Donnerstag, 26. Mai 2016

Buchvorstellung: Meine grüne Speisekammer von K. Jönsson



Manchmal sind es die kleinen Dinge im Leben, die grosse Freude bereiten können. Mir geht es immer so, wenn ich "neuen" Lesestoff entdecke. Letzten Sommer fand ich via Pinterest zu einem schwedischen Blog namens Det Gröna Skafferiet und war hingerissen von den originellen Rezepten und den hübschen Bildern. Als ich dann herausgefunden habe, dass seit August 2014 keine neuen Posts mehr verfasst wurden, hat mich das nicht wenig geärgert. Umso erfreuter war ich, als ich vor einigen Monaten erfuhr, dass Karoline Jönssons Buch im Januar 2015 unter dem Titel Meine grüne Speisekammer im Busse Seewald Verlag erschienen ist. Normalerweise rezensiere ich keine Kochbücher, die schon seit über einem Jahr auf dem Markt sind (olle Kamellen und so), doch für dieses Buch wollte ich unbedingt eine Ausnahme machen.

Erster Eindruck:
Besonders der Untertitel "Vegetarische Gerichte frisch aus dem Garten und der Natur" hat mich als Gartentante und Wildpflanzensammlerin direkt angesprungen, und wäre für mich schon alleine als Kaufgrund ausreichend gewesen. Nebenbei hat das Buch einen Hardcovereinband, die Seiten sind aus angenehm dickem Papier und beim Durchblättern machen die vielen Fotos Appetit auf mehr. Beim Lesen kam es mir so vor, als ob ich der erwachsenen Schwester von Pipi Langstrumpf eine Weile über die Schulter schauen durfte. :-)

Inhalt:
Der Auftakt ist eine Einführung in die Philosophie des Kochbuches, dann folgen Grundrezepte für Selbstversorger und solche, die es noch werden wollen: Hafer- und Sesammilch, Joghurt, Dickmilch, Granola, Salatgewürz, Brennesselpulver, Dinkelknäckebrot mit Sauerteig, Teemischungen und aromatisierter Zucker. Die restlichen Rezepte sind in vier Kapitel unterteilt. Um euch den Mund ein wenig wässrig zu machen, habe ich mir erlaubt, pro Kapitel ein paar Beispiele auszuwählen:

Die Fensterbank 
Schwarzwurzel-Tarte mit Bärlauch
Kohl süss-sauer mit Rhabarber und Erbsensprossen 
Caprese-Bagels mit gebratenen grünen Tomaten

Der Garten 
Birkensaft zapfen
Birkenblätterlimonade
Rosa Holunderblütensirup

Der Gemüsegarten 
Omas falsche Fish n' Chips
Päckchen mit Wurzelgemüse, Belugalinsen und Kokosmilch 
Honigglasierter Fenchel mit Aioli
Topinambur-Gnocchi

Aus Wald und Feld
Hagebuttenmehl
Kartoffel-Mandeltorte mit Blaubeeren
Pfifferlingssuppe aus der Papiertüte

Trotz meiner Begeisterung möchte ich nicht verschweigen, dass die Brotrezepte durchgehend verbesserungswürdig sind. Es wird, leider wie so oft, viel zu viel Hefe verlangt. Eine wirklich ärgerliche Sache, denn je höher der Hefeanteil, desto "hefiger" der Geschmack und umso schneller trocknet das Brot aus. Ebenfalls negativ aufgefallen sind mir die teilweise zu hohen Flüssigkeitsmengen. Mögliche Ursachen: Es könnte ein Übersetzungsfehler bei den verlangten Mehlsorten vorliegen (höherer Ausmahlungsgrad? Vollkornmehle?) oder schwedisches Mehl hat eine bedeutend grössere Wasseraufnahmekapazität. 

Was meint der Magen:
Sirup aus Blättern der schwarzen Johannisbeere? Aus Blättern? Dieses Getränk klang so ungewöhnlich, dass ich es sofort ausprobieren musste. Zum Glück stehen in unserem Garten vier Cassis-Sträucher, die ich sorglos plündern durfte. Wichtige Erkenntnis: Nur die beerig duftenden Blätter schwarzer Johannisbeersorten sind geeignet. Blättern von roten und weissen Sorten fehlt der charakteristische Eigengeschmack. Nach fünf Tagen Ziehzeit hätte der Sirup direkt in Flaschen abgefüllt werden können. Ich entschied mich aber, zwecks längerer Haltbarkeit, 2/3 der Menge heiss abzufüllen. Bei der Verkostung stellte sich heraus, dass der Geschmack unter dem Einkochen nicht gelitten hat, der Sirup an sich aber leicht gewöhnungsbedürftig ist. Mir schmeckt er ausgezeichnet, Herr C. hingegen kann mit der Mischung aus Cassis und Blattgrün nichts anfangen, obwohl er die Beeren sonst gerne verspeist (oder in flüssiger Form zu sich nimmt).


Dafür mochte er das Kompott aus wilden Kriecherl-Pflaumen, die wir letztes Jahr zusammen bei einer Spazierfahrt geerntet und am gleichen Abend eingefroren hatten. Leider ist ihre Küchentauglichkeit stark einschränkt, weil die Steine der säuerlichen Früchtchen bombenfest mit dem Fruchtfleisch verbunden sind. Beim Kompott muss man sich dem Problem des Entkernens aber glücklicherweise nicht stellen. Aufkochen, Kerne abschöpfen, Kompott süssen, mit Kartoffelmehl andicken, fertig. Perfekt zu Griessköpfchen.

Herr C. fragt sich ja öfters, ob ich nicht komplett plemplem bin. Normalerweise völlig zu Unrecht, aber dieses Mal konnte ich ihn verstehen. Denn wer serviert schon Glühwein im Mai? Zu meiner Verteidigung: Es handelte sich um Schlehenglühwein und an besagtem Abend zeigte das Thermometer gerade einmal 11 Grad an. Ich verwendete eingemachten Schlehensaft, und verfeinerte alles mit einem Rest DIY-Glühweinmix. Einstimmiges Urteil der Jury: Wird in der Adventszeit wiederholt. Und dazu eine Dose voll Mailänderli statt Safran-Biscotti.

Fazit: 
I like it! Und den meisten Gärtnern/Gärtnerinnen und Wildpflanzen-Aficionados unter euch wird es wohl gleich ergehen. Vorausgesetzt natürlich, ihr besorgt euch das Buch. :D

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Busse Seewald Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat.


Kommentare:

milchmaedchen hat gesagt…

Oh, da hast Du in Deiner Rezeptauswahl wohl mehr Glück gehabt als ich. Mein Testfazit ist nämlich aufgrund vieler Ärgernisse deutlich negativer ausgefallen – Ärgernisse, die ich ebenfalls auf ein verbesserungswürdiges Lektorat zurückführe.

SarahMorena hat gesagt…

Hach, das liest sich toll! =)

Das Mädel vom Land hat gesagt…

Hihi, steht auch auf meiner Liste, das Buch ;-)
Die Beispielrezepte klingen übrigens sehr interessant!
Liebe Grüße!