht weiter gehen. Wir ersticken im Unkraut und jedes Lüftchen trägt neue Samen zu uns herüber. Später im Jahr werden seine Winden und Brombeeren wieder versuchen, unsere Beete zu überwuchern. Die verfaulenden Früchte unzählige Wespen anlocken, von der glitschigen Sauerei am Boden will ich erst gar nicht anfangen. Ein Kampf gegen Windmühlen. 

Letztes Jahr war ich deshalb an einigen Abenden mit der Heckenschere unterwegs. Heimlich, still und leise. Wohl ist mir dabei nicht, ich betrete nur äusserst ungern fremdes Eigentum, wenn ich nicht ausdrücklich eingeladen wurde. Aber bevor mir der Kragen platzt, gehe ich lieber eine Runde Sensenmann spielen. Als strenge Verfechterin von Traditionen, war ich auch dieses Jahr schon wieder in geheimer Mission unterwegs. Die abgeschnittenen goldgelben Blüten stimmten mich ein wenig traurig, deshalb sammelte ich einen Korb voll ein und kochte daraus Sirup. Er schmeckt wunderbar nach Sommer, Sonne, Kindheit und auch ein wenig nach Unkraut. Womit wir wieder beim Thema wären....*aargh*


Für ca. 650 ml:

  • 65 gr Löwenzahnblütenblätter 
  • gelbe Schale einer halben Bio-Zitrone, in breiten Streifen abgeschält

Blütenblätter in einen grossen Topf geben und mit der Hand ein wenig durchwirbeln, um auch die letzten Käfer aufzuspüren. Wenn alle Viecher gerettet sind, Blütenblätter mit Zitronenschale und 1,5 Liter Wasser aufkochen. Fünf Minuten sprudelnd kochen lassen. Herd ausschalten, Deckel auflegen und mindestens 12, besser 24, höchstens 36 Stunden ziehen lassen. Danach durch ein Mulltuch oder ein feines Sieb schütten. Blättchen nur sanft ausdrücken. Flüssigkeit ggf. ein zweites Mal durchsieben, dann abmessen oder abwiegen. Rechnet mit einer Ausbeute von ungefähr 1,2 Kilo Löwenzahntee. Zurück in den gereinigten Topf giessen.


  • Saft der oben erwähnten Zitrone, eventuell nach Geschmack auch mehr
  • 600 gr heller Rohrzucker oder normaler Rübenzucker 

Zitronensaft und Zucker zugeben und zum Kochen bringen. Falls sich viel Schaum bildet, diesen vorzu abschöpfen. Auf mittlerer Stufe 40 Minuten köcheln lassen. Nach Ablauf dieser Zeit sollte die Konsistenz dick wie Sirup sein. Sonst einfach noch länger kochen. Heiss in sterilisierte Flaschen oder Gläser füllen. Verschliessen und auf dem Kopf stellen, damit sich ein Vakuum bilden kann. Ungeöffnet ist der Sirup mindestens ein halbes Jahr haltbar, geöffnet und im Kühlschrank gelagert etwa einen Monat. 


Anmerkung: Um 65 Gramm Blütenblätter zusammen zu bekommen, müssen etwa 200 Blüten gepflückt werden. Das entspricht so ungefähr dem Inhalt einer Knistertüte oder einer Salatschüssel voll. Nicht waschen, nur kräftig ausschütteln! Anschliessend Stiele und alles Grüne mit einem Messer oder dem Daumennagel entfernen, nur die gelben Teile gehören in den Topf. Die Grammzahl hört sich recht niedrig an, doch gezupft und locker in einen Messbecher geschichtet ergibt das fast einen Liter (!) voll winziger Blütenblättchen. Um die Konsistenz von Honig zu erreichen, den Kochvorgang auf 2-3 Stunden ausdehnen. Weil bei mir der grösste Teil des Sirups in Tees landet oder zum Kochen und Backen verwendet wird, reicht mir das flüssigere Stadium. Ausserdem ist Sirup besser löslich, z.B. in Salatdressings.


Kommentare:

magentratzerl hat gesagt…

Ich habe grade mal einen Blick aus dem Fenster geworfen - bei uns blüht noch kein einziger Löwenzahn.

SarahMorena hat gesagt…

Hmmmm, hab ich letztes Jahr ganz viel von gemacht. =)
Liebe Grüße, Sarah =)

Cooketteria hat gesagt…

@ magentratzerl
Trotz meiner Aktion ist der Garten nebenan schon wieder voller Blüten. Soll ich dir welche schicken? ;-)

@ SarahMorena
Ich bin immer noch unschlüssig, ob ich noch mehr machen soll. Mir schmeckt's, aber meine Daumennägel werden ich wohl erst nächstes Jahr wieder sauber bekommen.

magentratzerl hat gesagt…

Vielen Dank1 Aber ich kann warten, bis er hier auch blüht :-)m

Em hat gesagt…

Oh, das gefällt mir! Versuche mir gerade vorzustellen, wie du durch die Hecken krabbelst... Was man nicht alles für die Kulinarik tut! ;)

Cooketteria hat gesagt…

@ Em
Wenn ich daran denke, lasse ich nächstes Mal ein Foto von mir schiessen, während ich durch das Dickicht robbe. :D

Anonym hat gesagt…

oh ich möchte das auch machen :) bei uns blüht es auch ganz gewaltig aber...aber... was ist mit den Hunden und Katzen die hier so...rumlaufen...ich bin da etwas unschlüssig ob ich das ignorieren soll...-_-
vielleicht sollte ich einfach eigene säen auf dem Balkon...für nächstes Jahr?!
By the way: ich liiiiebe deinen Blog :) vor allem die veganen Gerichte <3 Lilly

Cooketteria hat gesagt…

Liebe Lilly, ganz herzlichen Dank für deinen lieben Kommentar. Ich kriege gerade rote Öhrchen vor lauter Freude. Finde es wirklich toll, wenn sich auch mal die stillen Mitleser zu Wort melden. Und Komplimente nimmt man ja immer gerne entgegen. :-)

Zum Thema Sirup hätte ich folgende Tipps: Such dir eine Wiese oder einen Acker, die möglichst weit weg von der Zivilisation sind. Zum Beispiel entlang von Wanderwegen. Auch dort nie vom Rand/gerade neben dem Weg ernten, immer ein paar Meter ins Feld hinein laufen. Hunde pinkeln in der Regel nur die Pflanzen direkt am Weg an. Katzen pinkeln straight auf den Boden, die Blüten sollten also sicher sein.

Wenn du jemanden kennst, der einen eigenen Garten oder ein Grundstück hat, könntest du dort ohne grosse Bedenken ernten gehen. Ansähen lohnt sich nicht. Du brauchst so viele Blüten für den Sirup, da müsstest du die ganze Terrasse mit Löwenzahn vollpflastern.