Donnerstag, 8. November 2012

Ein Rezept für Griesswölkchen gefällig?



Ende der 80er bestellte ich in einem österreichischen Ausflugslokal meine erste Griessnockerlsuppe. Es war Liebe auf den ersten Bissen. Sie waren recht klein, nicht wirklich fluffig, garantiert aus der Tüte, aber für meine Begriffe eine richtig extravagante Suppeneinlage, die ich auf Anhieb mochte. Um den Familienfrieden zu wahren, kaufte Frau Mama einige Tüten für den Vorrat. Nachdem das Fertigzeug aufgebraucht war, gab es wieder hausgemachte Suppen mit diversen hausgemachten Einlagen. Aber keine Griessnocken.

Zwei Jahrzehnte später fand sich im Kühlregal eines Supermarkts eine Packung Fertignockerln. Die entbehrungsreichen Jahre hatten ein Ende. Ich war regelrecht süchtig nach dem Zeug. Irgendwann wechselte das Sortiment und die Nockerln verschwanden wieder aus meinem Leben. Natürlich dachte ich oft an DIY. Aber durch den Hinterkopf geisterte die Versagensangst. Denn Griessnockerl sind schwierig. Heikel. Kapriziös. Zerfallen leicht. Bleiben kompakt. Kleben an Topfboden. Rangieren auf Platz zwei der Scheidungsgrundrangliste. Und so weiter und so fort. Stimmt alles nicht. Glaubt mir. Einfach ausprobieren.


Für 12 Nockerln (reicht für 3-4 Personen):

  • 30 gr sehr weiche Butter
  • 1 Ei, möglichst zimmerwarm
  • wenig frisch geriebene Muskatnuss
  • 2 grosszügige Prisen Salz
  • 80 gr Hartweizengriess

In einem grossen Topf mindestens eine Handbreite hoch Wasser zum Kochen bringen.*

Butter mit dem Handmixer cremig rühren. Ei, Muskat und Salz zugeben. Weiter rühren, bis die Masse schön schaumig ist. Griess untermengen, fünf Minuten ruhen lassen. Mit nassen Händen oder zwei Esslöffeln Nocken formen. Auf einen kalt abgespülten Teller legen, bis alle Nockerln geformt sind. Dann Stück um Stück ins sprudelnd kochende Wasser geben. Deckel halb auflegen, 12 Minuten kochen. Herd ausschalten, Deckel ganz auflegen und zehn Minuten ziehen lassen. 

Als Einlage in einer selbstgekochten Gemüsesuppe, Rinder- oder Hühnerbouillon servieren. Zur Not halt Brühewürfel oder -pulver in der verlangten Menge Wasser auflösen und die Nockerln darin kredenzen. 

* Wichtig: Das Wasser sollte schon fast kochen, wenn ihr mit der Zubereitung beginnt. Kochwasser muss auf die Nockerln warten, nicht umgekehrt. Unbedingt einen Topf wählen, der schön breit ist. Wenn sie nicht genug Platz haben, können sie ihr Volumen nicht verdreifachen und werden nicht fluffig. Quelle: Wunderkessel


Kommentare:

Sybille hat gesagt…

Du Ärmste...bei meiner Mama hättest du die ganz oft bekommen.
Schmecken übrigens ganz toll mit einer cremigen Sauce.
Wölkchen..sehr hübsch! :)

Cooketteria hat gesagt…

@ Sybille
Och, soooo schlimm war's nicht. Mamas Klieben (eine Art Riesenspätzle) und Markklösschen waren auch ganz nett.

Weil meine Lieblingstante selig immer behauptet hat, die Dinger wären unglaublich schwer herzustellen, hab ich's gar nie ausprobiert. Anscheinend hatte sie kein Händchen für Nockerln. Oder das falsche Rezept.