Sonntag, 3. Februar 2013

Der Badvorleger. Oder: Vom Wahnsinn komplett umzingelt


Bei der Wohnungssuche verläuft alles in ruhigen Bahnen. Es sieht sogar so aus, als ob da ein Lichtlein am Ende des Tunnels leuchtet. Mehr erst, wenn alles hieb- und stichfest unter Dach und Fach und bombensicher ist. Bis dahin unterhalte ich euch mit einem Vorkommnis der dritten Art. Die Hauptrollen teilen sich zwei Badvorleger, drei Verkäuferinnen und ein Bürohengst, welcher der deutschen Sprache das Fürchten lehrt.

Letzten Samstag habe ich im Möbelgeschäft FLY zwei identische Badvorleger zu einem vergünstigten Preis gekauft. Beide waren etwas staubig und fusselig, daher wollte ich sie vor Gebrauch waschen. Auf dem angebrachten Etikett wurde Handwäsche empfohlen. Ein so stabiges, grosses Teil (80 x 80 cm) lässt sich allerdings schlecht in einem Lavabo waschen. Was tut die kluge Hausfrau? Stopft einen Vorleger in die Maschine, stellt Programm "Handwäsche" (25 Minuten bei 20 Grad, kein Schleudern) ein und lehnt sich entspannt zurück. Seit über acht Jahren wasche ich heikle Textilien mit diesem Programm und hatte noch nie irgendwelche Probleme. Doch nach Ablauf des Programms hatte ich ein Problem. Oder besser gesagt: Zwei Probleme. Der Vorleger war kaputt. Unter- und Oberschicht hatten sich voneinander getrennt und die Florschicht war komplett verzogen. Kleine weisse Leimfetzen klebten hartnäckig am Vorleger und in der Maschine. Die Reinigung der Waschmaschine kostet mich über eine Stunde, daher sparte ich mir einen zweiten Versuch mit dem anderen Vorleger. Die Ursache war offensichtlich. Die Teppichschichten waren nur durch Leim verbunden, die sichtbaren Nähte reine Zierde. Was'n billiger Scheiss.

Am Montag wollte Herr C. die beiden Vorleger zurückgeben, was ja an sich keine grosse Sache ist. Vor zwei Tagen gekauft, Preisschild noch dran, Kassenzettel vorhanden, was konnte da schief gehen? Aber hört selbst. Zuerst wurde eine Rücknahme rundheraus abgelehnt mit der Begründung: "Vergünstigte Ware nehmen wir prinzipiell nicht zurück." Er wies die Dame darauf hin, dass die Vorleger zwar vergünstigt waren, er sich aber deshalb nicht mit dieser offensichtlich sehr schlechten Qualität zufrieden geben muss. Ein Badvorleger, der angeblich waschbar ist, darf weder zum normalen, noch zum reduzierten Preis beim ersten Waschen kaputt gehen, oder? Daraufhin wurde eine zweite Kollegin befragt, die meinte, er könne den kaputten Teppich zurückgeben, den anderen nicht. Auf seine Rückfrage, ob er den zweiten erst "kaputtwaschen" müsse, bevor er ihn umtauschen dürfe, meinte die Verkäuferin schlicht und ergreifend: "Ja". Nun mischte sich noch eine dritte Dame ein. Diese meinte, sie würde den Produzenten benachrichtigen und in 3-4 Wochen könne er eine Antwort erwarten. Warum er einen Monat auf die Äusserung eines Produzenten bezüglich fehlerhafter Ware warten sollte, wollte sie ihm nicht erklären. Äusserst kompetent, wenn ihr mich fragt.

Nach langen Diskussionen wurden die Vorleger unter Protest dann doch zurückgenommen.  Mit der Auflage, er solle sich zwei Ersatzexemplare im Laden holen. Wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt, war er von dieser Idee nicht gerade angetan. Wie hoch dürften die Chancen stehen, dass auch die anderen Vorleger den Waschvorgang nicht überleben würden? Er wollte es nicht unbedingt auf die harte Tour herausfinden. Seine Bitte um Herausgabe des bezahlten Betrages wurde rigoros abgelehnt. Er könne etwas anderes aus dem Sortiment aussuchen, eine Rückzahlung oder ein Gutschein wäre völlig ausgeschlossen. Nach weiteren Diskussionen nahm er entnervt einen Besteckkasten, dessen Preis ein paar Rappen unter dem Streitwert lag. 

Damit ging er zur Kasse, wo der volle Preis verlangt wurde. Er wies höflich darauf hin, dass der Kasten um 50% reduziert sei und er nicht gedenke, den vollen Preis dafür zu zahlen. Warum auch? Nach weiterem Hin und Her durfte er den Kasten kulanterweise (!!!) zum halben Preis kaufen. Die Differenz von 10 Rappen wurde ihm vorschriftsgemäss nicht ausgezahlt. Sehr viel lächerlicher konnte es nicht werden, oder? Weit gefehlt. Denn dann kam noch die Diskussion um die Rückzahlung des Parkticketpreises. Das Geschäft wirbt mit dem Angebot, dass bei einem Kauf (und sei er noch so klein), der Preis für das Parkticket rückerstattet wird. Argument: "Sie haben ja nichts gekauft, also kriegen sie kein Geld." Spätestens in diesem Moment hätte ich einen Schreikrampf erlitten. Doch er hielt sich tapfer und verliess nach fast einer halben Stunde völlig entnervt den Laden, ohne jemandem etwas um die Ohren gehauen zu haben. Ich hätte das nicht geschafft.

Nachdem er mir die Geschichte erzählt hatte, habe ich alles in ein nettes Mail gepackt und bei der Firma angefragt, ob eine so nervtötende und definitiv nicht kundenorientierte Problemlösung in ihrem Sinne sei.

Antwort: 

Guten Tag Herr C.,

Danke für Ihres Mail. 

Es tut uns Leid für die Unangenehme Situation Die Sie bei uns erlebt haben. 

Unsere Boutique und Administration Verantwortliche haben die Rechtlinie der Geschäft respektiert.

Solche Reklamation helfen uns, uns zu verbessern.

Freundliche Grüsse



Soviel zum Thema: In der Schweiz ist der Kunde noch König.


Kommentare:

Sybille hat gesagt…

Ich sitze hier gerade mit meiner nagelneuen Lesebrille und bin blind wie ein Maulwurf und Kopfschmerzen bekomme ich von dem Teil auch noch.
Morgen gehe ich zum Reklamieren und freue mich schon mächtig drauf...
Kundenzufriedenheitsgarantie heißt das Zauberwort...ich werde sehen was das bedeutet...
Liebe Grüße

zorra hat gesagt…

Da wäre ich Amok gelaufen!

Cooketteria hat gesagt…

@ Sybille
Go und gib alles! Auf noch unfreundlichere Leutchen kannst du gar nicht stossen. So einen Hexen-Dreiertrupp gibt's (hoffentlich!) nur einmal.

@ zorra
Ich eben auch. Gottseidank war ich nicht mit dabei.

Jules Gartenküche hat gesagt…

Das mit dem Kaputtwaschen finde ich besonders originell ;-)

Cooketteria hat gesagt…

Genau genommen hat er es so formuliert: Wenn ich den Teppich wasche, und er auch kaputt geht, kommen sie dann zu mir nach Hause und putzen die Waschmaschine? - Antwort: Nein, sicher nicht. - Aber sie verlangen von mir, dass ich jetzt nach Hause gehe, den Teppich kaputt wasche, meine Freundin verärgere, die Maschine putze und dann wieder zu ihnen fahre, weil ich erst dann den Teppich umtauschen darf? - Antwort: Ja.

kochpoetin hat gesagt…

Mir fehlen die Worte... (kaputt waschen... *kopfschüttel*)

giftigeblonde hat gesagt…

Frecher finde ich ja noch die Antwortmail, dieses Geschäft würde ich nicht mehr betreten.

Cooketteria hat gesagt…

@ giftigeblonde
Hab ja am nächsten Tag ein nicht mehr so nettes Mail zurückgeschrieben. Auf die Antwort warte ich immer noch. Wenn ich bis Ende der Woche nichts mehr von denen höre, schicke ich der Geschäftsleitung die ausgedruckten Mails. Freue mich schon auf deren Antwort.