Sonntag, 27. April 2014

Wackelpudding mit Lindenblüten und Goldmelisse



Bis Mitte 2015 wird die grösste GGG-Bibliothek, die Hauptstelle Schmiedehof, umgebaut und beträchtlich vergrössert. So lange residieren die Bücher im UG des Zentrums Kirschgarten, was mich eigentlich freuen müsste, weil die Übergangslösung (tramtechnisch gesehen) schneller erreichbar ist. Obwohl sich der Weg verkürzt hat, bewegen sich meine bisherigen Besuche im unteren einstelligen Bereich. Das liegt ganz offensichtlich an der etwas dezentralen Lage. Nix mehr mit praktischer Verknüpfung von gemütlichem Schaufensterbummel, einem Gang über den Marktplatz, Lesestoff auswählen und anschliessenden Einkäufen. Doch ein Ende der Durststrecke ist ja absehbar und eigentlich wollte ich auch über ein ausgeliehenes Kochbuch schreiben, und nicht über meine Einkaufsgewohnheiten. Kein Wunder schimpft mich meine Schwester eine furchtbare Plaudertasche. Obwohl sie auch nicht viel besser ist. Was sie natürlich vehement bestreitet. Stimmt aber trotzdem. *räusper* Ähem, lassen wir das. Ist vielleicht besser.

Also zurückgespult und ab hier gilt's. "Essbare Stadt" von Maurice Maggi ist so erfrischend anders, als die meisten Publikationen zum Thema essbare Wildpflanzen. Der Fokus richtet sich auf Wildkräuter und -früchte, die quasi an jeder Ecke wachsen und auch oft in Städten vorkommen. Die Aufmachung des Buches dürfte wohl jedem gefallen, der Urban Farming gerade für das ultracoole Accessoire der Saison hält. Grauer Einband, durchgestylte Fotos, hippe Back-to-the-Roots-Thematik. Die Rezepte sind raffiniert, teilweise auch sehr einfach und trotzdem nie langweilig. Der Autor verfügt über ein fundiertes Wissen auf diesem Gebiet und das merkt man den Texten auch an. Obwohl er mir sehr sympathisch scheint, hätte es nicht so viele Fotos von ihm gebraucht, das ist nervender Jamie-Oliver-Style. Liebe Verlagsleute, wie wäre es in der nächsten Auflage mit mehr aussagekräftigen Bildern des verwendeten Grünzeugs statt hübscher, aber nichtssagender Seitenfüller? Ein Beispiel: Seite 213 besteht nur aus dem grossformatigen Foto eines abgelutschten Kerns einer Kornelkirsche, was weder lustig noch hilfreich ist. Wer noch nie eine Kornelkirsche live gesehen hat, wird mit dem Bild der ganzen Frucht mehr anfangen können. Ein bisschen weniger Chic, dafür mehr Infos zur Verwechslungsgefahr und giftigen Doppelgängern wäre vielleicht auch nicht schlecht. Trotz dieser kleinen Mängel ist das Kochbuch eine Bereicherung für jede Wildpflanzenbibliothek.

Als erstes pickte ich mir das Lindenblüten-Goldmelissengelée heraus. Ein Glücksgriff, der Wackelpudding schmeckt himmlisch. Ich verwende hier bewusst die Bezeichnung Wackelpudding, denn bei dem Wörtchen Gelée denken viele eher an Eingekochtes als an ein Dessert. Allerdings habe ich mich nur rudimentär an das Rezept gehalten, denn ich hatte keinen süsslichen Weisswein, keinen Portwein als Ersatz und keine frischen Lindenblüten für die Deko. So wurde aus dem süsslichen Wein ein Riesling-Wasser-Gemisch, aus Linden- wurden Waldmeisterblüten und dank Agar-Agar ist die Nachspeise auch vegan. Kaum Aufwand, leicht und erfrischend, das bringt den Sommer auf den Tisch.


Für zwei Personen:

  • 200 ml Wasser
  • 100 ml trockener Weisswein 
  • 1 Handvoll getrocknete Lindenblüten*
  • 2-4 El Goldmelissensirup**
  • 1/3 Tl Agar-Agar
  • nach Belieben kleine essbare Blüten (Waldmeister)

Wasser und Wein zusammen mit den Lindenblüten (oder Teebeuteln) in einem kleinen Topf zum Kochen bringen. Vom Herd nehmen und 5 Minuten ziehen lassen. Blüten herausfischen und Flüssigkeit mit Goldmelissensirup abschmecken. Agar-Agar einrühren, wieder auf den Herd stellen und zwei Minuten unter ständigem Rühren sprudelnd kochen. Durch ein feines Sieb in zwei kalt ausgespülte Gläschen giessen, Blüten einrühren und etwa 30 Minuten auskühlen lassen. Mit Klarsichtfolie abdecken und mindestens 2 Stunden im Kühlschrank parkieren. Dazu passen beispielsweise frische Früchte oder ein Fruchtsalat. Für eine kräftigere Farbe kann eine getrocknete Hibiskusblüte mitgekocht werden. Falls der Wackelpudding gestürzt werden soll, 1/2 Tl Agar-Agar verwenden.

* Oder drei Teebeutel. Diese gründlich ausschütteln, damit die staubfeinen Partikel das Jelly nicht trüben.

** Goldmelissensirup ist oft auf Märkten oder bei Direktvermarktern erhältlich. In der Region Basel zum Beispiel im Selbstbedienungskühlschrank beim Dorfplatz in Nenzlingen (nur saisonal erhältlich, s'het so lang s'het). Schweizweit wird man in grösseren Coop-Filialen fündig, im Internet beim Sirupier de Berne und in der Migros Ostschweiz gibt es ihn mit dem Label "Aus der Region" vom Holderhof in Niederwil/SG


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

herzelein. du vergisst, dass ich lesen kann. kommentieren kann. dich von der erbfolge auschliessen lassen kann. also langsam nachsprechen: meine-liebe-grosse-schwester-ist-gar-nie-nicht-geschwätzig. was ich aber eigentlich sagen wollte: da habe ich schwein gehabt, das buch wollte ich dir kaufen...

Cooketteria hat gesagt…

Huch, es liest ja wirklich mit! Und es kann auch noch kommentieren! Meine Herztropfen, aber bitte sofort!

Ähem, voll ertappt. Schön blöd. Die Erbfolge dürfte es trotzdem nicht tangieren, den Schlüssel zum Bankschliessfach hast sowieso du.

Wieso Schwein gehabt? Ich schreib doch, isse gutes Buch. Gerne nehmen tu. Obwohl ich ja noch viel lieber "Ticino ti cucino" hätte, gar-nie-nicht-geschwätzige-Lieblingsschwester. *wimpernklimpern*

kochpoetin hat gesagt…

Danke für den Buchtipp, ist schon in der Bücherhalle vorgemerkt! :-)

Cooketteria hat gesagt…

Gern geschehen. Warte gespannt auf deine Meinung dazu.