Montag, 31. August 2015

Buchvorstellung: Plant Food von Matthew Kenney

   

Frau C. im Rohkostfieber? Bis vor ein paar Wochen hätte ich über diese Aussage gelacht, aber Plant Food von Matthew Kenney aus dem Unimedica Verlag hat mich eines Besseren belehrt.

Erster Eindruck:
Softcover, tolles Titelbild, gefällt mir alles auf den ersten Blick. Die Fotos im Innern sind phantastisch. Eher minimalistisch gehalten und genau deshalb machen sie Lust auf mehr. Man möchte sofort losziehen und den Gemüsemarkt plündern. Vorerst einziges Manko: Leider ist nicht jedes Rezept bebildert.

Inhalt:
Laut Klappentext ist Mister Kenney nicht nur einer der renommiertesten Raw-Food-Köche (mit Restaurants in Kalifornien, New York und Maine), sondern auch Autor mehrerer kulinarischer Bestseller. Ehrlich gesagt, war er mir bis dato unbekannt, aber man lernt ja nie aus. Nach der Einführung mit dem Titel "Die neue Rohkostküche", in der er seine Zubereitungsphilosophie erklärt, folgen die Kapitel mit den Rezepten in ungewohnter Reihenfolge: Sammeln, Belassen, Sprossen, Pürieren, Dörren, Räuchern, Versiegeln, Einlegen, Pressen, Fermentieren, Reifen, Süssen und Trinken. Den Abschluss bildet das Kapitel über moderne Geräte und Zutaten. 

Nicht nur die Präsentation, auch die Namen der meisten Gerichte sind recht minimalistisch. Beispiel: Geräucherte Tomaten, Pfirsiche, Basilikumeis. Oder: Khakifrucht, wilde Rauke, Pistazien. Mehr vorstellen kann man sich wahrscheinlich unter einem Portobello-Salat, Karottensuppe mit Karottenwolke und Kimchi-Taschen. Ein bisschen ausführlicher wird die Betitelung dann bei Gerichten wie Süsskartoffelchips mit Schwarzer-Pfeffer-Crème und Hijikikaviar. Radieschen mit Roggen-Algen-Chips und Macadamiabutter-Variationen. Oder: Blumenkohl, eingelegte Zitronen, Walnuss, Harissa. Schon fast episch: Kelp-Nudeln, schwarzer Pfeffer, Pfifferlinge, Knackerbsen, Olive, Erbsenranke. Nicht zu vergessen: Schokoladenkuchen, Walnuss, Süssholz, Birne, Fenchel, Sassafras. Teilweise verstecken sich dahinter Gerichte, die fast nur aus den aufgezählten Hauptzutaten bestehen. Meist ist die Zutatenliste aber länger. Der Schwierigkeitsgrad schwankt von sehr einfach bis extrem aufwändig (zumindest empfinde ich das so). Viele der verlangten Zutaten sind leider nicht einfach aufzutreiben. Ich kenne beispielsweise keine Quellen für Anisextrakt, Wassermelonen-Rettich, Mikro-Kräuter und Kichererbsenmiso. Oder einen adäquaten Ersatz für Jicama, der auch roh genossen werden kann. So sehr mich dieses Buch begeistert, muss ich doch darauf hinweisen: Ambitionierte Hobbyköche, die Spezialzutaten wie Xanthan, Lecitin oder probiotische Kapseln im Vorratsschrank haben, und Equipment wie Dörrer, Entsafter oder Vakuumiergerät besitzen, sind klar im Vorteil. Nicht falsch verstehen, viele Gerichte lassen sich auch ohne das ganze aufgezählte Spezialzeug verwirklichen, aber es handelt sich hier um das Werk eines Rohkost-Spitzenkochs und entsprechend gross ist die Bandbreite der geforderten Lebensmittel und Geräte. Halt genau wie bei Kochbüchern von "normalen" Sterneköchen auch. Von Stefan Wiesner oder Marc Veyrat erwartet ja auch keiner, dass sie ihre Zutatenlisten auf das Sortiment eines Discounters beschränken.

Was meint der Magen:
Für den Anfang habe ich mich an die einfacheren Gerichte gehalten und teilweise auch getrickst, da ich mich ja nicht streng rohköstlich ernähre. Sehr gelungen fand ich die Steinpilzcracker mit Zitronenverbenen-Crème. Allerdings würde ich die Menge der Zitronenverbene nächstes Mal reduzieren, ein wenig dezenter dürfte es schon sein. Der Frühlingsgemüsesalat verwandelte sich in einen Was-wir-gerade-im-Garten-ernten-können-Salat (Malabarspinat, Himbeeren, Hirschhornsalat, Portulak, Kohlrabiblätter) und aus der Erdbeer- wurde eine Heidelbeer-Vinaigrette. Leckere Sache, auch wenn Herr C. den Anteil an Minzeblättern viel zu hoch fand. Bei der Birnensuppe mit Sellerie und Wacholderöl habe ich zum ersten Mal getrickst. Statt frisch gepressten Selleriesaft, nahm ich nämlich pasteurisierten aus der Flasche. Ohne Xanthan blieb die Suppe natürlich ziemlich dünn, geschmacklich konnte sie aber auch so überzeugen. Und auch bei den Roggen-Algen-Chips musste ich ein bisschen an der Rezeptur herumpfuschen. Der Selleriesaft kam wieder aus der Flasche (Resteverwertung) und einen Teil der Leinsamen und das Kombu-Pulver wurden durch Kürbiskerne ersetzt (auch schön grün). Das Ergebnis könnte ihr auf dem Foto bewundern:


Chips/Cräcker aus dem Dörrer sind ein echt cooler Snack, muss ich zugeben. Mit ein bisschen Pilz-Walnuss-Paté und scharfen Aprikosen serviert, sind sie das perfekte Fingerfood zu einem Glas Weisswein.

Fazit:
Wie schon geschrieben, bin ich schwer begeistert. Allen, die experimentierfreudig sind und einen Ausflug in die gehobene Raw-Food-Küche unternehmen möchten, kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen. 

P.S. Erst jetzt bemerkt: Im Buch lag ein Flyer, mit dem einige der Spezialzutaten und Geräte direkt beim Verlag bestellt werden können. Praktische Sache.

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Unimedica Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 


Sonntag, 30. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -20-



[GE]gessen: Pasta del Signore di Campagna
(Peperoni, Knoblauch, Sardellen, Tomaten, Butter)

[GE]trunken: Cold Brew Tea aus Verveine, Ringelblumen und Rosmarin

[GE]sammelt: Vier Kilo Kornelkirschen

[GE]backen: Wähe mit Plumcots

[GE]wesen und [GE]kauft
Flohmarkt in Buchs/AG
Ein Scrabble mit Holzsteinen aus den 70ern
und 
eine coole kastanienfarbene Ledertasche aus Florenz.

[GE]sehen: Ein paar Folgen der Gilmore Girls

[GE]lesen
Tierische Profite - Donna Leon
Das rote Schaf der Familie - Jessica Mitford und ihre Schwestern

[GE]freut: Die Mombacher-Speck-Bohnen beginnen doch noch zu blühen und die violetten Winnetou-Bohnen tragen immer noch reichlich.

[GE]ärgert: Haarriss im Wasserrohr zwei Wohnungen über uns.
Und keiner hat's bemerkt, weil die eine Bewohnerin in Kopenhagen und die andere in Zürich weilt. Ende der Geschichte? Ein riesiger, hässlicher Wasserschaden an unserer Küchendecke. Yipie.

[GE]hört: Gold & True - Spandau Ballet

[GE]lacht:
Scrabble mit Herrn C.
Er legt das Wort "Has".
Darauf ich: Eine technische Abkürzung oder hast du kein zweites "S"?
Er: Ein Has, zwei Hasen.
Ich: Das heisst "HasE".
Er: Wenn die das mit einem Pferd machen dürfen, darf ich das auch mit einem Karnickel.
Ich: Bitte?
Er: Wie in dem Lied.
Ich (reichlich verwirrt): Welches Lied?
Er: Es ist ein Ros entsprungen. Da fehlt auch der letzte Buchstabe.
Die restliche Diskussion entfiel aus nervenschonenden Gründen und er bekam die volle Punktzahl. 


Donnerstag, 27. August 2015

Supercrèmiges Hummus aus Kichererbsenmehl



Eines meiner Experimente mit der Getreidemühle ergab kürzlich Mehl aus grünen Erbsen und schwarzen Kichererbsen. Aus dem Erbsenmehl lässt sich eine einfache 3-Minuten-Suppe herstellen, ausserdem kann es in Brotteigen verarbeitet werden. Aber für das graue Kichererbsenmehl wollte mir partout kein Verwendungszweck einfallen. Ich und meine superspontanen Aktionen.... Also machte ich mich virtuell auf die Suche und fand nach einiger Zeit, neben all den Anleitungen für Socca und Panelle, ein Rezept für Hummus aus Kichererbsenmehl. Leider taugte die Anleitung rein gar nichts, denn der allerwichtigste Schritt wurde übersprungen: Kichererbsenmehl muss vor der Verwendung durchgesiebt und mit einem Teil der Flüssigkeit angerührt werden, sonst verwandelt sich alles in eine Klümpchenparade. Darum bitte genau an meine Anleitung halten und nichts überspringen, gell? Die Crèmigkeit verdankt das Hummus dem hohen Flüssigkeitsanteil, Öl- und Tahinzugabe können auf ein Minimum reduziert werden. Wir bevorzugen übrigens Walnuss- statt Olivenöl, der nussige Geschmack harmoniert ganz wunderbar mit Kichererbsen und Sesam. Graues Hummus mit schwarzem Sesammus ist zwar recht lustig anzusehen, unterscheidet sich geschmacklich aber nur minimal von der normalen Version mit gelbem Kichererbsenmehl und hellem Tahin. Also ran an die Töpfe, denn crèmiger wird es nicht mehr!


Basis:

  • 700 ml kaltes Wasser
  • 1/2 Tl Salz oder 1 gehäufter Tl Gemüsebrühepulver 
  • 100 gr Kichererbsenmehl*

500 ml Wasser mit Salz oder Brühepulver zum Kochen bringen. Kichererbsenmehl durchsieben und mit dem restlichen Wasser klümpchenfrei verrühren. Wenn das Wasser im Topf heiss ist, eine Kelle voll zum angerührten Kichererbsenmehl giessen und alles gründlich vermischen. Sobald das Wasser im Topf wieder kocht, Topf zur Seite ziehen und Kichererbsenwasser mit einem Schneebesen unter ständigem Rühren untermischen. Zurück auf die Platte schieben, Hitze reduzieren und 10 Minuten köcheln. Während dieser Zeit ständig rühren, sonst brennt die Masse sofort an. Probieren, und wenn der bohnige Geschmack verschwunden ist, in eine kalt ausgespülte Schüssel umfüllen. Auf Zimmertemperatur abkühlen lassen. 

  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 50 ml Wasser
  • 3 El Oliven- oder Walnussöl
  • 3 El Tahin
  • 4 El frisch gepresster Zitronensaft 
  • 1/2 Tl Sumach
  • (Kräuter)Salz, Pfeffer

Knoblauchzehe schälen, halbieren und ggf. entkeimen. Zusammen mit Wasser, Öl und etwas Salz in den Becher geben, mit dem Stabmixer zu einer feinen Sauce pürieren. Die Hälfte des Kichererbsenpuddings zugeben, pürieren. Tahin und Zitronensaft einpürieren. Restlichen Pudding, Sumach und Pfeffer in den Becher geben. Pürieren, bis die Masse völlig glatt und crèmig ist. Abschmecken, in eine Schüssel umfüllen, abdecken und mindestens eine Stunde durchziehen lassen. Vor dem Servieren nochmals abschmecken. Reste in ein Einmachglas umfüllen und in den Kühlschrank stellen. Innerhalb einer Woche verbrauchen. 

* Erhältlich in Indiashops unter der Bezeichnung Besan, Gram Flour und/oder Chickpea Flour. Oder im gut sortierten Bioladen, meist in der Ecke mit den glutenfreien Produkten. Wer eine Getreidemühle mit entsprechender Leistung besitzt, kann die Kichererbsen auch selber zu Mehl vermahlen. Aber bitte vorher unbedingt die Gebrauchsanleitung konsultieren!


Montag, 24. August 2015

Montagssüss: Gepimpte Beerichüechli



Im Kühlschrank steht ein Einmachglas mit orange-gelbem Inhalt. Wer es in die Hand nimmt, fragt sich unwillkürlich, warum zum Geier Frau C. den schlabberigen Sirup mit Schalenstückchen nicht in eine Flasche abgefüllt hat. Oder gleich in den Ausguss verschwinden liess. Sirup? Nee, liebe Leute, das ist kein Sirup. Sondern Mandarinenmarmelade mit Vanille aus Eigenproduktion. Der Geschmack ist top, die Konsistenz leider ein Flop. Herr C. findet zwar, dass Zitrusmarmelade ruhig recht flüssig sein darf, aber ich mag das einfach nicht. Kleckerei und klebrige, verschmierte Finger sind nicht meine Welt. Aus diesem Grund mische ich die Konfi lieber unter Quark oder Joghurt. (Schweizer machen übrigens keinen EU-Norm-Konformen-Unterschied und nennen alles, was nur entfernt an Fruchtaufstrich erinnert, einfach "Konfi"). Und unter Kuchenteig. Sozusagen als Ersatz für Zitrusabrieb. Die Konfi hält sich dezent im Hintergrund, verleiht dem fertigen Gebäck aber neben einem Hauch Mandarine noch eine flaumig-saftige Konsistenz. 


Für 12 Muffins:

  • 150 gr Beeren, geputzt (Heidel-, Cassis-, Johannis-, Brom- oder sehr kleine Stachelbeeren)
  • 125 gr sehr weiche Butter
  • 65 gr brauner Rohrzucker 
  • 4 El / 65 gr Zitrusmarmelade (bei mir ziemlich flüssige Mandarine mit Vanille)
  • 2 Eier Grösse L, zimmerwarm
  • 125 gr Weizenmehl (oder halb Ruchmehl, halb Typ 405)
  • 3/4 Tl Weinsteinbackpulver

Ofen auf 200 Grad vorheizen, Gitter auf der zweiten Stufe von unten einschieben. Beeren in ein Sieb geben, abbrausen und einige Minuten abtropfen lassen. Tiefgekühlte Beeren direkt unter den Teig mischen. Unterdessen ein 12er Muffinblech ausbuttern oder mit Papierförmchen bestücken. Butter mit Rohrzucker zwei Minuten aufschlagen. Zitrusmarmelade unterziehen, dann die Eier eine Minuten unterrühren. Mehl und Backpulver kurz untermischen. Nicht zu lange rühren, nur bis das Mehl gerade eingearbeitet ist. Abgetropfte Beeren mit einem Spatel unterrühren. Teig in die Muffinformen verteilen und gleich in den Ofen verfrachten. 18-20 Minuten dunkelgoldig backen. Stäbchentest nicht vergessen! 10 Minuten in der Form abkühlen lassen, dann vorsichtig einzeln herausholen und auf einem Gitter völlig auskühlen lassen. Die Chüechli lassen sich wunderbar aus den Papierförmchen lösen und sind auch nach zwei Tagen noch supersaftig! Quelle: Abgewandeltes Rezept aus Nigel Slaters Buch "Obst".


Sonntag, 23. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -19-



[GE]gessen: Huhn aus dem Ofen mit gebackenen Champignons

[GE]trunken: Holunderschorle mit Ahornsirup

[GE]kocht: Steinpilzpolenta im Slow Cooker

[GE]backen: Schoko-Tahin-Kuchen und Sesambrot mit Honig

Um[GE]gestaltet: Die Terrasse. 
Mehr Platz, mehr Raum zum Geniessen. Endlich eine Wohlfühloase.

[GE]sehen: Lost in Translation (siehe [GE]lacht)

[GE]fermentiert: Gurken mit Eichenblättern, Meerrettich & Dill,
Rotkraut mit fünf Gewürzen und gestiftelte Randen und Karotten

[GE]freut: Über meinen gestrigen Fund beim Einkaufen:
Kompostierbare, fusselfreie Wattepads aus Bio-Baumwolle (60 Stück für 1.49)

[GE]ärgert: Keinen Fish Mac mehr im Kindermenü von McDoof.
Somit gibt es keinen Grund mehr, je wieder diesen Schuppen zu betreten.

[GE]kauft: Einen breiten Trichter aus Edelstahl zum Abfüllen von Konfitüre
(der Vorgänger war zu gross für Gläser unter 250ml)

[GE]hört: Big Empty - Stone Temple Pilots

[GE]lacht:
Mehr Lotscher Moore


Freitag, 21. August 2015

Schwarztee mit Liebstöckel oder Dill



Liebstöckel, auch bekannt als Maggikraut, und Tee? Geht ja wohl gar nicht, werden einige sofort denken. Dill und Tee? Genau so schräg. Wer will ein solches Gebräu freiwillig zu sich nehmen? Ich, zum Beispiel. Allerdings muss ich eines vorausschicken: Wir reden hier von den Samen dieser zwei Pflanzen, die sehr viel nuancierter schmecken als das Grünzeug selbst. Vergleichbar etwa mit Koriandersamen und Korianderkraut. Entstanden ist diese ungewöhnliche Kombination im Garten. 

Liebstöckelsamen 

Ich hatte damals eine Tasse Schwarztee in der Hand als ich spontan beschloss, die zwei riesigen Liebstöckelstöcke zurückzuschneiden. Ich lasse die Pflanzen immer ungestört blühen, da sie wochenlang von Bienen und Hummeln umschwärmt werden. Aber zu der Zeit hatten die Blütenstände sich schon in Samenstände verwandelt und sollten dringend entfernt werden. Nachdem ich alles auf dem Kompost aufgetürmt hatte, wandte ich mich wieder meiner Tasse zu. Ärgerlicherweise schwammen auf der Oberfläche ein paar Samen. Zu faul, um mir einen neuen Tee aufzubrühen, fischte ich die ungewollte Zugabe heraus und trank einen Schluck. Der Tee war fantastisch würzig, mit leichter Kräuternote, exotisch und doch vertraut. Ein ganz klarer Fall von: Mehr haben will! Darum endeten einige Samenstände auch nicht auf dem Kompost, sondern zu Hause im Dörrer. Sie taugen übrigens nicht nur als Teezusatz, sondern verleihen auch Salaten, Suppen, Eintöpfen und Kräutersalz das gewisse Etwas. 

Dillsamen, noch nicht abgerebelt

Wer keine Liebstöckelsamen im Vorratsschrank hat, kann sich mit Dillsamen behelfen. Die sind aktuell erntereif und werden oft für wenig Geld auf Gemüsemärkten verkauft. Samenstände einige Tage auf einem Teller trocknen lassen, abrebeln und anschliessend in ein Glässchen umpacken. Oder fertig getrocknet und abgepackt beim Gewürzhändler besorgen (meist in der Ecke mit den Einlegegewürzen). 


Zutaten pro Person:

  • 1 Tl loser Schwarztee (oder wenn es sein muss, halt einen Teebeutel)
  • 5-10 getrocknete Liebstöckel- oder Dillsamen
  • 200 ml kochendes Wasser
  • Honig oder Zucker

Schwarztee und Samen in ein kleines Tee-Ei füllen. In eine Tasse hängen und mit dem Wasser übergiessen. Etwa 5 Minuten (oder auch länger, je nach Vorliebe) ziehen lassen. Tee-Ei entfernen und das Getränk nach Belieben süssen. Der Tee kann auch bei leichten Magenbeschwerden helfen, sofern man welche hat. 

Und weil Zorra gerade für ihren Blogevent heiss(es) & kalt(es) sucht, schicke ich gleich ein Tässchen vorbei.


Mittwoch, 19. August 2015

აზელილა/ Azelila



Georgische Küche? Spontan fallen mir nur zwei Gerichte ein: Khachapuri, eine Art Fladenbrot mit Käsefüllung, und Katmis Satsivi, Hühnchen mit Walnuss- und Knoblauchsauce. Danach wird es verdammt düster. Vorspeisen? Suppen? Desserts? Gebäck? Fehlanzeige. Kein Problem, denke ich noch, im Regal steht ja ein georgisches Kochbuch. Oder doch nicht, denn es entpuppt sich als Werk über die armenische Küche. Knapp daneben. Aber irgendwo hatte ich doch kürzlich ein georgisches Rezept gelesen...*grübel*... Aus Verzweiflung über mein unzuverlässiges Gedächtnis, wurde Pinterest nach einer Lösung befragt. Und siehe da, ich hatte sogar zwei georgische Gerichte gespeichert. Das eine ist ein Randensalat mit Sauerkirschensauce, das andere ein Eiersalat mit Kräutern und Walnüssen. Die Randen im Garten müssen noch ein bisschen wachsen, aber die Zutaten für den zweiten Salat hatte ich alle da. Reichlich skeptisch machte ich mich an die Zubereitung, denn Eiersalat konnte ich noch nie besonders gut leiden. So ein, zwei Mal pro Jahr habe ich richtigen Heisshunger darauf, aber sonst pflege ich einen grossen Bogen um Schüsseln mit gekochten und zermanschten Eiern zu machen. Darum heckte ich auch Plan B aus: Wenn er mir nicht schmeckt, bekommt Herr C. ihn zum Abendessen. Daraus wurde dann aber nichts. Der georgische Eiersalat war so unglaublich gut, dass ich beide Portionen mit höchstem Genuss verdrückt habe. Ich! Die Frau, die keinen Eiersalat mag! Was schliessen wir daraus? Unbedingt nachkochen!


Für 2 Personen:

  • 2 Eier Grösse L
  • 20 gr Butter, sehr weich
  • 1 El gehackter Koriander 
  • 1 El gehackter Dill 
  • 1/2 El fein gehackte Lauchzwiebel
  • 2 El mittelfein gehackte Walnüsse
  • 1/2 Tl Granatapfelmelasse (z.B. von Chtoura)
  • Salz, Pfeffer

Eier hart kochen, abschrecken und abkühlen lassen. Danach schälen, achteln, in eine kleine Schüssel geben und mit einer Gabel nicht zu fein zerdrücken. Zuerst Butter, Kräuter und Zwiebelstücke untermischen, dann Walnüsse und Granatapfelsirup. Mit Salz und Pfeffer würzen. Eine Viertelstunde durchziehen lassen und mit reichlich Brot servieren. 

კარგი მადა!
kargi mada!
en guete!

Anmerkungen: Korianderkraut kommt mir unter keinen Umständen ins selbstgekochte Essen, darum musste ich ein wenig improvisieren. Petersilie, sonst mein Ersatzfavorit, war aus, aber ich hatte noch arabischen Majoran (3/4) und syrischen Oregano (1/4). Für mich die perfekte Mischung! Wer keinen frischen Dill hat, kann ihn durch 1/2 Tl getrocknete Dillspitzen ersetzen. Keine Lauchzwiebel im Haus? Einfach die gleiche Menge sehr fein gehackte Schalotte oder gelbe Zwiebel verwenden. Granatapfelmelasse ist zwar nicht ganz authentisch, aber ohne ein bisschen fruchtige Säure wäre der Salat arg dröge. In Georgien wird häufig Granatapfelsaft statt Essig/Zitronensaft verwendet, hatte ich aber leider nicht vorrätig. Quelle: Trapeza

Und ab damit zur Tomateninsel, wo im August vegetarische Rezepte aus Georgien gesammelt werden.

Vegetarische Weltreise - Georgien


Dienstag, 18. August 2015

Buchvorstellung: Gärtnern im Kleinformat von Janit Calvo



Es gibt Zeiten, da scheint alles wie verhext. Zuerst war ich gesundheitlich nicht auf der Höhe und dann kam die Hitzewelle, die mir schwer zu schaffen machte. Nebenbei musste ich auch noch fast jeden Tag zum Giessen in den Schrebergarten hetzen. Weil der Wasserdruck nach der Reparatur der Hauptleitung halbiert wurde, dauert die ganze Prozedur mittlerweile mindestens 75 Minuten. Nur giessen, wohlgemerkt. Noch die schlimmsten Unkräuter rausgerissen, Gemüse und Beeren gepflückt und schon war es 22h (oder später) und die Verarbeitung der Ernte musste auf den nächsten oder übernächsten Tag verschoben werden. Zu meinem Verdruss begann auch noch die Brombeer- und Holundersaison viel früher als sonst. Der Kühlschrank quoll zwischendurch schier über vor lauter Papiertüten voller Gemüse und Früchte. Uff. Es blieb einfach keine Zeit übrig, um den geplanten Gemüsegarten en miniature auf der Terrasse anzulegen. Was mich ziemlich ärgert, denn ich wollte euch die Buchvorstellung samt gelungener Umsetzung präsentieren. Eine grosse, blau glasierte Schüssel samt Untersetzer ist alles, was ich bisher besorgen konnte. Nun wollte ich aber nicht mehr länger warten, denn Gärtnern im Kleinformat aus dem Topp Verlag ist so putzig und informativ, dass ich euch die Chance nicht nehmen möchte, noch in diesem Jahr etwas davon umzusetzen.


Beim ersten Durchblättern gab ich unwillkürlich dauernd Sätze wie "Aaah, oberniedlich" oder "Supertoll, richtig zuckersüss" von mir, so dass Herr C. sich schon zu fragen begann, ob ich noch ganz dicht bin. Denn Wörter wie niedlich, putzig oder zuckersüss tauchen in meinem Sprachgebrauch sehr, sehr selten auf. Über dieses Alter bin ich hinweg, behaupte ich dann immer. Aber wenn man sich die liebevoll gestalteten Minigärten und besonders die unzähligen schnuckeligen Details anschaut, kann man gar nicht anders...


Zurück zum Thema. Das Softcover-Buch ist überraschend gross (23 x 22 cm), liegt gut in der Hand und lässt sich problemlos aufgeklappt hinlegen. Das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt auf alle Fälle, denn das Buch wirkt sehr wertig.


Auf über 350 Seiten, garniert mit unzähligen Bildern, wird der Leser in die Welt der Miniaturgärten entführt. Ich persönlich hätte mir das Buch ja nur schon wegen der Fotos gekauft, aber nebenbei erfährt man ausführlich, wie ein solcher Garten durchdacht angelegt und später richtig gepflegt wird. Die Kapitel sind daher folgendermassen unterteilt: Einleitung, Miniaturwelten für Anfänger, Massstabgerechtes Design, Terrassen und Pfade, Pflanzen für den Miniaturgarten, Zubehör, Projekte und Gartenpflege. Dank den vielen bebilderten Schritt-für-Schritt-Anleitungen, ist dieses Buch auch für absolute Gartenneulinge verständlich. 


Vom Mini-Mini-Gärtchen im kleinen Tontopf, über bepflanzte Waschschüsseln, bis zur chinesisch/japanisch inspirierten Miniatur-Parkanlage im Hausgarten, ist alles mit dabei. Natürlich kann man für dieses Hobby auch ziemlich viel Geld ausgeben, aber mit etwas Phantasie und Improvisationskunst bleiben die Kosten im Rahmen. Beispielsweise finden sich Miniaturmöbel und kleine Steingut- oder Porzellantiere oft zu passablen Preisen auf Flohmärkten, wenn jemand den Inhalt eines Setz-/Sammelkastens zum Verkauf anbietet. Viele Gestaltungselemente können auch (mit oder ohne Anleitung) selbst hergestellt werden, wie zum Beispiel Zäune oder Rankgitter. Passende Pflanzen kann der Gärtner des Vertrauens besorgen, Pflanzgefässe sind in jedem guten Baumarkt erhältlich. Generell gilt: Wer gerne bastelt, ist klar im Vorteil. Andere Vorkenntnisse sind für dieses Hobby nicht nötig. Kleinere Projekte können auch mit Kindern gut umgesetzt werden. Oft sind sie begeistert mit dabei, wenn es um's Dekorieren und Pflegen solcher Miniaturwelten geht. Ausserdem ist es ein originelles Geschenk für alle, die einen grünen Daumen haben. Oder gerne hätten. 

Fazit:
Eine dicke, fette Kaufempfehlung meinerseits. Es ist einfach zu putzig. ('Tschuldigung ;-)

Zum Abschluss noch das Kleingedruckte: Die in dieser Rezension geäusserten Ansichten und Meinungen sind zu 100% die Meinigen und wurden von niemandem beeinflusst.       
Einen ganz herzlichen Dank an den Topp Verlag, der mir freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt hat. 
Die eingebundenen Fotos stammen ursprünglich aus dem Buch und wurden von mir für die Buchvorstellung abfotografiert.


Montag, 17. August 2015

Jamaica is calling: Tomatensuppe mit Piment



Frau Saltimbocca-Lüdenscheidt sucht neue Suppenrezepte und was liegt da näher, als unsere reichliche Tomatenernte in eine einfache, aber köstliche Tomatensuppe zu verwandeln? Ob heiss oder kalt, vegetarisch oder vegan, mit oder ohne Sherry: Diese Suppe rockt!


Für 4 Personen:

  • 500 gr aromatische Tomaten (oder eine Dose gute Pelati, grob zerkleinert)
  • 1 grosse Zwiebel 
  • 3 El Butter oder Rapsöl
  • 2 El brauner Rohrzucker
  • 500 ml Wasser
  • 500 ml Tomatensaft
  • Salz 
  • reichlich frisch gemahlener Piment 
  • wenig frisch geriebene Muskatnuss
  • frisch zermörserter Langpfeffer
  • Sahne oder Kokosmilch
  • Sherry

Tomaten waschen, Stielansätze herausschneiden und vierteln. Kerne entfernen und das Fruchtfleisch grob hacken. Schälen ist nicht nötig, da die Suppe später püriert wird. Zwiebel schälen und in kleine Stücke schneiden. Butter in einem grossen Topf zerlassen und die Zwiebelstücke auf kleiner Flamme darin anschmurgeln. Nach etwa 10 Minuten, wenn die Stücke anfangen zu bräunen, den Zucker zugeben. Hitze auf mittlere Stufe hochdrehen, 3-4 Minuten rührbraten, bis der Zucker caramelisiert ist. Wasser vorsichtig zugiessen. Hitze hochdrehen, Tomatensaft und Tomatenstücke zugeben. Salzen und etwa zehn Minuten kochen lassen, bis die Zwiebelstücke weich sind. Kräftig mit Piment, Muskatnuss und Langpfeffer würzen. Suppe mit dem Stabmixer fein pürieren. Abschmecken und mit Sahne, Kokosmilch und/oder einem Schuss Sherry verfeinern. Oder auf die Zugaben verzichten, Suppe abkühlen lassen und kalt servieren. Zerzupftes Basilikum oder gehackte Verveine als Deko nicht vergessen.


Sonntag, 16. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -18-



[GE]gessen: Risotto del Grotto con Salsicce


Ein[GE]kocht: literweise Holundersaft

[GE]backen
Gentlemen's Marzipan Cake und Buttermilchbrot mit Brennesselsamen

[GE]erntet
Peruanische Wildtomaten, gelbe und rosa Himbeeren, Gurken, Portulak

[GE]sehen: Doku "Electroboy" (heftig!)

[GE]lesen: Body Count - Barbara Nadel

Ein[GE]froren: Aprikosen-, Pflaumen- und Zwetschgenkerne

[GE]ärgert: 
Über Leute, die sich mit einem knallvollen Einkaufswagen vordrängeln

[GE]kauft: Ruchmehl und helles Roggenmehl in der Mühle Maisprach 

[GE]hört: Big Empty - Stone Temple Pilots

[GE]sucht und noch nicht gefunden: 
Eine Quelle für Milchkefirknöllchen.
Hat eine meiner Leserinnen/einer meiner Leser vielleicht welche abzugeben?


Freitag, 14. August 2015

Tomaten-Mirabellen-Salat mit Sesamdressing



Tomaten und Portulak aus dem Garten + Mirabellen und Lauchzwiebeln vom Markt + Lieblingsdressing. 
Lasst es mich mit Frank Sinatra sagen: Heaven, I'm in Heaven....*sing*


Für 2 Personen:

  • 250 gr reife Cherrytomaten
  • 250 gr reife Mirabellen
  • 1 Lauchzwiebel
  • 1 Hand voll Portulak
  • 1/2 Tl Sumach

Tomaten waschen, abtropfen lassen, vierteln und in eine flache Schüssel geben. Mirabellen waschen, halbieren, entsteinen, vierteln und über die Tomaten verteilen. Lauchzwiebel putzen, in Ringe schneiden. Portulak waschen, Stiele entfernen und zusammen mit den Zwiebelringen über die Mirabellen streuen. Mit dem Sumach toppen und ziehen lassen, bis das Dressing fertig ist.


Für etwa 450 ml Sesamdressing :

  • 170 gr Rapsöl
  • 80 gr geröstetes Sesamöl 
  • 110 gr milder Reisessig
  • 3 El Ketjap Manis
  • 2 El Tahin
  • 1-2 El Zitronen- oder Limettensaft 
  • 1 Tl mittelscharfer Senf (1/3 Tl zermuster Ingwer oder Wasabi, wenn Herr C. nicht mitisst)
  • Salz und Tellicherrypfeffer 

Alles zusammen in den Mixbecher geben und 2-3 Minuten auf höchster Stufe vermischen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken. In eine Flasche abfüllen. Salat mit beliebiger Menge Sauce vermischen, Rest in den Kühlschrank stellen. Das Sesamdressing hält sich dort locker 2-3 Wochen. 


Sonntag, 9. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen unter der Lupe -17-



Zur Feier des Nationalfeiertages [GE]gessen
Hummus und Ajvar mit Emmer-Zwirbelbrot
Paella vom Grill mit Pulpo, Loup de Mer und Crevetten
Zwetschgenwähe
Vin Santo und Cantuccini mit Schokolade und Orange

[GE]trunken: Orangen-Buttermilch mit Banane, Nektarinen und Vanille

[GE]grillt: Dorade, Makrelen, Gelbstriemenbrassen
und dazu Petersilien-Kartoffeln

[GE]backen: Brownies mit Heidelbeeren und Granatapfelmelasse

[GE]fermentiert: Krautslaw, zweierlei Karottensalat, Salsa

[GE]sehen: Das Mädchen mit dem Perlenohrring

[GE]lesen: Gemüse/Obst/Mein Küchentagebuch - Nigel Slater

[GE]freut: Über die ertragreichen blauen Winnetou-Bohnen im Garten

[GE]ärgert: Über die vielen Wespen auf der Terrasse, 
die Mann (Allergiker) und Hund schier in den Wahnsinn treiben.

[GE]kauft: Ziegen-Formaggini direkt ab Hof 

[GE]hört: We Didn't Start The Fire - Billy Joel

Grosseinkauf auf dem Markt [GE]tätigt:
Weisse Klaräpfel, Mirabellen, Zwetschgen der Sorte "Julia",
Einlegegurken, frische Dillsamen, ein Bund Dill, Rotkohl, 
ein Bund Randen, Hana-Äpfel, junger Bergkäse und Heumantelkäse


Samstag, 8. August 2015

Fermentierter Krautsalat (und ein paar generelle Tipps)



Herr C. ist ein Sauerkrautvernichter erster Güte. Allerdings reden wir hier nicht von dem in Dosen eingepferchten Zeug, sondern von frischem, rohem Sauerkraut. Er kauft es sich säckchenweise, zum Beispiel auf einem Markt oder im Bio-Laden, und isst es dann als Salat. Früher fand ich diese Vorliebe, mit Verlaub, ziemlich pervers. Sauerkraut konnte ich schon als Kind nicht leiden, obwohl meine Mutter die Dosenware ganz nett aufpimpte. Und dann lerne ich den Mann meines Lebens kennen und der pfeift sich ROHES Sauerkraut en masse rein! Gipfel der Ekligkeit! Das musste ich erst einmal verdauen. Jahre später bat ich ihn um eine Kostprobe aus einem frisch erworbenen Säckchen. Verwundert stellte ich fest, dass ungekochtes Sauerkraut ganz anders schmeckt als die eingedosten Versionen. Anders und gut. Erstaunlich.


Mutig geworden, brachte ich nun öfters Kostproben von diversen Ausflügen mit. Einige waren hervorragend, andere ganz okay. Das schlimmste Erlebnis hatten wir mit einer (schweineteueren) Portion eines bekannten demeter-Gemüseproduzenten. Das Kraut schmeckte nach Plastik, hatte keinerlei wahrnehmbare Säure und war gummig-lätsch. Verärgert beschloss ich, dass ich das besser kann. Herr C. lachte mich natürlich kräftig aus. Doch bald blieb ihm das Lachen im Hals stecken, denn meine Experimente waren essbar, im Gegensatz zum demeter-Kraut. Allerdings hatte ich gleich mehrere Abkürzung genommen: Kleine Portionen, weniger Salz und abgekürzte Gärzeit. Denn mein Schwerpunkt liegt nicht auf der Haltbarmachung/Bevorratung von unzähligen Kohlköpfen, sondern auf der Herstellung von Salaten und Beilagen für den baldigen Verbrauch. Diese halten sich, wegen der verkürzten Fermentierung, nur etwa einen Monat, aber das reicht uns völlig. Nach spätestens zwei Wochen sind die Gläser sowieso leer.


Generell gilt: Je feiner Kraut und anderes Gemüse gehobelt oder geschnitten wird, desto schneller kommt die Milchsäuregärung in die Gänge. Ein Hobel und eine Julienneraffel sind hierbei sehr nützlich, aber keine Voraussetzung. Ein scharfes Messer und ein grosses Brett tun es auch. Die Salzmenge sollte nicht mehr als 1-2% des Gemüsegewichtes betragen (mir persönlich reicht 1 Prozent). Am besten eignen sich Gläser mit Bügelverschluss oder Weckgläser. Es funktioniert auch mit ganz normalen Einmachgläsern mit Drehverschluss, dann aber denn Deckel nicht ganz zudrehen oder täglich aufdrehen, um Druck abzulassen. Die ideale Temperatur liegt zwischen 18 und 22 Grad, und direkte Sonnenbestrahlung ist eher kontraproduktiv. Bei so einer kurzen Fermentationszeit ist eine Abdeckung oder Beschwerung des Gemüses eigentlich nicht notwenig, ich mache es aber trotzdem. Vor allem aus optischen Gründen, denn die oberste Schicht kann sich unappetitlich braun verfärben. Am einfachsten geht es mit einem Kohlblatt, welches auf die entsprechende Grösse zugeschnitten wird. Oder man nimmt tanninhaltige Blätter wie Wein, Eiche, Meerrettich oder schwarze Johannisbeere, die gleich noch eine feine Extranote mitbringen. Mir ist es einfach sympathischer, wenn das Gemüse gänzlich unter der Lake schwimmt, darum beschwere ich alles noch mit passenden Porzellanuntersetzern oder durchsichtigen Teelichthaltern aus Glas (kein Bleikristall!). Andere Varianten sind spezielle Gärtopfgewichte, Abstandhalter aus Plastik, abgekochte Steine oder mit Wasser gefüllte Ziploc-Beutel. Füllstopp ist spätestens 3 cm unterhalb des Glasrandes, damit während der heissen Phase nichts überläuft. Meine Devise lautet: 4/5 Gemüse und 1/5 Luft. Zur Sicherheit stelle ich die Gläser aber immer noch in einen Suppenteller. Falls die Lake im dümmsten Fall rausblubbert, sammelt sie sich zumindest ordentlich im Untersetzer. Habe ich noch etwas vergessen? Ah ja, die Fermentationszeit. Die richtet sich ganz nach eurem Geschmack. Mindestens zwei, maximal sieben Tage bei mir. Probieren geht hier definitiv über studieren. (Kostproben selbstverständlich nur mit sauberem Besteck entnehmen). Dann entweder noch länger draussen stehen lassen oder wenn der Geschmack passt, in den Kühlschrank verfrachten. Seit ich meine Küche in ein riesiges Fermentierungslabor verwandelt habe, schleicht Herr C. beinahe täglich zum Kühlschrank und mopst sich voller Freude Schüsselchen voll crunchy Krautslaw, Karottensalat oder fermentierter Salsa. Ein grösseres Kompliment könnte er mir gar nicht machen.


Für ein Glas mit 1 Liter Fassungsvermögen:

  • 1 kleiner Kopf Weisskraut, ca. 600 Gramm 
  • 2-3 grosse Karotten
  • 2 mittlere grüne Spitzpaprikas
  • 1 grosser Apfel
  • Meersalz
  • 1 Knoblauchzehe, in Julienne
  • 4 Wacholderbeeren
  • 2 Pimentkörner
  • 1 Lorbeerblatt

Zuerst den Krautkopf vom äussersten Blatt befreien, waschen und fein hobeln oder schneiden. Strunk entsorgen. Karotten sauber schrubben oder schälen, Enden kappen und in feine Juliennestreifen hobeln oder schneiden. Peperonis waschen, Stielansätze, Scheidewände (die hellen Streifen im Innern) und Kerne entfernen. In feine Streifen schneiden. Apfel schälen und ebenfalls in Julienne hobeln. Vorbereitetes Gemüse wiegen, um die passende Salzmenge zu ermitteln. 

450 gr Kraut + 150 gr Karotten + 80 gr Peperoni + 130 gr Apfel = 810 Gramm

810 Gramm : 100 = 8,10 Gramm Salz (= 1 Prozent der Gemüsemenge)

Alle Zutaten in einer grossen Schüssel vermischen und etwa 15 Minuten mit den (behandschuhten) Händen durchkneten, bis das Gemüse weicher geworden und reichlich Saft ausgetreten ist. Schüssel abdecken und 10 Minuten durchziehen lassen. Unterdessen Glas, Deckel und Gummi gründlich mit heissem Wasser und Spülmittel reinigen, mit reichlich kaltem Wasser nachspülen. Oder das Glas mit kochendem Wasser füllen und mindestens 5 Minuten stehen lassen. Sterilisieren ist wahrscheinlich übertrieben, aber ich halte niemanden davon ab. Krautsalat in das vorbereitete Glas umfüllen und mit einem Stampfer oder Löffelrücken kräftig zusammendrücken, damit so viele Luftbläschen wie möglich herausgedrückt werden. Ausserdem soll der Saft das Gemüse mindestens einen Zentimeter hoch bedecken. Sichtbare Lufteinschlüsse mit einem Essstäbchen oder Holzspiesschen anpiksen. Falls gewünscht, mit einem oder mehreren gewaschenen Blättern (hier: Sauerkirsche) abdecken und ggf. beschweren. Deckel schliessen, Suppenteller unter dem Glas platzieren und an einem warmen Plätzchen fermentieren lassen.


Die ersten 12-24 Stunden wird sich nicht viel tun, aber innerhalb der nächsten 24-48 Stunden werden zuerst kleine, dann grössere Bläschen sichtbar. Eventuell setzt sich unten die Flüssigkeit ab und der Salat wird nach oben gedrückt. Keine Panik, das ist alles ganz normal. Und wie schon oben geschrieben, nach 2-3 Tagen mit dem Probieren beginnen. Wenn der gewünschte Säuregrad erreicht ist, das Glas in den Kühlschrank stellen. Dadurch wird die Fermentation massiv verlangsamt. Wahrscheinlich wäre der Glasinhalt noch länger haltbar, aber ich empfehle, ihn innerhalb von 3-4 Wochen aufzubrauchen. Wird eine längere Haltbarkeit gewünscht, sollte die Fermentationszeit um ein paar Tage verlängert und eventuell die Salzmenge erhöht werden. Krautslaw schmeckt pur schon sehr gut, kann aber auch beispielsweise mit ein wenig (geröstetem Sesam)Öl und Pfeffer angemacht werden.

P.S. Mit Bio-Gemüse und ungereinigtem Meersalz erziele ich bessere Ergebnisse, als mit Gemüse aus konventionellem Anbau und Tafelsalz. Oder vielleicht bilde ich mir das auch nur ein. :-)

P.P.S. Eine sehr gute Einführung in die Lactofermentation/Milchsäuregärung findet ihr hier: KLICK


Donnerstag, 6. August 2015

Mikroplastik

Eindrücklichen Bericht über die Verschmutzung der Weltmeere gesehen. Darauf die Stimme meines Gewissens sprach: Gehe hin und überprüfe Körperpflege- und Kosmetikartikel auf Mikroplastik. Folgsam trottete ich ins Badezimmer und begann mit einer gründlichen Inspektion. Zahnpasta und Seifen? Alles paletti. Deo? Ebenso. Gesichts-, Körper- und Handcrème? Free as free can be. Kosmetik? Ein Döschen Lidschatten, eine Wimperntusche und ein Abdeckstift (für Bad Skin Days), alles ebenfalls ohne unerwünschte Zusätze. Shampoo? Nichts verdächtiges gefunden. Ha, ich sah mich schon zuoberst auf dem Siegertreppchen. Doch dann fiel mir mein Spontankauf von letzter Woche wieder ein. Im bevorzugten elsässischen Supermarché hatte zufällig eine Promotionsaktion stattgefunden: Drei Duschgels für den Preis von einem. Konnte ich widerstehen? Natürlich nicht, darum drei verschiedene Sorten zum Ausprobieren eingepackt. Alle vom gleichen französischen Hersteller (DOP) und aus der gleichen Linie (Douceurs d'Enfance). Zwei enthalten Mikroplastik, eines nicht. Zut alors! Zur Vermeidung weiterer ärgerlicher Fehlkäufe, sind unten die unerwünschten Stoffe & ihre Abkürzungen aufgelistet.


Acrylates Copolymer 
AC 

Acrylates Crosspolymer 
ACS 

Ethylen-Vinylacetat-Copolymere 
EVA 

Polyamid (Nylon-12; Nylon-6; Nylon-66) 
PA 

Polyethylen 
PE 

Polyimid (Polyimid-1) 
PI 

Polyester (Polyester-1; Polyester-11) 
PES 

Polyethylenterephthalat 
PET 

Polypropylen 
PP 

Polyurethan (Polyurethan-2; Polyurethan-14; Polyurethan-35) 
PUR 

Polyquaternium-7 
P-7 


Mehr Informationen zum Thema und eine Auflistung von Produkten mit Mikroplastik: KLICK


Sonntag, 2. August 2015

Supermürbes Sonntagssüss: Emmer & Farina bona Sablés



Auf dem Weg zum Ausgang, kam ich in der Bibliothek am Gestell mit den Neuanschaffungen vorbei. Der Rucksack war zwar schon proppenvoll (verdoppelte Ausleihmenge während der Sommerferien), aber Anna Pearsons Zu Tisch konnte ich einfach nicht liegen lassen. Nach einer schnellen Bestandsaufnahme der ausgeliehenen Bücher, landete die Biographie von Mao im Rückgabefach. Kapitalismus versus Kommunismus = 1:0. (Den 1'300 Seiten dicken Wälzer wird sicher so schnell niemand anderes ausleihen, ich packe ihn dann beim nächsten Besuch wieder ein). Bisher habe ich die Entscheidung nicht bereut, denn das Buch übertrifft wirklich in jeglicher Hinsicht meine Erwartungen. Wer mehr über die Autorin wissen möchte: Klick. Als erstes musste ich natürlich die Farina bona Sablés ausprobieren, die Andy auch schon nachgebacken und gelobt hat. Allerdings wollte ich die Mürbheit noch auf die Spitze treiben und tauschte daher Weizen- gegen helles Emmermehl. Mission completed, mürber geht's nicht mehr. 


Für etwa 35 Stück:

  • 200 gr gesalzene Butter, weich (ich: Noirmoutier mit Meersalzkristallen)
  • 50 gr Puderzucker
  • 1/4 Tl Vanillepulver
  • 80 gr Farina bona
  • 160 gr helles Emmermehl

Gesalzene Butter mit Puderzucker und dem Vanillepulver in die Rührschüssel der Küchenmaschine geben. Mit dem Knethaken etwa eine Minute auf mittlerer Stufe vermischen, bis der Puderzucker eingearbeitet ist. Farina bona zugeben, eine halbe Minute untermischen. Emmermehl zugeben und die Maschine eine Minute laufen lassen. Der Schüsselinhalt sollte nun wie ein Haufen nasser Sandbrocken aussehen. Mit einem Gummispatel kurz durchrühren, dann schnell von Hand zu einem Teig zusammenfügen. Wie bei einem Mürbeteig gilt auch hier: In der Kürze liegt die Würze. Ein etwa 50 cm langes Stück Frischhaltefolie auf der Arbeitsfläche auslegen. Den Teig in der Mitte platzieren und auf der Folie zu einer etwa 35 cm langen und 3,5 cm dicken Rollen formen. In die Folie einschlagen, Enden zusammendrehen und die Teigwurst für 12 Stunden in den Kühlschrank legen. Am nächsten Tag in 35 x 1 cm dicke Stücke schneiden und etwa 20 Minuten auf der mittleren Schiene des auf 160 Grad vorgeheizten Ofens backen. Die Sablés sollten nur einen Hauch Farbe annehmen. Eine Viertelstunde auf dem Blech ruhen lassen. Danach vorsichtig zum Auskühlen auf ein Kuchengitter verfrachten. In einer Blechdose halten sie sich etwa 2 Wochen.


Samstag, 1. August 2015

12 x [GE] - Meine Hirnwindungen am 1. August unter der Lupe -16-



[GE]gessen: Cordon Bleu mit Pommes Frites

[GE]trunken: Amarone della Valpolicella Ca'Belvedere

[GE]kocht: Pasta mit Bohnen aus dem Garten, Kartoffeln und Bärlauchbutter

[GE]backen: Brioche in Form eines Sonnenrades zum Nationalfeiertag

[GE]wesen: Im Elsass, Vorräte aufstocken
(u.a. ein Fisch namens Betty, Käse, Lait caillé, Ochsenherztomaten)

[GE]sehen: Walk the Line 

[GE]lesen
Midnight at the Pera Palace: The Making of Modern Istanbul - C. King

[GE]freut: 
Über die lustigen Tischnachbarn, ohne die das 
Familienessen im Restaurant stinklangweilig gewesen wäre.

[GE]ärgert: Herr C. hat es tatsächlich geschafft, die TK-Türe so 
aufzureissen, dass ein Glas mit Bio-Zitronenschale in hohem Bogen 
rausgeflogen und zerdeppert ist. Yiihaa!

[GE]kauft:
Endlich eine neue Küchenwaage.
Das Teil ist von Brabantia, mit Edelstahloberfläche und einer Edelstahlschüssel. Plastik ade! *froi*

[GE]hört:
Ain't Nobody im Original von Chaka Khan.
Wenn ich die saftlose Verschandelung, die im Radio rauf und runter 
gespielt wird, noch einmal hören muss, werde ich mich aus dem 
Kellerfenster stürzen!

[GE]lacht: 
Zwei Portionen Schlagrahm mit einer Maraschino-Kirsche, bitte.
Und eine Kräuterbutter zum Mitnehmen.
(Insider)